Ernest Bornemann

"Vive la différence!" sagt selbst der Fortschrittliche dann mit jenem Augenblinzeln, das da andeuten soll, wir seien alle erfahrene Männer. Genau das sind wir aber nicht, wenn wir noch immer den kleinen Unterschied preisen, ohne uns seiner gesellschaftlichen Auswirkungen bewußt zu sein.


Das liberale Patriarchat unserer Tage hat nur allzuoft verkündet, es sei durchaus das Recht der Frau, befriedigt zu werden, aber was damit gemeint war, war meist eine Variante des Lutherschen Diktums von 2 x 1 pro Woche. Einmal rein, einmal raus, fertig ist der kleine Klaus.


Der Mann kann sich nur als Held zeigen, indem er angreift, das heißt, indem er Schmerzen zufügt. Die Frau dagegen zeigt ihr Heldentum, indem sie die Schmerzen erträgt.


Die bürgerliche Wissenschaft betrachtet das Verhalten des Mannes im Patriarchat als natürlich, männlich, normal. Sie faßt als reinen Biologismus auf, was zum großen Teil gesellschaftlich bedingt ist.


Die ganze Geschichte der Menschheit erzählt von der männlichen Aggression; ja, die menschliche Geschichte kann überhaupt nur als Geschichte der Aggression verstanden werden.


Liebe ist die Fixierung des Paarungswunsches auf eine bestimmte Person. Liebe ist eine Hörigkeit, die den anderen zum Fetisch macht.


Liebe ist etwas, das stets nach dem Geschlechtsverkehr, nie vor ihm kommt. Was vorher da war, kann Begierde oder Leidenschaft, Respekt oder Zuneigung, niemals aber Liebe sein. Liebe entsteht, nachdem zwei Menschen kopuliert haben und dann entdecken, daß das, was sie zusammengeführt hat, mehr als ein sexueller Trieb war.


Macht, Recht, Autorität und Gehorsam sind die Eckpfeiler des Gebäudes, auf denen alle patriarchalischen Gesellschaften ruhen, auch die unsrige.


Selbst Zeus, der Göttervater, dem alles möglich ist, wird in seiner Potenz als menschlich begrenzt aufgefaßt. Als er zwei Tage und zwei Nächte lang mit Alkmene koitiert hat und immer noch gern weitermachen möchte, obgleich er nicht mehr kann, hält er einfach die Zeit still, indem er die Sonne einen Tag lang nicht aufgehen läßt. So verschafft er sich, ohne Potenzmittel, einen dritten Tag der Liebe.


So hat der Mann in der modernen Industriegesellschaft die Frau durch Entfremdung und Entmenschlichung zu einer unbezahlten Energiequelle gemacht, an der er jeden Abend, jede Nacht und jeden Morgen seine Batterien auflädt, nachdem er erschöpft von der Arbeit nach Hause gekommen ist. Was er als seine männliche Kraft betrachtet, ist also die Kraft der Frau, die ihn versorgt.


Treue ist nicht immer Resultat von Tugend, sondern beruht oft auf mangelnder Attraktivität oder mangelnder Gelegenheit.


Von allen strukturellen Elementen, die das Patriarchat von den ihm vorausgegangenen Kulturen unterscheiden, ist das Element der Leistung das wichtigste.


Was den normalen Mann von der Frau unterscheidet, ist also nicht die Anwesenheit seines Y-Chromosoms, sondern die Abwesenheit des zweiten X. In diesem Sinne ist der Mann auch nur eine unfertige Frau, eine biologische Entgleisung, die in zahllosen biologischen Aspekten benachteiligt ist.


Wenn die moderne Verhaltensforschung uns aber irgend etwas Eindeutiges mitgeteilt hat, dann die Erkenntnis, daß das männliche Wesen nirgends in der gesamten höheren Tierwelt sozial interessiert ist.


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