Gustav Radbruch

"Bedeutung" legen wir einem Ereignis bei, wenn es dabei "um Werte geht", "Sinn", wenn daraus Werte hervorgehen.


Das Leben kennt nur fließende Übergänge, aber der Begriff zieht quer durch solche Übergänge scharfe Grenzen. Wo das Leben nur ein "mehr oder minder" zeigt, verlangt der Begriff eine Entscheidung: "entweder – oder".


Das Mißtrauen ist die erste Pflicht jedes Gesetzgebers. Gesetze sind ja nicht gemacht gegen die Guten, sondern gegen die Schlechten, und je mehr Schlechtigkeit ein Gesetz bei seinem Adressaten voraussetzt, um so besser ist es selbst.


Das Unrecht ist um so viel älter als das Recht, wie der Angriff älter ist als die Verteidigung. Und wie jeder Verteidigung durch den Angriff, so wird dem Recht durch das Unrecht die Weise seines Verhaltens unentrinnbar vorgeschrieben.


Der Haß kann Großes nicht schaffen, er muß von einer geheimen Liebe begleitet sein.


Der Ungeduldige lebt vorweggenommene Zukunft. Er lebt in Bildern der Zukunft, denen die Wirklichkeit einer Gegenwart nie entsprechen wird. Er ist ein ewig Enttäuschter.


Die Gesetzgeber sollten denken wie ein Philosoph und reden wie ein Bauer.


Die großen Zweifler an der Wissenschaft und dem Werte des Rechts, ein Tolstoi, ein Daumier, ein Anatole France und so auch ein Kirchmann, sind für den werdenden Juristen unschätzbare Mahner zur Selbstbesinnung. Denn ein guter Jurist kann nur der werden, der mit einem schlechten Gewissen Jurist ist.


Die Idee des Rechts kann nun keine andere sein als die Gerechtigkeit.


Ein guter Jurist kann nur der werden, der mit einem schlechten Gewissen Jurist ist.


Eine deutsche Wahrheit, einen deutschen Gott als Aufgaben deutschen Strebens gibt es nicht, aber was ein Deutscher um der Sache willen tut, wird unentrinnbar deutsch.


Es gibt kein besseres Mittel, das Gute in den Menschen zu wecken, als sie so zu behandeln, als wären sie schon gut.


Gleichheit ist nicht gegeben, gegeben sind nur Dinge, so ungleich "wie ein Ei dem andern". Gleichheit ist immer nur Abstraktion von gegebener Ungleichheit unter einem bestimmten Gesichtspunkt.


Jede Zeit hat die Verbrecher, die sie verdient.


Juristenarbeit ist Verstandesarbeit, Beherrschung der verschwommenen Wirrsal menschlicher Beziehungen durch die Schärfe klarer Begriffe.


Nichts ist bezeichnender für das Wertsystem unserer Tage, als daß man die Wichtigkeit einer Idee an der Statistik ihrer Anwendungsfälle messen zu können glaubt.


Niemals noch gab es Kultur ohne Religion.


Recht ist der Wille zur Gerechtigkeit.


Rechtsstaat ist wie das tägliche Brot, wie Wasser zum Trinken und wie Luft zum Atmen, und das Beste an der Demokratie ist, daß nur sie geeignet ist, den Rechtsstaat zu sichern.


Religion bedeutet uns den letzten Rückhalt da, wo es ums Ganze geht.


Religion ist Bejahung alles Seienden trotz alledem.


Schopenhauer vergleicht die menschliche Gesellschaft mit einer Gesellschaft von Stachelschweinen, die sich drängen, um sich einander zu erwärmen, aber doch voneinander ferne halten müssen, um einander nicht mit ihren Stacheln zu verletzen. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, ist bei Schopenhauer die menschliche Höflichkeit. Er hätte auch sagen können: das nach individualistischer Art gefundene Recht.


Solange die Todesstrafe besteht, atmet das ganze Strafrecht Blutgeruch aus, trägt das ganze Strafrecht den Stempel der Grausamkeit, ist das ganze Strafrecht mit dem Makel der rächenden Vergeltung behaftet.


Strafen heißt, absichtlich ein Übel zufügen. Wer in diesem Sinne strafen will, muß sich eines höheren Auftrags zuversichtlich bewußt sein.


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