Dr Heinz Fischer

Bei uns im Ministerium gehen die Türen links auf.


Beide Parteien können mit der Regierungsvereinbarung zufrieden sein, die SPÖ besonders.


Das Amt des Bundespräsidenten steht in einem besonderen Blickpunkt. Wenn ich einen groben Fehler machen würde, wird er doppelt und dreifach registriert werden, und ich könnte einige Nächte nicht gut schlafen.


Der Bundespräsident darf auf gar keinen Fall in die Rolle eines Schiedsrichters kommen, der so viele gelbe Karten verteilt, dass ihn keiner mehr ernst nimmt.


Der Bundespräsident ist nicht die erste Adresse, um Bankenskandale zu kommentieren. Ich habe dies auch nicht bei der Kärntner Hypo-Alpe-Adria-Bank getan.


Der größte Feind Waldheims ist Waldheim selbst. Er ist völlig unglaubwürdig geworden, wenn er die erwiesene Mitgliedschaft beim NS-Reiterkorps als Beweis für die Nichtmitgliedschaft angibt. Das ist unvereinbar mit dem Amt des Bundespräsidenten.


Die "Consultatio" unterscheidet sich von allen anderen Steuerberatungsbüros dadurch, daß die ÖVP in der letzten Zeit eine gigantische Werbung für sie gemacht hat.


Dr. Kurt Waldheim hat für Österreich als Diplomat, als Außenminister und als vom Volk gewählter Bundespräsident gearbeitet und sein Bestes gegeben. Er hat sich um die Lösung der Südtirolfrage verdient gemacht und wesentlich dazu beigetragen, dass wir auf Wien als dritten UNO-Sitz stolz sein können. Und er hat den Vereinten Nationen durch 10 Jahre hindurch in weltpolitisch wahrlich wohl schwierigsten Zeiten mit vollem Einsatz als Generalsekretär gedient. Ich bin dem verstorbenen Altbundespräsidenten darüber hinaus für viele gute Gespräche seit meiner Wahl zu seinem Nach-, Nachfolger dankbar.


Eine Reform war früher etwas Erfreuliches, etwas Besseres, etwas Attraktives. Heute ist eine Refom etwas Gefährliches, etwas Riskantes. Ich sage und meine: das müssen wir wieder umdrehen, meine Freunde!


Es ist ein Unterschied, ob ich auf dem Klavier der Ressentiments oder der Vernunft spiele.


Es ist wahr: Der Satz von der Pflichterfüllung hat viele betroffen gemacht. Vor allem wenn man bedenkt, wem diese Pflichterfüllung geschuldet wurde. Aber gleichzeitig müssen wir eingestehen, wie wenig Respekt wir die längste Zeit gerade jenen erwiesen haben, die sich als Einzelkämpfer dieser Pflichterfüllung entzogen haben oder zu entziehen versuchten. So z. B. die Tatsache, dass die Witwe von Franz Jägerstätter nach 1945 in Österreich zunächst nicht einmal eine Witwenpension nach dem Opferfürsorgegesetz erhielt, obwohl oder gerade weil Franz Jägerstätter seine Pflicht NICHT erfüllte, und dafür mit seinem LEBEN bezahlen musste?


Es kommen sehr viele Briefe in die Präsidentschaftskanzlei, die wir genau und sorgfältig prüfen. Für besondere Notfälle gibt es ein kleines Budget, mit dem ich ungefähr 200 Personen im Jahr einmalig finanziell aushelfen kann.


Es wäre kokett zu behaupten, es schmeichelt mir nicht.


Guantánamo schadet den Amerikanern mehr, als es ihnen jemals nutzen könnte. Ich denke, hier wird es bald Änderungen geben. Bei meiner Begegnung mit George Bush und US-Außenministerin Condoleezza Rice habe ich sie als Menschen erlebt, die Argumenten zuhören können.


Haben wir Widerstandskämpfern nach Kriegsende jene Wertschätzung entgegengebracht, die wir ihnen schulden, wenn wir mit dem Begriff der "Pflichterfüllung" als Gegensatz zum Widerstand streng umgehen? Und haben wir uns jemals wirklich ernsthaft, ehrlich und wahrhaftig in die Situation jener versetzt, die unter den Bedingungen der Jahre 1938 bis 45 leben mussten? Nur wer die zuletzt gestellten Fragen reinen Herzens und guten Gewissens bejahen kann, der – wie das Wort heißt – "werfe den ersten Stein".


Ich bleibe auch heute – und gerade heute – bei der Feststellung, die ich schon vor 15 Jahren, im Juli 1992 als Präsident des Nationalrates in der Bundesversammlung aus Anlass der Verabschiedung von Kurt Waldheim aus der Funktion des Bundespräsidenten getroffen habe. Nämlich der Feststellung, dass dem Menschen und dem Bundespräsidenten Kurt Waldheim Unrecht geschehen ist, wenn ihm Handlungen, bis hin zu Kriegsverbrechen angelastet wurden, die er nicht begangen hat.


Ich glaube verstanden zu haben, was ihn in den letzten Jahren seines Lebens besonders bewegte und kann bezeugen, wie sehr er sich immer wieder mit den Fragen auseinandersetzte, die Anlass für heftige Kontroversen im In- und Ausland, für Zustimmung und Kritik rund um seine Person waren.


Ich habe bei der Fußball-WM auf Spanien als Gewinner getippt. Das Finale ist erst heute Abend, aber ganz so falsch war der Tipp nicht. Spanien ist ins Finale gekommen.


Ich übersehe nicht, dass wir alle in den letzten Jahren und Jahrzehnten dazugelernt haben und wichtige Schritte zur Aufarbeitung unserer Geschichte und unserer Schuld gesetzt wurden. Auch der nunmehr verstorbene Altbundespräsident hat dazugelernt. Er hat berührende letzte Worte zu Papier gebracht, er hat Fehler einbekannt und er hat vor allem seine Hand auch in Richtung seiner Kritiker und Gegner ausgestreckt. Er hat Versöhnung angestrebt. Ich plädiere dafür, diese Hand nicht auszuschlagen und die menschliche Größe dieser Geste in vollem Umfang anzuerkennen. Ich plädiere für Gerechtigkeit und für die Bereitschaft zur Versöhnung. Und ich plädiere für weitere ernsthafte und gemeinsame Anstrengungen zum Zwecke einer um Objektivität bemühten Aufarbeitung der Grauzonen unserer jüngeren Geschichte.


Ich verneige mich vor dem von uns gegangenen Bundespräsidenten Dr. Kurt Waldheim, der sowohl der Völkergemeinschaft, als auch seiner Heimat mit allen seinen Kräften gedient hat, der für die Idee des Friedens gearbeitet hat.


Ich werde mir das WM-Finale ziemlich neutral anschauen. Beide Mannschaften hätten den Sieg verdient. Das Glück und die Tagesform werden entscheiden.


In dieser Stunde des Abschiedes muss es unser Bemühen sein, im ereignisreichen Leben des verstorbenen Bundespräsidenten, in dem es ganz außergewöhnliche Höhepunkte, aber auch schwierige und schmerzliche Stunden gegeben hat, alle Teile seines Lebensweges in eine gerechte Relation zueinander zu setzen. Die großen Leistungen von Kurt Waldheim, seine bleibenden Verdienste und seine Liebe zu Österreich dürfen nicht an den Rand gedrängt werden. Sie verdienen es, anerkannt und gewürdigt zu werden.


Kurt Waldheim hat es verdient, dass man sein Lebenswerk in seiner Gesamtheit würdigt und dass man außer Streit stellt, was nicht bestritten werden kann.


Kurt Waldheim wurde zu einer Projektionsfläche für schlechtes Gewissen im Zusammenhang mit unserem Umgang mit der NS-Zeit und mit Versäumnissen in der Nachkriegsgeschichte. Vielleicht auch zu einer Projektionsfläche für manche unbeantwortet gebliebene Frage von Kindern und Enkelkindern der Kriegsgeneration an ihre Väter und Großväter.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Dr-Heinz-Fischer. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.