Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff

Aufblick Vergeht mir der Himmel Vor Staube schier, Herr, im Getümmel Zeig’ dein Panier! Wie schwank’ ich sündlich Läßt du von mir; Unüberwindlich Bin ich mit dir!


Nach Ruh’ sehnt sich die Menschenbrust vergeblich.


Ein Philosoph gibt nichts auf Kleider, große Männer haben große Blößen.


So oder so       Die handeln und die dichten, Das ist der Lebenslauf, Der eine macht Geschichten, Der andre schreibt sie auf. Und der will beide richten; So schreibt und treibt sichs fort, Der Herr wird alles schlichten, Verloren ist kein Wort.


Ein Wandrer, von der Heimat weit, wenn rings die Gründe schweigen, der Schiffer in Meeres Einsamkeit, wenn die Stern’ aus den Fluten steigen: die beiden schauern und lesen in stiller Nacht, was sie nicht gedacht, da es noch ein fröhlicher Tag gewesen.


Habe ich nicht den Mut, besser zu sein als meine Zeit, so mag ich zerknirscht das Schimpfen lassen, denn keine Zeit ist durchaus schlecht.


Kein Dichter gibt einen fertigen Himmel, er stellt nur die Himmelsleiter auf.


Was willst du auf dieser Station so breit dich niederlassen? Wie bald schon bläst der Postillion, du mußt doch alles lassen.


Wir wandern nun schon viele hundert Jahr’ und kommen doch nicht zu der Stelle – der Strom wohl rauscht schon an die tausend gar und kommt doch nicht zu der Quelle.


Der Dichter ist das Herz der Welt.


Lust’ge Vögel in dem Wald, singt, solang es grün, ach wer weiß, wie bald, wie bald alles muß verblühn! Sah ich’s doch vom Berge einst glänzen überall, wußte kaum, warum du weinst, fromme Nachtigall. Und kaum ging ich über Land frisch durch Lust und Not. wandelt’ alles, und ich stand müd im Abendrot.


Sehnsucht Es schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand Und hörte aus weiter Ferne Ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leib entbrennte, Da hab ich mir heimlich gedacht: Ach, wer da mitreisen könnte In der prächtigen Sommernacht! Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Bergeshang, Ich hörte im Wandern sie singen Die stille Gegend entlang: Von schwindelnden Felsenschlüften, Wo die Wälder rauschen so sacht, Von Quellen, die von den Klüften Sich stürzen in die Waldesnacht. Sie sangen von Marmorbildern, Von Gärten, die überm Gestein In dämmernden Lauben verwildern, Palästen im Mondenschein, Wo die Mädchen am Fenster lauschen, Wann der Lauten Klang erwacht Und die Brunnen verschlafen rauschen In der prächtigen Sommernacht. –


Weit tiefe, bleiche, stille Felder o wie mich das freut, über alle, alle Täler, Wälder die prächtige Einsamkeit.


Morgengebet O wunderbares, tiefes Schweigen, Wie einsam ist’s noch auf der Welt! Die Wälder nur sich leise neigen, Als ging der Herr durch’s stille Feld. Ich fühl’ mich recht wie neu geschaffen, Wo ist die Sorge nun und Not? Was mich noch gestern wollt’ erschlaffen, Ich schäm’ mich des im Morgenrot. Die Welt mit ihrem Gram und Glücke Will, ein Pilger, frohbereit Betreten nur wie eine Brücke Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit. Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd, um schnöden Sold der Eitelkeit: zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd schweig ich vor dir in Ewigkeit.


Je kühner die Naturwissenschaft forscht und kombiniert, desto näher rückt sie der Evidenz, daß der eigentliche Urgrund außerhalb der menschlichen Forschung liegt.


Weihnachten Markt und Straßen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus, Sinnend geh’ ich durch die Gassen, Alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen Buntes Spielzeug fromm geschmückt, Tausend Kindlein stehn und schauen, Sind so wunderstill beglückt. Und ich wandre aus den Mauern Bis hinaus ins weite Feld, Hehres Glänzen, heil’ges Schauern! Wie so weit und still die Welt! Sterne hoch die Kreise schlingen, Aus des Schnees Einsamkeit Steigt’s wie wunderbares Singen – O du gnadenreiche Zeit!


Der frohe Wandersmann Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt; Dem wird er seine Wunder weisen In Berg und Tal und Strom und Feld. Die Bächlein von den Bergen springen, Die Lerchen schwingen hoch vor Lust, Was soll’t ich nicht mit ihnen singen Aus voller Kehl’ und frischer Brust. Die Trägen, die zu Hause liegen, Erquicket nicht das Morgenrot; Sie wissen nur vom Kinderwiegen, Von Sorgen, Last und Not um Brot. Den lieben Gott laß’ ich nur walten, Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld Und Erd und Himmel will erhalten, Hat auch mein’ Sach’ aufs best bestellt!


Schaust du mich aus deinen Augen lächelnd wie aus Himmeln an, fühl’ ich’s wohl, daß solche Sprache keine Lippe führen kann.


Im Walde Es zog eine Hochzeit den Berg entlang, Ich hörte die Vögel schlagen, Da blitzen viel Reiter, das Waldhorn klang, Das war ein lustiges Jagen! Und eh ichs gedacht, war alles verhallt, Die Nacht bedeckte die Runde, Nur von den Bergen noch rauschet der Wald Und mich schauert im Herzengrunde.


Die Nachtblume Nacht ist wie ein stilles Meer, Lust und Leid und Liebesklagen Kommen so verworren her In dem linden Wellenschlagen. Wünsche wie die Wolken sind, Schiffen durch die stillen Räume, Wer erkennt im lauten Wind, Ob’s Gedanken oder Träume? Schließ ich nun auch Herz und Mund, Die so gern den Sternen klagen; Leise doch im Herzensgrund Bleibt das linde Wellenschlagen.


Der Abend Schweigt der Menschen laute Lust: Rauscht die Erde wie in Träumen Wunderbar mit allen Bäumen, Was dem Herzen kaum bewußt, Alte Zeiten, linde Trauer, Und es schweifen leise Schauer Wetterleuchtend durch die Brust.


Ins Leben schleicht sich das Leiden wie ein heimlicher Dieb, wir alle müssen scheiden von allem was uns lieb. Was gäbe es nicht auf Erden, wer hielt den Jammer aus wer möcht geboren werden, hieltst du nicht droben Haus! Du bists, der, was wir bauen mild über uns zerbricht daß wir den Himmel schauen – darum so klag ich nicht.


Da fuhr’ ich still im Wagen, du bist so weit von mir, wohin er mich mag tragen, ich bleibe doch bei dir.


Winternacht Verschneit liegt rings die ganze Welt, Ich hab nichts, was mich freuet, Verlassen steht der Baum im Feld, Hat längst sein Laub verstreuet. Der Wind nur geht bei stiller Nacht Und rüttelt an dem Baume, Da rührt er seine Wipfel sacht Und redet wie im Traume. Er träumt von künft’ger Frühlingszeit, Von Grün und Quellenrauschen, Wo er im neuen Blütenkleid Zu Gottes Lob wird rauschen.


Romantik: Lehre von der alleinseligmachenden Nützlichkeit.


Mondnacht Es war als hätt der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer Von ihm nur träumen müßt. Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es raunten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus.


Das ist niemals gelogen, was kommt aus Herzensgrund.


Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt.


Recht lustig sei vor allem, wer’s Reisen wählen will.


Viele, verschieden gestimmte Saiten geben erst Harmonie.


Die Völker haben mit dem religiösen Glauben auch die Ehrfurcht verlernt.


Was dem Zeitgeist dient, ohn ihn über sich selbst zu erheben, wird notwendig von ihm überrannt und beseitigt.


Auf der Gerechtigkeit beruht alle Ordnung. Es gibt aber nicht zweierlei Gerechtigkeit auf Erden, eine nach unten und eine andere nach oben.


Abschied O Täler weit, o Höhen, O schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen Andächt’ger Aufenthalt. Da draußen, stets betrogen, Saust die geschäft’ge Welt; Schlag noch einmal die Bogen, Um mich, du grünes Zelt. Wenn es beginnt zu tagen, Die Erde dampft und blinkt, Die Vögel lustig schlagen, Daß dir dein Herz erklingt: Da mag vergehn, verwehen Das trübe Erdenleid, Da sollst du auferstehen In junger Herrlichkeit! Da steht im Wald geschrieben Ein stilles, ernstes Wort Vom rechten Tun und Lieben Und was des Menschen Hort. Ich habe treu gelesen Die Worte schlicht und wahr. Und durch mein ganzes Wesen Ward’s unaussprechlich klar. Bald werd ich dich verlassen, Fremd in der Fremde gehn, Auf buntbewegten Gassen Des Lebens Schauspiel sehn; Und mitten in dem Leben Wird deines Ernsts Gewalt Mich Einsamen erheben, So wird mein Herz nicht kalt.


Verschwiegene Liebe Über Wipfel und Saaten In den Glanz hinein – Wer mag sie erraten, Wer holte sie ein? Gedanken sich wiegen, Die Nacht ist verschwiegen, Gedanken sind frei. Errät es nur eine, wer an sie gedacht, Beim Rauschen der Haine, Wenn niemand mehr wacht, Als die Wolken, die fliegen – Mein Lieb ist verschwiegen Und schön wie die Nacht.


Man setzt uns auf die Schwelle, Wir wissen nicht woher? Da glüht der Morgen helle, Hinaus verlangt uns sehr.


Wunder über Wunder Du wunderst wunderlich dich über Wunder, verschwendest Witzespfeile, blank geschliffen. Was du begreifst, mein Freund, ist doch nur Plunder; und in Begriffen nicht mit einbegriffen ist doch ein unermeßliches Revier, du selber drin das größte Wundertier.


Mahnung Genug gemeistert nun die Weltgeschichte! Die Sterne, die durch alle Zeiten tagen, ihr wollet sie mit frecher Hand zerschlagen und jeder leuchten mit dem eignen Lichte. Doch unaufhaltsam rucken die Gewichte, von selbst die Glocken von den Türmen schlagen, der alte Zeiger, ohne euch zu fragen, weist flammend auf die Stunde der Gerichte. O stiller Schauer, wunderbares Schweigen, wenn heimlich flüsternd sich die Wälder neigen, die Täler alle geisterbleich versanken und in Gewittern von den Bergesspitzen der Herr die Weltgeschichte schreibt mit Blitzen – Denn seine sind nicht euere Gedanken…


Gestern stürmt’s noch und am Morgen blühet schon das ganze Land – will auch nicht für morgen sorgen, alles steht in Gottes Hand.


Wohin mein Weg mich führen mag, der Himmel ist mein Dach, die Sonne kommt mit jedem Tag, die Sterne halten Wach.


Aber tief im Herzen klingen lange noch Lust und Leid.


Bequeme Rast ist nicht des Lebens wert.


Wenn du glaubst in Siegeszug zu prangen, sind’s Ketten nur, die dich umfangen.


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