Heinrich Heine

“Anfangs wollt’ ich fast verzagen, // Und ich glaubt’, ich trüg es nie, // Und ich hab es doch getragen, // Aber frag mich nur nicht: wie?” – Buch der Lieder: Lieder, VIII.


“Es ist eine alte Geschichte // Doch bleibt sie immer neu; // Und wem sie just passieret, // Dem bricht das Herz entzwei.” Buch der Lieder, Lyrisches Intermezzo XL


“Ich bin’s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen, // Mein Sinn ist auch ein bischen starr und zähe; // Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe, // Ich würde nicht die Augen niederschlagen.” An meine Mutter, B. Heine, Buch der Lieder, Sonette I


“Ich glaube, die Wellen verschlingen // Am Ende Schiffer und Kahn; // Und das hat mit ihrem Singen // Die Lorelei getan.” – Buch der Lieder. Darin: Die Heimkehr 2


“Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur // Des Zopftums neuere Phase: // Der Zopf, der ehemals hinten hing, // Der hängt jetzt unter der Nase.” – Caput III


“Die Göttin hat mir Thee gekocht // Und Rum hineingegossen; // Sie selber aber hat den Rum // Ganz ohne Thee genossen.” – Caput XXV


“Fatal ist mir das Lumpenpack, // das, um die Herzen zu rühren, // den Patriotismus trägt zur Schau, // mit allen seinen Geschwüren.” – Caput XXIV


“Ich möchte nicht todt und begraben seyn // Als Kaiser zu Aachen im Dome; // Weit lieber lebt’ ich als kleinster Poet // Zu Stukkert am Neckarstrome.” – Caput III


“Ich kenne die Weise, ich kenne den Text // Ich kenn auch die Herren Verfasser // Ich weiß, sie tranken heimlich Wein // Und predigten öffentlich Wasser.” – Deutschland, Ein Wintermärchen, Caput I


“Sie stelzen noch immer so steif herum, // So kerzengerade geschniegelt, // Als hätten sie verschluckt den Stock, // Womit man sie einst geprügelt.” – “Caput III”


“Wie unsere großen Meister gesagt und gesungen und wie wir es wollen, wir die Jünger – ja, nicht bloß Elsaß und Lothringen, sondern ganz Frankreich wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die ganze Welt – die ganze Welt wird deutsch werden. Von dieser Sendung und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter Eichen wandle. Das ist mein Patriotismus.” – im Vorwort zu “Deutschland. Ein Wintermärchen”


“Zu Aachen langweilen sich auf der Straß // die Hunde, sie flehn untertänig: // Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird // vielleicht uns zerstreuen ein wenig.” – Caput III


“In der Weltgeschichte ist nicht jedes Ereignis die unmittelbare Folge eines anderen, die Ereignisse bedingen sich vielmehr wechselseitig.” – Die romantische Schule


“Der Historiker ist immer ein Merlin, er ist die Stimme einer begrabenen Zeit, man befragt ihn, und er gibt Antwort, der rückwärtsschauende Prophet.” – Gedanken und Einfälle, III: Kunst und Literatur


“Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.” – Die Harzreise


“Die Stadt selbst ist schön, und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.” – In Die Harzreise, über Göttingen


“Im allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingeteilt in Studenten, Professoren, Philister und Vieh; welche vier Stände doch nichts weniger als streng geschieden sind. Der Viehstand ist der bedeutendste. Die Namen aller Studenten und aller ordentlichen und unordentlichen Professoren hier herzuzählen, wäre zu weitläufig; auch sind mir in diesem Augenblick nicht alle Studentennamen im Gedächtnisse, und unter den Professoren sind manche, die noch gar keinen Namen haben.” – Die Harzreise


“Rom wollte immer herrschen, und als seine Legionen fielen, sandte es Dogmen in die Provinzen.” – Die Reisebilder. 2. Teil, Die Nordsee


“Die deutschen Censoren − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − Dummköpfe − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − − −” – Capitel XII. S. 180 books.google; zeno.org


“Ja, mich dünkt zuweilen, der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, als man an sie glaubt.” – Reisebilder. “Dritter Teil: Italien, Reise von München nach Genua”, zit. nach Heine: Werke, Bd. II, S. 181


“Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muss bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will.” – Reisebilder. Italien. Reise von München nach Genua. Kapitel XVI


“England mit seinen Aristokraten geht jetzt immerhin zugrunde, freie Geister haben jetzt im Notfall noch einen besseren Zufluchtsort; würde auch ganz Europa ein einziger Kerker, so gäbe es noch immer ein anderes Loch zum Entschlüpfen, das ist Amerika und gottlob! das ist noch größer als der Kerker selbst.” – Reise von München nach Genua, Kapitel XXX


“Wahrlich, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die nicht bloß unsere Philosophen, sondern sogar die gewöhnlichsten Dummköpfe nicht begreifen.” – Die Stadt Lucca, Kapitel I


“Verfolgung der Andersdenkenden ist überall das Monopol der Geistlichkeit.” – Reisebilder, Vierter Theil, Englische Fragmente, IX. Die Emanzipation. DHA, Bd. 7/1, Seite 255, germazope.uni-trier.de


“St. Denis ist, wie männiglich weiß, der Schutzpatron der Könige von Frankreich, bekanntlich ein Heiliger, der mit seinem eigenen Kopfe in der Hand dargestellt wird.” – Französische Zustände, Artikel I, www.zeno.org


“Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreyfachen Fluch, wir weben, wir weben.” – Die schlesischen Weber


“Die Handlungen eines Furchtsamen, wie die eines Genies, liegen außerhalb aller Berechnungen.” – Französische Zustände


“Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, / und küsse die Marketenderin! / Das ist die ganze Wissenschaft, / das ist der Bücher tiefster Sinn.” – Doktrin


Wer mit den wenigsten und einfachsten Symbolen das Meiste und das Bedeutendste ausspricht, der ist der größte Künstler.


Ich bin den ganzen Tag in Florenz herumgeschlendert, mit offenen Augen und träumendem Herzen. Sie wissen, das ist meine größte Wonne in dieser Stadt, die mit Recht den Namen la bella verdient. Wenn Italien, wie die Dichter singen, mit einer schönen Frau vergleichbar, so ist Florenz der Blumenstrauß an ihrem Herzen.


Man schreibt nicht so ausführlich, wenn man den Abschied gibt.


Advokaten, die Bratenwender der Gesetze, die so lange die Gesetze wenden und anwenden, bis ein Braten für sie abfällt.


Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.


Das Glück ist eine leichte Dirne und weilt nicht gern am gleichen Ort. Sie drückt den Kuß dir auf die Stirne und lächelt sanft und flattert fort. Frau Unglück hat im Gegenteile dich liebevoll ans Herz gedrückt. Sie sagt, sie habe keine Eile, setzt sich zu dir ans Bett und strickt.


Der Brief, den du geschrieben, er macht mich gar nicht bang; Du willst mich nicht mehr lieben, aber Dein Brief ist lang. Zwölf Seiten, eng und zierlich! Ein kleines Manuskript! Man schreibt nicht so ausführlich, wenn man den Abschied gibt.


Wenn ich Weltgeschichte lese und irgendeine Tat oder Erscheinung mich frappiert, so möchte ich manchmal das Weib sehen, das als geheime Triebfeder dahintersteckt (als Agens mittel- oder unmittelbar). Die Weiber regieren, obgleich die Moniteur nur Männer verzeichnet – sie machen Geschichte, obgleich de Historiker nur Männernamen kennt.


Die Engel sehen sich alle ähnlich.


Die Musik bei einem Hochzeitszug erinnert mich immer an die Musik von Soldaten, die in den Krieg ziehen.


Die Ruhmlosen haben gewiß recht, wenn sie von Bescheidenheit predigen. Es ist ihnen ja so leicht, diese Tugend auszuüben.


Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.


Du bist begeistert, du hast Mut – auch das ist gut! Doch kann man mit Begeisterungsschätzen nicht die Besonnenheit ersetzen.


Ein Jüngling liebt ein Mädchen, die hat einen anderen erwählt; der andere liebt eine andre und hat sich mit dieser vermählt. Das Mädchen heiratet aus Ärger den ersten besten Mann, der ihr über den Weg gelaufen; der Jüngling, der ist übel dran. Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu; und wem sie just passiert, dem bricht das Herz entzwei.


Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.


Gott gab uns nur einen Mund, weil zwei Mäuler ungesund. Mit dem einen Munde schon schwatzt zuviel der Erdensohn. Hat er jetzt das Maul voll Brei, muß er schweigen unterdessen; hätte er der Mäuler zwei, löge er sogar beim Essen.


Gott hat mir schon vergeben. Es ist ja sein Geschäft.


Intermezzo Wo ich bin, mich rings umdunkelt Finsternis, so dumpf und dicht, seit mir nicht mehr leuchtend funkelt, Liebste, deiner Augen Licht. Mir erloschen ist der süßen Liebessterne goldne Pracht, Abgrund gähnt zu meinen Füßen – nimm mich auf, uralte Nacht!


Man muß seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt worden.


Laß bluten deine Wunden, laß Die Tränen fließen unaufhaltsam – Geheime Wollust schwelgt im Schmerz, Und Weinen ist ein süßer Balsam.


Weise erdenken die neuen Gedanken, Narren verbreiten sie.


Wenn ich bei meiner Liebsten bin, Dann geht das Herz mir auf, Dann bin ich reich in meinem Sinn und biet die Welt zum Kauf. Doch wenn ich wieder scheiden muß Aus ihrem Schwanenarm, Dann schwindet all mein Überfluß, Und ich bin bettelarm.


Wer einmal trifft, ist noch kein Schütze.


Wer nie im Leben töricht war, ein Weiser war er nimmer.


Wieviel höher steht die Frau bei Moses als bei den anderen Orientalen, noch auf den heutigen Tag bei den Mahometanern, diese sagen bestimmt, daß die Frau nicht einmal ins Paradies kommt. Mahomet hat sie davon ausgeschlossen. Glaubte er etwa, daß das Paradies kein Paradies mehr sei, wenn jeder seine Frau dort wiederträfe?


Wir erwarten nicht viel Gutes vom Pietismus… Wir teilen die Meinung eines witzigen Mannes, der keck behauptet: Unter hundert Pietisten sind neunundneunzig Schurken und ein Esel.


Wir glauben nicht mehr an die Wunderkraft des Blutes, weder an das Blut des Edelmannes, noch eines Gottes, und die große Menge glaubt nur an Geld. Besteht nun die heutige Religion in der Geldwerdung Gottes oder in der Gottwerdung des Geldes?


Wo? Wo wird einst des Wandermüden letzte Ruhestätte sein? Unter Palmen in dem Süden? Unter Linden an dem Rhein? Werd’ ich wo in einer Wüste eingescharrt von fremder Hand? Oder ruh’ ich an der Küste eines Meeres in dem Sand? Immerhin mich wird umgeben Gottes Himmel dort wie hier, und als Totenlampen schweben nachts die Sterne über mir.


Wüßte ich nicht, daß die Treue so alt ist wie die Welt, so würde ich glauben, ein deutsches Herz habe sie erfunden.


Wer uns vor nutzlosen Wegen warnt, leistet uns einen ebenso guten Dienst, wie derjenige, der uns den rechten Weg anzeigt.


Die Freiheitsliebe ist eine Kerkerblume, und erst im Gefängnis fühlt man den Wert der Freiheit.


Ich habe dich geliebt und liebe dich noch! Und fiele die Welt zusammen, aus ihren Trümmern stiege noch hervor meiner Liebe Flammen.


Zu Aachen, im alten Dome, liegt Karolus begraben. (Man muß ihn nicht verwechseln mit Karl Mayer, der lebt in Schwaben.) Ich möchte nicht tot und begraben sein als Kaiser zu Aachen im Dome; weit lieber lebt ich als kleiner Poet zu Stukkert am Neckarstrome. Zu Aachen langweilen sich auf der Straß die Hunde, sie flehn untertänig: Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird vielleicht uns zerstreuen ein wenig.


Das hat mit ihrem Singen die Lorelei getan.


Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.


Der Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung.


Nie kommt ein Unglück ohne sein Gefolge.


Die Vorsehung weiß sehr gut, auf welche Schultern sie ihre Lasten legt.


Ei! kennt ihr noch das alte Lied, Das einst so wild die Brust durchglüht, Ihr Saiten dumpf und trübe? Die Engel, die nennen es Himmelsfreud, Die Teufel, die nennen es Höllenleid, Die Menschen, die nennen es: Liebe!


In der Jugend ist die Liebe stürmischer, aber nicht so stark, so allmächtig, wie später.


Jede Zeit hat ihre Aufgabe, und durch die Lösung derselben rückt die Menschheit weiter.


Als Hegel auf dem Totenbette lag, sagte er: “Nur einer hat mich verstanden”, aber gleich darauf fügte er verdrießlich hinzu: “Und der hat mich auch nicht verstanden.”


Die deutsche Sprache ist an sich reich, aber in der deutschen Konversation gebrauchen wir nur den zehnten Teil dieses Reichtums; faktisch sind wir also spracharm.


Luther erschütterte Deutschland – aber Franz Drake beruhigte es wieder: er gab uns die Kartoffel.


Das Mitleid ist die letzte Weihe der Liebe, vielleicht die Liebe selbst.


Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet. Der Gute findet hier sein Paradies, der Schlechte genießt schon hier die Hölle.


Diejenigen fürchten das Pulver am meisten, die es nicht erfunden haben.


Ein Buch will seine Zeit wie ein Kind. Alle schnell in wenigen Wochen geschriebenen Bücher erregen bei mir ein gewisses Vorurteil gegen den Verfasser. Eine honette Frau bringt ihr Kind nicht vor dem neunten Monat zur Welt.


Einst glaubte ich, die Treulosigkeit der Frauen sei das Schrecklichste, und nannte sie Schlangen. Jetzt weiß ich, das Schrecklichste ist, daß sie nicht ganz Schlangen sind; denn die Schlangen können jedes Jahr die alte Haut von sich abstreifen und neugehäutet sich verjüngen.


Es ist ein gebildetes Mädchen, denn sie hat volle Brüste.


Gott hat die Esel geschaffen, damit sie dem Menschen zum Vergleich dienen können.


In der Kunst ist die Form alles, der Stoff gilt nichts.


Nur Narren wollen gefallen; der Starke will seine Gedanken geltend machen.


Sonderbar, sowie das Weib zum denkenden Selbstbewußtsein kommt, ist ihr erster Gedanke ein neues Kleid!


Was schert mich Weib, was schert mich Kind? Laß sie doch betteln gehen, wenn sie hungrig sind.


Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unseren Kleidern.


Wo das Weib aufhört, fängt der schlechte Mann an.


Alle kräftigen Menschen lieben das Leben.


Alles in der Welt endet durch Zufall und Ermüdung.


Wer mit täppischer Hand nach einer Rose greift, darf sich nicht beklagen, daß ihn die Dornen verletzen.


Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu; und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei.


Es ist sehr hart, auf einer Matratze festgenagelt zu sein, wenn alle Welt auf den Beinen ist und alle Ding im Fluß sind.


Ein kühnes Beginnen ist halbes Gewinnen.


Wandere Wenn dich ein Weib verraten hat, so liebe flink eine andre; noch besser wär’ es, du ließest die Stadt schnüre den Ranzen und wandre. Du findest bald einen blauen See, umringt von Trauerweiden; hier weinst du aus dein kleines Weh und deine engen Leiden. Wenn du den steilen Berg ersteigst, wirst du beträchtlich ächzen; doch wenn du den felsigen Gipfel erreichst, hörst du die Adler krächzen.


So ein paar grundgelehrte Zitate zieren den ganzen Menschen.


Die Philister, die Beschränkten, diese geistig Eingeengten darfst Du nie und nimmer necken. Aber weite, kluge Herzen wissen stets in unsren Scherzen Lieb und Freundschaft zu entdecken.


Es sind in Deutschland die Theologen, die dem lieben Gott ein Ende machen.


Schweigen ist die wesentlichste Bedingung des Glücks.


Wir wissen, daß ein Glück, das wir der Lüge verdanken, kein wahres Glück ist.


Meinen schönsten Liebesantrag suchst du ängstlich zu verneinen; frag ich dann: Ob das ein Korb sei? Fängst du plötzlich an zu weinen. Selten bet ich, drum erhör mich, lieber Gott! Hilf dieser Dirne, trockne ihre süßen Tränen und erleuchte ihr Gehirne.


Im wunderschönen Monat Mai, als Knospen sprangen, da ist in meinem Herzen die Liebe aufgegangen. Im wunderschönen Monat Mai, als alle Vögel sangen, da hab ich ihr gestanden mein Sehnen und Verlangen.


Rheinwein stimmt mich immer weich und löst jedes Zerwürfnis.


Größer als alle Pyramiden, als der Himalaya, als alle Wälder und Meere ist das menschliche Herz. Es ist herrlicher als die Sonne und der Mond und alle Sterne, strahlender und blühender. Es ist unheimlich in seiner Liebe.


Die Riesen sind auf immer verschwunden aus Deutschland.


Was Prügel sind, weiß jeder; was Liebe ist, hat noch niemand herausgefunden.


Du fragst mich, Kind, was Liebe ist? Ein Stern in einem Haufen Mist.


Ein Talent können wir nach einer einzigen Manifestation erkennen, für die Anerkennung des Charakters bedürfen wir aber eines langen Zeitraums und ständiger Öffentlichkeit.


Als ich das Vaterland aus den Augen verloren hatte, fand ich es im Herzen wieder.


Wenn du eine Rose schaust, sag, ich laß sie grüßen.


Die Liebe ist immer eine Art Wahnsinn, mehr oder minder schön.


Die böse Absicht ist immer vorsichtig in Kleinigkeiten.


Deutsche Frauen, deutsche Frauen! Welch ein Zauber birgt dieses Wort? Deutsche Frauen, deutsche Frauen, blühet lange, blühet fort.


Es schauen die Blumen alle zur leuchtenden Sonne hinaus; es nehmen die Ströme alle zum leuchtenden Meere den Lauf. Es flattern die Lieder alle zu meinem leuchtenden Lieb; Nehmt mit meine Tränen und Seufzer, ihr Lieder, wehmütig und trüb.


Und schrieb und schrieb an weißer Wand Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.


Weil ich dich liebe, wird so bläßlich, So elend mager mein Gesicht – Du fändest mich am Ende häßlich – Ich will dich meiden – zürne nicht.


Auf deine schönen Augen Hab’ ich ein ganzes Heer Von ewigen Lidern gedichtet – Mein Liebchen, was willst du mehr?


Die Heimkehr Ach, die Augen sind es wieder, Die mich einst so lieblich grüßten, Und es sind die Lippen wieder, Die das Leben mir versüßten! Auch die Stimme ist es wieder, Die ich einst so gern gehöret! Nur ich selber bins nicht wieder, Bin verändert heimgekehret. Von den weißen, schönen Armen Fest und liebevoll umschlossen, Lieg ich jetzt an ihrem Herzen, Dumpfen Sinnes und verdrossen.


Saphire sind die Augen dein, Die lieblichen, die süßen. O, dreimal glücklich ist der Mann, Den sie mit Liebe grüßen. Dein Herz, es ist ein Diamant, Der edle Lichter sprühet. O, dreimal glücklich ist der Mann, Für den es liebend glühet. Rubinen sind die Lippen dein, Man kann nicht schönre sehen. O, dreimal glücklich ist der Mann, Dem sie die Liebe gestehen. O, kennt ich nur den glücklichen Mann, O, daß ich ihn nur fände, So recht allein im grünen Wald, Sein Glück hätt bald ein Ende.


Vergnügen ist nichts als ein höchst angenehmer Schmerz.


Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muß bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will.


Für Witze und Geldborger ist es heilsam, wenn sie uns unangemeldet überraschen.


Deutsche Treue, deutsches Hemde, die verschleißt man in der Fremde!


Die Kunst des schönen Gebens wird in unserer Zeit immer seltener, in demselben Maße, wie die Kunst des plumpen Nehmens, des rohen Zugreifens täglich allgemeiner gedeiht.


Neuer Frühling Sterne mit den goldnen Füßchen Wandeln droben bang und sacht, Daß sie nicht die Erde wecken, Die da schläft im Schoß der Nacht. Horchend stehn die stummen Wälder, Jedes Blatt ein grünes Ohr! Und der Berg, wie träumend streckt er Seinen Schattenarm hervor. Doch was rief dort? In mein Herze Dringt der Töne Widerhall. War es der Geliebten Stimme, Oder nur die Nachtigall?


In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.


Sie liebten sich beide, doch keiner Wollt’ es dem andern gestehn; Sie sahen sich an so feindlich, Und wollten vor Liebe vergehn. Sie trennten sich endlich und sahn sich Nur noch zuweilen im Traum; Sie waren längst gestorben, Und wußten es selber kaum.


Schöne Wiege meiner Leiden, Schönes Grabmal meiner Ruh, Schöne Stadt, wir müssen scheiden, – Lebe wohl! ruf ich dir zu. Lebe wohl, du heilge Schwelle, Wo da wandelt Liebchen traut; Lebe wohl! du heilge Stelle, Wo ich sie zuerst geschaut. Hätt ich dich doch nie gesehen, Schöne Herzenskönigin! Nimmer war es dann geschehen, Daß ich jetzt so elend bin. Nie wollt ich dein Herze rühren, Liebe hab ich nie erfleht; Nur ein stilles Leben führen Wollt ich, wo dein Odem weht. Doch du drängst mich selbst von hinnen, Bittre Worte spricht dein Mund; Wahnsinn wühlt in meinen Sinnen, Und mein Herz ist krank und wund. Und die Glieder matt und träge Schlepp ich fort am Wanderstab, Bis mein müdes Haupt ich lege Ferne in ein kühles Grab.


Für die Güte einer Bibliothek könnte man denselben Beweis anführen, den Boccaccio für die Religion anführt: sie besteht trotz ihrer Beamten.


In den Küssen welche Lüge! Welche Wonne in dem Schein! Ach, wie süß ist das Betrügen Süßer das Betrogensein! Liebchen, wie du dich auch wehrest, Weiß ich doch, was du erlaubst: Glauben will ich, was du schwörest, Schwören will ich, was du glaubst.


Man preist den dramatischen Dichter, der es versteht, Tränen zu entlocken. Dieses Talent hat auch die kümmerlichste Zwiebel, mit dieser teilt er sein Ruhm.


Die Welt ist die Signatur des Wortes.


Franzosen und Russen gehört das Land. Das Meer gehört den Briten. Wir aber besitzen im Luftreich des Traums die Herrschaft unbestritten.


Die Deutschen sind ein gemeingefährliches Volk: Sie ziehen unerwartet ein Gedicht aus der Tasche und beginnen ein Gespräch über Philosophie.


Es gibt kein angenehmeres Geschäft, als dem Leichenbegräbnis eines Feindes zu folgen.


Jede Zeit ist eine Sphinx, die sich in den Abgrund stürzt, sobald man ihr Rätsel gelöst hat.


Wenn es den Kaiser juckt, so müssen sich die Völker kratzen.


Lebt das Wort, so wird es von Zwergen getragen; ist das Wort tot, so können es keine Riesen aufrecht erhalten.


Das Leben ist der Güter höchstes, und das schlimmste Übel ist der Tod.


Weltlauf Hat man viel, so wird man bald Noch viel mehr dazu bekommen. Wer nur wenig hat, dem wird Auch das Wenige genommen. Wenn du aber gar nichts hast, Ach, so lasse dich begraben – Denn ein Recht zum Leben, Lump, Haben nur die, die etwas haben.


Mit deinen blauen Augen Siehst du mich lieblich an, Da wird mir träumend zu Sinne, Daß ich nicht sprechen kann. An deine blauen Augen Gedenk ich allerwärts; Ein Meer von blauen Gedanken Ergießt sich über mein Herz.


Solidität Liebe sprach zum Gott der Lieder, Sie verlange Sicherheiten, Ehe sie sich ganz ergebe, Denn es wären schlechte Zeiten. Lachend gab der Gott zur Antwort: Ja, die Zeiten sich verändern, Und du sprichst jetzt wie ein alter Wuchrer, welcher leiht auf Pfändern. Ach, ich hab nur eine Leier, Doch sie ist von gutem Golde. Wieviel Küsse willst du borgen Mir darauf, o meine Holde?


Schlage die Trommel und fürchte dich nicht Und küsse die Marketenderin! Das ist die ganze Wissenschaft, Das ist der Bücher tiefster Sinn.


Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre Feigenblätter wieder abgerissen …


Die Werke des Geistes sind ewig feststehend, jedoch Kritik ist etwas Wandelbares. Sie geht aus den jeweils gängigen Ansichten der Zeit hervor.


8 Schaff mich nicht ab, wenn auch den Durst Gelöscht der holde Trunk; Behalt mich noch ein Vierteljahr, Dann hab auch ich genung. Kannst du nicht mehr Geliebte sein, Sei Freundin mir sodann; Hat man die Liebe durchgeliebt, Fängt man die Freundschaft an.


Die Jugend ist uneigennützig im Denken und Fühlen und denkt und fühlt deshalb die Wahrheit am tiefsten… Die älteren Leute sind selbstsüchtig und kleinsinnig.


Die deutsche Ehe ist keine wahre Ehe. Der Ehemann hat keine Ehefrau, sondern eine Magd und lebt sein isoliertes Hagestolzleben im Geiste fort, selbst im Kreis der Familie. Ich will darum nicht sagen, daß er der Herr sei, im Gegenteil, er ist zuweilen nur der Bediente seiner Magd, und den Servilismus verleugnet er auch im Hause nicht.


Für die Güte der Republik könnte man denselben Beweis anführen, den Boccaccio für die Religion anführte: Sie besteht trotz ihrer Beamten.


Sie saßen und tranken am Teetisch und sprachen von Liebe viel. Die Herren, die waren ästhetisch, die Damen von zartem Gefühl.


Die Literaturgeschichte ist die große Morgue, wo jeder seine Toten aufsucht, die er liebt oder womit er verwandt ist. Wenn ich da unter so vielen unbedeutenden Leichen den Lessing oder den Herder sehe mit ihren erhabenen Menschengesichtern, dann pocht mir das Herz. Wie dürfte ich vorübergehen, ohne euch flüchtig die blassen Lippen zu küssen?


Daß du mich liebst, das wußt’ ich Daß du mich liebst, das wußt’ ich, Ich hatt’ es längst entdeckt. Doch als du mir’s gestanden, Hat es mich tief erschreckt. Ich stieg wohl auf die Berge Und jubelte und sang: Ich ging ans Meer und weinte Beim Sonnenuntergang. Mein Herz ist wie die Sonne So flammend anzusehn, Und in ein Meer von Liebe Versinkt es groß und schön.


Das Gute wird immer den Sieg über das Schöne behaupten.


Verfolgung der Andersdenkenden ist überall das Monopol der Geistlichkeit.


Das ist eben der Segen der Pressefreiheit, sie raubt der kühnen Sprache der Demagogen allen Zauber der Neuheit und neutralisiert das leidenschaftliche Wort durch ebenso leidenschaftliche Gegenrede.


Kranke Menschen sind immer wahrhaft vornehmer als gesunde.


Es schlafen tief im Grunde des Menschenherzens Gedanken, die oft erwachen zur unrechten Stunde.


Fürsten hadern, Völker streiten, Jeder will die Macht erbeuten; Herrschaft ist das höchste Gut, Höchste Tugend ist der Mut.


Die Kommunisten hegen einen achselzuckenden Widerwillen gegen Patriotismus, Ruhm und Krieg.


Die ewige Verdammnis ist kein bloßer Pöbelwahn.


In der Fremde Ich hatte einst ein schönes Vaterland. Der Eichenbaum Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum. Das küßte mich auf deutsch und sprach auf deutsch (Man glaubt es kaum, Wie gut es klang) das Wort: Ich liebe dich! Es war ein Traum.


Man kann mit Begeisterungsschätzen nicht die Besonnenheit ersetzen.


Die Duelle, obgleich sie von den Staatsgesetzen, von der Religion und selbst von der Vernunft mißbilligt werden, sind dennoch eine Blüte schöner Menschlichkeit.


Die Deutschen sind tapfer ohne Nebengedanken, sie schlagen sich um zu schlagen, wie sie trinken um zu trinken.


Leider hängt die öffentliche Meinung mehr als man glaubt von den Journalen ab.


Solche Bücher läßt du drucken! Teurer Freund, du bist verloren! Willst du Geld und Ehre haben, Mußt du dich gehörig ducken. Nimmer hätt ich dir geraten So zu sprechen vor dem Volke, So zu sprechen vor den Pfaffen Und vor hohen Potentaten! Teurer Freund, du bist verloren! Fürsten haben lange Arme, Pfaffen haben lange Zungen, Und das Volk hat lange Ohren!


Mit dem besten Willen der Treuherzigkeit kann kein Mensch über sich selbst die Wahrheit sagen.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Heinrich-Heine. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.