Carl Hilty

“Die letzten Stichworte in einem richtig geführten menschlichen Leben müssen Friede und Güte heißen.” – Für schlaflose Nächte


Der einzige Weg, auf welchem wahre Kenntnis erreicht werden kann, ist durch liebesvolles Studium.


Für nichts haben die Menschen einen feineren Instinkt und eine größere innere Abneigung als für die Selbstsucht. – Wer einen starken Einfluß auf die Menschen gewinnen will, der muß schlechterdings nicht viel an sich denken und wenig für sich suchen.


Selbstzufriedenheit in der Jugend ist immer ein sehr schlechtes Zeichen für die weitere Zukunft, und es ist eine große Ungnade Gottes, wenn man nicht daraus aufgerüttelt wird durch rechtzeitiges Unglück.


Am unglücklichsten ist das gebildete Proletariat, wie es massenhaft besteht, ausgestattet mit Fähigkeit und Neigung zu verfeinertem Lebensgenuß, aber ohne die Mittel dazu und ohne die Kraft, sich durch Philosophie oder Religion darüber zu erheben. Diese Leute gehen an einem unlösbaren inneren Widerspruch sämtlich unter.


Der Müßiggang macht unendlich viel müder und nervöser als die Arbeit und schwächt die Widerstandskraft, auf der eigentlich alle Gesundheit liegt.


Kränklichkeit ist gar kein Hindernis zu guten Taten. Die größten Dinge sind schon von Invaliden geleistet worden.


Das Ziel des Lebens ist nicht, die Welt zu genießen, auch nicht einmal sie wissenschaftlich zu erkennen, sondern aus dieser Erde ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe zu machen, soweit es jeweilen möglich erscheint, und nur soweit wir daran mitgeholfen haben, soweit hat unser Leben einen Wert gehabt.


Von allen menschlichen Vorbildern ist uns das Christi selbst ein unbedingtes, das wir zweifellos nachahmen dürfen; alle andern, selbst die ersten Apostel, sind vielfach in Irrtum getaucht, von ihrer Zeit und von ihrem speziellen Entwicklungsgang abhängig, und es ist schon gefährlich, irgendeinen andern zu seinem Vorbild zu wählen. Welche Güte Gottes, daß Christus kein Einsiedler und kein Philosoph war – die Welt wäre nicht gerettet worden. (26. Januar 1871)


Befreie dich um jeden Preis von jeder Schuld, die du trägst, wenn du zum Glück gelangen willst.


Die schlechteste Charaktereigenschaft eines Menschen ist die natürliche Untreue. Dagegen helfen alle sonstigen sogenannten guten Eigenschaften nichts. Sie machen ihn nur gefährlicher.


Die wichtigsten Bestandteile eines guten Charakters sind Treue und Mitleid.


Ein großer Teil der Sorge besteht aus unbegründeter Furcht.


Ein Quentchen wirkliche Freundschaft ist viel mehr als eine ganze Wagenladung Verehrung.


Jeder außerordentliche Vorzug isoliert.


Liebe ohne Wahrheit bessert nicht, Wahrheit ohne Liebe heilt nicht.


Einem Menschen, den Kinder und Tiere nicht leiden können, ist nicht zu trauen.


Ohne Sorgen kann kein Menschenleben sein, sondern mit Sorgen; oft sogar mit viel Sorgen sorgenlos zu leben, das ist die Lebenskunst, zu der wir erzogen werden sollen. Es ist daher auch eine alltägliche Erfahrung, daß Menschen, die zu wenig Sorgen haben, sich solche kaufen.


Danke Gott jeden Morgen, gleich beim ersten Erwachen, für die neuen Gelegenheiten, Gutes zu tun, die sich dir eröffnen werden, und habe dann den ganzen Tag hindurch die Augen weit offen dafür.


Ein Mensch, der nicht viel gelitten hat, kann nicht Segen ausströmen. Seine Worte haben noch keine rechte Wirkung, so salbungsvoll sie auch klingen.


Freundschaft ist das edelste Gefühl, dessen ein Menschenherz fähig ist.


In den großen Krisen des Lebens muß man immer zuerst wagen; dann kommt das Können und zuletzt das Sehen, daß es das Richtige war.


Überfluß hat erst dann Wert wenn wir ihn zum Wohle anderer nutzen!


Respekt vor dem bloßen Reichtum eines anderen ist das unzweifelhafteste Zeichen einer völlig mangelnden eigenen Bildung.


Kein Buch der Welt hat schon so viele Kritiker gehabt und keines ist, wie die Bibel, allen ohne Ausnahme überlegen geblieben.


Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene.


Jeder Tag bringt neue Kraft, und sie wird auch nicht für mehr als einen Tag gegeben.


Jedes Menschenherz, ja man kann weitergehen und sagen: alles, was Leben hat, hungert nach Liebe.


Man muß Bücher eigen haben, die man recht lesen will; namentlich die ganz guten Bücher, die unbestritten zum unsterblichen Geisteserbe der Menschheit gehören, wo immer möglich selbst zu besitzen, sollte man sich zur Pflicht und Ehre rechnen, wie man es sich zur Ehre rechnen würde, die besten Menschen seiner Zeit persönlich gekannt zu haben, wenn das so weit möglich wäre.


Menschen, die Einfluß auf andere haben wollen, müssen sich sehr hüten, viel gesehen zu werden. Ich bin von beinahe jedem Menschen berühmter Art, die ich kennen lernte, ein wenig enttäuscht worden.


Tue bei der Arbeit immer zuerst das Nötigste, das aber greife frisch und bei der Hauptsache an. Das ist das Mittel, um zu vielem Zeit zu haben.


Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern sie alle siegreich und glorreich zu überwinden.


Eine ganz richtige Verwendung des Geldes, mit striktester Ehrlichkeit, völlig, aufrichtiger Geringschätzung desselben als Lebenszweck und doch richtiger Schätzung als Mittel, um höhere Ziele zu erreichen, ist vielleicht eines der allersichersten Anzeichen eines ganz durchgebildeten Menschen, wie jagen nach Gewinn und Verehrung des Reichtums am sichersten den Ungebildeten verrät.


Es ist wunderbar, wie viel Arbeit der Mensch hat, wenn der Geist in ihm lebendig ist, und wie wenig, wenn er gleichsam hinter die Leiblichkeit zurücktritt und von derselben gefangen ist.


Leute zusammenbringen zu wollen, die man beide schätzt, die aber nicht zusammenpassen, ist eine sehr verkehrte Freundschaftspolitik.


“Glück und Unglück” der Völker von bisher geringerer oder größerer Aufkärung zu erwarten, hat unsere Zeit bereits aufgeben müssen oder ist wenigstens nahe daran. Aufklärung ist ein bloßes Zeitbedürfnis, für gewisse Zeiten und Völker sehr richtig formuliert, aber nicht ein oberstes Weltgesetz.


Das Geheimnis der wahren Bildung liegt in der Überwindung des Egoismus und speziell der Genußsucht. Dabei kommt es, daß so oft ein sehr einfacher Mann, der nicht viele Kenntnisse besitzt, dennoch gebildeter ist als ein vornehmer und gelehrter Herr.


Die Freude am Geben kommt nur mit dem Geben selber.


Zum wirklichen Erfolge im Leben, d.h. zur Erreichung der höchstmöglichen menschlichen Vollkommenheit und wahren, nutzbringenden Tätigkeit gehört notwendig ein öfterer äußerer Mißerfolg.


Ein kleiner Staat muß eine moralische Größe sein, um bestehen zu können.


Die politische Selbständigkeit eines freiheitlich organisierten Volkes ist jedem andern Gute für immer vorzuziehen.


Wenn eine Republik lange leben soll, muß sie von Zeit zu Zeit auf ihr ursprüngliches Prinzip zurückgeführt werden.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Carl-Hilty. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.