Gerhard Polt

D'Anni hat gsagt, also sie sagt auch, des Moderne sagt sie, des is ja heute mehr oder weniger direkt symptomatisch.


D'Anni hat gsagt, daß diese Frau Mittermeier, daß die also nachtragend is, des, sagt sie, des vergißt sie ihr nie.


Das Minimum, was ich von einem Kind verlange, ist, daß es Unfug anstellt. Denn ein Kind, das nicht permanent Blödsinn macht, ist gar kein Kind, sondern ein kleiner Erwachsener, ein Liliputaner. Ich fürchte, die nehmen zu. Die Schonzeit für Kinder geht langsam zu Ende.


Das Sterben hab ich früh mitbekommen, das hat mich als Kind sehr beschäftigt. Gebeinhäuser haben mich besonders beeindruckt. Ich erinnere mich noch, in der Stiftskirche von Altötting stand eine Uhr, wo der Sensenmann jede volle Stunde gemäht hat. Aus dieser Zeit stammt meine fatalistische Lebensauffassung. Der augustinische Katholizismus, die Lehre des Augustinus, ist ja speziell fatalistisch. Da ist die Erde ein Jammertal, und wer daran zu kratzen wagt, gilt als sündig. Das Leiden ist das Normale.


Der Geißler zum Beispiel ist mir unsympathisch, weil der die Demagogie als Stilmittel benutzt. Polemik ist völlig in Ordnung, aber Demagogie ist der Versuch, Menschen und ihre Anliegen bis ins Private hinein auf suggestive Weise zu diskriminieren. Das liegt für mich unter der Gürtellinie. Ich verlange von einem Politiker, daß er Moral hat.


Der nächste Krieg wird von raffinierten und hochbezahlten Computerleuten gemacht, nicht von Soldaten.


Die meisten Politiker ziehen sich auf Sachzwänge zurück. Das halte ich für verlogen. Ich verlange von einem Politiker, daß er als Repräsentant einer Gruppierung die Probleme dieser Leute, auch die Wut und die Bedrückung, mit Leidenschaftlichkeit darstellt. Einer der wenigen, bei dem ich den Eindruck habe, daß er das macht, ist Lafontaine. Deshalbe bin ich auch auf seinen Wahlveranstaltungen aufgetreten.


Die Umstände meiner Kindheit waren insofern günstig, als ich bestimmte sinnliche Erlebnisse hatte. Wir leben doch zunehmend in einer Informationsgesellschaft. Die Information als solche ist aber wie Saufutter, das einem vorgesetzt wird.


Die Wissenschaft sagt, Energie kann nicht verlorengehen. Aber ich bin weder Physiker noch Philosoph. Ich hab keine Lust, über das Nicht-Denkbare nachzugrübeln.


Ein Kabarettist hat ja nicht zuletzt die Funktion, von einem naiven Standpunkt aus, also fast dilettantisch, Fragen zu stellen, weil man da oft mehr herausbekommt als jeder Fachmann.


Es ist interessant, daß in Bayern, also in den katholischen Gegenden, die Nazis nie so hochgekommen sind wie im evangelischen Norden. Den Katholiken war der Hitler zu atheistisch. Die Evangelischen waren anfälliger, andererseits aber dann im Widerstand auch extremer.


Früher war Bayern ein Volk mit einer langen Geschichte. Jetzt beginnt die Geschichte Bayerns mit der CSU und bietet nur noch Anekdoten.


Gemütlichkeit ist die Relation von Zeit, Bier und Geld.


Gott sei Dank ist es ein Geheimnis, warum Humor und Satire funktionieren.


Heute haben wir eine Gesellschaft, die sich um ihre Sinnlichkeit selbst betrügt. Was mich ganz narrisch macht, ist das Aussterben der bäuerlichen Kultur, weil da eine Daseinsform ausradiert wird, die mit ihrer Sprache und ihren Geschichten über Jahrtausende den Menschen geprägt hat. In dieser Hinsicht bin ich ganz konservativ. Es wird bald keine Bäcker mehr geben, statt dessen Brotfabriken, und es wird keine Bauern mehr geben, sondern Agrarfabriken.


Ich bin mit mir im Lot, bin mir als Mensch nicht entglitten. Wahrscheinlich hat das mit meinem katholisch geprägten Fatalismus zu tun, obwohl ich zur heute bestehenden Kirche eine sehr kritische Einstellung habe, nicht nur, was die Inhalte betrifft.


Ich bin vom Temperament her nicht der Typus des Extrovertierten, aber ich mag es gern, ich mag spektakuläre Menschen. Ich mag zum Beispiel den Italiener. Der kulturelle Raum Bayern und Österreich hat ja eigentlich beides, das Sich-Zurücknehmen und das Extrovertierte.


Ich freu' mich, wenn ich gesund bin und mir a halbe Maß Bier schmeckt. Wer neben einem Friedhof aufwächst, braucht sich später die Seinsfrage nicht mehr zu stellen, so wie man jemandem das Problem, um Anerkennung zu kämpfen, erspart, wenn man ihn schon als Kind mit Doktor anspricht.


Ich habe mich nie gesucht, nie die Hauptrolle gespielt in meinem Leben. Ich bin halt der Polt, aber ich definiere mich nicht. Mir ist der Kaiser Mark Aurel so sympatisch, weil der in seinen Selbstbetrachtungen nicht narzißtisch über sich selbst schreibt, sondern über die Leute, von denen er was gelernt hat.


Ich habe mich nie recht um meine Zuschauer gekümmert – über sie denke ich überhaupt nicht nach. Außerdem kenne ich 20-Jährige, die heute schon älter sind als viele 60-Jährige. Umgekehrt gibt's das natürlich auch – Gott sei Dank. Ich muß auf meine Art arbeiten, egal, wer mir zuhört.


Ich habe nie ein Programm, nur ein ständig wachsendes Repertoire. Es sind viele kurze Geschichten, die ich ganz nach Lust und Stimmung auswähle. Es kann sogar sein, daß ich mir erst in der Pause überlege, worüber ich im zweiten Teil rede. Das setzt voraus, daß man viele Geschichten textsicher beherrscht.


Ich halte die Kirche als Institution, schlicht gesagt, für niveaulos. Die Kirche leidet wie auch die Demokratie unter einem Mangel an potenten Persönlichkeiten. Personare heißt auf italienisch durchklingen. Sowohl in der Kirche als auch in der Politik sehe ich heute kaum einen, bei dem etwas durchklingt.


Ich halte mich für einen stinknormalen Menschen, ich meine normal unter dem Aspekt, wie einer sich kleidet, wie er lebt, was er ißt. Ich führe eine Art Mittelstandsleben, also da ist mein Häusel, da ist ein Tisch, ich friß a Schnitzel, ich trink' a Bier. Ich lebe angepaßt. Ich war nie ein Außenseiter, ich war immer genau mit dem Haufen.


Ich hatte nie den Eindruck, daß ich überdurchschnittlich lustig wäre – weder in der Schule noch privat. Ich bin da reingerutscht, Freunde haben mich irgendwann aufmerksam gemacht, daß meine Art, etwas zu erzählen, auf die Bühne muß, und dann hab' ich es versucht. Die Reaktion war erstaunlich und sie ist es bis heute.


Ich nehme nicht an, daß ich von Haus aus ein frohsinniger Mensch bin. Es ist sicher so, daß mich viele, auch profane Dinge sehr stark berühren. Das Leben hat was Gespenstisches. Aber ich bin deshalb nicht vergrämt oder verbittert. Ich hab wahrscheinlich eine gewisse Robustheit, das auszuhalten.


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