Joseph Joubert

In allem Gerechtigkeit, und es wird genug Freiheit geben.


Was wahr ist beim Licht der Lampe, ist nicht immer wahr beim Licht der Sonne.


Nicht mit Wahrem und Falschem sollen wir uns vor allem beschäftigen, sondern mit dem Bösen und Guten, denn man muß den Irrtum weniger fürchten als das Böse.


Am leichtesten erträgt man noch die Gewalt, die man eines Tages selbst auszuüben hofft.


Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen, aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.


Der Wunsch, das Lebensnotwendige zu besitzen, hat noch keinen Menschen zu Fall gebracht, wohl aber der Wunsch nach Dingen, die er nicht wirklich braucht. Keinem Volk wurde das Verlangen nach Getreide, Obst, reiner Luft, klarem Wasser, vollkommener Kunst oder schöner Frauen zum Verderben, sondern die Gier nach Gold, Schätzen, Sklaven, Macht unverdientem Ruhm und der Hang zu grundloser Überheblichkeit.


Die Hoffnung ist eine Anleihe auf das Glück.


Die Richtung unseres Geistes ist wichtiger als sein Fortschritt.


Es ist besser, einen Tropfen Licht zu geben oder zu empfangen, als einen Ozean von Dunkelheit.


Es ist nicht schwer, so einfach zu sein, daß man gut ist.


Illusion und Weisheit bilden das Entzücken des Lebens und der Kunst.


Man ist eigentlich nur durch Nachdenken unglücklich.


Man sollte nur eine Frau heiraten, die man zum Freund haben wollte, wenn sie ein Mann wäre.


Maximen sind für den Intellekt das, was Gesetze für die Handlungen sind: Sie erleuchten nicht, aber sie leiten und führen und, obgleich selbst blind, sind sie Schutz.


Mittelmäßigkeit ist das Verdienst der Mittelmäßigen.


Nicht Sieg sollte der Zweck der Diskussion sein, sondern Gewinn.


Vorzügliche Schriftsteller schreiben nur wenig, weil sie viel Zeit brauchen, um ihren Reichtum und ihren Überfluß zu ordnen, zu verdichten und als abgeschlossene Kunstwerke hinausgehen zu lassen.


Der Mensch bewohnt im Grunde genommen nur seinen Kopf und sein Herz. Alle Räume, die dort nicht sind – und mögen sie auch vor seinen Augen, an seiner Stelle zu seien Füßen sein, – gibt es es für ihn nicht.


Zwischen Völkern, die sich lange bekriegt haben, bilden sich echte Bündnisse. Der Krieg ist eine Art Handel, die diejenigen vereinigt, die er entzweit.


Wer Phantasie ohne Erziehung besitzt, hat wohl Flügel, aber keine Füße.


Alle Leidenschaften suchen ihre Nahrung, die Furcht liebt den Gedanken an Gefahr.


Die Wahrheit gleicht dem Himmel und die Meinung den Wolken.


Täuschungen kommen vom Himmel, Irrtümer von uns selbst.


Das Genie beginnt die großen Werke, die Arbeit vollendet sie.


Das Lächeln wohnt nur auf den Lippen, aber das Lachen hat seinen Sitz und seine Anmut in den Zähnen.


Politik ist die Kunst, die Menge zu leiten: nicht, wohin sie gehen will, sondern, wohin sie gehen soll.


Zärtlichkeit ist das Ruhen der Leidenschaft.


Der Abend des Lebens bringt seine Lampe mit.


Man muß Gutes tun, wenn man kann, und Freude bereiten zu jeder Zeit – denn man kann es jederzeit.


Gott hat der Zeit befohlen. die Unglücklichen zu trösten.


An Gott denken ist ein Handeln.


Die Menschen sind dazu verdammt, entweder Sklaven der Pflicht oder Sklaven der Macht zu sein.


Ein Teil von Liebenswürdigkeit besteht darin, die Menschen mehr zu schätzen und zu lieben als sie verdienen.


Jeder Luxus verdirbt die Sitten oder den Geschmack.


Geistreiche Gespräche mit Männern ergeben Einklang, mit Frauen Zusammenklang. Jene befriedigen, diese entzücken.


Ihre Entstehung verdanken die Meisterwerke dem Genie, ihre Vollendung dem Fleiß.


Die Zeit ist Bewegung im Raum.


Der Raum ist dem Ort, was die Ewigkeit der Zeit ist.


Respekt zu bezeugen ist heutzutage fast ebenso schwer, wie Respekt zu verdienen.


Wenn Dir Dein Herz das eine rät und Dein Kopf etwas anderes, dann überlege gut, ob Du mit dem Verstand oder mit dem Herzen leben willst!


Man begreift die Erde erst, wenn man den Himmel erkannt hat. Ohne die religiöse Welt bleibt die sinnliche ein trostloses Rätsel.


Nicht, indem wir möglichst viele Dinge in unseren Besitz bringen werden wir zufrieden und glücklich, sondern dadurch, daß wir ein Teil von ihnen und allem in unserem Leben werden und in Einklang mit ihnen kommen.


Es ist immer noch besser, eine Frage zu untersuchen, ohne sie zu entscheiden, als sie zu entscheiden, ohne untersucht zu haben.


Das Schöne – es ist die Schönheit, mit den Augen der Seele gesehen.


Schwäche, die bewahrt, ist besser als Stärke, die zerstört


Um recht zu tun, muß man im Alter das Alter und in der Jugend die Jugend vergessen.


Manche Leute unterhalten in ihren Köpfen Fremdenzimmer für die Meinungen anderer Menschen.


Man sollte der Opposition stets einen Knochen zum Nagen lassen.


Klopft man vergebens an die Tür mancher Wahrheiten, so muß man versuchen, durchs Fenster einzudringen.


Kinder brauchen Vorbilder nötiger als Kritiker.


Wer für die Zukunft sorgen will, muß die Vergangenheit mit Ehrfurcht und die Gegenwart mit Mißtrauen aufnehmen.


Es ist, als ob die Völker die Gefahren liebten, weil sie sich solche schaffen, wenn es keine gibt.


Leuchte ich, so verzehre ich mich.


Man verrenkt sich Geist wie Körper.


Jeder Geist hat seinen Bodensatz.


Der Geist bleibt so lange stark, als man die Kraft hat, über seine Schwäche zu klagen.


Glücklich ist man, wenn man aus dem Zustand der Gesundheit in den der Weisheit übergeht.


Um in der Welt Erfolg zu haben, braucht man Tugenden, die beliebt, und Fehler, die gefürchtet machen.


Wer seine Meinung nie zurückzieht, liebt sich selbst mehr als die Wahrheit.


Zeichnen ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.


Die das Laster liebenswürdig machen, schätze ich doch höher als die, welche die Tugend erniedrigen.


Revolutionen sind Zeiten, in denen der Arme seiner Rechtschaffenheit, der Reiche seines Reichtums und der Unschuldige seines Lebens nicht sicher ist.


Ein einziger schöner Klang ist schöner als langes Gerede.


Zeiten sind für uns wie Örtlichkeiten; wir leben in der einen wie in der anderen; sie umgeben uns, sie berühren, umhüllen uns und formen uns immer durch irgendeinen Eindruck.


Alt mußte ich werden, um zu erfahren, was ich wissen wollte, nun müßte ich jung sein, um schön formulieren zu können, was ich weiß.


Geschmack ist das gebildete Gewissen der Seele.


Schließe die Augen, und du wirst sehen.


Den Völkern schmeicheln bei politischen Stürmen, heißt den Wogen sagen, daß sie das Schiff lenken sollen.


Es gab eine Zeit, da wirkte die Welt auf die Bücher, aber jetzt wirken die Bücher auf die Welt.


Wenn wir unser Leben damit verbringen, zu lieben, bleibt uns weniger Zeit zu Beschwerden oder zum Unglücklichsein.


Lieblose Kritik verwirrt den Geschmack und vergiftet den Genuß.


Zerschneide nie, was du auch aufknoten kannst.


Es gibt Gedanken, die durch sich selbst leuchten, andere, die nur glänzen durch die Stelle, an der sie stehen; man könnte sie nicht umstellen, ohne sie auszulöschen.


Anmut umgibt die Eleganz und kleidet sie.


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