Dr Anton Wildgans

Der Künstler liebt alles um seiner Kunst willen, und alle menschlichen Gefühle erlebt er, um groß und reif und tief in seinen Werken sein zu können. Denn um ein Künstler zu sein, muß man zuerst ein Mensch sein und sich entfalten dürfen in der Liebe und im Leben.


Die Kunst duldet keine Vorbehalte, sondern fordert und ist ein einziges großes, freudigschmerzliches und immer bedingungsloses Opfer.


Große Kunstwerke sind wie kostbare Gefäße, sie wandern von Zeitalter zu Zeitalter, von Völkern zu Völkern. Sie würden veralten und niemals die Grenzen ihres Sprachgebietes verlassen, wenn nicht immer wieder neue Zeiten, neue Generationen, neue Vöker ihren geistigen Fassungsraum, ihre ästetische, aber durch Zeit und Persönlichkeit bedingte Form mit neuem Herzblut füllen.


Ich habe die Beobachtung gemacht, daß geistig orientierte und belastete Menschen das Landleben als Kontrast ersehnen; das Land, die Erde, die Natur aber ist spröde und spendet Entzückungen zwar, doch nicht dauernde Erfüllung und Befriedigung, wofern man sich ihr nicht völlig hinzugeben vermag. Und dies ist schwer, gelingt nicht von heute auf morgen. Das Gehirn läßt sich nicht so leicht umschalten. Das Land als Umgebung für geistige Arbeit ist natürlich unendlich segensreich.


Musik ist die reinste und schönste Freude, die der Mensch im Leben hat. Besonders aber ist die Musik eine Freude und Freundin, die einem immer treu bleibt, während alle anderen Freuden mehr oder weniger vergänglich sind und einen im Alter verlassen.


Vaterland? Vielleicht war es niemals mehr als das Stück Erde, das jeder gerade für sich bewohnt! Vielleicht ist das alles Wahn. Ein Stück Geschichte, von uns zum Teil erlebt, zum Teil von Vätern und Großvätern überliefert – vielleicht war das alles. Eine wahre Menschenbrüderschaft innerhalb der Grenzen eines sogenannten Vaterlandes hat es wohl niemals gegeben.


Was wissen wir voneinander? Und doch ist voneinander zu wissen die erste und heiligste Pflicht für jenen, der unter Menschen und für Menschen lebt.


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