Gerhard Zeiler

Als Vorstandsvorsitzender eines Börsen notierten Unternehmens muß man danach trachten, für die Gesellschafter einen Mehrwert zu kreieren. Das heißt, wir wollen wachsen, das ist keine Frage. Der Großteil des Wachstums wird davon kommen, sich in bestehende Stationen einzukaufen. Das werden wir aber nur dann tun, wenn der Preis wirtschaftlich vertretbar ist.


Das Jahresergebnis 1995 zeigt, daß der propagierte Sparkurs auch wirklich voll umgesetzt wurde. Wir können heute vor die Gebührenzahler hintreten und ruhigen Gewissens sagen, daß mit den Gebührengeldern sorgfältig umgegangen wurde.


Dem ORF tut es weh, aber dem Privatfernsehen nützt es nicht.


Der Markt in Deutschland ist und bleibt hart. Wir werden weiter mit aller Macht und dem gebotenen Respekt vor den Zuschauern und der Konkurrenz um unsere Position kämpfen. Schließlich vergeht nichts schneller als der Erfolg aus der Vergangenheit.


Der ORF-Generalintendant ist Geschäftsführer eines Unternehmens, der auf das einzige Produkt seines Unternehmens, nämlich auf das Programm, per Gesetz keinen Einfluß nehmen darf.


Die AG ist natürlich kein Allheilmittel gegen die Gefahren, die die bevorstehende Konkurrenzschlacht auf dem deutschsprachigen Fernsehmarkt mit sich bringen wird. Aber sie gibt uns das entscheidende Mehr an wirtschaftlichem und organisatorischem Gestaltungsfreiraum, um unser Schicksal selbstbestimmt zu meistern. Und das wäre die Voraussetzung für eine gesicherte Zukunft des ORF. Ich bin nämlich davon überzeugt, daß wir nur mit einem geschäftsfähigen Unternehmen alle Möglichkeiten in der Hand haben, unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit zu verteidigen. Nur wer auf Dauer erfolgreich ist und seinen finanziellen Bestand aus eigener Kraft sichert, der bleibt auf Dauer unabhängig.


Die Führung des Unternehmens nach privatwirtschaftlichen Kriterien ist zwingend notwendig.


Die meisten Seher wollen im TV alles haben: Alle Genres, alle Farben. Der Fokus der Öffentlichkeit und der Journalisten ist einmal auf diesem und einmal auf jenem Format. Aber: Obwohl wir gerade den riesigen Erfolg von "Deutschland sucht den Superstar" hatten, haben wir uns nie ausschließlich auf dieses Format konzentriert. Deshalb muß eine Produktionsfirma, wie bei uns Freemantle, die sowohl Drama, Soaps als auch Shows produziert, darauf schauen, daß Neuentwicklungen in sämtlichen Genres stattfinden.


Erstens: Weil wir etwas liefern, was kein Privater liefern kann; nämlich neben Information, Kultur und Bildung auch noch Föderalismus. Wir leisten uns in einem Land, das so groß ist wie Bayern, neun Landesstudios. Das ginge natürlich mit der reinen Werbefinanzierung nicht. Zur Gebührenlegitimation gehört für mich auch, daß eine Mehrheit der Bevölkerung unser Programm sieht. Ein Gebührenfernsehen, das von 100 Prozent der Leute bezahlt, aber nur von 15 Prozent gesehen wird, wäre unvorstellbar. Wir müssen also erstens Qualität bieten und zweitens darauf achten, daß unser Programm zu den Menschen kommt.


Ich bin nicht sicher, ob privates terrestrisches Fernsehen in Österreich erfolgreich sein wird, aber man kann ja niemanden daran hindern, sein Geld zu verbrennen.


Ich habe ein zu großes Selbstbewußtsein, um mein eigenes Verhalten als Versagen zu begreifen.


Letztlich ist die Umsetzung der Reform aber nur dann möglich, wenn sie von einer breiten Bewußtseinsänderung aller Mitarbeiter getragen wird. Die notwendige Überzeugungsarbeit dafür zu leisten, die Motivation für diese Neuorientierung auf allen Ebenen zu realisieren – das wird Hauptaufgabe des Managements und des Generalintendanten sein. Es muß eine neue Aufbruchstimmung entstehen – nur dann wird der Erfolg auch sichergestellt werden können.


Mein Ziel ist es, das ganze Haus in Richtung modernes Wirtschaftsunternehmen zu führen. In wesentlichen Dingen sind wir weiter als ich gedacht habe: Wir sparen kräftig, haben eine bessere Programmplanung und sind dabei, Ö 3 konkurrenzfähig zu machen. Die Richtung stimmt, da können wir ein bißchen stolz sein. (Auf die Frage: Sind Sie mit den Fortschritten im ORF zufrieden?).


Ohne sofortige und kompromißlose Maßnahmen in fast allen Teilen des Unternehmens wird dem ORF ein ähnliches Schicksal wie vielen anderen österreichischen Unternehmungen in den vergangenen Jahren nicht erspart bleiben. Es gilt zu verhindern, daß aus einem Paradeunternehmen in kürzester Zeit ein Sanierungsfall wird.


Privatstationen senden für alle, die unter 50 sind. Jene, die darüber liegen, bleiben für die Öffentlich-Rechtlichen. Denn die Werbewirtschaft will die Erstverwender von Bankkonten und ähnlichen Angeboten, mit den Erstverwendern von Kukident kann man keinen Sender betreiben.


Sagen wir es einmal vorsichtig: Das Modell der Gewalttrennung – das heißt die Unabhängigkeit und sinnvolle Funktion der Medien – ist im Bewußtsein der Deutschen viel stärker ausgeprägt als bei uns.


Selbst wenn das Gesetz es uns erlauben würde, würden wir Serien und Filme nicht mit Werbung unterbrechen. Das werden wir auch in Zukunft nicht tun. Bei meinem Amtsantritt habe ich die Nicht-Zulässigkeit der Unterbrecherwerbung noch bedauert. Heute stehe ich auf dem Standtpunkt, daß dies ein "Qualitätskriterium" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist.


Über Schwachstellen von RTL spreche ich jetzt mit Sicherheit nicht – ich bin ja nicht vom wilden Affen gebissen!


Wenn es jetzt ums Geld gegangen wäre, wäre ich vor vier Jahren erst gar nicht nach Österreich zurückgekommen: In Deutschland vedient man immer viel mehr in diesem Job. Und hätte ich die AG bekommen, wie mir versprochen wurde, hätte ich mir die Entscheidung zu gehen erspart: Ich hätte dann gar nicht mehr gehen können.


Wir machen Fernsehen, das man gern sieht.


Wir tun alles, um für den österreichischen Film ideale Bedingungen zu schaffen: Eine solide finanzielle Basis für die Produktion, ein prominenter Termin für die Ausstrahlung.


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