François VI Duc de La Rochefoucauld

Reue ist oft nichtso sehr das Bedauern über das Böse, das wir getan haben, als die Furcht vor dem, was uns daraus erwachsen könnte.


Leidenschaft macht oft den gescheitesten Menschen zum Tropf und den größten Dummkopf zum gescheiten Manne.


Immer hält das Herz den Verstand zum besten.


Eine elegante Frau ist immer verliebt – in sich selbst


Ungewißheit und Wechsel in der Welt mögen noch so groß erscheinen, trotzdem bemerkt man so etwas wie eine von der Vorsehung bestimmte Gesetzmäßigkeit, die bewirkt, daß alles in seiner Reihe geht und der Bahn des Schicksals folgt.


Das Glück liegt im Geschmack, nicht in der Sache; und der Besitz dessen, was man selbst gern hat, nicht dessen, was andere gern haben, macht glücklich.


Immer listig sein, deutet auf einen kleinlichen Geist und fast stets kommt es vor, daß der, welcher sich dadurch auf der einen Seite deckt, auf der anderen sich eine Blöße gibt.


Ein kleiner Geist will nur glauben, was er sieht.


Meine nur nicht, daß dir Leute, die du überlistet hast, so lächerlich sind, wie du es dir selbst bist, wenn sie dich überlistet haben.


Kein Streit würde lange dauern, wenn das Recht oder das Unrecht nicht auf beiden Seiten wäre.


Als Sterbliche ängstigt uns alles; doch alles begehren wir, als ob wir unsterblich wären.


Alte Männer geben sehr gern gute Ratschläge, um sich darüber hinwegzutrösten, daß sie nicht mehr in der Lage sind, schlechte Beispiele zu geben.


Man ist oft mit sich selbst so sehr im Widerspruch als mit Andern.


Bei den ersten Liebschaften lieben die Frauen den Geliebten; bei den späteren lieben sie die Liebe.


Bescheidenheit ist eine Tugend, die man vor allem an anderen schätzt.


Das Alter ist ein Tyrann, der bei Todesstrafe alle Vergnügungen der Jugend verbietet.


Das Talent des Menschen hat seine Jahreszeiten wie Blumen und Früchte.


Der Eigennutz spricht alle Sprachen und spielt alle Rollen, sogar die Selbstlosigkeit.


Die Lust, von uns selbst zu sprechen und unsere Fehler in einem Licht zu zeigen, das wir für wünschenswert halten, macht einen großen Teil unserer Offenherzigkeit aus.


Der Ruhm großer Männer sollte stets an den Mitteln gemessen werden, mit denen sie ihn erworben haben.


Der Wunsch, klug zu erscheinen, verhindert oft, es zu werden.


Die Anerkennung ernster Menschen gewinnen wir durch Leistung, die der Masse durch Glück.


Die Demut ist oft nichts anderes als eine vorgespiegelte Unterwerfung, um andere zu unterwerfen: Sie ist ein Kunstgriff des Stolzes, der sich erniedrigt, um sich zu erhöhen.


Die Freude der Liebe ist zu lieben, und man ist beglückter durch die Leidenschaft, die man besitzt, als durch diejenige, die man erweckt.


Die Tugenden verlieren sich im Eigennutz, wie sich die Ströme im Meer verlieren.


Die Zurückhaltung der Frauen ist ein Anstrich und eine Schminke ihrer Schönheit.


Edelmut ist nur verkappter Ehrgeiz, der die kleinen Vorteile verachtet, um größeren nachzugehen.


Es gibt Böse, die weniger gefährlich wären, wenn sie nicht einige Güte hätten.


Es gibt nur eine echte Liebe, aber tausend verschiedene Kopien.


Es gibt schlechte Eigenschaften, welche große Talente machen.


Es gibt unendlich viele Arten, des Benehmens, welche lächerlich erscheinen und deren verborgene Gründe doch sehr klug und fest sind.


Es ist beschämender, seinen Freunden zu mißtrauen, als von ihnen betrogen zu werden.


Es ist leichter, anderen mit Weisheit zu dienen, als sich selbst.


Es ist leichter, den ersten Wunsch zu unterdrücken, als alle anderen zu befriedigen, die er nach sich zieht.


Fast alle Menschen tragen gern kleine Verbindlichkeiten ab; viele empfinden Erkenntlichkeit für größere, aber fast niemand hat für die großen etwas anderes als Undankbarkeit.


Was man Freigebigkeit nennt, ist fast immer eine Eitelkeit, die das Geben lieber hat als die Gaben.


Gäben wir uns soviel Mühe, zu sein, was wir sein sollten, wie wir uns Mühe geben, zu verschleiern, was wir sind, könnten wir wir selbst sein und uns die Mühe des Verschleierns ersparen.


Gewisse Tränen täuschen uns oft selber, nachdem sie andere getäuscht haben.


Große Geister pflegen mit wenig Worten viel, kleine Geister mit vielen Worten nichts zu sagen.


Wir finden in den Unannehmlichkeiten unserer besten Freunde immer etwas, das uns nicht mißfällt.


In der Freundschaft wie in der Liebe ist man oft glücklicher durch das, was man nicht weiß, als durch das, was man weiß.


In der Reue bedauern wir weniger die böse Tat, sondern fürchten die bösen Folgen.


Jede Leidenschaft verleitet uns zu Fehlern – aber die Liebe aber zu den lächerlichsten!


Jeder Lebensabschnitt ist neu. Und wenn man noch so alt wird, man kommt immer wieder durch Unerfahrenheit in Schwierigkeiten.


Junge Frauen, die nicht kokett, und alte Männer, die nicht lächerlich erscheinen möchten, dürfen von der Liebe niemals so reden, als ob sie daran beteiligt sein könnten.


Kein Ereignis ist so unglücklich, daß kluge Leute nicht irgendeinen Vorteil daraus zögen, und keines so unglücklich, daß es ein Dummkopf nicht zu seinem Nachteil kehren könnte.


Keine Verstellung kann Liebe lange verhehlen, wenn sie da ist, noch kann man sie vortäuschen, wenn sie nicht da ist


Die Liebe kann, wie das Feuer, nicht ohne beständiges Anfachen leben, und sie stirbt, sobald sie zu hoffen oder zu fürchten aufhört.


Liebe und Klugheit sind nicht füreinander gemacht: Wächst die Liebe, so schwindet die Klugheit.


Man darf sich nicht kränken, daß uns andere nicht die Wahrheit sagen; denn wir sagen sie uns oft selbst nicht.


Man ist nie so lächerlich durch die Eigenschaften, die man besitzt, wie durch jene, die man zu haben vorgibt.


Man ist niemals so glücklich oder unglücklich, wie man glaubt.


Man muß den Ruhm der Menschen an den Mitteln messen, derer sie sich bedient haben.


Man sollte einen Menschen nicht nach seinen Vorzügen beurteilen, sondern nach dem Gebrauch, den er davon macht.


Man sollte sich darüber erstaunen, daß man sich überhaupt noch erstaunen kann.


Manches Schöne ist unvollendet reizvoller als allzu vollendet.


Mit nichts ist man freigiebiger als mit Ratschlägen, und mit nichts sollte man zurückhaltender sein.


Moralische Entrüstung besteht in den meisten Fällen aus 2% Moral. 48% Hemmungen und 50% Neid.


Schmeicheleien sind Falschgeld, das ohne die Eitelkeit gar keinen Kurswert hätte.


Sind wir einer Liebe müde, so freuen wir uns über die Untreue, die uns von unserer Treue erlöst.


Trennung verringert mittelmäßige Leidenschaften und vergrößert starke, wie der Wind Kerzen auslöscht und Glut entfacht.


Treue Liebe ist selten, treue Freunde noch seltener.


Uns paßt an den anderen nicht, was den anderen an uns nicht paßt.


Unsere Reue ist nicht so sehr ein Bedauern des Üblen, das wir getan haben, als eine Furcht vor dessen Folgen.


Vollendete Tapferkeit besteht darin, ohne Zeugen zu tun, was man vor aller Welt tun möchte.


Was man Freizügigkeit nennt, ist oft nur die Eitelkeit des Gebens.


Wenn es Menschen gibt, deren Lächerlichkeit nie sichtbar geworden ist, dann hat man nur zu wenig danach gesucht.


Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es vergeblich, sie anderswo zu suchen.


Wenn wir Zufriedenheit nicht in uns selbst finden, ist es zwecklos, sie anderswo zu suchen.


Wer ohne Dummheit lebt, ist nicht so klug wie er denkt.


Wer ohne jede Narrheit lebt, ist nicht so weise, wie er glaubt.


Wir erreichen jeden Lebensabschnitt als Neuling.


Wir gestehen unsere kleinen Fehler nur, um damit zu überzeugen, daß wir keine großen haben.


Wir können den Menschen verzeihen, die uns langweilen, aber niemals den Menschen, die wir langweilen.


Wir lieben immer die Menschen, die uns bewundern. Aber nicht immer die, die wir bewundern.


Wir trauen fast niemandem gesunden Menschenverstand zu als dem, der unserer Meinung ist.


Leicht vergessen wir unsere Fehler, an denen wir selbst schuld sind.


Wir verzeihen unseren Freunden leicht die Fehler, die uns nicht berühren.


Wenn wir uns geben, wie wir sind, gewinnen wir mehr als mit dem Versuch zu scheinen, was wir nicht sind.


Zänkereien würden nie lange dauern, wenn das Unrecht nur auf einer Seite wäre.


Die Kunst, mittelmäßige Eigenschaften geschickt einzusetzen, findet oft mehr Anerkennung als wirkliche Größe.


Man hat kaum einen Fehler, der nicht verzeihlicher wäre als die Mittel, die man anwendet, um sie zu verbergen.


Die Liebe hat einen mächtigen Bruder: den Haß. hüte dich, jene zu verletzen, dieser kann töten.


Man kann schlauer sein als ein anderer, aber nicht schlauer als alle anderen.


Es gibt Leistung ohne Erfolg, aber keinen Erfolg ohne Leistung.


Wenn wir selbst keine Fehler hätten, würden wir sie nicht mit so großem Vergnügen an anderen entdecken.


Der Mensch bedarf weit größerer Tugenden, das Glück zu ertragen als das Unglück.


Nichts ist so ansteckend wie das Beispiel, und wir stiften nie viel Gutes oder Böses, was nicht ähnliches Gutes oder Böses hervorbrächte.


Wer sich zuviel mit dem Kleinen abgibt, wird gewöhnlich unfähig für das Große.


Die Menschen würden nicht lange in Gemeinschaft leben, wenn nicht einer vom anderen betrogen würde.


Die Welt belohnt öfter den Schein des Verdienstes als das Verdienst selbst.


Zuviel Fleiß im Kleinen macht meistens unfähig zum Großen.


Bisweilen gehört nicht weniger Klugheit dazu, auf einen guten Rat zu hören, als sich selbst einen solchen zu geben.


Meistens loben wir nur, um gelobt zu werden.


Die Mittelmäßigkeit verurteilt meist alles, was ihren Horizont übersteigt.


Der höchste Beweis der Freundschaft ist nicht, einem Freund unsere Fehler, sondern ihm seine bemerkbar zu machen.


Die wahre Beredsamkeit besteht darin, das zu sagen, was zur Sache gehört, und eben nur das.


Ein geistreicher Mensch wäre oft recht in Verlegenheit ohne die Gesellschaft der Dummköpfe.


Es gibt wenig Frauen, deren Wert ihre Schönheit überdauert.


Es ist kein großes Unglück, Undankbare zu verpflichten, aber es ist unerträglich, einem schlechten Menschen verpflichtet zu sein.


Glück und Unglück hängen genauso vom Temperament wie vom glücklichen Zufall ab.


Alle klagen über ihr Gedächtnis, keiner über seinen Verstand.


Kein Mensch hat öfter unrecht als der, der es nicht ertragen kann, unrecht zu haben.


Kleine Fehler geben wir gern zu, um den Eindruck zu erwecken, wir hätten keine großen.


Liebe ist – das einzige Mittel, die Gunst der Frauen zu erlangen, die für Geld nicht zu haben sind – das, was der größte Philosoph nicht zu erklären, wohl aber der größte Dummkopf zu empfinden vermag.


Liebende Frauen verzeihen eher große Zudringlichkeiten als kleine Treulosigkeiten.


Wer ohne die Welt auszukommen glaubt, irrt sich. Wer aber glaubt, daß die Welt nicht ohne ihn auskommen könne, irrt sich noch viel mehr.


Manche Menschen gelten nur deshalb etwas in der Welt, weil ihre Fehler die Fehler der Gesellschaft sind.


Nichts ist schmerzvoller als schöne Erinnerungen an schlechten Tagen.


Schüchternheit ist ein Fehler, den man nicht tadeln darf, wenn man ihn heilen will.


Unser Neid dauert stets länger als das Glück derer, die wir beneiden.


Was uns daran hindert, unsere Freunde in’s Innerste unseres Herzens blicken zu lassen, ist weniger das Mißtrauen, das wir in sie als in uns selbst setzen.


Wir haben mehr Kraft als Willen und oft reden wir uns zu unserer Selbstentschuldigung ein, daß etwas unmöglich sei.


Wir können uns unseres Mutes nicht sicher sein, solange wir uns nicht in Gefahr befunden haben.


Das wahre Mittel betrogen zu werden, ist, sich für schlauer zu halten als andere.


Oft verliert man sich nur deshalb nicht in einem Laster, weil man mehrere hat.


Sich selbst betrügen, ohne daß man es selbst merkt, ist so leicht, wie es schwer ist, andere zu betrügen, ohne daß sie es merken.


Viele Menschen verachten den Reichtum, aber wenige sind stark genug, darauf zu verzichten.


Warum können wir uns an die kleinste Einzelheit eines Erlebnisses erinnern, aber nicht daran, wie oft wir es ein und derselben Person erzählt haben?


Würde ist eine körperliche Kunst, erfunden um die Mängel des Geistes zu verbergen.


Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden. Wenn einer weise scheint, liegt es daran, daß seine Torheiten seinem Alter und seinen Kräften angemessen sind.


Das Vertrauen gibt dem Gespräch mehr Stoff als Geist.


Die Bescheidenheit ist wie die Enthaltsamkeit: man würde wohl gerne mehr essen, fürchtet aber, daß es einem übel bekommt.


Der Beifall, der neuen Größen gespendet wird, entstammt nur zu oft dem Neid auf die bereits vorhandenen.


Es gibt zweierlei Arten von Neugier: die eine aus Eigennutz, die uns antreibt zu erfahren, was uns nützen kann; die andere aus Stolz, die dem Trieb entspringt, zu wissen, was andere nicht wissen.


Die Mäßigung glücklicher Menschen kommt von der Seelenruhe mit der ein gütiges Schicksal sie begabt hat.


Ehe man etwas brennend begehrt, soll man das Glück dessen prüfen, der es besitzt.


Nur Menschen, welche Festigkeit besitzen, sind wahrer Sanftmut fähig; die da sanft scheinen, sind gewöhnlich bloß schwach und werden leicht verbittert.


Wir können groß wirken in einer Stellung, die unter unseren Verdiensten ist; aber wir wirken oft klein in einer, die größer ist als wir.


Wie es große Geister charakterisiert, viel Sinn in wenig Worte zu legen, so ist es die Gabe kleiner, viel zu sprechen und nichts zu sagen.


Beredsamkeit beruht nicht nur auf der Wahl der Worte, sondern ebenso auf dem Ton, dem Blick und dem Mienenspiel.


Wer seine Gesundheit durch allzu strenge Lebensweise zu erhalten sucht, begibt sich damit in eine fortlaufende und langweilige Krankheit.


Gravitätisches Auftreten ist ein Geheimnis des Körpers, erfunden, um die Mängel des Geistes zu verbergen.


Der Verstand wird stets vom Herzen getäuscht.


Echte Tapferkeit ist es, alle Dinge, die man vor den Augen der Welt zu tun fähig ist, auch ohne Zeugen tun zu können.


Um die Dinge ganz zu kennen, muß man um ihre Einzelheiten wissen.


Am lästigsten sind die geistreichen Dummköpfe.


Es gibt lobenden Tadel und tadelndes Lob.


Die Dauer einer Leidenschaft hängt ebenso wenig von uns ab wie die Dauer unseres Lebens.


L’espérance toute trompeuse qu’elle est, sert au moins à nous mener à la fin de la vie par un chemin agreable”


Was man uns auch Gutes über uns sagen mag: Man sagt uns nichts Neues.


Wir versprechen aus Hoffnung und wir halten aus Furcht.


Meister der Beredsamkeit ist der, der alles Nötige sagt und nur dies.


Der Geiz steht zur Sparsamkeit in größerem Gegensatz als die Freigiebigkeit.


Unsere Handlungen sind wie vorgegebene Reime, zu denen sich jeder seinen Vers macht.


Das sicherste Zeichen angeborener Vorzüge ist Neidlosigkeit.


Gewöhnlich ist man mehr aus Eitelkeit schmähsüchtig als aus Bosheit.


Ratschläge kann man geben, aber das Verhalten kann man nicht beibringen.


Die Hoffnung, so trügerisch sie auch ist, dient doch dazu, uns zum Ende des Lebens auf einem angenehmen Weg zu führen.


Bei keiner Leidenschaft herrscht die Selbstliebe so gewaltig wie bei der Liebe, und man ist stets mehr geneigt, die Ruhe der geliebten Person aufzuopfern, als die eigene zu verlieren.


So viele Weichen so viele Kreuzungen so viele Lichter so viele Signale und doch treu bleiben meinem Weg mir selbst dem Ziel und dir Es ist die Treue die mich und dich zum Ziele führt


Es gibt Leute, deren ganzes Verdienst darin besteht, Dummheiten zu sagen und zu tun.


Es gibt gewisse Fehler, welche, gut dargestellt, besser glänzen als Tugenden.


Es ist schwerer, Gefühle, die man hat, zu verbergen, als solche, die man nicht hat, zu heucheln.


Wie beklagenswert ist eine Frau, wenn sie verliebt und tugendsam zugleich ist.


Wir sind so gewohnt, uns vor anderen zu verbergen, daß wir uns schließlich vor uns selber verbergen.


Erst unser Herz gibt den Fügungen des Schicksals ihren Wert. Wirklich gewandt sein, heißt den Preis der Dinge kennen.


Schwache Menschen können nicht aufrichtig sein.


Es gibt zwei Arten von Beständigkeit in der Liebe: die eine, weil man an der geliebten Person immer neue Gründe findet, sie zu lieben, die andere, weil man sich eine Ehre daraus macht, beständig zu sein.


Die glücklichsten Liebschaften basieren auf gegenseitigem Mißverständnis.


Mit der wahren Liebe ist es wie mit den Gespenstererscheinungen: alle reden davon, aber keiner hat sie je gesehen.


So selten auch die wahre Liebe ist, wahre Freundschaft ist noch seltener.


Die Bescheidenheit glücklicher Menschen kommt von der Ruhe, die das Glück ihren Gemütern verleiht…


Man findet kaum so viele Undankbare, als man in der Lage ist, Wohltaten zu erweisen…


Es ist leichter, Liebe zu finden, wenn man sie nicht hat, als sich von ihr zu lösen, wenn man sie hat…


Die meisten Menschen besitzen, wie Pflanzen, verborgene Eigenschaften, die der Zufall entdeckt.


Was die Eitelkeit anderer so unerträglich macht, ist die Tatsache, daß sie die eigene kränkt.


An den Vorfahren kann man nichts ändern, aber man kann mitbestimmen, was aus den Nachkommen wird.


Die Beredsamkeit liegt weniger im Tone der Stimme, in Augen und Mienen einer Person als in der Wahl der Worte.


Gerechtigkeit ist nichts als die lebhafte Besorgnis, daß man uns nicht nehme, was uns gehört.


Die Natur gibt einem Menschen die Fähigkeiten, und das Glück bringt sie zur Wirkung.


Die Hoffnung dient dazu, uns das Leben zu erwärmen, zu erhellen.


Wir geben Rat, aber wir können nicht die Weisheit geben, den Nutzen daraus zu ziehen.


Nur große Männer haben das Recht, große Fehler zu haben.


Die Welt begünstigt weit häufiger falsche Verdienste, als sie echte Anerkennung zollt.


Es ist leichter, für andere weise zu sein, als für sich.


Es ist leichter, der Ämter würdig zu erscheinen, die man nicht besitzt, als derer, die man bekleidet.


Viele wollen fromm sein, niemand demütig.


Wir haben alle Kraft genug, um anderer Mißgeschick zu ertragen.


Höflichkeit des Geistes besteht darin, daß man feine und zarte Dinge denkt.


Wenn man keinen zweiten nimmt, behält man lange den ersten Liebhaber.


Das Schicksal läßt seinen Lieblingen alles zum Vorteil gereichen.


Ein Liebender sieht die Fehler der Geliebten erst, wenn das Verrücktsein vorüber ist.


Es fehlt viel daran, daß wir alle Regungen unseres Willens kennen.


Das Glück liegt in unserer Einschätzung und nicht in der Sache selbst; und man ist glücklich, wenn man hat, was man liebt, nicht wenn man hat, was die anderen für liebenswert halten.


Es reicht nicht aus, gute Eigenschaften zu besitzen. Man muß sie auch gut ausnutzen.


Es ist schwer zu entscheiden, ob eine reine, aufrichtige und ehrenhafte Handlungsweise eine Wirkung der Rechtschaffenheit oder der Schlauheit ist.


Es ist gefährlich, denen Ängstlichkeit vorzuwerfen, die man davon heilen will.


Es ist mit der Dankbarkeit wie mit der Redlichkeit der Kaufleute: sie hält den Handel aufrecht. Wir bezahlen nicht, weil es gerecht ist, sondern um leichter Leute zu finden, die uns borgen.


Das Glück heilt uns von mehr Fehlern, als die Vernunft es vermag.


Die Beständigkeit der Weisen ist nichts anderes als die Kunst, ihre Bewegtheit in ihrem Herzen zu verschließen.


Gekünstelte Einfalt ist eine feine Heuchelei.


Man weist ein Lob zurück in dem Wunsch, nochmals gelobt zu werden.


Aus manchen schwierigen Lebenslagen kann man sich nur mit ein wenig Tollheit retten.


Die Philosophen verdammen den Reichtum nur, weil wir ihn schlecht gebrauchen.


Wir würden kaum etwas glühend verlangen, wenn wir das Verlangte ganz kennen.


Galanterie besteht darin, leere Dinge auf Weise zu sagen.


Schweigen ist der sicherste Wege für den, der sich selbst nicht traut.


Die erworbene Ehre ist eine Kaution für jene, die man noch erwerben muß.


Die Eifersucht ist das größte Übel und erweckt doch bei den Menschen, die es verursachen, am wenigsten Mitleid.


Dankbarkeit ist ein ausgeprägter Sinn für Gefälligkeiten, die noch ausstehen.


Niemand hetzt andere so wie die Faulen, wenn sie ausgefaulenzt haben, damit sie fleißig erscheinen.


Von allen unseren Fehlern erklären wir uns am meisten mit der Faulheit einverstanden; wir überreden uns, daß sie zu den friedlichen Tugenden gehöre und daß sie diese nicht zerstöre, sondern nur deren Funktion zeitweilig aufhebe.


Es gibt keine unbequemeren Dummköpfe als die, die Geist haben


Gegen die Maximen, die das Herz des Menschen entdecken, kämpft man so heftig an, weil man fürchtet, durch sie selber entdeckt zu werden.


Die Täuschung geht immer weiter als der Verdacht.


Guter Anstand ist dem Körper, was Mutterwitz dem Geist ist.


Selbstvertrauen ist die Quelle des Vertrauens zu anderen.


Glück und Laune regiert die Welt.


Die größte Weltklugheit besteht darin, den Preis der Dinge zu kennen.


Wir bilden uns zuweilen ein, wir haßten Schmeichelei, aber wir hassen nur die Art, wie man uns schmeichelt.


Lob ablehnen heißt: zweimal gelobt sein wollen.


Weder die Sonne noch den Tod kann man fest anblicken.


Die Launen unseres Gemüts sind noch seltsamer als die des Schicksals.


Körperliche Arbeit befreit von seelischen Schmerzen und das ists, was den Armen glücklich macht.


Unsere Stimmung gibt allen Gaben des Glücks ihren Wert.


Von den Stimmungen der Menschen gilt wie von den Gebäuden, daß sie zwei Ansichten haben: eine angenehme und eine unangenehme.


Es gibt kaum Menschen, die beim ersten Nahen des Alters nicht erkennen lassen, woran ihr Geist oder Körper zugrunde gehen wird.


Die lästigen Dummköpfe sind die, welche Witz hasben.


Unsere Stimmung verleiht allen Gaben des Glücks ihren Wert.


Das Gute, das wir von jemandem empfinden, erfordert, daß wir das Schlechte, das er uns antut, in Kauf nehmen.


Abwesenheit mindert mäßige Liebe und mehrt die starke.


Es gibt Narrheiten, die sich wie ansteckende Krankheiten verbreiten.


Wir würden kaum etwas heftig wünschen, wenn wir den Gegenstand unserer Wünsche vollkommen kennten.


Menschen und Dinge verlangen eine besondere Perspektive. Es gibt manche, die man aus der Nähe sehen muß, um sie richtig zu beurteilen, und andere, die man nie richtiger beurteilt, als wenn man sie aus der Ferne sieht.


Demut ist das wahre Kennzeichen christlicher Tugenden. Ohne sie behalten wir alle unsere Fehler, und sie werden nur von Stolze überkleidet, der sie anderen und oft uns selbst verbirgt.


Man langweilt sich fast immer mit Leuten, mit denen man sich nicht langweilen darf.


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