Isolde Kurz

Alles Große braucht einen Dolmetscher bei der Menge; die Mittelmäßigkeit wird gleich verstanden.


Auf törichte Wünsche wartet zuweilen eine grausame Strafe: Ihre Erfüllung.


Bei Bilderbuch, Lied und Märchen liegt der Anfang aller Kultur. Götter und Heroen sind zu Spielkameraden der Kindheit gerade gut genug.


Das Gelobtwerden für eine Eigenschaft, die man nicht hat, wird häufig zum Sporn, sich diese Eigenschaft zu erwerben.


Das Schicksal der Tiere ist die offene Wunde im Herzen der Schöpfung.


Der wahre Märtyrer unserer Kultur ist der gebildete Mensch, der keine Mittel hat.


Der wildeste Haß ist noch lange nicht so häßlich wie Lieblosigkeit.


Die einzigen Menschen, die ein völlig ruhiges Gewissen haben, sind die großen Verbrecher.


Die Gottheit bedarf ebenso des Menschen, wie der Mensch der Gottheit bedarf.


Die menschlichen Vorurteile sind wie bissige Hunde, die nur den Furchtsamen angreifen.


Die Mode liebt zwar das Unechte, aber sie wechselt damit.


Die Seele eines Volkes erlauscht man an seinen Feierabenden.


Die Welt ist ein Spiegel, worin ein jeder nur die eigene Seele sieht.


Die weltlichen Zwecke reißen die Menschen auseinander, die geistigen verbinden sie. Nur in Zeiten, wo der Idealismus herrscht, gibt es die großen Freundschaften.


Die Zeit wird nicht nach der Länge, sondern nach der Tiefe gemessen.


Dummheiten sind die beste Grundlage für künftige Weisheit.


Eltern sollten sich nicht unberufen in das Gefühlsleben ihrer Kinder eindrängen; das keusche, vornehme Verschließen des Innern gehört zum besten, was sie haben.


Es gibt keine Täuschungen des Herzens. Was das Gefühl uns sagt, ist alles wahr, wenn auch mitunter nur für einen Augenblick.


Geistlose Menschen können nicht freudig sein, die Stofflosigkeit lastet mit zu schwerem Druck auf ihnen.


Gibt es etwas Dümmeres als das Protzen auf sein Geschlecht? Kann sich ein geistreicher Mann auf eine Eigenschaft etwas einbilden, die er mit unzähligen Nullen gemein hat?


Immer spricht der Dilettant den Künstler als Bruder an. Der Künstler mag sich dies ruhig gefallen lassen – er hat keine Pflicht der Aufrichtigkeit gegen ihn.


Jeder große Mensch ist ein Rätsel, das erst von der Nachwelt gelöst wird.


Klug sein heißt, angewandte Seelenkunde treiben. Wer einen anderen gar nicht zu behandeln versteht, der beweist, daß er in sein Wesen und seine Bedürfnisse keinen Einblick hat.


Mancher ist eine ganze Sammlung schätzenswerter Eigenschaften und ist doch keine Persönlichkeit.


Mit Recht nennen wir unsere Sprache die Muttersprache: sie lehrt uns wie die Mutter das Kind durch Märchen und Gleichnis, denn sie hat die Träume und die Erfahrungen vorangegangener Geschlechter in sich aufgenommen.


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