Dale Carnegie

"Bedenkt, daß dieser Tag niemals wieder heraufdämmern wird", sagte schon Dante. Das Leben entschlüpft uns mit unglaublicher Schnelligkeit. Wir rasen mit einer Geschwindigkeit von mehr als dreißig Kilometern pro Sekunde durch das All. Das Heute ist unser kostbarster Besitz. Das Einzige, was wir ganz sicher besitzen.


"Eine negative Antwort ist immer schwer zu überwinden", schreibt der Psychologe Harry Overstreet. "Hat jemand einmal 'Nein' gesagt, so verlangt sein persönlicher Stolz, daß er bei diesem 'Nein' bleibt. Zwar sieht er später vielleicht ein, daß sein 'Nein' unbesonnen war, aber seine Eigenliebe erlaubt ihm nicht, dies zuzugeben. Was er gesagt hat, daran muß er festhalten. Daher ist es von allergrößter Wichtigkeit, daß wir ein Gespräch so lenken, daß wir vom andern zu Beginn eine Reihe positiver Antworten erhalten. Damit haben wir sein Unterbewußtsein in eine bejahende Richtung gesteuert.


"Haß wird nicht durch Haß, sondern durch Liebe besiegt", sagte Buddha, und eine Meinungsverschiedenheit läßt sich nicht durch Streit, sondern nur durch Takt, Diplomatie und Konzilianz beilegen und durch das ehrliche Bemühen, die Sache auch einmal vom Standpunkt des andern aus zu betrachten.


"Sprechen Sie zu den Menschen, über sie selbst, und sie werden Ihnen stundenlang zuhören", sagte Disraeli, einer der gerissensten Männer, die je das britische Weltreich regiert haben.


Achten Sie des andern Meinung und sagen Sie ihm nie: "Das ist falsch".


Ahmen wir niemanden nach. Finden wir zu uns selbst, und stehen wir zu uns selbst. Denn "Neid ist Unwissenheit", und "Nachahmung ist Selbstmord".


Akzeptieren Sie das Unvermeidliche. Wenn Sie wissen, daß etwas über Ihre Kräfte geht, daß Sie es nicht ändern oder noch einmal machen können, sagen Sie zu sich selbst: "So ist es. Es kann nicht anders sein".


Alle Menschen haben Angst, aber die Mutigen schreiten darüber hinweg, manchmal in den Tod, aber immer zum Sieg, lautete das Motto der königlichen Garde im alten Griechenland. Gibt es eine größere Herausforderung, als seine Angst zu überwinden?


Allein vor sich hin zu brüten und seine Sorgen für sich zu behalten, verursacht große Nervenanspannungen. Wir alle müssen unsere Schwierigkeiten, unsere Ängste und Sorgen mit andern Menschen teilen. Wir brauchen das Gefühl, daß es jemand auf der Welt gibt, der zum Zuhören bereit ist und uns verstehen kann.


Als ich noch ein kleiner Junge war, las ich eines Tages eine Fabel von der Sonne und vom Wind. Die beiden stritten sich darüber, wer von ihnen der Stärkere sei, und der Wind sagte: "Ich bin stärker als du. Siehst du dort unten den alten Mann im Mantel? Ich wette, ich kann ihn schneller dazu bringen, seinen Mantel auszuziehen, als du." Die Sonne schlüpfte hinter eine Wolke, und der Wind blies und blies. Doch je kräftiger und stürmischer er blies, umso fester hüllte sich der Mann in seinen Mantel. Schließlich ließ der Wind nach und gab auf. Da kam die Sonne hinter der Wolke hervor und lächelte freundlich auf den alten Mann hinunter. Bald schon trocknete er sich die Stirn vom Schweiß und zog seinen Mantel aus. Hierauf sagte die Sonne zum Wind, daß Güte und Freundlichkeit immer stärker sind als Kraft und Gewalt.


Als ich zurückblickte und über meine eigene Ausbildung nachdachte, erkannte ich, daß für mich mehr als alle andern Studien zusammengenommen das Training und die Erfahrungen im Sprechen in der Öffentlichkeit von praktischem Wert gewesen waren, sowohl im Beruf wie im Leben. Warum? Weil ich dadurch meine Schüchternheit und meine Unsicherheit verloren und Mut und Selbstvertrauen gewonnen hatte, so daß ich mit Menschen umgehen konnte. Mir war dabei auch klar geworden, daß gewöhnlich derjenige die Führungsrolle übernimmt, der aufstehen und sagen kann, was er denkt.


Als kleiner Junge spielte ich mit ein paar Freunden einmal auf dem Dachboden eines alten leeren Holzhauses. Als ich dann wieder vom Dachboden klettern wollte, blieb ich einen Augenblick auf einem Fensterbrett stehen – und sprang auf den Boden hinunter. Am linken Zeigefinger trug ich einen Ring, und mit diesem Ring blieb ich an einem Nagel hängen und riß mir den Finger ab. Ich schrie. Ich war zu Tode erschrocken. Ich war überzeugt, daß ich sterben würde. Als dann die Hand verheilt war, habe ich nie wieder daran gedacht. Was hätte es für einen Zweck gehabt . . . ? Ich fügte mich ins Unvermeidliche. Jetzt vergeht oft ein Monat, bis mir plötzlich wieder einmal bewußt wird, daß ich nur drei Finger und einen Daumen an der linken Hand habe.


An andere zu denken hält einen nicht nur von den eigenen Sorgen und Nöten ab, sondern hilft uns auch, viele Freunde zu finden und viel Spaß zu haben.


An einem Abend vor über hundert Jahren, während eine Zwergohreule im Wald an der Küste von Walden Pond schrie, tauchte der Schriftsteller Henry Thoreau seinen Gänsekiel in die selbstgemachte Tinte und schrieb in sein Tagebuch: "Der Preis einer Sache ist die Menge dessen, was ich Leben nenne, die ich im Austausch dafür früher oder später hergeben muß." Anders ausgedrückt – wir sind Dummköpfe, wenn wir für etwas zu viel bezahlen, und zwar mit Lebensqualität.


Anerkennung gehört in unserem täglichen Leben zu den am meisten vernachlässigten Tugenden. Aus Gedankenlosigkeit unterlassen wir es, unseren Sohn oder unsere Tochter zu loben, wenn sie gute Zeugnisse nach Hause bringen, und wir versäumen es, unsere Kinder zu ermutigen, wenn sie ihren ersten Kuchen gebacken oder ein Vogelhaus gebastelt haben. Dabei macht nichts Kinder so glücklich wie elterliche Anteilnahme und Anerkennung.


Angenommen, wir sind völlig mutlos und haben jede Hoffnung aufgegeben – dann gibt es zwei Gründe, warum wir es doch noch einmal probieren sollten, zwei Gründe, warum wir alles zu gewinnen und nichts zu verlieren haben. Grund Nummer eins: Vielleicht schaffen wir es doch. Grund Nummer zwei: Selbst wenn es uns nicht gelingt, zwingt uns schon allein der Versuch, unser Minus in ein Plus zu verwandeln, nach vorn zu sehen statt zurück. Positive Gedanken treten an die Stelle der negativen, schöpferische Kräfte werden freigesetzt und geben uns solchen Auftrieb, daß wir vor lauter Tatendrang keine Zeit und Lust mehr haben, über Dinge zu jammern, die längst vorbei und vergangen sind.


Anstatt die Menschen zu verurteilen, sollten wir besser versuchen, sie zu verstehen. Versuchen herauszufinden, warum sie so und nicht anders handeln. Das ist vermutlich einträglicher und interessanter als Kritik. Dadurch schaffen wir eine Atmosphäre der Sympathie, Nachsicht und Güte. "Alles verstehen heißt alles verzeihen".


Any fool can criticize, condemn and complain – and most fools do.


Auf die Zukunft bereitet man sich am besten vor, wenn man sich mit seiner ganzen Intelligenz und Begeisterung darauf konzentriert, die Arbeit von heute auch heute ganz vorzüglich zu leisten. Das ist die einzig mögliche Methode, sich auf die Zukunft vorzubereiten.


Auf lange Sicht trägt Schmeichelei dem Schmeichelnden mehr Schaden ein als Nutzen. Schmeichelei ist falsch, und wie Falschgeld kann auch Schmeichelei demjenigen Schwierigkeiten bereiten, der versucht, sie bei andern anzubringen.


Bedenken wir immer, daß Dankbarkeit ein Verhalten ist, das "kultiviert" werden muß. Wenn wir also dankbare Kinder haben wollen, müssen wir sie zur Dankbarkeit erziehen.


Beginnen Sie jede Kritik mit Lob wie der Zahnarzt mit dem Schmerzmittel. Zwar wird nachher trotzdem gebohrt, aber es tut nicht mehr weh.


Beherrschen Sie sich. Denken Sie daran, daß sich die Größe eines Menschen darin zeigt, worüber er sich ärgert.


Bei fast allem, was du tust, kommt es darauf an, wie du es tust. Ist dir das Ergebnis wichtig genug, so wirst du es gewiß erreichen. Wünscht du, ein guter Mensch zu sein – so wirst du auch einer werden. Wünscht du, reich zu werden – so wirst du reich werden. Wünscht du, klug zu werden – so wirst du klug werden. Nur mußt du diese Dinge wirklich wollen – mit Ausschließlichkeit wünschen – und nicht hundert andere damit unvereinbare Dinge genauso stark herbeisehnen.


Bei geistiger Arbeit ist es selten die Arbeitsmenge, die ermüdet. Manchmal ermüdet einen die Arbeit, die man nicht tut. Unsere Müdigkeit entsteht häufig nicht durch Arbeit, sondern durch Sorgen, Frustrationen und Unzufriedenheit über Dinge, für die wir keine Zeit finden.


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