Albert Schweitzer

"Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Es ist wahr, es ist wunderbar. Aber ist es durchführbar? Nimm an, du wolltest von morgen an wörtlich danach leben, zu welchen Konsequenzen kämest du in einigen Tagen?


"Ich will euch zu Menschenfischern machen." Da ist's, als sagte Jesus es allen kommenden Jahrhunderten: Aufs erste gebt mir acht, daß mir der Mensch nicht zugrunde geht. Geht ihm nach, wie ich ihm nachgegangen bin und findet ihn da, wo die andern ihn nicht mehr finden, im Schmutz, in der Vertiertheit, in der Verachtung, und tut euch zu ihm und helft ihm, bis er wieder ein Mensch ist.


"In Afrika errettet er alte Neger, in Europa alte Orgeln", sagten meine Freunde von mir.


"Orgelspielen", sagte mir Widor einmal auf der Orgelbank zu Notre-Dame, als die Strahlen der untergehenden Sonne in verklärter Ruhe das dämmerige Schiff durchzogen, "heißt einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen manifestieren".


"Unser keiner lebt sich selber": Möge uns das Wort verfolgen und nicht zur Ruhe kommen lassen, bis man uns ins Grab bettet.


"Was ihr getan habt einem der Geringsten, das habt ihr mir getan." Dies Wort Jesu gilt für uns alle, was wir auch der geringsten Kreatur tun.


"Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit", dieses tiefste Wort des großen Mystikers Paulus ist das Fundament des Protestantismus.


A man can do a lot of good without having to sacrifice anything.


Abseits in dem Geistesleben unserer Zeit steht die Mystik. Ihrem Wesen nach ist sie elementares Denken, weil sie in unmittelbarer Weise damit beschäftigt ist, den Menschen in ein geistiges Verhältnis zur Welt gelangen zu lassen.


Absolute Wahrhaftigkeit ist das geistige Gut, das den Menschen unter allen Umständen gewahrt werden muß.


Ach, daß wir uns von Jesus ziehen lassen möchten. Ich glaube, dann fänden wir alle unser Glück.


Ach, warum muß es in der Welt komplizierte Menschen geben!


Achte das Geheimnis eines andern.


Ackerbau und Handwerk sind das Fundament der Kultur.


Alle Äußerungen über Kunst sind ein Reden in Gleichnissen.


Alle Erkenntnis dient nur dazu, mein Verhältnis zur Welt zu erfassen.


Alle Geschehnisse, die sich in den Völkern und der Menschheit ereignen, gehen auf geistige, in der Weltanschauung gegebene Ursachen zurück.


Alle gewöhnliche Gewalt beschränkt sich selber. Denn sie erzeugt Gegengewalt, die ihr früher oder später ebenbürtig oder überlegen sein wird. Die Gütigkeit aber wirkt einfach und stetig. Sie erzeugt keine Spannungen, die sie beeinträchtigen. Bestehende Spannungen entspannt sie, Mißtrauen und Mißverständnisse bringt sie zur Verflüchtigung, sie verstärkt sich selber, indem sie Gütigkeit hervorruft. Darum ist sie die zweckmäßigste und intensivste Kraft.


Alle Glückseligkeit besteht in dem überirdischen Erlebnis, daß ich für einen Augenblick aus dem Grauen der Selbstentzweiung des Willens zum Leben heraustrete und mit anderem Leben und damit mit dem unendlichen Willen zum Leben eins werde.


Alle historischen Religionen mit ihren Glaubenssätzen können dem Menschen nur etwas bieten, indem sie sich an seine Herzensfrömmigkeit wenden.


Alle Ideale hängen mit Liebe zusammen.


Alle Ideen und Gesinnungen kommen aus der Weltanschauung.


Alle in der Religion sich bewegenden Fragen streben auf die eine hin, die alle in sich begreift: "Wie kann ich mich als in der Welt und als zugleich in Gott seiend erfassen"?


Alle Kunst redet in Zeichen und Gleichnissen.


Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.


Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.


Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.


Unser Nächster ist nicht nur der Mensch. Unsere Nächsten sind alle Wesen. Deshalb glaube ich, daß der Begriff der Ehrfurcht vor dem Leben unseren Gedanken der Humanität mehr Tiefe, mehr Größe und mehr Wirksamkeit verleiht. Die Probleme sind nur durch Gesinnung zu lösen!


Auf die Füße kommt unsere Welt erst wieder, wenn sie sich beibringen läßt, daß ihr Heil nicht in Maßnahmen, sondern in neuen Gesinnungen besteht.


Der moderne Mensch wird in einem Tätigkeitstaumel gehalten, damit er nicht zum Nachdenken über den Sinn seines Lebens und der Welt kommt.


Wir dürfen Tod und Leid über ein Tier nur bringen, wenn eine unentrinnbare Notwendigkeit dafür vorliegt, und wir müssen alle das Grausige empfinden, das darin liegt, daß wir aus Gedankenlosigkeit leiden machen und töten.


Mit zwanzig Jahren hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat, mit vierzig das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat, und mit sechzig das Gesicht, das er verdient.


Wir müssen uns hüten, denen, die wir lieben, Mangel an Vertrauen vorzuwerfen, wenn sie uns nicht jederzeit in alle Ecken ihres Herzens einblicken lassen.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Albert-Schweitzer. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.