François René Vicomte de Chateaubriand

Der Hochmut ist so sehr die Grundlage des Bösen; daß er sich in die verschiedenen Schwächen der Seele mischt; er glänzt im Lächeln des Neides, er gibt sich kund in den Genüssen der Wollust, er zählt das Gold des Geizes und folgt den Grazien der Weichlichkeit.


Der Mensch verarmt an Ideen in eben dem Maße, als er sich mit Gefühlen bereichert; er vereinigt sich in Gefühlen nach eben dem Maße, als er sich in Ideen erweitert; sein Herz gewinnt auf Kosten seines Geistes und sein Geist auf Kosten seines Herzens.


Man darf sich nicht wundern, wenn bei dem Hange des Menschen zum Geheimnisvollen die Religionen aller Völker undurchdringliche Geheimnisse enthalten.


Je undankbarer der Boden eines Landes, je rauher das Klima sich erweist, oder je mehr Verfolgungen man in diesem Lande erlitt, desto mehr Reize gewinnt es für uns.


Krankheiten der Seele pflanzen sich fort wie die Krankheiten des Leibes und der Mensch wird in seinen letzten Nachkommen noch für den Fehltritt gestraft, welcher ihm den ersten Ansteckungsstoff des Lasters gab.


Ein Irrtum, der von Regierungen oft genährt wird, ist der, daß sie ihre Kraft zu mehren glauben, indem sie ihre Gewalt erweitern: eine zu schwere Rüstung macht den, der sie trägt, unbehilflich.


Nicht derjenige zeigt sich als origineller Schriftsteller, welcher niemanden nachahmt, sondern derjenige ist es, welchen niemand nachzuahmen vermag.


Die politische Unbeweglichkeit ist unmöglich, man muß mit der menschlichen Intelligenz vorwärts gehen.


Die großen Menschen, die auf der erde eine sehr kleine Familie bilden, finden leider nur sich selbst zum Nachahmen.


Das Alter ist eine Reisende der Nacht. die Erde verbirgt sich und der Himmel wird sichtbar.


Der Mensch hat nicht ein und dasselbe Leben. Er hat viele Leben hintereinander und das ist die Ursache seines Unglücks.


Das wahre Glück kostet nicht viel. Wenn es teuer ist, ist es von schlechter Qualität.


Die Katze gibt vor, zu schlafen, um desto klarer sehen zu können…


Sobald die Demokratie das, was sie sucht, die Gleichheit, erreicht hat, so gibt sie wohlfeilen Preises die Freiheit auf.


Die größten Staatsmänner von Aristoteles bis Montesquieu sind darin überein gekommen, daß es gewisse Fälle gibt, wo es den Völkerrn heilsam ist, sich unter den Schutz einer Art von gesetzlichem und zeitlichem Despotismus zu stellen.


Der schlechte Geschmack, wenn er bis zur Unverbesserlichkeit angewachsen, entspringt aus einer Schiefheit des Urteils und aus einem natürlichen Wanken in den Ideen; da aber der Geist auf das Herz wirkt, können die Wege des zweiten schwerlich richtig sein, wenn die Wege des ersten es nicht sind.


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