Jean Jacques Rousseau

“Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.” – Vom Gesellschaftsvertrag, Buch IV, Über die staatsbürgerliche Religion


“Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Banden. Mancher hält sich für den Herrn seiner Mitmenschen und ist trotzdem mehr Sklave als sie.” – Vom Gesellschaftsvertrag, Buch I, Kapitel 1


(Original franz.: “L’homme est né libre, et partout il est dans les fers. Tel se croit le maître des autres, qui ne laisse pas d’être plus esclave qu’eux.” – Livre I, Chapitre 1.1)


(Original franz.: “La première et la plus importante conséquence des principes ci-devant établis, est que la volonté générale peut seule diriger les forces de l’État selon la fin de son institution, qui est le bien commun ; car, si l’opposition des intérêts particuliers a rendu nécessaire l’établissement des sociétés, c’est l’accord de ces mêmes intérêts qui l’a rendu possible. C’est ce qu’il y a de commun dans ces différents intérêts qui forme le lien social ; et s’il n’y avait pas quelque point dans lequel tous les intérêts s’accordent, nulle société ne saurait exister. Or, c’est uniquement sur cet intérêt commun que la société doit être gouvernée.” – Livre II, Chapitre 2.1)


“Eine echte Demokratie hat es nie gegeben und wird es sie auch niemals geben, denn es verstößt gegen die natürliche Ordnung, daß die Mehrheit regiert und die Minderheit regiert wird. Es ist nicht denkbar, dass das Volk unaufhörlich versammelt bleibe, um sich den Regierungsgeschäften zu widmen, und es ist leicht ersichtlich, dass es hierzu keine Ausschlüsse einsetzen kann, ohne die Form der Verwaltung zu ändern.” – Vom Gesellschaftsvertrag, Band III, Kapitel 4


“Rückt die Meinungen des Volkes zurecht, und seine Sitten werden sich von selbst bessern.” – Der Gesellschaftsvertrag, Buch IV


“Wer zu sagen wagt, »außerhalb der Kirche gibt es kein Heil«, muss aus dem Staat verjagt werden.” – Der Gesellschaftsvertrag, Buch IV, Kapitel 8


“Das wird eine knechtische Seele werden, bei der man nur mit Strenge etwas erreicht.” – Émile I, (Anmerkung: Der Text bezieht sich auf eine Vermutung von Rousseau anläßlich der Beobachtung eines frustrierten Kleinkindes.)


(Original franz.: “Je n’oublierai jamais d’avoir vu un de ces incommodes pleureurs ainsi frappé par sa nourrice. Il se tut sur-le-champ: je le crus intimidé. Je me disais: ce sera une âme servile dont on n’obtiendra rien que par la rigueur. Je me trompais: le malheureux suffoquait de colère, il avait perdu la respiration ; je le vis devenir violet. Un moment après vinrent les cris aigus; tous les signes du ressentiment, de la fureur, du désespoir de cet âge, étaient dans ses accents.”)


“Eine einzige offenkundige Lüge des Lehrers gegen seinen Zögling kann den ganzen Ertrag der Erziehung zunichte machen.” – Emile, Buch IV


“Glücklich ist das Land, wo man es nicht nötig hat, den Frieden in einer Wüste zu suchen! Wo aber ist dieses Land?” – Émile V


(Original franz.: “Heureux, mon jeune ami, le pays où l’on n’a pas besoin d’aller chercher la paix dans un désert. Mais où est ce pays?”)


Ähnlich schon Pierre Nicole: “Es gibt einen allgemeinen Beruf und ein allgemeines Handwerk, das alle Menschen ausüben müssen, das ist dasjenige Mensch zu sein und als Mensch zu leben.” – Zitiert bei Fritz Osterwalder books.google


“Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.” – Émile


(Original franz.: “Il n’y a pas d’assujettissement si parfait que celui qui garde l’apparence de la liberté. On captive ainsi la volonté même.”)


“Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt, sondern derjenige, welcher sein Leben am meisten empfunden hat.” – “Emile”, I


(Original franz.: “L’homme qui a le plus vécu n’est pas celui qui a compté le plus d’années, mais celui qui a le plus senti la vie.” – franz. Wikisource)


“Wenn man ein Kenner ist, darf man keine Sammlung anlegen.” – Émile IV, (Anmerkung: Der Satz ist offenbar eine Zusammenfassung der folgenden Passage:)


(Original franz.: “Je saurais alors que de telles collections ne sont jamais complètes, et que le défaut de ce qui leur manque donne plus de chagrin que de n’avoir rien. En ceci l’abondance fait la misère : il n’y a pas un faiseur de collections qui ne l’ait éprouvé. Quand on s’y connaît, on n’en doit point faire.”)


“Das Geld, das man besitzt, ist das Instrument der Freiheit; dasjenige, dem man nachjagt, ist das Instrument der Knechtschaft.” – Bekenntnisse, Band II


(Original franz.: “L’argent qu’on possède est instrument de la liberté; celui qu’on pourchasse est celui de la servitude.”)


“…eine Prinzessin, der man sagte, dass die Bauern kein Brot hätten, woraufhin sie antwortete, dann sollten sie doch Brioche essen.” -Bekenntnisse, Band VI


(Original franz.: “Enfin je me rappelai le pis-aller d’une grande princesse à qui l’on disait que les paysans n’avaient pas de pain, et qui répondit: Qu’ils mangent de la brioche. J’achetai de la brioche.” – Les Confessions, Livre VI)


“Die gewöhnliche Kunst der Sophisten besteht darin, eine Menge Argumente anzuhäufen, um deren Schwäche zu verbergen.” – Vierter Brief vom Berge


“Die Vergröberung macht Gegenstände nicht hassenswert, sondern nur lächerlich.” – Brief an Jean Baptiste le Rond d’Alembert


“Bei unserer Geburt treten wir auf den Kampfplatz und verlassen ihn bei unserem Tode.” – Träumereien eines einsamen Spaziergängers


“Das Glück hat kein Aushängeschild; um es gewahr zu werden, müsste man im Herzen des Glücklichen lesen können, aber die Zufriedenheit leuchtet aus den Augen, aus der Haltung, dem Ton der Stimme, dem Gang und scheint sich dem, der sie bemerkt, mitzuteilen.” – Träumereien eines einsamen Spaziergängers


“Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört«.” – Discours


“Es gibt eine gewisse Eintracht der Seelen, die sich sogleich beim ersten Anblick bemerkbar macht.” – Julie oder Die neue Héloïse / Saint-Preux


“Nichts ist für aufrichtige Liebhaber gefährlicher als die Welt der Vorurteile.” – Julie oder Die neue Héloïse / Julie


“Solange der Ackerbau geehrt wurde, gab es weder Elend noch Müßiggang, und es gab weit weniger Laster.” – Letzte Antwort


“Überall wird die Trunkenheit am meisten von Leuten verabscheut, die am meisten Grund haben, sich vor ihr in Acht zu nehmen.” – Brief an d’Alembert


“Wehe jedem, der eine Sittenlehre predigt, die er nicht ausüben will!” – Julie oder Die neue Héloïse / Saint-Preux


“Welche Strafe mir auch auferlegt wird, wird sie doch minder grausam sein als die Erinnerung an mein Verbrechen.” – Julie oder Die neue Héloïse / Saint-Preux


“Wie angenehm und reizend ist die aus dem Bewusstsein vollkommener Eintracht entspringende Sicherheit!” – Julie oder Die neue Héloïse / Julie


“Wie der Götzendiener den Gegenstand seiner Verehrung mit Schätzen bereichert, die er hochhält, und auf dem Altar den Abgott schmückt, den er anbetet, so will auch der Liebhaber, wenn er seine Geliebte auch noch so vollkommen sieht, ihr dennoch unaufhörlich neuen Zierat hinzufügen.” – Émile


“Mir ist die gefährliche Freiheit lieber als eine ruhige Knechtschaft.” – Vom Gesellschaftsvertrag, Band III, Kapitel 4. Rousseau zitiert hier Rafał Leszczyński, Woiwode von Posen und Vater von Stanislaus I. Leszczyński


“Aus Selbstbeobachtung und Wohlwollen glaubte der seinerzeit größte Kritiker der Zivilisation, der so wortgewaltig wie kein anderer die Strukturen ihrer Hoffnungslosigkeit und Unzufriedenheit beschrieb, sein ganzes Leben lang — so wie auch Anne Frank im dunkelsten Augenblick der modernen Geschichte —, daß die menschliche Natur trotz allem im Grunde gut sei.” – Robert Wokler: Rousseau. Aus dem Englischen von Michaela Rehm. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien, S. 170.


Alternative Übersetzung: “Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.” (Original franz.: “L’homme est né libre, et partout il est dans les fers. Tel se croit le maître des autres, qui ne laisse pas d’être plus esclave qu’eux.” – Livre I, Chapitre 1.1)


(Original franz.: “Je n’oublierai jamais d’avoir vu un de ces incommodes pleureurs ainsi frappé par sa nourrice. Il se tut sur-le-champ: je le crus intimidé. Je me disais: ce sera une âme servile dont on n’obtiendra rien que par la rigueur. Je me trompais: le malheureux suffoquait de colère, il avait perdu la respiration ; je le vis devenir violet. Un moment après vinrent les cris aigus; tous les signes du ressentiment, de la fureur, du désespoir de cet âge, étaient dans ses accents.”)


(Original franz.: “Heureux, mon jeune ami, le pays où l’on n’a pas besoin d’aller chercher la paix dans un désert. Mais où est ce pays?”)


Ähnlich schon Pierre Nicole: “Es gibt einen allgemeinen Beruf und ein allgemeines Handwerk, das alle Menschen ausüben müssen, das ist dasjenige Mensch zu sein und als Mensch zu leben.” – Zitiert bei Fritz Osterwalder books.google


(Original franz.: “Il n’y a pas d’assujettissement si parfait que celui qui garde l’apparence de la liberté. On captive ainsi la volonté même.”)


(Original franz.: “L’homme qui a le plus vécu n’est pas celui qui a compté le plus d’années, mais celui qui a le plus senti la vie.” – franz. Wikisource)


(Original franz.: “Je saurais alors que de telles collections ne sont jamais complètes, et que le défaut de ce qui leur manque donne plus de chagrin que de n’avoir rien. En ceci l’abondance fait la misère : il n’y a pas un faiseur de collections qui ne l’ait éprouvé. Quand on s’y connaît, on n’en doit point faire.”)


(Original franz.: “L’argent qu’on possède est instrument de la liberté; celui qu’on pourchasse est celui de la servitude.”)


(Original franz.: “Enfin je me rappelai le pis-aller d’une grande princesse à qui l’on disait que les paysans n’avaient pas de pain, et qui répondit: Qu’ils mangent de la brioche. J’achetai de la brioche.” – Les Confessions, Livre VI)


Eine schlechte Handlung quält uns nicht in dem Augenblick, wo wir sie begehen, sondern viel später, wenn wir uns ihrer erinnern.


Wer die Dinge gut genug kennt, daß er allen ihren wahren Wert geben kann, redet niemals zu viel.


Der Stärkste ist nie stark genug, um immerdar Herr zu bleiben, wenn er seine Stärke nicht in Recht und den Gehorsam nicht in Pflicht verwandelt.


Philosophieren kann besser der Mann über das menschliche Herz, doch darin zu lesen vermag besser die Frau.


Seitdem sich die Menschen herausgenommen haben, Gott eine Sprache zu verleihen, hat ihn jeder auf seine Weise sprechen und sich von ihm sagen lassen, was er gewollt hat.


Wer ein kleines Leiden nicht ertragen kann, muß auf große gefaßt sein.


Das Herz gehorcht keinem Gesetz außer seinem eigenen; es entkommt der Knechtschaft; nur freiwillig gibt es sich her.


Das Erste und das Wichtigste, was ein Kind lernen muß, ist, Leiden zu ertragen.


Von übel angewendeter Einschränkung und Zucht bei den Kindern kommen mehr böse Neigungen als von der Natur.


Alle großen Leidenschaften entstehen in der Einsamkeit.


Der Geschmack ist allen Menschen natürlich; sie haben ihn aber nicht alle in gleichem Maße.


Es gibt kein Glück ohne Mut und keine Tugend ohne Kampf.


Gleich den Menschen sind die meisten Völker nur in ihrer Jugend gelehrig; im Alter werden sie unverbesserlich.


Was sollen unsere Kinder lernen? Wirklich eine schöne Frage! Natürlich, was sie, erwachsen, machen, und nicht, was sie vergessen sollen.


Die Natur lügt niemals und verdammt die Kunst, welche lügt.


Die List ist eine natürliche Gabe des weiblichen Geschlechts und ein billiger Ersatz der Stärke, die ihm mangelt, ohne welche die Frau nicht Gehilfin, sondern Sklavin des Mannes sein würde.


Der moralische Zustand eines Volkes ergibt sich weniger aus dem absoluten Zustand seiner Mitglieder als aus ihren Beziehungen untereinander.


Bisher habe ich viele Masken gesehen; wann werde ich menschliche Gesichter sehen?


Das einzige Mittel, den Irrtum zu vermeiden, ist die Unwissenheit.


Das Geld, das man besitzt, ist ist das Instrument der Freiheit. Das Geld, dem man nachjagt, ist das Instrument der Knechtschaft.


Das Gewissen ist furchtsam, es liebt die Zurückgezogenheit und den Frieden: die Welt und der Lärm erschrecken es.


Das Kind wird von einem vernünftigen, wenn auch, was die Kenntnisse betrifft, etwas beschränkten Vater besser als von dem geschicktesten Lehrer der Welt erzogen werden; denn der Eifer wird das Talent eher als das Talent den Eifer ersetzen.


Das Leben ist kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert, sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu genießen.


Der Dämon des Besitzes verpestet alles, was er berührt. Ein Reicher will überall den Herren spielen und befindet sich nirgends wohl, wo er ist. So ist er genötigt, stets vor sich selber auf der Flucht zu sein.


Der Seele wegen muß man den Körper üben.


Der Wurf mag zuweilen nicht treffen, aber die Absicht verfehlt niemals ihr Ziel.


Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen.


Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will


Die Vernunft enttäuscht uns oft, das Gewissen nie.


Die Völker, die daran gewöhnt sind, Herrscher über sich zu haben, können diese nicht mehr entbehren. Sie halten Zügellosigkeit, die der Freiheit entgegengesetzt ist, für Freiheit und geraten durch ihr Aufbegehren fast immer Verführern in die Hände.


Es ist wertvoller, stets den Respekt der Menschen, als gelegentlich ihre Bewunderung zu haben.


Ich bin durch meine Laster Sklave und frei durch meine Gewissensbisse.


In der Schule der Welt wie in der Schule der Liebe muß man alsbald mit der Ausübung dessen, was man zu lernen gedenkt, den Anfang machen.


Je mehr ich mich anstrenge, sein unendliches Wesen zu durchschauen, desto weniger begreife ich es. Er ist, aber das ist mir genug. Je weniger ich ihn begreife, um so mehr bete ich ihn an. Ich demütige mich vor Gott und sage: Du Wesen der Wesen! Ich bin, weil du bist. Ich hebe mich empor zu deinem Urquell, wenn ich ohne Unterlass dein gedenke. Der würdigste Gebrauch meiner Vernunft ist, sie vor dir zu vernichten.


Leute, die wenig wissen, sind oft Schwätzer.


Die Freiheit gleicht jenen derben und saftreichen Nahrungsmitteln, oder jenen edlen Weinen, welche die daran gewöhnten robusten Naturen ernähren und kräftigen, während sie die Schwachen und Zarten überwältigen, berauschen und zu Grunde richten.


Nur in einer einzigen Wissenschaft muß man die Kinder unterweisen, in der Wissenschaft von den Pflichten des Menschen.


Um einen guten Liebesbrief zu schreiben, mußt du anfangen, ohne zu wissen, was du sagen willst, und endigen, ohne zu wissen, was du gesagt hast.


Welche Weisheit kannst du finden, die größer ist als Güte?


Wie angenehm und reizend ist die aus dem Bewußtsein vollkommener Eintracht entspringende Sicherheit.


Ein Lehrer sollte kein Knecht sein, sonst macht er aus dem Schüler einen zweiten Knecht.


Der Mensch, der nur gut ist, ist bloß für sich gut.


Es liegt in der Natur des Menschen, daß er die Notwendigkeiten der Dinge geduldig erträgt, aber nicht den bösen Willen der anderen.


Glücklich, wer sich am Rande des Abgrunds erkennt und den Sturz vermeidet!


Warum sollte man einem Liebhaber treuer sein als einem Ehemann?


Wenn man seine Gesundheit durch ein zügelloses Leben verdorben hat, will man sie durch Arzneimittel wiederherstellen.


Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten.


Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu lernen, das Alter die Zeit, sie auszunützen.


Als Sklaven und Herren ihrer Eigenliebe leben die Menschen dahin, nicht um zu leben, sondern um andere glauben zu machen, sie hätten gelebt.


Dankbarkeit ist eine Pflicht, die erfüllt werden sollte, die aber zu erwarten keiner das Recht hat.


Die Scham wächst mit der Erkenntnis des Bösen.


Die Vernunft formt den Menschen, das Gefühl leitet ihn.


Die wahre Höflichkeit besteht darin, daß man einander mit Wohlwollen entgegenkommt.


Eine einzige offenkundige Lüge des Lehrers gegen seinen Zögling kann den ganzen Ertrag der Erziehung zunichte machen.


Leben heißt nicht atmen, sondern handeln; es heißt, sich unserer Organe, unserer Sinne, Fähigkeiten, kurz, sich aller der Teile von uns bedienen, welche uns die Empfindung unseres Daseins verleihen. Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, der die höchsten Jahre zählt, sondern der, der sein Leben am meisten empfunden hat.


Sobald einer über die Staatsangelegenheiten sagt: “Was geht’s mich an?”, muß man damit rechnen, daß der Staat verloren ist.


Glück besteht aus einem hübschen Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung.


Das Gewissen ist die Stimme der Seele; die Leidenschaften sind die Stimme des Körpers.


Die Erfahrung nützt immer, aber nur für die Zeit, die man noch vor sich hat.


Es gibt eine gewisse Eintracht der Seelen, die sich sogleich beim ersten Anblick bemerkbar macht.


Nichts ist gefährlicher als der Einfluß der Privatinteressen auf die öffentlichen Angelegenheiten; und der Mißbrauch der Gesetze von Seiten der Regierung ist ein geringeres Übel als die Verderbtheit des Gesetzgebers, welche die unausbleibliche Folge einer Berücksichtigung der Privatabsichten ist


Das Prinzip staatlichen Lebens liegt in der Souveränität.


Das Laster der Leckerhaftigkeit kann nur bei solchen vorkommen, denen aller geistiger Gehalt abgeht. Die Seele des Feinschmeckers ist mit seinem Gaumen identisch, die Schöpfung hat ihn zum Essen bestimmt. In seiner beschränkten Unfähigkeit ist er nur bei Tisch an seinem Platz; sein Urteil geht über die Schüsseln nicht hinaus.


Wollen wir in Frieden leben, muß der Friede aus uns selbst kommen.


Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.


Unwissenheit schadet niemals; verderblich ist nur der Irrtum.


Man veredelt die Pflanze durch Zucht und die Menschen durch Erziehung.


Die Unabhängigkeit und Freiheit des Menschen beruht weniger auf der Kraft seiner Arme als auf der Mäßigung des Herzens. Wer wenig begehrt, hängt von wenigem ab.


Die Erziehung des Menschen beginnt bei seiner Geburt; bevor er sieht und hört, wird er schon unterrichtet. Die Erfahrung kommt vor der Lehre.


Die Frauen müssen soviel Kraft haben, daß sie alles, was sie tun, mit Anmut tun können; die Männer brauchen soviel Geschicklichkeit, daß sie alles, was sie tun, leicht tun können.


Auch ein Dummkopf pflegt manchmal nachzudenken, aber immer erst nach der Dummheit.


Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen.


Das Elend besteht nicht im Mangel der Dinge, sondern im Verlangen danach.


Wer den Pflichten eines Vaters nicht nachkommen kann, hat kein Recht, Vater zu werden.


Wer zu einem Versprechen am längsten braucht, hält am sichersten daran fest.


Es gibt keinen Bösewicht, den man nicht zu irgendetwas tauglich machen könnte.


Erobern ist leichter als regieren.


Übrigens ist die Häufigkeit der Hinrichtungen stets ein Zeichen der Schwäche oder Saumseligkeit innerhalb der Regierung.


Tausend Wege führen zum Irrtum, ein einziger zur Wahrheit.


Schneller als der Blitz erfüllt das Gefühl meine Seele, aber anstatt mir Klarheit zu schaffen, entflammt und blendet es mich. Ich fühle alles und begreife nichts.


Das Herz spricht zum Herzen, und die ganze Sittlichkeitslehre eines Schulmeisters wiegt nicht so viel wie das liebevolle, zärtliche Geplauder einer verständigen Frau, der man von Herzen zugetan ist.


Der Geschmack besteht in nichts anderem als der Fähigkeit, sich über das, was der großen Masse gefällt oder mißfällt, ein eigenes Urteil zu bilden.


Der allgemeine Geist der Gesetze aller Länder hat sich unverkennbar die Aufgabe gestellt, stets den Starken gegen den Schwachen und den Besitzenden gegen den Nichtsbesitzenden zu begünstigen. Dieser Übelstand ist unvermeidlich und ohne Ausnahme.


Es ist kein Zweifel: Tausende werden dich anbeten, aber dich lieben – das konnte allein mein Herz.


Alle Hauptstädte sind einander gleich; alle Völker vermischen sich dort.


Die Kunst zu fragen ist nicht so leicht als man denkt; es ist weit mehr die Kunst des Meisters als die des Schülers. Man muß viel gelernt haben, um über das, was man nicht weiß, fragen zu können.


Wäre ich Fürst oder Gesetzgeber, so würde ich meine Zeit nicht damit verschwenden, zu sagen, was man tun muß; ich täte es oder schwiege.


Wer an’s Ziel kommen will, kann mit der Postkutsche fahren, aber wer richtig reisen will, soll zu Fuß gehen.


Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers hervorgegangen; alles entartet unter den Händen der Menschen.


Der Lakedaimonier Phedaretes bewirbt sich um Aufnahme in den Rat der Dreihundert. Er wird verworfen. Voller Freude, daß es in Sparta dreihundert bessere Männer als ihn gibt, geht er wieder nach Hause.


Das süßeste Glück, das es gibt, ist das des häuslichen Lebens, das uns enger zusammenhält als ein andres. Nichts identifiziert sich stärker, beständiger mit uns, als unsere Familie, unsere Kinder. Die Gefühle, die wir erwerben oder die wir in jenem intimen Verkehrt verstärken, sind die echtesten, die festesten, die uns an sterbliche Wesen knüpfen können, weil nur der Tod allein sie auslöschen kann. Sie sind auch die reinsten, weil sie der Natur, der Ordnung der Dinge entspringen und uns aus eigener Kraft vom Laster und von verderblichen Neigungen fernhalten.


Wieviel Unrecht kann die Umarmung eines Freundes wieder gut machen?


Geschmack ist sozusagen das Mikroskop der Urteilskraft.


Warum die Hölle im Jenseits suchen? Sie ist schon im Diesseits vorhanden, im Herzen der Bösen.


Vor allem wegen der Seele ist es nötig, den Körper zu üben, und gerade das ist es, was unsere Klugschwätzer nicht einsehen wollen.


Gespräche mit einer Frau von Geist sind für die Bildung eines jungen Mannes wertvoller als die ganze pedantische Bücherweisheit.


Definitionen wären eine gute Sache, benutzten wir nicht Worte, um sie zu treffen.


Geschmack ist die Kunst, sich auf Kleinigkeiten zu verstehen.


Frauen haben eine gewandte Zunge; sie reden viel eher, viel leichter und angenehmer als Männer.


Der Reiz des Familienlebens ist das beste Gegengift gegen den Verfall der Sitten.


Der schlechte Geschmack gefällt, sobald er Mode wird.


Wenn nur die Lüge uns retten kann, so ist es aus, so sind wir verloren.


Die Familie ist die älteste aller Gemeinschaften und die einzige natürliche.


Die Protestanten sind im allgemeinen viel unterrichteter als die Katholiken, und das erklärt sich dadurch, daß die Lehre der einen die kritische Besprechung verlangt, die Lehre der anderen hingegen blinde Unterwerfung fordert.


Erinnert euch stets, daß auch in der Ehe die Lust nur darin rechtmäßig ist, wenn die Begierde geteilt wird. Fürchtet nicht, meine Kinder, daß dieses Gesetz euch voneinander entfernt; es wird euch vielmehr beide aufmerksamer machen, einander zu gefallen und der Übersättigung vorzubeugen.


Niemals wird der ehrliche Mensch auf die Ehre verzichten, niemals wird der Schurke etwas aus Liebe zum Gesetz tun.


Derjenige, der nur beobachten will, beobachtet nichts, denn er wird nirgends eingelassen, da er bei Geschäften unnütz ist, bei Vergnügungen lästig ist. Man sieht die anderen nur handeln, wenn man selbst handelt – und in der Schule der Welt muß man das ausüben, was man lernen will.


Ich glaube alles, was ich in der Religion verstehen kann, und ich achte den Rest, ohne ihn abzulehnen.


Die Einbildung schmückt das nicht mehr, was man besitzt.


Die erste Empfindung, deren ein sorgfältig erzogener Mensch fähig ist, ist nicht Liebe, sondern Freundschaft.


Die innere Entwicklung unser Fähigkeiten und der dazu erforderlichen Werkzeuge besorgt die Erziehung der Natur; die Erziehung des Menschen lehrt uns von jener Entwicklung Gebrauch zu machen.


Nehmen sie der Liebe die Achtung, so ist sie nichts mehr.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Jean-Jacques-Rousseau. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.