Franz Grillparzer

Wenn die Menschen von Gott reden, so kommen sie mir vor wie Lichtenbergs Kahlenberger Bauern, die, wenn ein Messer fehlt, dafür ein Stück Holz in die Scheide stecken, damit diese nicht leer sei.


Die Regierung soll durch die Presse ebensogut belehrt werden, als die Privaten, also kann die Regierung auf die Presse keinen Einfluß ausüben.


Ein Dichter läßt sich nicht übersetzten.


Nun Wohlan, was muß geschehe! Fallen seh ich Zweig’ auf Zweige, Kaum noch hält der morsche Stamm. Noch ein Schlag, so fällt auch dieser Und im Staube liegt die Eiche, Die die reichen Segensäste Weit gebreitet rings umher. Die Jahrhunderte gesehen Werden, wachsen und vergehen, Wird vergehen so wie sie; Keine Spur wird übrigbleiben; Was die Väter auch getan, Wie gerungen, wie gestrebt, Kaum daß fünfzig Jahr’ verfließen Wird kein Enkel mehr es wissen Daß ein Borotin gelebt!


Aller Poesie liegt die Idee einer höheren Weltordnung zu Grunde, die sich aber vom Verstande nie im ganzen auffassen, daher nie realisieren läßt, und von welcher nur dem Gefühl vergönnt ist, dem Gleichverborgenen in der Menschenbrust, je und dann einen Teil ahnend zu erfassen.


Allen Sündern wird vergeben, nur dem Vatermörder nicht.


Am lautesten singen immer die, die falsch singen.


Das Recht auf Antwort nur gibt Recht zur Frage.


Der Ungläubige macht mehr, als er meint, Der Gläubige weniger, als ihm scheint.


Des reifen Mannes Fehltritt ist Verbrechen, Des Jünglings Fehltritt ein verfehlter Tritt, Den man zurückzieht und ihn besser macht.


Die Ungebildeten haben das Unglück, das Schwere nicht zu verstehen, dagegen verstehen die Gebildeten häufig das Leichte nicht; was ein noch viel größeres Unglück ist.


Ein Held ist, wer das Leben Großem opfert. Wer’s für ein Nichts vergeudet ist ein Tor.


Erzwungen ist zuletzt ein jeder Frieden: Der Schwächere gibt nach.


Es ist so schön, für andere zu leben.


Geläng’ es mir, des Weltalls Grund, somit auch meinen, auszusagen, so könnt’ ich auch zur selben Stund mich selbst auf meinen Armen tragen.


Gescheit gedacht und dumm gehandelt, so bin ich mein’ Tage durchs Leben gewandelt.


Gewinnsucht und Eitelkeit Sind die Werbeoffiziere der Schlechtigkeit. Ist das Handgeld aufgezählt, Nimmt das Gewissen das Fersengeld.


Pöbelliteratur Glaubt ihr, man könne kosten vom Gemeinen? Man muß es hassen oder ihm sich einen.


Immer fließen meine Tränen, was auch die Erfahrung spricht; für den Mut gibt’s ein Gewöhnen, aber für die Sorge nicht.


Jeder Irrtum hat drei Stufen: Auf der ersten wird er ins Leben gerufen, auf der zweiten will man ihn nicht eingestehn, auf der dritten macht ihn nichts ungeschehen.


Mein Bruder ist katholischer als ich. Er ist’s aus Furcht, indes ich’s nur aus Ehrfurcht.


Moral, ein Maulkorb für den Willen; Logik, ein Steigriemen für den Geist.


Seit man nicht mehr in die Kirche geht, ist das Theater der einzige öffentliche Gottesdienst, sowie die Literatur die Privat-Andacht.


Was Logik ist, liegt in der Betrachtung desjenigen, der sie vertritt.


Wer seine Schranken kennt, der ist der Freie; wer sich frei wähnt, ist seines Wahnes Knecht.


Willst die Bescheidenheit du des Bescheidenen prüfen, so forsche, nicht ob er Beifall verschmäht, sondern ob er Tadel erträgt.


Wir sind gegen keine Fehler an anderen intoleranter, als welche die Karikatur unserer eigenen sind.


Will unsere Zeit mich bestreiten, ich lasse es ruhig geschehn. Ich komme aus anderen Zeiten und hoffe in andre zu gehn.


Gold schenkt die Eitelkeit, der rauhe Stolz; die Freundschaft und die Liebe schenken Blumen.


Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen.


Ach, ich fühl es wohl, wir scheiden kaum so schwer von wahren Freuden als von einem schönen Traum.


Der Minister des Äußern kann sich nicht äußern; der Minister des Innern ist schwach im Erinnern, der Kriegsminister trägt Szepter und Kron’ im Tornister, der Minister der Finanzen muß nach jedes Pfeife tanzen, der Minister des Handels ist unsichtbaren Wandels, der Minister der Justiz hat nicht Stimme, nur Sitz, der Minister des Kultus änderst Kultus in stultus der Chef der Polizei schüttelt den Kopf dabei.


Ich suchte Dich und habe mich gefunden.


Du abscheuliches Ding! Ich glaube gar, ich bin in Dich verliebt! Seit gestern, da ich nämlich Deinen kritzligen Brief erhielt, hab ich ihn schon dreimal gelesen.


Der Weg der neuen Bildung geht Von Humanität Durch Nationalität Zur Bestialität.


Doch vergiß es nicht: die Träume, sie erschaffen nicht die Wünsche, die vorhandenen wecken sie.


Es ist des Unglücks eigentlichstes Unglück, Daß selten d’rin der Mensch sich rein bewahrt.


Die gescheiten und die dummen Leute erkennt man unter anderem auch daran, daß die Dummen das verehren, was in ihrer eigenen Richtung liegt, die Gescheiten aber, was sie fühlen, daß es ihnen abgeht.


Geschwister sind ja Schweigen und Verdienst.


Die Poesie will den Geist verkörpern, die Musik das Sinnliche vergeistlichen.


Gott nimmt nicht die Lasten, sondern stärkt die Schultern.


Warum das Vergangene uns so lieblich dünkt? Aus demselben Grunde, warum eine Graswiese mit Blumen aus der Entfernung ein Blumenbeet scheint.


Das eben ist der Liebe Zaubermacht, Daß sie veredelt, was ihr Hauch berührt, Der Sonne ähnlich, deren goldner Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.


Die Kunst verhält sich zur Natur, wie der Wein zur Traube.


Wenn immerdar man anders schaut, der macht mir bange. Nur ein Tier wechselt seine Haut, das ist die Schlange.


Wie groß sind die Fortschritte der Menschheit, wenn wir auf den Punkt sehen von dem sie ausging, und wie klein, betrachten wir den Punkt, wo sie hin will.


Wie könnt ich an deiner Liebe zweifeln, da ich der meinigen mir so innig bewußt bin!


Wollt ihr Dinge vor Brand bewahren, die glimmend sind, so bitt ich euch vor allem: macht keinen Wind.


Die Vernunft ist nur der durch die Phantasie erweiterte Verstand.


Heute sorget ihr für morgen, morgen für die Ewigkeit. Ich will heut’ für heute sorgen, morgen ist für morgen Zeit.


Wir aber mindern Pfundes Verwalter Was wir jung hatten, wünschen wir im Alter.


Auf die Hände küßt die Achtung, Freundschaft auf die offne Stirn, Auf die Wange Wohlgefallen, Sel’ge Liebe auf den Mund. Aufs geschloßne Aug’ die Sehnsucht, In die hohle Hand Verlangen, Arm und Nacken die Begierde; Überall sonst die Raserei.


Rosen willst Du brechen und drückst dafür die Dornen in die Brust!


Lernt einsehen, daß man bei Entschlüssen mit der Tat anfangen muß.


Eine frohe Hoffnung ist mehr wert als zehn trockene Wirklichkeiten.


Eine verlorene Schlacht läßt sich durch eine gewonnene wieder ersetzen. Eines läßt sich nicht mehr herstellen, wenn es einmal abgewiesen worden ist: die Autorität.


Wen das Auge nicht überzeugen kann, überredet auch der Mund nicht.


Weh dem, der lügt.


Sei immer du und sei es ganz! Früh stirbt die Blume, nie der Kranz.


Der Mensch versteht alles, nur das völlig Einfache nicht.


Der Mensch ist gut, er hat nur viel zu schaffen, und wie er einzeln dies und das besorgt, entgeht ihm der Zusammenhang des Ganzen.


Alle Unruhe im Menschen entspringt aus der Phantasie; denn selbst das Gewissen, wenn es auch seinen Stoff aus dem moralischen Sinne zieht, nimmt doch wenigstens seine Form aus ihr.


Auf die Masse soll und muß jeder Dichter wirken, mit der Masse nie.


In ein Stammbuch Werde, was du noch nicht bist, bleibe, was du jetzt schon bist. In diesem Bleiben und Werden liegt alles Schöne hier auf Erden.


Viel Übles hab’ an Menschen ich bemerkt. Das schlimmste ist ein unversöhnlich Herz.


Der Ungebildete sieht überall nur ein Einzelnes, der Halbgebildete die Regel, der Gebildete die Ausnahme.


Der ist kein Bürger, der nicht die eigene Sorge vergißt in der Not der Allgemeinheit. (Im Original: Der ist kein Bürger, der die eigene Sorge vergißt nicht in der Not des Allgemeinen.)


Der Tücht’ge sieht in jedem Soll ein Muß, Und Zwang, als erste Pflicht, ist ihm die Wahrheit.


Nicht der Gedanke wird bestraft, die Tat.


Wo kein Maß ist, ist keine Vergeltung.


Die Uhr, sie zeigt die Stunde, die Sonne teilt den Tag; doch was kein Aug’ erschaute, mißt unsres Herzens Schlag.


Von allen Tugenden die schwerste und seltenste ist die Gerechtigkeit. Man findet zehn Großmütige gegen einen Gerechten.


Nur Knaben steht es an, ihre Helden in eitel Licht sehen zu wollen.


Schönheit ist die vollkommene Übereinstimmung des Sinnlichen mit dem Geistigen.


Monde und Jahre vergehen und sind immer vergangen, aber ein schöner Moment leuchtet das ganze Leben hindurch.


Man ist nie eifersüchtiger, als wenn man in der Liebe anfängt, zu erkalten. Man traut dann der Geliebten nicht mehr, weil man dunkel fühlt, wie wenig einem selbst mehr zu trauen ist.


Laßt mir doch das Wunderbare, Es haben vor mir schon manche geehrt! »Doch ist das Menschliche allein das Wahre.« Wahr, aber nicht der Mühe wert.


Hat denn die Liebe je verwehrt, Was die Liebe heiß begehrt?


Du sprichst von Dingen, die vergangen sind.


Finanzmänner Die praktischen Menschen zu dieser Zeit Sind die nötigsten und die wichtigsten weit, Du kannst dich ihren Händen vertrauen, Nur mußt du ihnen auf die Finger schauen.


Nur die Gefahr kann einen Freund bewähren, Die Außenseite trügt.


Das edle Weib ist halb ein Mann, ja ganz, Erst ihre Fehler machen sie zu Weibern.


Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.


Böses Wetter, böses Wetter! Es entladen sich die Götter, Reinigen ihr Wolkenhaus, Und die Menschen badens aus.


Willst du mit den Kinderhänden In des Schicksals Speichen greifen? Seines Donnerwagens Lauf Hält kein sterblich Wesen auf.


Aus Tag und Nacht hat wohlbedacht Der Herr des Lebens die Welt gemacht; Die Dichtung ist Tag in klarer Pracht, Musik die weltverkündende Nacht.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Franz-Grillparzer. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.