Jörg Winter

Nur einmal sah mich die Wahrheit ehrlich an – sie schlief.


Das Herz eines Mannes ist leicht zu gewinnen, das einer Frau leicht zu verspielen.


Mut ist was für Draufgänger, die gehen nämlich drauf.


Der Lohn für Mut heißt Tod, die Strafe für Feigheit Leben.


Es scheint viele Frauen wollen nicht erobert, sondern besiegt werden.


Wenn Gott die Ruhe ist und die Ruhe ist Nichts – ist nichts dann Gott oder Gott nichts?


Trennung ist der beißende Rauch des verlöschenden Feuers der Liebe. Und doch, wer könnte sagen, daß es nicht gewärmt hätte.


Wir wissen Nichts ist alles, wünschen nichts sei nichts doch fürchten wir nicht alle, alles sei ein Nichts?


Nicht Gott schuf den Menschen, der Mensch schuf Gott und hat bis heute noch daran zu schaffen.


schlaf wenn die nacht ganz ungeniert mit kalten klammen fingern giert nach warmen weichem sonnenschein stirbt die sonne nicht allein wenn der tag das licht verliert sich mit stummen Ringen ziert steh’n wir hier und ringen hart vergeblich ach ist uns’re tat wenn dunkelheit gewinnt den kampf der tag erlischt im todeskrampf stirbt auch ein teil von uns dabei und träume werden plötzlich frei


Eines wüßte ich gerne noch: Redet ein Mensch viel, weil er dumm ist, oder ist ein Mensch dumm, weil er viel redet? Häufig scheint Letzteres der Fall zu sein, gleich einer Frühgeburt sind alle Gedanken, die diese Menschen äußern. Es gibt wohl nichts groteskeres, bemitleidenswerteres, als die Frau, die aus Angst vor der Schwangerschaft, ihr Kind zu früh gebiert.


Ist die Liebe einer Mutter nicht durch die Zahl ihrer Kinder zu teilen? Früher gab es Familien mit zehn und mehr Kindern, ein Verlust war schmerzlich, doch damals oft unvermeidlich. Heute haben viele Paare nur ein Kind und gehen deshalb mit diesem, wenn es zu Grunde geht, mit zu Grunde. Ferner hat der Mensch gelernt seine biologischen Bedürfnisse zu maßregeln, zu überlisten – nicht so jedoch sein Innerstes. Es wird krank und stirbt oft genug, gebiert einen Charakter unserer Zeit.


Heute lernen viel zu viele das Eierlegen, aber nur zu wenige das Brüten.


Ich sehe nicht ein, warum Liebe blind machen sollte.


Die Gesellschaft und die Moral unterdrückten jahrtausendelang die Triebnatur der Menschen, doch die Zeiten haben sich geändert. Diese Repressionen wurden von Seiten der Wirtschaft abgelöst; man hat endlich erkannt, daß es nicht nur profitabeler ist, sie auszunutzen, sondern auch hundertmal bequemer.


Die tiefen Wahrheiten sind auch immer die banalsten. Sie können selbst nicht tief sein, weil alles Tiefe neue Fragen aufwirft, die Wahrheit sich selbst aber genügen soll.


Wer das Leben als banal empfindet, kennt nicht das Banale im Leben.


Die meisten Menschen, die sich gegen alle möglichen Eventualitäten abzusichern suchen, bemerken nicht, daß sie eben durch diese ständige Sorge, sich das verderben, worum sie eigentlich besorgt sind: ihr Leben.


Ein Pessimist, der sich Realist schimpft, ist im Tiefsten seines Herzens ein Optimist.


Du sagst, du liebst das Leben und doch: immer siehst du dich um, bevor du über die Straße gehst. Sprich: Gehört zur Liebe nicht auch – Vertrauen?


Alte Wagen klappern, alte Menschen plappern.


Der Bläser Einsam steht der Bläser, blickt mit grausig bleichem Gesicht über rot gefärbte Gräser auf das durchtränkte Blutgericht. Vor Stunden saßen seine Freunde, zählten froh verdientes Geld. Zogen mit gezückten Waffen auf das morgendliche Feld. Rote Wogen dunklen Zorns brechen sich an scharfen Klippen. Das Schallen eines Kriegers Horns schwer geboren von blut’gen Lippen. Einen Tag später sitzt er ohne Sprache, nimmt einen Dolch, stößt ihn ins Herz. Noch immer in der feuchten Brache will ihn ersticken, den dumpfen Schmerz. Der letzte Überlebende beendet nun von eigner Hand das Leben, das kein Feind je fand. nie wieder sollen seine Lippen Freund und Feind zum Kampfe bitten.


Morgen Nacht Dunkel ist die Nacht und tief, laut schreien die Geister, die ich rief. Böser Blick, dunkles Lachen Der Wald erstarrt, die Bäume knacken. Klamme Stille, der Wille stirbt Und Niemand weiß ob’s Morgen wird.


Brücken Brücken, die gen Himmel streben, Menschen die für andre leben, Tiefe stille Einsamkeit, Mensch allein, Mensch mit der Zeit.


Italienischer Sommer Blaue Tiefe, goldner Sand, ist alles Glück, das ich je fand? Nein ach, schöner, klarer noch soll’s sein mein Glück ist nur ein Lachen fein. Ein Lachen deinem Mund entrungen, hat mein Herz in Knie gezwungen und weiß ich nicht wann’s wieder steht, wann Leidenschaft zu Ende geht. Wenn die Sonne langsam sinkt der Dunst dir winkt, die Wellen sich am Strand zergehn, möchte ich in deinen Armen stehn. Der raue Fels am Meeres Strand, Mein Herz ist Feuer, nichts als Brand, Wie konnt’ ich je alleine sein, war mein Denken, Fühlen gar so klein? Nun steh ich hier und muß dich sehn, muß es fühlen, will verstehn warum ich allein hier draußen bin und Du allein in meinem Sinn.


Selbstzweifel Wenn der Worte Wasserschwall bricht hervor, möcht werden Schall und ist doch nichts als lauer Wind Schwindet jede Lust geschwind. Und was bleibt, war zu oft schon; traf ich denn nie den richt’gen Ton? Möcht verurteilt sein zum Schreiben, warme Worte vor mir treiben Doch was ist, wenn jene Hand, die das hier schuf nicht richtig ist in dem Beruf, nicht eben ihren Zweck hier fand?


Sinnfrage Fand ich je die stille Nacht? Sah ich je zum Grund der Dinge? Nein! Nicht ich bin’s, was ich singe! Der Schönheit alleine zu gedacht.


Unzusammenhängendes Wir könn’ uns ducken, anders denken, doch nicht uns’re Sinne lenken sehen Tage langsam vor uns schwinden Menschen sich mit Dunklem binden. Bald ist’s aus – die Sonne sinkt, und von rotem Himmel winkt der Träume süßer Atemhauch Hätt ich eine Chance bei dir, ich trüge dich bis hin zu mir. Wir gingen einsam nur zu zweit, in Richtung der Unendlichkeit.


Die Zukunft kostet An diesem einen Sommerabend blicken Menschen furchtsam fragend – Wolken stürmen regentragend, auf das weite dunkle Feld! Von schlagend Blitzen mystisch erhellt erhebt sich ein Beben – still umstellt die erstickte Menschenschar und sterben heut weil Gestern war. Wenn dröhnend ist des Donners Lachen und Häuser brechen mit lautem Krachen wird Technik es wie Menschen machen und den Mensch wie sich entfachen.


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