Angelus Silesius

Der Winter ist die Sünd’, Die Buße Frühlingszeit, Der Sommer Gnadenstand, Der Herbst Vollkommenheit.


Das Kleid macht nicht den Mann, der Sattel macht kein Pferd.


Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein; je mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.


Freund, so du etwas bist, so bleib nur ja nicht stehn, man muß von einem Licht fort ins andre gehn.


Mensch, wo du noch was bist, was weißt, was liebst und haßt, so bist du, glaube mir, nie ledig deiner Last.


Wenn du nicht Mensch mehr bist und dich verleugnet hast, so ist Gott selber Mensch und traget deine Last.


Mensch, in das, was du liebst, wirst du verwandelt werden, Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebst du Erden.


Zwei Augen hat die Seel’: Eins schauet in die Zeit, das andre richtet sich hin in die Ewigkeit.


Durch Weisheit ist Gott tief, breit durch Barmherzigkeit, durch Allmacht ist er hoch, lang durch die Ewigkeit.


Ein offenes Auge sieht; tust du eins zu, o Kind, so bist du, Gott zu schauen, mutwillig maulwurfsblind.


Mensch, deine Seligkeit kannst du dir selber nehmen: So du dich nur dazu willst schicken und bequemen.


Der Vogel in der Luft, der Stein ruht auf dem Land. Im Wasser lebt der Fisch, mein Geist in Gottes Hand.


Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben, ach, daß wie Armen nur so kleine Herzen haben.


Wer sich den Mittelpunkt zum Wohnhaus hat erkiest, der sieht mit einem Blick, was in dem Umschweif ist.


Jetzt ist der Himmel aufgetan, Jetzt hat er wahres Licht. Jetzt schauet Gott uns wieder an Mit gnädigem Gesicht.


Das Licht der Herrlichkeit scheint mitten in der Nacht. Wer kann es sehen? Ein Herz, das Augen hat und wacht.


Du selber machst die Zeit, das Uhrwerk sind die Sinnen, hemmst du die Unruh nur, so ist die Zeit von hinnen.


Mensch, geh’ nur in dich selbst, denn nach dem Stein der Weisen darf man nicht zuallererst in fremde Länder reisen.


Ein wesentlicher Mensch ist wie die Seligkeit, die unverändert bleibt von aller Äußerheit.


Mensch, was außer dir, das gibt dir keinen Wert; das Kleid macht nicht den Mann, der Sattel macht kein Pferd.


Das Große im Kleinen Du sprichst, das Große kann nicht in dem Kleinen sein, Den Himmel schließt man nicht ins Erdenstüpfchen ein. Komm, schau der Jungfraun Kind, so siehst du in der Wiegen Den Himmel und die Erd und hundert Welten liegen.


Wer in sich Ehre hat, der sucht sie nicht von außen. Suchst du sie in der Welt, so hast du sie noch draußen.


Die Seel’ ist ein ew’ger Geist, ist über alle Zeit: Sie lebt auch in der Welt schon der Ewigkeit.


Das größte Wunderding ist doch der Mensch allein: Er kann, nachdem er’s macht, Gott oder Teufel sein.


Mensch, bleib doch nicht ein Mensch: Man muß aufs Höchste kommen, Bei Gott werden nur die Götter angenommen.


Ich weiß nicht, was ich bin; ich bin nicht, was ich weiß: Ein Ding und nit ein Ding, ein Stüpfchen und ein Kreis.


Du strebst so emsiglich nach einem Flecklein Erden: Durch Sanftmut könntest du der ganzen Erbherr werden.


Liebe dir ergeb’ ich mich, Dein zu bleiben ewiglich!


Der Mensch hat zwei Augen; eins sieht nur, was sich in flüchtiger Zeit bewegt, das andere, was ewig ist und göttlich.


Ich bin nicht außer Gott und Gott nicht außer mir; ich bin sein Glanz und Licht, und er ist meine Zier.


Blüh auf, gefrorner Christ, der Mai steht vor der Tür! Du bleibest ewig tot, blühst du nicht jetzt und hier.


Willst du den Perlentau der edlen Gottheit fangen, mußt du unverrückt an seiner Menschheit hangen.


Kein Tod ist herrlicher, als der ein Leben bringt, Kein Leben edler als das, was dem Tod entspringt.


Ich selbst muß Sonne sein, ich muß mit meinen Strahlen das farbenlose Meer der ganzen Gottheit malen.


Bist du aus Gott geboren, so blühet Gott in dir, und seine Gottheit ist dein Saft und deine Zier.


Sei gegrüßt, du Frau der Welt, Königin im Himmelszelt, Reinste Jungfrau der Jungfrauen, Morgenstern, auf den wir schauen. Sei gegrüßt du göttlich Licht, voller Gnad, schön zugericht, komm zu Hilf dem Erdenkreis, Du, o aller Frauen Preis.


Träufelt ihr Himmel, gebt uns im Regen den Herrn der Gerechtigkeit, unsere Zier. Öffne dich Erde mit neuem Bewegen, bring uns den Heiland der Menschen herfür.


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