Karl Julius Weber

“Wir kümmern uns nicht, dass wir nicht dagewesen sind, ehe wir geboren wurden. Warum uns kümmern, nicht mehr da zu sein, wenn wir gestorben sind?” – Demokritos, Der Tod


Gerecht sein gegen jede aufrichtige Bestrebung ist wahre Humanität.


Das Studium der Natur führt zur Gottheit.


Wo man Offenheit und Jovialität so wenig zu würdigen weiß, daß man zugleich beleidigende Anspielungen darin findet, darf ein Verständiger nie die eiserne Maske kalter Höflichkeit ablegen.


Trüge der Urheber eines großen Werkes nicht den Lohn in seiner Seele, der Dank der Welt würde nie zu hohen Unternehmungen ermutigen.


Genügsamkeit ist natürlicher Reichtum, Luxus künstliche Armut.


Bestünde das Sterben aus Geistaufgeben, so wären Millionen unsterblich.


Der Kuß der Liebe ist eine symbolische Geschlechtsvereinigung, ein implizierter Beischlaf, und der Beischlaf ein explizierter Kuß.


Der Scherz darf nicht kränken oder beleidigen. Boshafter Scherz ist ein Widerspruch; er soll gefallen und erfreuen.


Ein abgewiesener, gekränkter Liebhaber erregt selten Anteilnahme, und doch gehört ganz gewiß diese Art von Kränkung zu den allerherzergreifendsten.


Einst war die Seltenheit der Bücher den Fortschritten der Wissenschaft nachteilig. Jetzt ist es deren Überzahl, die verwirrt und eigenes Denken verhindert.


Fröhliche Menschen sind nicht bloß glückliche, sondern auch in der Regel gute Menschen.


Große, starke Seelen sind selten ärgerlich, desto mehr aber schwache Männer und fast alle Weiber.


Leidenschaft ist in der moralischen Welt, was in der psychischen die Bewegung.


Leidenschaften sind die Pferde am Wagen des Lebens; aber wir fahren nur gut, wenn Fuhrmann Vernunft die Zügel lenkt.


Man versteht unter Gott die verständige Ursache der Welt; also ist nur der ein Gottesleugner, der behauptet, daß die Welt keine Ursache, oder diese Ursache keinen Verstand habe.


Preßzwang ist eine moralische Stallfütterung, wo allenfalls mehr Mist gewonnen, das Vieh aber ungesünder wird.


Viele halten die Unparteilichkeit ihres Herzens für die ihres Kopfes.


Wahrlich, es ist ein Unglück, nie Unglück zu haben.


Der Thron der Phantasie ist ein Luftballon, und das meiste in der Welt – Einbildung.


Wir sitzen zuviel und die besten Ämter, die wir zu vergeben haben sind Stühle: der Richterstuhl, der Predigerstuhl und der Lehrstuhl.


Die Mode ist weiblichen Geschlechts, hat folglich ihre Launen.


Der zivilisierte Wilde ist der schlimmste aller Wilden.


Je verbreiterter die Geselligkeit, desto frostiger die Herzen.


Zum Erzieher muß man eigentlich geboren sein wie zum Künstler.


Hohe Ämter scheinen einmal nicht für Philosophen gemacht, und auf Thronen waren Genies meist ein Unglück.


Der Stolze meidet gern diejenigen, welche höher stehen. Der Eitle drängt sich zu ihnen.


Eine ausgewählte Büchersammlung ist und bleibt der Brautschatz des Geistes und Gemütes.


Größe, zerstörend oder heilsam, zieht stets an.


Bücher sind immer noch die wohlfeilsten Lehr- und Freudenmeister und der wahre Beistand hienieden für Millionen besserer Menschen.


Das Leben wird gegen Abend wie die Träume gegen Morgen – immer klarer


Die Erfinder sind die wahren Wohltäter der Menschheit und verdienen größere Ehre als die, welche beweinenswerte Schlachten lieferten und große Länder eroberten, ohne zu verstehen, ihr eigenes Land glücklich zu machen.


Echter Humor gebraucht nie seine Kraft gegen Wehrlose.


Gevatter Buchhändler jammert, wenn die Ware nicht dutzendweise abgeht, und der Lachshändler verkauft vier Wochen lang an einem Lachs, der Herinshändler in einem Tage hundert dürre Heringe.


Wenn mir im Ausland ein Mann auffällt, zu unbeholfen für einen Franzosen, zu zeremoniös für einen Engländer, zu treuherzig für einen Italiener, zu biegsam für einen Spanier, zu lebhaft für einen Holländer, zu bescheiden für einen Russen – einen Mann, der mit schiefen Bücklingen sich aufdrängt und mit unbeschreiblicher Entsagung allen huldigt, die er für vornehmer hält als sich, so sagt mir mein Herz und mein Blut im Gesicht: “Das ist dein Landsmann.”


Der ganze Spuk mit der 13 rührt wahrscheinlich aus dem Evangelium: Jesus saß zu Tische mit den Zwölfen. Folglich war er der Dreizehnte und endete so unglücklich, weil unter den Zwölfen ein Schurke war, Judas.


Reisen sind das beste Mittel zur Selbstbildung.


Um Recht zu tun, braucht’s wenig, und insofern hätte Cicero recht, wenn er binnen drei Tagen ein Rechtsgelehrter zu werden sich getraute, aber um ungestraft Unrecht zu tun, dazu gehört ein Studium.


Unmenschen gibt es, aber keine Untiere.


Die Toten hören nicht auf zu lehren durch die Bücher, die sie geschrieben.


Das Hus stod in Gottes Hand. Ach, behüt‘s vor Feuer und Brand, vor Sturm und Wassersnoth! Mit äna Wort: Laß stoh wie‘s stod!


Unter allen Ständen ist der Soldat dem Paradies am nächsten. Im Leben und im Sterben.


Juristen zählen die Mädchen unter die res, quae servando servari non possunt (Dinge, die sich durch Aufbewahren nicht erhalten lassen).


Genuß verhält sich zur Freude wie Tier zu Mensch.


Geiz ist die regelmäßigste Leidenschaft und daher leichter zu betrachten als Ehrgeiz, Liebe, Wollust und andere.


Der Geiz ist die kälteste aller Leidenschaften. Wenn die anderen mit den Jahren abnehmen, nimmt diese zu; daher sie auch wohl die verächtlichste und lächerlichste von allen ist.


Der Handel war es, der eigentlich die Welt aus ihrer Barbarei gezogen hat.


Wer auf dem Pranger steht, befindet sich auch auf einem hohen Posten.


In England und Holland wägt man den Mann nach seinem Gelde, bei uns nach Ahnen und Titel, in Frankreich nach Witz und Manieren; unsere Alten aber wogen nach Stärke und Tapferkeit.


Adel ist Personifikation der Tugend, Virtuosität.


Es gibt Männer, welche die Beredsamkeit weiblicher Zungen übertreffen, aber kein Mann besitzt die Beredsamkeit weiblicher Augen.


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