Götz vor dem Gentschenfelde

Eine Welt voller Zitate ist eine Welt voller Geschichten. Eine Welt voller Zitate ist eine Welt voller Geschichte. Eine Welt ohne Zitate ist eine Welt ohne Geschichten. Eine Welt ohne Zitate ist eine Welt ohne Geschichte.


Schafott Drei Stufen aufwärts zu gehen auch mit kleinem Schritt denn stolpern soll hier niemand mehr – noch soll man geh’n mit festem Schritt. Die Schärfe blinzelt in die Sonne Fanfaren klingen hell und klar: Im Jubel, unter heit’rem Himmel soll sterben, was voll Leben war. Ein Delinquent nur ist es heute Oh, wie er schreit, oh, wie er flennt Und nur durch eins kann man ihn läutern: Daß man ihn flugs vom Leben trennt. Er ist noch Kind, kaum sieben Jahr Und dennoch hat er es gewagt! Als Schläge auf ihn niederfuhren Hat er nicht brav “Hab Dank“ gesagt. Die Eltern haben angeklagt Die Angst hat ihre Macht bedroht. Für Kinder undankbarer Art Ist es wohl besser, sie sind tot.


Fast ein Nebel Es ist die langsame Erinnerung Nicht die, die manchmal überfällt Die schwebend ist, fast unsichtbar wie Wolken sich verdichtet an Tagen, die nur manchmal sind. Die ist es, die Dir Fragen stellt. Nach Kindheit so, daß Du den Sand noch in den Haaren spürst und jedes aufgeschlag’ne Knie die Tränen und den Trost. Nach Jugend so, daß Du noch weißt wie’s war beim ersten Mal nach jener neuen, frischen Zeit in der der Lauf der Welt allein in Deinen Händen lag. Einstweilen kommt sie Lautlos fragend Was nun werden mag Und Antwort will sie haben.


Wölfe Blutige Schnauzen im Wind Das Dunkel zum Jagen gemacht Wißt ihr noch, gestern, das Kind? Es heulte wie wir in der Nacht. Der Neuschnee verwischt uns’re Spuren Legt sich sacht auf gefrorenes Blut Und der Wind übertönt unser Knurr’n Das ist gut! Das ist gut! Am Tag kamen Menschen hierher Haben Hunde bei sich geführt Kamen mit Stock und Gewehr Doch ich hab ihre Angst gespürt. Ihre Angst, uns wirklich zu seh’n Ihre Angst, daran zu verbrennen Ihre Angst, vor Scham zu vergeh’n daß sie nicht uns, sondern sich nur erkennen. Ich kann es kaum noch erwarten Ich schwöre es, bei jenem Kind: Sie, die in uns’re Augen starrten Erkennen, daß sie doch nur Spiegel sind.


Vincent Krähen flogen auf und fort Zurück bliebst Du und der Wind Es hat mir nicht gefallen Du, der Du so sorgsam wähltest Nahmst nicht Farben Für Dein letztes Bild Wäre Dein Tod von Dir gemalt Er wäre noch erhalten Irgendwann den Sinn vielleicht könnt’ ich lernen wenn ich lernen könnt’ So muß ich rätseln was geschah mit Dir Im Herbst werden sich schon Krähen fnden und Wind bläst sicher vor der Stadt


Großer Bahnhof Nicht warten auf den Zug, der einfährt in den Bahnhof Deiner Träume denn nie erkennst Du wirklich seine Abfahrtszeit Zurücktreten bitte! Verspätung auf Gleis neun! Und wichtig ist auch nicht, wohin er fährt, der Zug denn oft gibt es kein Ziel das wirklich weit genug Es ist die Reise die Dich lockt Weil hinter jeder Bahnstation die nächste auf Dich wartet Und Dein Gepäck? Du brauchst nur Dein Gefühl die kleine Tasche mit der großen Ungeduld und etwas Liebe zum Wechseln


Schneefall Das Glitzern seh‘ ich noch. Die Kälte spüre ich nicht mehr. Gefrorenes Haar in fahlem Licht. Vor Stunden noch war hier ein Weg, verbindend die Dörfer des Schlafs. Noch wäre es leicht, zu leicht vielleicht, aufzustehen und weiterzugehen. Der Weg noch da, aber unsichtbar nun für schneeblinde Augen. Ich brauche keine Nacht mehr, um nicht zu sehen. Werden sie kommen, die Wölfe? Mein Heulen wird lauter sein als das ihre. Welche Glocken läuten da? Ist ein Dorf erwacht? Ich stehe auf. Schnee fällt von mir ab und etwas Leben. Das Läuten kommt von vorn, dort irgendwo muß Norden sein. Ich drehe mich um und suche eine Richtung.


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