Jeremias Gotthelf

Die eigentliche Anspruchslosigkeit ist nichts anderes als der demütige, kindliche Sinn, dem, wie Christus selbst sagt, das Himmelreich gehört, der keiner Verdienste sich bewußt ist, aber ein inniges Danke hat für jede Gabe, jedes Zeichen der Liebe.


Beim Kleinen beginnt alles, und je größer und mächtiger etwas werden soll, desto langsamer und scheinbar mühsamer wächst es.


Es gibt viele Menschen, bei denen irgend wie und früher oder später Neues Altes verschlingt, aber sehr irren würde man sich, wenn man meinen wollte, der Durchbruch müsse immer ein plötzlicher, Allen sichtbar, Stunde und Minute desselben genau zu bezeichnen sein.


Mensch, willst du, daß die Tränen dir versiegen, und es heiter werde in deinem Gemüt, so muß du deine Augen nicht in den Schoß der Erde drücken, du mußt sie aufwärts kehren.


Wohl denen, welche in ihren Kindern den Sinn bewahren, dass kleine Dinge sie freuen; wohl denen, welche in ihren Herzen den Sinn bewahren, dass auch sie freut, was die Kinder freut


Wer Neider hat, hat Brot, wer keine hat, hat Not.


Je neumodischer man die Kinder erzieht, desto abergläubischer werden sie mit der Zeit werden.


Gebet Herr, unser Gott, du hast unzählige Wege, auf denen du möglich machst, was unmöglich scheint. Gestern war noch nichts sichtbar, heute nicht viel, aber morgen steht es vollendet da, und nun erst gewahren wir rückblickend, wie du unmerklich schufst, was wir unter großem Lärm nicht zustande gebracht haben.


Die Menschen sind da, um einander zu helfen, und wenn man eines Menschen Hilfe in rechten Dingen nötig hat, so muß man ihn dafür ansprechen.


An unbeschränkter Freiheit gehen die Menschen nicht dutzendweise, sondern zu Tausenden zugrunde.


[…] Beim besten Willen, es allen zu treffen, ist unmöglich.


Es kommt nicht darauf an, was man hat, sondern darauf, wie man ist.


Wer Freude hat am Klagen, wird immer was zum Klagen finden.


Dank ist keine Erniedrigung, sondern ein Zeichen hellen Verstandes, welcher die Verhältnisse erkennt, und ein Zeichen eines guten Gemütes, welches der Liebe fähig ist. Denn wer nicht danken kann, kann auch nicht lieben.


Wer nicht danken kann, kann auch nicht lieben.


Das ist doch groß und schön, von Kleinem so glücklich werden zu können, das ist ein groß Gegengewicht gegen das tägliche Elend.


Ansehen und Respekt müssen von selbst kommen; sie sind der Eindruck, den unsere Person auf andere macht.


Ich glaube nicht, daß zwei zusammenkommen auf der Welt, die sich nicht mehr oder minder ändern müssen, wenn sie glücklich bleiben wollen.


Wer die Gegenwart unzufrieden verachtet, dem kommen selten Tage des Friedens.


Schwerer Anfang ist zehnmal heilsamer als leichter Anfang.


Es liegt aber das Glück nicht in den Dingen, sondern in der Art und Weise, wie sie zu unsern Augen, zu unsern Herzen stimmen; und ein Ding ist einem viel wert, was ein anderer mit keinem Finger anrühren möchte.


Ein einziger Blick, aus dem Liebe spricht, gibt der Seele Kraft und die Gewißheit, daß man nicht aus den Grenzen der Liebe gestoßen worden [ist].


Das Leben des Menschen ist der von Gott verordnete Fortbildungskurs – ein ganz anderer als der, der hier oder dort von der Obrigkeit angeordnet wird.


Wo nichts Gutes ist, da lauert etwas Schlechtes. Leer ist kein Herz.


Krieg macht flätig, der Frieden lässig.


Wo viel Liebe ist, da ist viel Vergebung.


Leute ohne Bildung beharren desto eigensinniger bei ihrem Willen, je weniger sie dafür zu sagen wissen.


He Meister, ich habe grausame Langeweile und weiß gar nicht, was machen, und da habe ich gedacht, ich wolle etwas zur Gesellschaft. Aber ich weiß nur an einen Ort hin und weiß, wie es da geht, wie ich davon komme, das aber weiß ich nicht. Da dachte ich, es sei besser, daheim zu bleiben. Aber was soll ich daheim machen? Ins Bett mag ich nicht, im Stall ist es mir auch verleidet und ums Haus herum geht der Bisluft, es einem fast die Knöpfe ab den Kleidern nimmt, sodaß es mich wegtreibt und gar nicht zu Hause dulden will. Meister, was soll ich machen?


Die kleinste Arbeit schaffe, als sei sie ein Meisterstück, rasch und gut.


Die Freundlichkeit ist der Schlüssel zu allen Herzen; sie wird viel zu wenig beachtet und bei Kindern zu wenig darauf gesehen, tausendmal des Tages sollte man daran erinnern.


Die Liebe teilt das Los aller menschlichen Dinge, je fleischlicher etwas ist, desto rascher geht’s vorüber, je mehr Geistiges ihm beigemischt ist, desto länger dauert es.


Kann man Liebe erzeugen zur Achtung, so wird erst der Gehorsam ein freiwilliger, freudiger.


Eine schwere, weite Reise liegt vor den Jungen; darum hat Gott ihnen Reisekraft- und Lust ins Herz gegeben; wohl ihnen, wenn sie munter sind und klug, Lust und Zeit wohl nützen und sorgfältig achten auf den Weg!


Wo ein Leid in torrechtem Herzen sich findet tut es sich der Torheit kund. Wo man ein wunderlich geschmücktes Haupt sieht, bunte Farben und den verblühten Leib, ein jugendlich Tun, wo du feines und grobes Selbstlob hörst und über andere bitter grollende Urteile, ein verächtlich Lächeln siehst über jede wohltuende Mädchengestalt, ein seltsam Schönreden hörst, wo man nicht unterscheiden kann, was hinten und vornen ist, da lache nicht, da ist ein tiefes Weh im Herzen, das Herzen gewinnen möchte auf unnatürliche Weise, da ihm abgeht die natürliche Kraft dazu.


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