Jakob Michael Reinhold Lenz

Es ist ja auch höchst unvernünftig, wenn die Mannspersonen fordern, wir sollen ihnen treu bleiben, wenn sie nichts mehr haben. Wenn der alte Brunnen ausgeschöpft ist, je nun, so gräbt man einen neuen.


Methusalas Alter reichte nicht zu, einen Liebhaber klug zu machen. Mag er noch so oft anlaufen, noch so oft sich vornehmen, jetzt vernünftiger zu handeln – es ist alles umsonst: Ein Blick, ein Atem seiner Schönen wirft den ganzen babylonischen Turm seiner guten Vorsätze über'n Haufen.


Wir werden geboren – unsere Eltern geben uns Brot und Kleid – unsere Lehrer drücken in unser Hirn Worte, Sprachen, Wissenschaften – irgendein artiges Mädchen drückt in unser Herz den Wunsch, es eigen zu besitzen, es in unsere Arme als Eigentum zu schließen, wenn sich nicht gar ein tierisch Bedürfnis mit hineinmischt – es entsteht eine Lücke in der Republik, wo wir hineinpassen – unsere Freunde, Verwandte, Gönner setzen an uns, stoßen uns glücklich hinein – wir drehen uns eine Zeitlang in diesem Platz herum wie die andern Räder und stoßen und treiben – bis wir, wenn's noch so ordentlich geht, abgestumpft sind und zuletzt wieder einem neuen Rade Platz machen müssen – das ist, meine Herren! ohne Ruhm zu melden, unsere Biographie.


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