Christian Friedrich Hebbel

Für meinen Nächsten würde oft dabei wenig herauskommen, wenn ich ihn liebte, wie mich selbst.


Jede Sehnsucht fühlt, daß sie Befriedigung verdient, am meisten die Sehnsucht nach Gott. Daraus entspringt unmittelbar die Überzeugung, daß, wenn der Sehnende nicht Magnet sein kann, das Ersehnte Magnet sein muß, daß, wenn jener sich nicht zu erheben vermag, dieses sich zu ihm herablassen muß. Dies ist das festeste Fundament der Offenbarung.


Leicht ist ein Sumpf zu verhüten, doch ist er einmal entstanden, So verhütet kein Gott Schlangen und Molche in ihm.


Ich treib’ die Sünde bis zum Äußersten, nur um zu sehen, ob’s auch Sünde war.


Anzuschauen ist freilich in Kunst und Leben das Höchste.


Jedes Leben macht sich seinen eigenen Tod.


Alle Kunst ruht auf dem tiefsten Ernste.


Die Naturwissenschaft gibt den besten Maßstab für die Fortschritte der Menschheit ab: nur soweit sie die Natur kennt, kennt sie sich selbst.


Alle Mittelmäßigkeit der Poesie führt zu Heuchelei in Charakter und Leben.


Das Aufbrausen ist die Lebensäußerung des Zorns und zugleich sein Tod.


Der Philister hat oft in der Sache recht, nie in den Gründen.


Die dümmsten Schafe sind immer zugleich die reißendsten Wölfe.


Die Ehe gibt dem Einzelnen Begrenzung und dadurch dem Ganzen Sicherheit.


Die Freude verallgemeinert, der Schmerz individualisiert den Menschen.


Die Höhe der Kultur ist die einzige, zu der viele Schritte hinaufführen und nur ein einziger herunter.


Die Menschen haben viele absonderliche Tugenden erfunden, aber die absonderlichste von allen ist die Bescheidenheit. Das Nichts glaubt dadurch etwas zu werden, daß es bekennt: ich bin nichts!


Die Menschheit läßt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt. Sie würde an Unsterblichkeit glauben, und wenn sie das Gegenteil wüßte.


Diejenigen Berge, über die man im Leben am schwersten hinwegkommt, häufen sich immer aus Sandkörnchen auf.


Eigensinn ist das wohlfeilste Surrogat für Charakter.


Ein König versichert seinen Untertanen so lange, er sei liberal, bis sie sich erfrechen, es ihm zu glauben.


Ein Mann mit einer neue Idee gilt solange als verschroben, bis er Erfolg hat.


Ein Mensch kann nie einer Wahrheit ein Kompliment machen, ohne der zweiten auf den Fuß zu treten.


Ein Wunder ist leichter zu wiederholen, als zu erklären.


Einfälle sind die Läuse der Vernunft.


Einige Menschen sind die Barbiere ihres Jahrhunderts; einige Jahrhunderte die Barbiere der Zeit.


Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.


Es gibt Leute, die sich über den Weltuntergang trösten würden, wenn sie ihn nur vorhergesagt hätten.


Es gibt nur eine Sünde, die gegen die ganze Menschheit mit all ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte.


Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts.


Es ist die Strafe unserer eignen Jugendsünden, daß wir gegen die unserer Kinder nachsichtig sein müssen.


Es ist ein Unterschied zwischen einem Mann von Bedeutung und einem Mann, der etwas bedeutet.


Es ist eine Hauptsache das zu Hause zu haben, was man außer dem Hause selten findet: Freude.


Es ist eine Torheit, sich nicht zu betrinken, weil die Nüchternheit auf die Trunkenheit folgt.


Es ist unglaublich, wieviel Geist in der Welt aufgeboten wird, um Dummheit zu beweisen.


Für uns Menschen muß überall der Punkt, bis zu dem wir vordringen können, anstatt der Wahrheit gelten.


Gefahr versteinert Hasen und erzeugt Löwen.


Große Menschen sind Inhaltsverzeichnisse der Menschheit.


Halte das Glück wie einen Vogel, so leise und lose wie möglich. Dünkt er sich selber nur frei, bleibt er dir gern in der Hand.


“Ich bin kein Adler!” sagte der Strauß. Alles bewunderte ihn wegen seiner Bescheidenheit. Er aber machte ein dummes Gesicht, denn er hatte hinzufügen wollen: “Darum kann ich nicht allein vortrefflich fliegen, sondern auch vortrefflich gehen!”


In den Dichtern träumt die Menschheit.


Jeder Mensch trägt einen Zauber im Gesicht; irgendeinem gefällt er.


Klage nicht so sehr über einen kleinen Schmerz; das Schicksal könnte ihn durch einen größeren heilen.


Leben heißt parteiisch sein.


Leidenschaft begeht keine Sünde, nur die Kälte.


Man muß dem Weib keine Rechte, nur Privilegien, einräumen. Sie wollen diese auch lieber als jene.


Mein Gebet ist ein Untertauchen in Gott; es ist nur eine andere Art von Selbstmord. Ich springe in den Ewigen hinein wie ein Verzweifelter in ein tiefes Wasser.


Mit einem Menschen, der nur Trümpfe hat, kann man nicht Karten spielen.


Natur, du kannst mich nicht vernichten, weil es dich selbst vernichten hieß.


Nichts empört die Menschen mehr, als wenn man aus ihren eigenen Behauptungen die Konsequenzen zieht, sie zu widerlegen. Und freilich heißt das auch selbst den Hanf zum Strick herausgeben müssen.


Phantasie ist nur in Gesellschaft des Verstandes erträglich.


Selbst im Falle einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedankenfreiheit zu erkämpfen suchen.


Selbst wenn das Sterben vom Willen des Menschen abhinge, würde keiner am Leben bleiben.


Sitzenbleiben schützt allerdings gegen die Gefahr zu fallen.


Viele glauben nichts, aber fürchten alles.


Vogel und Käfig sind füreinander. Aber der Mensch will keinen kleineren Käfig als die Welt.


Wahrheit ist das höchste Gut. Sehr richtig. Aber was ist Wahrheit? Dies ist auch die höchste Frage. Wem bin ich Wahrheit schuldig? Doch wohl nur dem, der selbst der Wahrheit fähig ist.


Wandle geradeste Wege! sie sind die kürzesten immer, Pfade der Wahrheit und Kraft führen Dich sicher zum Ziel.


Weil die Deutschen wissen, daß die wilden Tiere frei sind, fürchten sie, durch die Freiheit zu wilden Tieren zu werden.


Wen ein großes Schicksal zugrunde richtet, ist klein, wen ein kleines Schicksal zugrunde richtet, der kann groß sein.


Wenn einem Philosophen ein Licht aufgeht, ist’s für den andern immer ein Schatten.


Wenn Schnee fällt, ist das die bequemste Weise, alle Teufel weiß zu machen.


Wie viele Lichter verdanken nur ihrem Leuchter, daß man sie sieht!


Wir Menschen sind wie Schwämme, wir trinken uns voll Leben, dann wird’s wieder ausgedrückt.


Wir müssen nicht klagen, daß alles vergänglich sei. Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt, weckt in uns ein Unvergänglichstes.


Wir zehren immer auf Rechnung der Zukunft. Kein Wunder, daß sie Konkurs macht.


“Wirf weg, damit du nicht verlierst!” ist die beste Lebensregel.


Wo alle Grenzen sich durchschneiden, alle Widersprüche sich berühren, da ist der Punkt, wo das Leben entspringt.


Zum Dank dafür, daß sie das Licht bescheint, werfen die Dinge Schatten. Die Menschen auch, besonders die Schüler großer Männer.


Mit wem das Pferd nie durchgeht, der reitet einen hölzernen Gaul.


Das Unglück macht den längsten Weg mit einem Schritt.


Klein und keck, Stößt den Großen in Dreck.


Manche Dinge sollte man recht in Mode bringen, damit sie endlich aus der Mode kommen.


Viel besser, nie besitzen, als verlieren.


Wer die Menschen kennen lernen will, der studiere ihre Entschuldigungsgründe.


Glaube ist nicht dunkle, sondern vielmehr hellste Wirksamkeit des Geistes, er umklammert mit Sicherheit das außer dem Kreis der Sinne liegende Verwandte.


Das Steckenpferd ist das einzige Pferd, das über jeden Abgrund trägt.


Höchstes Gebot Hab Achtung vor dem Menschenbild Und denke, daß, wie auch verborgen, Darin für irgendeinen Morgen Der Keim zu allem Höchsten schwillt! Hab Achtung vor dem Menschenbild Und denke, daß, wie tief er stecke, Ein Hauch des Lebens, der ihn wecke, Vielleicht aus deiner Seele quillt! Hab Achtung vor dem Menschenbild! Die Ewigkeit hat eine Stunde, Wo jegliches dir eine Wunde Und wenn nicht die, ein Sehnen stillt!


Freundschaft und Liebe erzeugen das Glück des menschlichen Lebens wie zwei Lippen den Kuß, welcher die Seele entzückt.


Schlaf ist ein Hineinkriechen des Menschen in sich selbst.


Der Traum ist der beste Beweis dafür, daß wir nicht so fest in unserer Haut eingeschlossen sind, wie es scheint.


Unter allen entsetzlichen Dingen ist das entsetzlichste die Musik, wenn sie erst erlernt wird.


Was der Mensch auch gewinne, er muss es zu teuer bezahlen, Wär’ es auch nur mit der Furcht, ob er’s nicht wieder verliert.


Die Weihe der Nacht Nächtliche Stille! Heilige Fülle, Wie von göttlichem Segen schwer, Säuselt aus ewiger Ferne daher. Was da lebte, Was aus engem Kreise Auf ins Weitste strebte, Sanft und leise Sank es in sich selbst zurück Und quillt auf in unbewußtem Glück. Und von allen Sternen nieder Strömt ein wunderbarer Segen, Daß die müden Kräfte wieder Sich in neuer Frische regen, Und aus seinen Finsternissen Tritt der Herr, so weit er kann, Und die Fäden, die zerrissen, Knüpft er alle wieder an.


Glaube, Liebe, Hoffnung: glaube! liebe Hoffnung!


Das Leben ist ein ewiges Werden. Sich für geworden halten, heißt sich töten.


Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk, aber keinen Sonnenaufgang.


Der Mensch ist ein Blinder, der vom Sehen träumt.


Der Schmerz liegt in der Dauer, die Freude im Augenblick.


Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht.


Ein Maitag ist ein kategorischer Imperativ der Freude.


Ist der Tod nur ein Schlaf, wie kann dich das Sterben erschrecken? Hast du es je noch gespürt, wenn du des Abends entschliefst?


Niemand spricht eine Wahrheit aus, die er nicht mit einem Irrtum verzollen müßte.


Was gegen die Natur ist, das ist gegen Gott.


Wie oft verwechselt man Einfälle mit Ideen!


Alle Regierungen fordern blinden Glauben, sogar die göttliche.


Nicht nach der Länge seines Arms: nach der Länge seines Auges muß der Mensch sein Glück messen.


Blumenkränze entführt dem Menschen der leiseste Westwind. Dornenkronen jedoch nicht der gewaltigste Orkan.


Unsere Zeit ist eine Parodie aller vorhergehenden.


Das Wort ‘Wenn’ ist das deutscheste aller deutschen Worte.


Das Genie ist der Fühlfaden seiner Zeit.


Die Welt verliert (im Toten) nur einen Menschen; aber der Mensch verliert die Welt.


Der Gedanke ist das Produkt der Individualität.


Die Weiber haben den Zweck, jung zu sein!


Dein Charakter ist das Wort, das du der ganzen Welt gibst. Wirst du also deinem Charakter ungetreu, so brichst du der ganzen Welt dein Wort.


Ein schönes Mädchen loben ist so viel als eine Blume begießen.


Das Auge ist der Punkt, in welchem Seele und Körper sich vermischen.


Warum nur kann der Mensch nur töten, nicht die Toten wieder wecken; er sollte beides können oder keins!


Es gibt Dinge, die man bereut, bevor man sie tut, und doch tut.


Um jemanden leichter vergeben zu können, muß man eine kleine Sünde gegen ihn begehen, damit er auch etwas zu vergeben habe.


Viele Menschen verfluchen nicht das Leben, sondern ihr Leben.


Mitleid ist das billigste aller menschlichen Gefühle.


Schäme Dich! Das ist die billigste Manier um an Rouge zu kommen.


Wer an Glück glaubt, der hat Glück.


Niemand ist so sehr Atheist, daß er nicht die christlichen Festtage mitfeiern hülfe.


Das Gewissen ist die Wunde; die nie heilt und an der keiner stirbt.


Es gibt keine reine Wahrheit, aber ebensowenig einen reinen Irrtum.


Die meisten Menschen wären empört, würde man ihnen sagen, ihr Vater sei ein Gauner gewesen. Sie wären aber eher stolz, wenn sie erführen, daß ihr Urgroßvater Seeräuber war.


Ich sah des Sommers letzte Rose stehn, sie war, als ob sie bluten könnte, rot; da sprach ich schauernd im Vorübergehn: so weit im Leben ist zu nah am Tod! Es regte sich kein Hauch am heißen Tag, nur leise strich ein weißer Schmetterling, doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag bewegte, sie empfand es und verging.


Eine Reise ist ein Trunk aus der Quelle des Lebens.


Der Mensch will brutto geliebt werden, nicht netto.


Der Kuß ist der Vulkan des Herzens.


Wenn das reine Gemüt liebt, was es nicht lieben soll; kann es denn diese unfreiwillige Sünde nicht dadurch schön und herrlich büßen, daß es auf das ersehnte Freien Verzicht leistet?


Auch das ist eine wichtige Seite der Liebe, daß der Liebende durch die Liebende eine Versicherung des persönlichen Wertes erhält, daß er sich sagen darf: ich bin zu etwas da, ich bin kein leeres Nichts.


Wenn ein paar Liebende sich versprechen, daß sie aneinander denken wollen, so Versprechen sie sich eigentlich, daß sie atmen wollen.


O, wie liebt der Mensch, wenn sich zwischen ihn und das Geliebte die Unmöglichkeit stellt.


Schmerzen, die von Geliebten ausgehen, sind verklärt.


Die erste wahnsinnige Liebe, so spurlos sie gewöhnlich vorübergeht, und von so lächerlichen Erscheinungen sie begleitet wird, ist doch vielleicht das Ernhafteste am ganzen Leben; wenigstens wird durch nichts jede Kraft des Menschen so aufs äußerste angespannt als durch sie.


Wenn du wahrhaft liebst, mußt du wiedergeliebt werden, denn die Natur berechnet immer eine Kraft auf die andere.


Tränen des Danks, nimm sie Ewiger! Nur die Kraft, nur die Liebe – dann laß kommen, was da will!


Liebe ist die Kraft des Herzens.


Alle irdische Liebe ist nur der Durchgang zur himmlischen.


In der Welt ist ein Gott begraben, der auferstehen will und allenthalben durchzubrechen sucht, in der Liebe, in jeder edlen Tat.


Die Liebe ist der Kern des Menschen.


Wer nie liebte, kann sich leicht einbilden, er liebte stets.


Was hat man nach einem Fall zu tun? Was die Kinder auch tun, wieder aufstehen!


Der Hund ist der sechste Sinn des Menschen.


Das Schicksal ist die Idee der Welt.


Ein Geizhals gönnt sich einen Genuß und liest in einem Kochbuch.


Daß die Schmerzen miteinander abwechseln, macht das Leben erträglich.


Wörter sind Laternen: Steck ein Licht hinein und sie geben einen guten Schein.


Eine Welt, worin ein Hund auch nur ein einziges Mal Prügel bekommen hat, ohne sie verdient zu haben, kann keine vollkommene Welt sein.


Die Geschichte der Menschheit macht zuweilen den Eindruck auf mich, als ob sie der Traum eines Raubtiers wäre.


Kinder sind Rätsel von Gott und schwerer als alle zu lösen, aber der Liebe gelingt’s, wenn sie sich selber bezwingt.


Bei dem großen Schriftsteller hat jeder Satz ein Menschengesicht.


Alle edlen Menschen gehen durch die Hölle des Lebens, die anderen stehen davor und wärmen sich die Hände.


Alles Vortreffliche bereichert die Zukunft, ist aber auch ein Raub an ihr, denn nie ist ein gleiches möglich.


Spielende Kinder sind lebendig gewordene Freuden.


Die sogenannte Freiheit des Menschen läuft darauf hinaus, daß er seine Abhängigkeit von den allgemeinen Gesetzen nicht kennt.


In der Sprache, die man am schlechtesten spricht, kann man am wenigsten lügen.


Genie ist Intelligenz der Begeisterung.


Nebukadnezar fraß Gras. Symbolisch zu verstehen: Er war ein Liebhaber von Salat und wurde deshalb für verrückt ausgeschrien. So müssen große Geister, die zum Heil der Menschheit neue Entdeckungen machen, es büßen!


Der Deutsche hat den Mund zuerst zum Trinken, der Franzose zum Schwatzen und der Spanier zum Gähnen gebraucht.


Es gibt nichts, das der Geist völlig ausdenken kann, und so sind wir Lichter, die eigentlich nur sich selbst erleuchten.


Wer nach den Sternen reisen will, der sehe sich nicht nach Gesellschaft um.


Die Begriffe der Menschen von den Dingen sind meistens nur ihre Urteile über die Dinge.


Wer damit anfängt, daß er allen traut, wird damit enden, daß er jeden für einen Schurken hält.


Was du teurer bezahlst, die Lüge oder die Wahrheit? Jene kostet dein Ich, diese doch höchstens dein Glück.


Der Geschmack einer Nation geht dem Genius nie voraus, sondern hinkt ihm beständig nach.


Du mußt bedenken, daß die Lüge dich nicht bloß eine Wahrheit kostet, sondern die Wahrheit überhaupt.


Adam und Eva konnten das Paradies nur verlieren, weil es Ihnen geschenkt war.


Willst du wissen: Was ist das Leben, so frage dich: Was ist der Tod?


Am Regenbogen muß man nicht Wäsche aufhängen wollen.


Ein Mädchen vor dem Spiegel ist die Frucht, die sich selber ißt.


Ich und du Wir träumten von einander Und sind davon erwacht, Wir leben, um uns zu lieben, Und sinken zurück in die Nacht. Du tratst aus meinem Traume, Aus deinem trat ich hervor, Wir sterben, wenn sich eines Im andern ganz verlor. Auf einer Lilie zittern Zwei Tropfen, rein und rund, Zerfließen in eins und rollen Hinab in des Kelches Grund.


Alle Belehrung geht vom Herzen aus, alle Bildung vom Leben.


Kinder sind Scharaden, die den Eltern aufgegeben werden.


Alles geht rasch in unserer Zeit, ausgenommen das Wachsen, was noch immer das alte tempus einhält.


Man entwickelt sich durchs Leben fürs Leben: die Momente fallen zusammen.


Nur in der Träne des Schmerzes spiegelt sich der Regenbogen einer besseren Welt.


Nicht was der Mensch ist, nur was er tut, ist sein unverlierbares Eigentum.


Das Publikum muß hingenommen werden wie jedes andere Element.


Der Hauptreiz der Kindheit beruht darauf, daß alles, bis zu den Haustieren herab, freundlich und wohlwollend gegen die Kinder ist, denn daraus entspringt ein Gefühl der Sicherheit, das bei dem ersten Schritt in die feindliche Welt hinaus entweicht und nie zurückkehrt.


Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, das würde Leben heißen!


Zum Mitleiden gab die Natur vielen ein Talent, zur Mitfreude nur wenigen.


Die Jungen glauben, mit ihnen beginnt die Welt; die Alten denken, mit ihnen hört sie auf – ich weiß nicht, was schlimmer ist.


Daß der Mensch, der doch die Wahrheit so flieht, den Spiegel erfunden hat, ist die größte historische Merkwürdigkeit.


Der Mensch hat freien Willen – das heißt, er kann einwilligen ins Notwendige.


Genie ist das Bewußtsein in der Welt.


Das Gefühl kann erheuchelt werden, der Gedanke nicht.


Das Weib im Mann zieht ihn zum Weibe; der Mann im Weibe trotzt dem Mann.


Die Menschen helfen lieber dem, der ihrer Hilfe nicht bedarf, als dem, welcher sie nötig hat.


Ein Gott, dessen der Mensch, den er geschaffen, noch bedürfte, müßte doch ein recht trauriger Gott sein.


Der Greis wird wieder Kind, aber ein Kind für jene Welt.


Der Jugend wird oft der Vorwurf gemacht, sie glaube immer, daß die Welt mit ihr erst anfange. Wahr. Aber das Alter glaubt noch öfter, daß mit ihm die Welt aufhöre. Was ist schlimmer?


Der Mensch kann die Natur nicht erreichen, nur übertreffen; er ist entweder über ihr oder unter ihr.


Der Mensch sollte sich selbst immer als ein Experiment der Natur betrachten.


Der Neidische wird ärmer, wenn er andere reicher werden sieht.


Der Schmerz ist ein Eigentum wie das Glück und die Freude.


Der wahre Schmerz ist schamhaft.


Die Ehre, einmal erkrankt und dann nicht rasch geheilt, steht niemals wieder von den Toten auf.


Die Geschichte ist das Bett, das der Strom des Lebens sich selbst gräbt.


Die Krone macht die Teufel, die den Menschen zu allem Bösen reizen, doppelt stark und doppelt schwach die Engel, die ihn warnen.


Geduld ist bitter


Eine Frau wird älter, aber nicht alt.


Es gibt Leute, denen man, wenn sie den einen Stiefel schon anhaben, nicht unbedingt zutrauen darf, daß sie auch den zweiten anziehen werden.


Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber es glänzt auch nicht alles, was Gold ist.


Gott versteckt sich hinter dem, was wir lieben.


Gott war sich vor der Schöpfung selbst ein Geheimnis, er mußte schaffen, um sich selbst kennen zu lernen.


Ich werde nie zum Frühling sagen: Verzeihen Sie, Sie haben dort ein welkes Blatt! Oder zum Herbst: Nehmen Sie es ja nicht übel, aber dieser Apfel ist nur zur Hälfte rot.


Ich will aufhören, an Gott zu glauben, wenn ich sehe, daß ein Baum ein Gedicht macht und ein Hund eine Madonna malt.


Aber je größer der Mann, um so geringer der Stolz.


Liebe und Freundschaft der meisten Menschen ist ein Füllen der eigenen Leere mit fremden Inhalt.


Mit Geistesblitzen kann man die Welt erleuchten, aber keinen Ofen heizen.


Originalität muß man haben, nicht danach streben.


Schönheit ist Tiefe der Fläche.


Schönheit: das Genie der Materie.


Ob du dich selber erkennst? Du tust es sicher, sobald du mehr Gebrechen an dir als an den anderen entdeckst.


Sich selbst etwas versprechen und es nicht halten ist der nächste Weg zur Nullität und Charakterlosigkeit.


So eitel ist der Mensch, daß er sich sogar auf seine Leiden etwas einbildet. Schon die Bibel sagt: Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er. Mit welchem Behagen erzählt nicht mancher eine Krankheit. Doch sind Wunden diejenigen Orden, denen man ihre Lächerlichkeit noch am ehesten vergibt


Warum haben die Menschen gegen die Verbindung mit einem Mädchen, das ein anderer schon bis in die tiefste Seele hinein besaß, so wenig Abneigung und warum wird diese Abneigung gleich so groß, wenn der Körper mit ins Spiel gekommen ist?


Was lebst du denn, wenn du nicht lieben kannst.


Wenn man etwas recht gründlich haßt, ohne zu wissen, warum, so kann man überzeugt sein, daß man davon einen Zug in seiner eigenen Natur hat.


Wer seine Schweißtropfen zählt, wird nie sein Geld zählen.


Zwei Menschen sind immer zwei Extreme.


Mutterliebe, man nennt dich des Lebens Höchste! So wird denn jedem, wie schnell er auch stirbt, dennoch sein Höchstes zuteil!


Casanovas Memoiren: Wer noch im 88. Jahre so schreiben konnte, der durfte so leben.


Ich verstehe die Welt nicht mehr!


Nur durch die Liebe kann der Mensch von sich selbst befreit werden.


Vielleicht sind die Träume nur Erinnerungen.


Ein Mensch spiegelt sich im anderen: Liebe.


Über alles hat der Mensch Gewalt, nur nicht über sein Herz.


Ein Arzt hat eine Aufgabe, als ob ein Mensch in einem dunklen Zimmer in einem Buche lesen sollte.


Wir wollen von heute an immer eine Stunde früher anfangen! Niemand weiß, ob er nicht Feierabend machen muß, ehe er müde ist.


Die Kunst ist das Gewissen der Menschheit.


Wenn mancher etwas wegwirft und sieht, daß einer es aufhebt, so verlangt er’s wieder, denn dann ist er belehrt, daß es noch etwas taugt.


Die Offenbarung Gottes in der Bibel folgt nicht einmal aus christlichen Begriffen. Wenn er sich offenbaren wollte, so hätte er vermöge seiner Liebe, die es ihm nicht erlaube, die Menschen irre zu führen, und vermöge seiner Allmacht, die es ihm möglich machte, ein Buch liefern zu müssen, welches über alle Mißdeutung erhaben war und von jedem erfaßt werden konnte.


Er übertrifft sich selbst! Was freilich in den meisten Fällen sehr leicht ist.


Romane schreiben ist ein gutes Geschäft, wenn man mit der Kritik verheiratet ist.


Wie wunderbar ist doch der Mensch gemacht; in seinem Glück erträgt er nichts; und alles in der Not.


Der Mensch liebt es, an sich zu experimentieren, anstatt sich ruhig zu entwickeln. Es kann zu etwas führen, ist aber sehr riskant.


Unverwelklicher Lorbeer in schnell erbleichender Locke! Welch ein gewaltiges Bild menschlicher Größe und Kraft!


Gewisse moderne Autoren machen Toilette vor dem Publikum und bilden sich ein, die große Unverschämtheit sei eine große Tat.


Wir besitzen etwas, auch in geistiger Hinsicht, immer nur auf einige Zeit. Dies gilt von Einsicht wie von Kraft.


Wiederholen alter Lektüre ist der sicherste Probierstein gewonnener weiterer Bildung.


Die meisten Erfahrungen über mich selbst habe ich in Augenblicken gemacht, wo ich die Eigentümlichkeiten anderer Menschen erkannte.


Nur schärfstes Trennen führt weiter zur Erkenntnis und die zur Bewältigung.


Wir werden nur dadurch höhere Wesen, daß wir die Natur höherer Wesen kennen.


In dem Augenblick, in dem die Liebe ihr Alles gibt, macht sie zugleich bankrott.


Ein einziger Tropfen genügt, eine Seele, die in Schmerz erstarrte, in Wonne zu lösen.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Christian-Friedrich-Hebbel. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.