Frank Elstner

Bei den Massenmedien Radio und Fernsehen, die ja nicht für Nobelpreisträger Programm machen, sondern für die mindestens 95 Prozent anderen, gibt es andere Kardinaltugenden: Neugier, Spontanität.


Das deutsche RTL-Programm ist jetzt 24 Jahre alt. Es hat als reines Unterhaltungsprogramm mit Musik zu einer Zeit begonnen, als man dort noch keine Service-Sendungen kannte. Die Marktlücke damals in Deutschland hieß: Unterhaltung, Musik, Entspannung. Darauf gab es natürlich eine Reatkion, als man merkte, daß dieses sehr einfache, aber sehr professionell gemachte Programm die Hörer anzog. So sind etwa die Service-Wellen entstanden.


Der Unterschied zwischen Politiker und Publikum: das Publikum ist unbezahlbar.


Die Karriere unserer Mitarbeiter hängt nicht von politischem Wohlverhalten ab, bei RTL verteilen nicht Politiker die Pöstchen. Nicht einmal ich selbst bin hier je nach politischer Einstellung oder Parteibuch gefragt worden.


Die Sendung lebt vom unerschöpflichen Reichtum der Phantasie des Publikums, das sich immer neue Wetten ausdenkt.


Ein deutsches Fernsehprogramm von Radio Luxemburg muß demselben Grundsatz folgen wie auch unser Hörfunkprogramm: Wir brauchen und wir wollen eine hohe Akzeptanz, das ist klar. Es wird deshalb ein Programm sein, das ein hohes Maß an Unterhaltung, aber eben auch Information bietet.


Früher, als die Menschen praktisch jede wache Minute ihres Lebens brauchten, um hart zu arbeiten, da gab's das nicht, da war Freizeit und damit auch Unterhaltung ein Fremdwort. Nun könnte ich mir schon vorstellen, daß es etwa Politiker geben könnte, die sich eine Berieselung durch die Medien wünschen, um von ihren Fehlern oder Versäumnissen abzulenken.


Ich ärgere mich immer wieder, wenn irgendwo steht, daß der Moderator X für eine Sendung 20.000 Mark bekommt. Wer das so liest, muß doch glauben, die Moderatoren sind alles Millionäre. Ganz ehrlich: Ich könnte von den sechs Sendungen "Wetten, daß . . .?" im Jahr nicht leben.


Ich denke schon, daß wir so für Innovation auf dem Rundfunksektor gesorgt haben. Und weil die Bemühungen der deutschen Anstalten um mehr Unterhaltung durchaus erfolgreich sind, müssen wir uns nun wieder überlegen, wie wir die Nase vorn behalten können. Wir reagieren mit mehr Information, weil wir festgestellt haben, daß der Durchschnittshörer dies von uns erwartet. Da tasten wir ständig den Markt ab.


Ich glaube nicht, daß man die vielen verschiedenen Tätigkeiten, die ich hinter- oder nebeneinander hatte und habe, richtig voneinander trennen kann. Ich bin Direktor des deutschen Programms von Radio Luxemburg (RTL), ich setzte mich ein für den Deutschen Sportbund, ich arbeite für die Deutsche Krebshilfe – all diese Dinge haben natürlich mit meiner Rolle in den Medien zu tun. Deshalb zu meiner Charakterisierung nur eine Zeile: Frank Elstner, Radio- und Fernsehmensch.


Ich habe in den zehn Jahren meiner Direktorentätigkeit noch keinen Fall von Einflußnahme erlebt – und ich würde mir auch keine gefallen lassen.


Ich habe tolle Leute, ältere Leute kennengelernt, die Ausgeglichenheit und Wissen ausstrahlen, das bewundere ich. Nehmen Sie den Jesuiten-Philosophen Oswald von Nell-Breuning, ein Mann, der nie in seinem Leben an Karriere gedacht hat und der so ein einmaliger Mensch geworden ist – ich möchte einmal aus einem solchen Fundus schöpfen können. Das wäre ein Ziel – aber das glaubt mir doch keiner.


Ich könnte mir vorstellen, daß man mich für eine Karriere im deutschen Rundfunk für untauglich gehalten hätte. Ich besitze kein Parteibuch.


Ich sage ganz klar: Das amerikanische Fernsehen ist schlechter als das deutsche. Bei uns wird trotz weniger Programme mehr Vielfalt geboten.


Ich war eigentlich immer ein ziemlich mittelprächtiger Schüler. Ein System ist einfach dämlich, das aus Schülern wie mir, der nie eine schlechtere Note hatte als 4 in Latein, durch den Streß des Abiturs Versager macht.


Jeden Morgen um sechs aufstehen, jeden Morgen zur Messe.


Mein Lebensziel besteht jedenfalls nicht darin, mit 50 oder 60 sagen zu können, man sei einmalig in bezug auf die Karriere, die man gemacht hat.


Mikrofone sind das einzige, das sich Politiker gerne vorhalten lassen.


Reichtum und Idealismus wohnen selten unter einem Dach.


Rundfunk und Fernsehen, das ist eben eine besondere Ware, da steckt immer etwas drin von der Persönlichkeit der Macher, je mehr, desto besser. Und diese Macher sind Menschen, die niemals durch Gute-Laune-Roboter ersetzt werden können.


Was die Show-Figur Frank Elstner angeht, so können Sie das am besten sehen, wenn Sie mich in einem Restaurant erleben. Da dreht sich keiner nach mir um, eben weil ich keine Show mache.


Wenn man in Deutschland schon zehn oder noch mehr Prgramme hätte, würde sich niemand so über das elfte aufregen. Aber man hat eben nur drei, da ist dann das vierte natürlich ein Weltereignis.


Wer sich durch Verehrer gestört fühlt, hat die Störung vorher selbst duch sein Verhalten provoziert. Ich gehöre nicht zu den Mächtigen – bei mir können die Menschen bestenfalls die Mächtigen und die Macht für eine Weile vergessen und etwas Spaß haben.


Wir haben festgestellt, daß unsere schärfsten Kritiker unser Programm am wenigsten kennen.


Wir machen keine blauen oder gelben Pillen – und dahin läuft es auch nicht. Sicher, die Menschen haben vielleicht immer weniger eigene Erlebnisse, aber doch nur gemessen an dem, was ihnen die Medien präsentieren. Heute gehen 70 000 ins Stadion, um Rummenigge zu sehen, oder sie besuchen Disneyland, oder sie sehen John Wayne.


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