Ernst Bloch

. . . homo semper tiro, der Mensch ist immer ein Lernender, die Welt ist ein Versuch, und der Mensch hat ihm zu leuchten.


Alles Gescheite mag schon siebenmal gedacht worden sein. Aber wenn es wieder gedacht wurde, in anderer Zeit und Lage, war es nicht mehr dasselbe.


Altwerden bezeichnet also nicht nur eine wünschenswerte Zeitstrecke, auf der möglichst viel erlebt worden ist, möglichst viel in seinem Ausgang erfahren werden kann. Altwerden kann auch ein Wunschbild dem Zustand nach bezeichnen: das Wunschbild Überblick.


Auf tausend Kriege kommen nicht zehn Revolutionen.


Beziehungen: Auch im übertragenen Sinn ist der Mensch in seiner eigenen Haut nackt geboren und bedarf fremder bekleidender Stoffe, um sich genau in seiner eigenen Nähe zu wärmen, ja zu betonen.


Ce qui compte c'est d'apprendre à espérer.


Das Beste, was das Christentum hervorgebracht hat, sind seine Ketzer.


Das Mädchen muß durch Ehe versorgt werden, so saß es auf der Stange, hatte auf den Mann zu warten. Oder fing mit List und sich selber als Köder Männer ein, blieb auch dann unmündig, ohne Jagdschein.


Das Reich der Freiheit kommt auch nicht mit stufenweiser Verbesserung von Gefängnisbetten.


Dasjenige, was im Schwange ist, findet seine Mitläufer nicht so sehr, weil es modisch als weil es vorteilhaft ist.


Denken heißt Überschreiten.


Der Aberglaube an die automatische Wirkung der Einsicht kommt außerhalb der schematischen Propaganda nur noch bei alten Mathematiklehrern vor.


Der Apologet der nackten Ausbeutung, des mörderischen Herrentums.


Der menschliche Hunger ist selten einstöckig, wie der der Tiere, und was er ißt, schmeckt nach mehr.


Die Ausbürgerung ist ein Ehrenzeichen geworden – das einzige, das die Nazis zu verleihen imstande sind.


Die Eitelkeit ist das letzte Kleid, das der Mensch auszieht.


Die Fälschung unterscheidet sich vom Original dadurch, daß sie echter aussieht.


Die Liebe ist eine Reise in ein gänzlich neues Leben.


Die Menschen haben keinen aufrechten Gang, wenn das gesellschaftliche Leben noch schiefliegt.


Die Philosophen sollen die Welt nicht interpretieren, sondern verändern.


Die Sowjetunion kennt keine Frauenfrage mehr, weil sie die Arbeiterfrage gelöst hat; wo Herr und Knecht aufhören, verschwindet auch die Unterschicht: Weib.


Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen.


Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.


Dienen und der Zwang zu gefallen sind im weiblichen Leben verwandt, denn das Gefallen macht gleichfalls dienstbar.


Es gehört zum Wesen der Hoffnung, daß sie enttäuscht werden kann, sonst wäre sie ja Zuversicht.


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