Gotthold Ephraim Lessing

2 Überprüft 2.1 Der Freigeist 2.2 Emilia Galotti 2.3 Hamburgische Dramaturgie 2.4 Minna von Barnhelm 2.5 Nathan der Weise 2.6 Sinngedichte 2.7 Briefe, Fabeln, Laokoon, Philotas, Theologische Streitschriften, Sonstige


“Das Religiöse stehet der weiblichen Bescheidenheit sehr wohl; es gibt der Schönheit ein gewisses edles, gesetztes und schmachtendes Ansehen.” – Der Freigeist, IV, 3 / Adraft zeno.org


“Ein Atheist ist eine Brut der Hölle, die sich, wie der Teufel, tausendmal verstellen kann. Bald ist’s ein listiger Fuchs, bald ein wilder Bär; bald ist’s ein Esel, bald ein Philosoph; bald ist’s ein Hund, bald ein unverschämter Poete. Kurz, es ist ein Untier, das schon lebendig bei dem Satan in der Hölle brennt, eine Pest der Erde, eine abscheuliche Kreatur, ein Vieh, das dummer ist, als ein Vieh; ein Seelenkannibal, ein Antichrist, ein schreckliches Ungeheuer.” – Der Freigeist, II, V / Martin zeno.org


“In der Natur ist alles mit allem verbunden, alles durchkreuzt sich, alles wechselt mit allem, alles verändert sich eines in das andere.” – Hamburgische Dramaturgie


“Nicht jeder, der den Pinsel in die Hand nimmt und Farben verquistet, ist ein Maler.” – Hamburgische Dramaturgie 101-104


“So wie es selten Komplimente gibt ohne alle Lügen, so findet sich auch selten Grobheiten ohne alle Wahrheit.” – Hamburgische Dramaturgie


“Der Wunder höchstes ist, dass uns die wahren, echten Wunder so alltäglich werden können, werden sollen.” – Nathan der Weise


“Und ist denn nicht das ganze Christentum aufs Judentum gebaut? Es hat mich oft geärgert, hat mich Tränen genug gekostet, wenn Christen gar so sehr vergessen konnten, dass unser Herr ja selbst ein Jude war.” – Nathan der Weise / Klosterbruder


“Damit er einst was kann von seinen Eltern erben, so lassen sie ihn jetzt vor Hunger weislich sterben.” – Sinngedichte, Nachlese, “Auf den Sophron” zeno.org


“Es hat der Schuster Franz zum Dichter sich entzückt. // Was er als Schuster tat, das tut er noch: er flickt.” – Sinngedichte, “Der Schuster Franz” zeno.org


“Wer wird nicht einen Klopstock loben? // Doch wird ihn jeder lesen? Nein! // Wir wollen weniger erhoben // und fleißiger gelesen sein.” – Sinngedichte, “Die Sinngedichte an den Leser” zeno.org


“Die Menge auf etwas aufmerksam machen heißt: dem gesunden Menschenverstand auf die Spur zu helfen.” – Beweis des Geistes und der Kraft


“Es ist ein Beweis für die wahre, für die richtig verstandene wahre Religion, wenn sie uns überall auf das Schöne zurückbringt.” – Wie die Alten den Tod gebildet, Schluss zeno.org


»Ich bin ein Mensch« – »Da bist du was Rechts!«


Elende Helfer, … die nicht helfen können, ohne zugleich zu schaden!


Furcht und Hoffnung tut bei den verderbten Menschen allezeit mehr als Scham und Ehrliebe.


Das große Geheimnis, die menschliche Seele durch Übung vollkommen zu machen, besteht einzig darin, daß man sie in steter Bemühung erhalte durch eigenes Nachdenken auf die Wahrheit zu kommen. Die Triebfedern dazu sind Ehrgeiz und Neubegierde.


Es muß entweder gar keine Wahrheit sein, oder sie muß von der Beschaffenheit sein, daß sie von den meisten, ja von allen, wenigstens im wesentlichen empfunden werden kann.


Die Gewalt ihrer Reize zu verdoppeln, gab die Natur dem Weibe die Scham, die holdseligste der Grazien.


Der vollständige Inbegriff der natürlichen Religion, zu der jeder Mensch verbunden ist, besteht darin, daß man einen Gott erkennt, sich die würdigsten Begriffe von ihm zu machen sucht und auf diese Begriffe bei allen Gedanken und Handlungen Rücksicht nimmt.


Die Offenbarung ist nichts Abgeschlossenes und Vollendetes, sondern etwas ewig Flüssiges, ewig Werdendes, eine unendliche Entwicklung, kurz: die Erziehungsmethode der Menschheit – Erziehung ist Offenbarung, die dem einzelnen geschieht, und Offenbarung ist Erziehung, die dem ganzen Menschengeschlecht geschehen ist.


Der mitleidigste Mensch ist der beste Mensch, zu allen gesellschaftlichen Tugenden, zu allen Arten Großmut der aufgelegteste. Wer uns also mitleidig macht, macht uns besser und tugendhafter.


Ein unbekanner Freund ist auch ein Freund.


Allein die Liebe –, hat sie nicht jedes Jahrhundert eine andere Gestalt? Man hat angemerkt, daß sie in den barbarischen Zeiten ungemein bescheiden, ehrerbietig, und bis zur Schwärmerei züchtig und beständig gewesen ist; es waren die Zeiten der irrenden Ritter, in den Zeiten hingegen, in welchen sich Witz und Geschmack aus dem Bezirke der Künste und Wissenschaften bis in den Bezirk die Sitten ausgebreitet hatten, waren sie immer kühn, flatterhaft schlüpfricht, und schweiften wohl gar aus dem Gleise der Natur ein wenig aus.


»Es ist doch sonderbar bestellt«, Sprach Hänschen Schlau zu Vetter Fritzen, »Daß nur die Reichen in der Welt Das meiste Geld besitzen.«


Du fragst, warum Semir ein reicher Geizhals ist? Semir, der Dichter? er, den Welt und Nachwelt liest? Weil, nach des Schicksals ew’gem Schluß, Ein jeder Dichter darben muß


Entschluß ist Vorsatz, Tat.


Wie gern der schlaffste Mensch andächtig schwärmt, um nur – ist er zu Zeiten sich der Absicht deutlich nicht bewußt, – um nur gut handeln nicht zu dürfen!


Von weitem schon gefiel mir Phasis sehr: Nun ich sie in der Nähe Von Zeit zu Zeiten sehe, Gefällt sie mir – auch nicht von weitem mehr.


Alle Dichter wollen weniger gelobt und fleißiger gelesen sein.


Alle großen Männer sind bescheiden.


Begnügt euch doch, ein Mensch zu sein…!


Beide schaden sich selbst: der zuviel verspricht und der zuviel erwartet.


Das wahre Genie arbeitet gleich einem reißenden Strome sich selbst seinen Weg durch die größten Hindernisse.


Das Wort Zufall ist Gotteslästerung; nichts unter der Sonne ist Zufall; am wenigsten das, wovon die Absicht so klar in die Augen leuchtet.


Deine Begierden und dein Geschmack sind jetzt deine Tyrannen. Laß es gut sein; man muß sie sich austoben lassen. Sich ihnen zu widersetzen ist Torheit. Sie werden am sichersten eingeschläfert, wenn man ihnen freies Feld läßt.


Der aus Büchern erworbene Reichtum fremder Erfahrung heißt Gelehrsamkeit. Eigene Erfahrung ist Weisheit. Das kleinste Kapital von dieser ist mehrt wert, als Millionen von jener.


Der Wille und nicht die Gabe macht den Geber.


Die Freude ist schwatzhaft.


Wir sind Menschen. Die Gabe zu beten, ist nicht immer in unserer Gewalt. Dem Himmel ist beten wollen auch beten.


Die größte Deutlichkeit war mir immer die größte Schönheit.


Die Großmut muß eine beständige Eigenschaft der Seele sein und ihr nicht nur ruckweise entfahren.


Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen, aber selten etwas Besseres.


Die Schande besteht nicht in der Strafe, sondern im Verbrechen.


Ein einziger dankbarer Gedanke gen Himmel ist das vollkommenste Gebet!


Erröten macht die Häßlichen so schön: und sollte Schöne nicht noch schöner machen?


Es ist eine nichtswürdige Liebe, die keine Bedenken trägt, ihren Gegenstand der Verachtung auszusetzen.


A. Was nutzt dir nun dein ferner Garten? he? B. Daß ich dich dort nicht seh!


Es wäre wenig in der Welt unternommen worden, wenn man immer nur auf den Ausgang gesehen hätte.


Falsche Bescheidenheit ist Anmaßung.


Fehler schließen List und Tücke aus; daher müssen alle Fehler allen zu verzeihen sein.


Für wohlgeratene Kinder können Eltern nicht zu viel tun. Aber wenn sich ein blöder Vater für den ausgearteten Sohn das Blut vom Herzen zapft, dann wird Liebe zur Torheit.


Ha! Daß wir nicht unmittelbar mit den Augen malen! Auf dem langen Wege aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel, wieviel geht da verloren.


Im Essen bist du schnell, im Gehen bist du faul. Iß mit den Füßen, Freund, und nimm zum Gehn das Maul!


Jeder Mensch hat seinen Stil, sowie seine eigene Nase, und es ist weder artig noch christlich, einen ehrlichen Mann mit seiner Nase zum besten zu haben, wenn sie auch noch so sonderbar ist.


Kein Mensch muß müssen! Man ist niemandem in der Welt etwas schuldig, als sich selber.


Lau ist schlimmer noch als kalt.


Lieben kannst Du, Du kannst lieben, doch verliebe Dich nur nicht.


Macht denn nur das Blut den Vater?


Man muß nicht reicher scheinen wollen, als man ist.


Man wird des Guten und auch des Besten, wenn es alltäglich zu werden beginnt, bald satt.


Nacheifern ist bewundern.


Nicht die Klügsten haben immer die besten Einfälle. Gute Einfälle sind Geschenke des Glücks.


Nichts verdunkelt unsere Erkenntnis mehr als Leidenschaften.


Nur der Bescheidenheit genug! denn sie nur immerdar zu hören, wo man trockene Vernunft erwartet, ekelt.


So wie es selten Komplimente gibt ohne alle Lügen, so finden sich auch selten Grobheiten ohne alle Wahrheit.


Und ist denn nicht das ganze Christentum aufs Judentum gebaut? Es hat mich oft geärgert, hat mich Tränen genug gekostet, wenn Christen gar so sehr vergessen konnten, daß unser Herr ja selbst ein Jude war.


Verschließe den Mund, bevor ihn ein böses Wort verläßt.


Was man nicht zu verlieren fürchtet, hat man zu besitzen nie geglaubt, und nie gewünscht.


Wenn der Rat eines Toren einmal gut ist, so muß ihn ein gescheiter Mann ausführen.


Wer aus Liebe närrisch wird, der wäre es früher oder später auch ohne Liebe geworden.


Wer Freunde sucht, ist sie zu finden wert, wer keinen hat, hat noch keinen begehrt.


Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.


Wer von mir nichts annehmen will, wenn ers bedarf und ichs habe, der will mir auch nichts geben, wenn ers hat und ichs bedarf.


Wie manches würde in der Theorie unwidersprechlich scheinen, wenn es dem Genie nicht gelungen wäre, das Widerspiel durch die Tat zu erweisen.


Wirst du deswegen zu beten unterlassen, weil du nicht ganz gewiß weißt, ob dir das Gebet helfen wird?


Wo das Herz reden darf, braucht es keiner Vorbereitung.


Zug um Zug ist eine Regel in der Handlung, aber nicht in der Freundschaft. Handel und Wandel leidet keine Freundschaft, aber Freundschaft leidet auch keinen Handel und Wandel.


Die Vorsicht hält den ehrlichen Mann immer schadlos.


Leute, die eine große Wohltat gleich ohne Bedenken annehmen können, sind der Wohltat selten würdig. Die sie am meisten verdienen, haben auch immer das meiste Mißtrauen gegen sich selbst.


Perlen bedeuten Tränen.


Um seinen Verstand auszubreiten, muß man seine Begierde einschränken.


Der Menge Beifall ist zwar nie der Wahrheit Grund.


Der wahre Bettler ist doch einzig und allein der wahre König.


Ich weiß, daß das Aufknöpfen einer Bluse einer jener furchtbaren Augenblicke ist, der der Einbildungskraft freies Spiel läßt, dann aber das Erwartete mit dem Gesehenen konfrontiert.


Denn mancher hat aus Furcht, zu irren, sich verirrt.


Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ziellos umherirrt.


Das Vergnügen ist so wichtig wie die Arbeit.


Daß doch die Einfalt immer recht behalt!


Ein Vergnügen erwarten ist auch ein Vergnügen.


Die ersten Entschließungen sind nicht immer die klügsten, aber gewöhnlich die redlichsten.


Welche Freude, wenn es heißt: Alter, du bist alt an Jahren, blühend aber ist dein Geist.


Zu einem großen Manne gehört beides: Kleinigkeiten als Kleinigkeiten und wichtige Dinge als wichtige Dinge zu behandeln.


Ein trunkner Dichter leerte, sein Glas um jeden Zug. Ihn warnte sein Gefährte: “Paß auf, Du hast genug.” Und jener sprach im Sinken: “Mein Freund, Du bist nicht klug. Zuviel kann man wohl trinken, doch nie trinkt man genug.”


Ich brauche keine Gnade, ich will Gerechtigkeit.


Was kann der Schöpfer lieber sehen, als ein fröhliches Geschöpf!


Jeder liebt sich selbst nur am meisten.


Und was habe ich denn zu versäumen? Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?


Das verdammte Glück! Ohne das kann man nicht einmal ein guter Spitzbube sein.


Wer überlegt, der sucht Beweggründe, nicht zu dürfen.


Das Neue daran ist nicht gut, und das Gute daran ist nicht neu.


Der Aberglaube traut den Sinnen bald zu viel, bald zu wenig.


Der Aberglauben schlimmster ist, den seinen für den erträglicheren zu halten.


Dem Menschen ist ein Mensch noch immer lieber als ein Engel.


Denn nichts ist groß, was nicht wahr ist.


Die Suche nach Wahrheit ist köstlicher als deren gesicherter Besitz.


Die Gabe, sich widersprechen zu lassen, ist wohl überhaupt eine Gabe, die unter den Gelehrten nur die Toten haben.


Ich lernte einsehen, die Bücher würden mich wohl gelehrt, aber nimmermehr zu einem Menschen machen.


Neid ist ein kleines, kriechendes Laster, das keine andere Befriedigung kennt als das gänzliche Verderben seines Gegenstandes.


Der Endzweck der Wissenschaft ist die Wahrheit, der Endzweck der Künste ist Vergnügen.


Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab.


Immer eilt der Ruf von dem, was wir getan, voraus, verschließt oder öffnet uns die Pforten.


Das Neue ist, eben weil es neu ist, dasjenige, was am meisten überrascht.


Wein ist stärker als Wasser, das gestehn auch seine Hasser.


Wer wird nicht einen Klopstock loben? Doch wird ihn jeder lesen? Nein. Wir wollen weniger erhoben und fleißiger gelesen sein.


Man lobt den Künstler dann erst recht, wenn man über sein Werk sein Lob vergißt.


Nichts ist züchtiger und anständiger als die simple Natur.


Es eifre jeder seiner unbestochen von Vorurteilen freien Liebe nach!


Gar mancher lacht der Kinderfibel und schrieb doch ohne sie kein Wort. So lacht gar mancher wohl der Bibel und zehrt von ihr doch fort und fort.


Der größte Fehler, den man bei der Erziehung zu begehen pflegt, ist dieser, daß man die Jugend nicht zum eigenen Nachdenken gewöhnet.


Das kleinste Kapital eigener Erfahrung ist mehr wert als Millionen fremder Erfahrungen.


Der Buchstabe ist nicht der Geist, und die Bibel ist nicht die Religion.


Die Dienste der Großen sind gefährlich und lohnen der Mühe nicht, die sie kosten.


Bester Beweis einer guten Erziehung ist die Pünktlichkeit.


Braucht’s Gelegenheit zu einer Bitte?


Der denkende Künstler ist noch eins so viel wert.


Der Mensch? Wo ist er her? Zu schlecht für einen Gott, zu gut fürs Ungefähr.


Die Furcht hat ihren besonderen Sinn.


Die fürchtende Liebe sieht weit.


Die Kunst geht nach Brot.


Ein Bund Stroh aufzuheben, muß man keine Maschine in Bewegung setzen.


Ein volles Herz kann nicht die Worte wägen.


Ein Weiser schätzt kein Spiel, wo nur der Zufall regiert.


Eines Fehlers wegen entsagt man keines Mannes.


Entweder ist nichts verloren oder alles. Ruhig sein können und ruhig sein müssen – kömmt es nicht auf eines?


Erziehung gibt dem Menschen nichts, was er nicht auch aus sich selbst haben könnte, nur geschwinder und leichter.


Es gibt gewisse Dinge, wo ein Frauenzimmerauge immer schärfer sieht als hundert Augen der Mannspersonen.


Es kommt wenig darauf an, wie wir schreiben, aber viel, wie wir denken!


Es muß ein kleiner Geist sein, der sich Wahrheiten zu borgen schämt.


Freue dich mit mir! Es ist so traurig, sich allein zu freuen.


Kunstwärter müssen dann der Dummheit Blöße decken, und ein gelehrt Zitat macht Zierden selbst zu Flecken.


Was haben Sie denn gegen das Lachen? Kann man nicht auch lachend sehr ernsthaft sein? Das Lachen erhält uns vernünftiger als der Verdruß.


Man spricht selten von der Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt.


Mensch, lerne dich selbst erkennen, das ist der Mittelpunkt aller Weisheit!


Mensch, was bist du ohne Lieb und ohne Wein, doch bloß ein Stein.


Nicht jeder, der den Pinsel in die Hand nimmt und Farben verquistet, ist ein Maler.


Nicht so redlich wäre redlicher.


Nichts verächtlicher als ein brausender Jünglingskopf mit grauen Haaren.


Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön.


Seines Fleißes darf sich jedermann rühmen.


Tu, was du nicht lassen kannst!


Wäre es nicht töricht, eher aufzuhören, als bis man Meisterstücke von mir gesehen hat?


Wer andrer Schwäche zeigt, verberg’ erst seine Schwäche.


Wer gesund ist und arbeiten will, hat auf dieser Welt nichts zu fürchten.


Wer nur einen Geschmack hat, hat keinen Geschmack.


Begreifst du aber, Wie viel andächtig Schwärmen leichter als Gut handeln ist? wie gern der schlaffste Mensch Andächtig schwärmt, um nur – ist er zu Zeiten Sich schon der Absicht deutlich nicht bewußt – Um nur gut handeln nicht zu dürfen?


Wir sind alle Blätter an einem Baum, keins dem andern ähnlich, das eine symmetrisch, das andere nicht, und doch alle gleich wichtig dem Ganzen.


Es ist nicht wahr, daß die kürzeste Linie immer die geradeste ist.


Die Welt allein bildet einen vollkommenen Menschen nicht. Das Lesen der besten Schriftsteller muß dazukommen.


Der wahre Virtuose spottet bei sich über jede uneingeschränkte Bewunderung, und nur das Lob desjenigen kitzelt ihn, von dem er weiß, daß er auch das Herz hat, ihn zu tadeln.


Kein Tadel ist empfindlicher als der, welchen man einem gut gemeinten, aber überflüssigen Lob gleich an die Seite stellt.


Oft beweisen diese Herren durch ihre Beweise nichts, als daß sie das Beweisen hätte bleiben lassen.


Ein Tor sorgt für die künft’ge Zeit; für heute will ich sorgen. Wer kennt, mit weiser Gründlichkeit, den ungewissen Morgen?


Ob ich morgen leben werde, Weiß ich freilich nicht: Aber, wenn ich morgen lebe, Daß ich morgen trinken werde, Weiß ich ganz gewiß.


Trau keinem Freunde sonder Mängel, und lieb ein Mädchen, keinen Engel!


Ein Kleid, ein Schwert, ein Pferd – und ein Gott! Was brauch ich mehr?


Borgen ist viel besser nicht als betteln; sowie leihen, auf Wucher leihen, nicht viel besser ist als stehlen.


Mit wem man umgeht, dessen Sitten nimmt man nach und nach an.


Künftige Wohltaten so vorbereiten heißt: sie in den Augen des Himmels schon erwiesen haben.


Man muß Soldat sein für sein Land oder aus Liebe zur Sache, für die gefochten wird.


Wir haben, solange unser Freund hat.


Man muß nicht borgen, wenn man nicht wiederzugeben weiß.


Reiz ist Schönheit in Bewegung.


Die Faulheit Fleiß und Arbeit lob’ ich nicht. Fleiß und Arbeit lob’ ein Bauer. Ja, der Bauer selber spricht, Fleiß und Arbeit wird ihm sauer. Faul zu sein, sei meine Pflicht; Diese Pflicht ermüdet nicht. Bruder laß das Buch voll Staub. Willst du länger mit ihm wachen? Morgen bist du selber Staub! Laß uns faul in allen Sachen, nur nicht faul zu Lieb und Wein, nur nicht faul zur Faulheit sein.


Kinder brauchen Liebe, wär’s eines wilden Tieres Lieb’ auch nur, in solchen Jahren mehr als Christentum.


Du, dem kein Epigramm gefällt, Es sei denn lang und reich und schwer: Wo sahst du, daß man einen Speer, Statt eines Pfeils vom Bogen schnellt?


Die Bücher, die toten Gesellschafter! Nein, ich lobe mir das Lebendige…


Das Muster der Ehen Ein rares Beispiel will ich singen, Wobei die Welt erstaunen wird. Daß alle Ehen Zwietracht bringen, Glaubt jeder, aber jeder irrt. Ich sah das Muster aller Ehen, Still, wie die stillste Sommernacht. Oh! daß sie keiner möge sehen, Der mich zum frechen Lügner macht! Und gleichwohl war die Frau kein Engel, Und der Gemahl kein Heiliger; Es hatte jedes seine Mängel. Denn niemand ist von allen leer. Doch sollte mich ein Spötter fragen, Wie diese Wunder möglich sind? Der lasse sich zur Antwort sagen: Der Mann war taub, die Frau war blind.


Still mit dem Aber! Die Aber kosten Überlegung.


Die Weisheit selbst hat durch die Neugierde ihre meisten Verehrer erhalten.


Gleichgültigkeit an die Stelle der Liebe? – Das heißt: Nichts an die Stelle von etwas.


Die Menge auf etwas aufmerksam machen, heißt: dem gesunden Menschenverstand auf die Spur helfen.


Je größer der Irrtum, desto kürzer und gerader der Weg zur Wahrheit.


Die Ruinen des einen braucht die allzeit wirksame Natur zu dem Leben des andern.


Eure Ringe sind alle drei nicht echt. Der echte Ring vermutlich ging verloren.


Was machte ich mit dem Gelde, wenn ich nicht Bücher kaufte?


Der große Mann braucht überall viel Boden, und mehrere zu nah gepflanzt, zerschlagen sich nur die Äste.


Ich dich beneiden? Tor! Erspar’, ererb’, erwirb, Hab’ alles! Brauche nichts, laß alles hier und stirb!


Es ist möglich, daß ich am Tage des Jüngsten Gerichts zittern werde, aber bis dahin zittere ich auf keinen Fall.


Die eheliche Liebe Klorinde starb, sechs Wochen drauf Gab auch ihr Mann das Leben auf. Und seine Seele nahm aus diesem Weltgetümmel Den pfeilgeraden Weg zum Himmel. “Herr Petrus!” rief er. “Aufgemacht!” “Wer da?” — “Ein wackrer Christ.” “Was für ein wackrer Christ?” “Der manche Nacht, Seitdem die Schwindsucht ihn aufs Krankenbette brachte, In Furcht, Gebet und Zittern wachte. Mach bald!” Das Tor wird auf getan. “Ha, ha! Klorindens Mann! Mein Freund”, spricht Petrus, “nur herein! Noch wird bei Eurer Frau ein Plätzchen ledig sein.” “Was? Meine Frau im Himmel? Wie? Klorinden habt Ihr eingenommen? Lebt wohl! Habt Dank für Eure Müh! Ich will schon sonstwo unterkommen.”


Ich wollte lieber bei Löwen und Drachen wohnen, denn bei einem bösen Weibe. Wenn sie böse wird, so verstellet sie ihre Gebärde und wird so scheußlich wie ein Sack. Ihr Mann muß sich ihrer schämen, und wenn man es ihm vorwirft, so tut es ihm im Herzen wehe.


Es ist der Fehler des Jünglings, sich immer für glücklicher oder unglücklicher zu halten, als er ist.


O man ist verzweifelt wenig, wenn man weiter nichts ist, als ehrlich.


Des Menschen Hirn faßt so unendlich viel; und ist doch manchmal auch so plötzlich voll!


In allen Fällen, wo das Ähnliche sofort in die Sinne fällt, das Unähnliche aber so leicht nicht zu bemerken ist, entstehen allgemeine Begriffe, ehe wir noch den Vorsatz haben, dergleichen durch Absonderungen zu bilden.


Auch mit seinem Verdachte soll man niemand beleidigen.


Die Bescheidenheit richtet sich genau nach dem Verdienste, das sie vor sich hat, sie gibt jedem, was jedem gebührt – aber die schlaue Höflichkeit gibt allen alles, um alles wieder zu erhalten.


Zufällige Geschichtswahrheiten können der Beweis von notwendigen Vernunftswahrheiten nie werden.


Der Charakter des deutschen Volkes besteht darin, daß es keinen Nationalcharakter besitzt.


Was nutzt mir’s, daß ein Freund mit mir gefällig weine?


Ein Gedicht ist eine vollkommene sinnliche Rede.


Nur muß der eine nicht den andern mäkeln, Nur muß der Knorr den Knubben hübsch vertragen, Nur muß ein Gipfelchen sich nicht vermessen, Daß es allein der Erde nicht entsprossen.


Die Unglücklichen ketten sich so gern aneinander.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Gotthold-Ephraim-Lessing. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.