Gerhard Mayer Vorfelder

Ach Gott, ich sehe es nicht als besondere Tragik an, daß ich 68 bin. Wenn man so einen großen Verband führt, braucht man eine große Erfahrung, und die habe ich.


Ach, wissen Sie. Es ist doch logisch, daß man lieber Freunde als Gegner hat, daß die Sehnsucht in einem ist, geliebt zu werden. Aber es ist abenteuerlich, mich in eine derartige Beziehung zu Beckenbauer zu setzen.


Beckenbauer ist überhaupt nicht zu kopieren. Er ist singulär. Der sagt was, denkt nicht groß darüber nach, und das steht dann da. Ihr Journalisten hinterfragt das oft nicht. Wenn ich so etwas sagen würde, hieße es sofort: "Wie kommen Sie dazu!?!" Ich würde sofort eingetütet werden. Aber Franz hat die grenzenlose Freiheit. Er sagt heute A, morgen sagt er B – und jeder nimmt das hin.


Da mache ich ein Fragezeichen. Muß ein Politiker ein Vorbild sein? Er ist ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Und die Fußballspieler sind junge Kerle, oft sind sie noch gar nicht ausgereift. Sie müssen anständige Kerle sein, das müssen sie sein.


Das hat irgendeiner geschrieben, und weil es sich so gut anhört, wird es immer wieder abgeschrieben – egal, ob es stimmt oder nicht. Ich trinke keinen Rotwein, keinen Schwarzriesling, keinen Lemberger, keinen Trollinger. Nichts Rotes, ich bin doch kein Konservativer! Ich trinke gern Champagner, was ist dabei?


Das ist der richtige Ausdruck. Ich bin ein Konservativer, für mich ist das kein Schimpfwort. Es ist ja ein Phänomen unserer Zeit – was ich für falsch halte! -, daß man jungen Menschen beibringt, Scham empfinden zu müssen, weil sie Deutsche sind. Unsere Geschichte besteht nicht nur aus zwölf dunklen Jahren, sie ist über 1000 Jahre alt. Engländer oder Franzosen sind stolz auf ihr Land, das würden sie nie in Frage stellen! Wir haben ebenfalls das Recht, stolz zu sein, Deutsche zu sein.


Das ist so eine Geschichte. Da kommen irgendwelche Leute und reden sofort ungeheuer gescheit daher! Ich habe doch vorher mit allen gesprochen, ob Christoph Daum der Richtige wäre. Und niemand hatte Einwände, kein Hoeneß, kein Beckenbauer, ganz im Gegenteil. Keiner hat irgendetwas von Drogenkonsum gesagt. Später hieß es dann, in den Redaktionsstuben sei seit Jahren über Daums Kokainschnupfen geredet worden! Warum, frage ich, habt ihr Journalisten das dann nicht geschrieben? Ihr seid doch sonst nicht so rücksichtsvoll! Vielleicht ging es ihnen wie mir: Ich habe Daum als Trainer geschätzt, und ich habe mir nie vorstellen können, daß er die ganze Nation an der Nase herumführt.


Das ist wieder so typisch Medien! Erkundigen Sie sich doch, wie viele Schulden die Bundesliga insgesamt hat! Na? Das ist ein Schuldenberg von 800 bis 900 Millionen Mark. Und den teilen Sie jetzt durch 18. Und dann steht doch der VfB in der besseren Hälfte. Außerdem hat er Vermögen – Grundbesitz zum Beispiel, Häuser. Ja. Ich bin zufrieden mit meiner Lebensleistung.


Das steht man nur durch, wenn man ein sauberes Gewissen hat. Sie sehen das aus der Perspektive des Verfolgers, aber ich bin der Verfolgte – und weiß, was wahr ist. Dann kannst du sagen: Das stehe ich durch. Die kriegen mich nicht. Ich wurde mal gefragt: "Was sagen Ihre Kinder dazu?" Also, meine Kinder kennen mich. Die wissen, daß ich kein Rindvieh bin, kein Gauner, kein Trinker!


Der Franz, das ist, als spreche der Papst persönlich.


Der VfB steigt nicht ab. Und meine Bilanz ist auch nicht düster. Als ich den VfB übernahm, war er in der zweiten Liga, er war am Boden. Ich habe den Verein an die Spitze des deutschen Fußballs geführt. Wir waren zweimal Deutscher Meister, waren Pokalsieger . . .


Die Bayern-Führung mit Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß ist eine Batterie mit drei Geschützen. Im Unterschied zur normalen Batterie, die ich aus meiner Bundeswehrzeit kenne, schießen sie allerdings in unterschiedliche Richtungen und nicht gleichzeitig.


Die Regeln werden dem Kommerz zuliebe nicht geändert, keine Angst! Wir spielen heute an drei Tagen, das ist in Italien genauso. Es ist ein Zugeständnis an das Fernsehen – aber anders läßt sich der bezahlte Fußballsport nicht mehr aufrechterhalten.


Die Sorgen der Fans muß man ernst nehmen. Und ein Problem sind die Sonntagsspiele, die sehr spät festgelegt werden. Aber der Fan ist auch ein merkwürdiges Wesen. Wenn es schlecht läuft, schreit er: "Scheiß-Millionäre!", wenn es gut läuft, jubelt er und macht dem Verein Vorwürfe, daß er nicht die teuersten Stars holt. Aber es stimmt dennoch: Der bezahlte Fußball ist auf einem sehr gefährlichen Weg. Der Wahnsinn hat noch nicht die Endstufe erreicht.


Die Spontis um Joschka Fischer wußten wohl schon, was sie taten, als sie in Frankfurt durch die Straßen zogen und sich mit Polizisten prügelten. Und dem Opfer ist es kein Trost, ob ihm ein Linker oder ein Rechter den Kopf einschlägt. Wenn ich sage, ich bin stolz, ein Deutscher zu sein, heißt das doch nicht, daß ich mich anderen überlegen fühle und deshalb zuschlage. Ich bin gegen Gewalt – egal, ob sie von rechts oder von links kommt.


Die Wohnort-Debatte ist "eine psychologische Frage". Wäre er öfter in Deutschland, gäbe es solche Diskussionen überhaupt nicht. Alles andere bricht dann in sich zusammen.


Dieser Verband mit all seinen Problemen braucht jetzt einen Steuermann mit großer Erfahrung, damit keine Gräben zwischen Amateur- und Profifußball entstehen. Und wenn ich am Steuer stehe, läuft das Schiff nicht auf Grund.


Es ist schon so, daß Leute, die gut waren, plötzlich nicht mehr loslassen können. Das ist gefährlich. Ich habe jedoch ein paar gute Freunde, und wir haben uns gegenseitig versprochen: Wenn der eine oder andere von uns abbaut, man merkt es ja oft selbst nicht, daß wir offen sagen: "Du, hör auf. Junge, laß es sein!"


Es ist Stück meines Lebens. Da kann ich mich emotional ausleben, kindliche, ungetrübte Freude erfahren. Wenn ich als Kind von der Schule heimkam, habe ich den Ranzen in die Ecke gelegt, bin raus und habe dann draußen irgendwo rumgekickt, mitten in der Stadt auf irgendwelchen Plätzen.


Franz ist doch keiner, der am Schreibtisch sitzen kann. Etwas konzeptionell zu entwickeln, die dicken Bretter zu bohren, das interessiert ihn null. Aber jeder hat seinen Platz. Er ist die Galionsfigur. Aber die bestimmt nicht die Richtung, die bestimmt der Steuermann.


Fußball ist Emotion, und da wird schnell ein Schuldiger gesucht. Und hier in Stuttgart wird nicht vergessen, daß ich zehn Jahre lang Kultusminister war, für viele bin ich deshalb immer noch eine Reizfigur. Wir wurden 1984 Deutscher Meister, es gab einen großen Empfang am Rathausplatz – und plötzlich haben die alle gegen mich gepfiffen!


Helmut Rahn war eine herausragende Persönlichkeit, die mit dem Gewinn des WM-Titels etwas Einzigartiges erreicht hat. Dieses Ereignis hat einer ganzen Nation ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstachtung zurückgegeben.


Ich finde es gut, dass er ein eigenwilliger Typ ist mit eigenen Vorstellungen. Das sollte man ihm nicht austreiben. Er muss seinen eigenen Weg gehen. Dafür ist er Bundestrainer geworden.


Ich habe mich bemüht, aus meinem Leben etwas zu machen. Jetzt kommt noch mal etwas, was mich sehr reizt: Ich kann nochmals Weichen stellen, habe Ziele für 2006 – das ist faszinierend. Dieses Amt ist der Höhepunkt meines beruflichen Lebens.


Ich habe zu Franz ein sehr persönliches Verhältnis, ich habe mit ihm schon oft über dieses Phänomen geredet, zu ihm gesagt: "Sei doch vorsichtiger!" Aber warum soll er das sein? Mit dem Licht, das er ausstrahlt, blendet er die Journalisten. Er ist ein Phänomen!


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