Marcus Tullius Cicero

Dem Staatsmann liegt es ob, sich in der Phantasie ein Bild von der Zukunft zu entwerfen und sich lange im voraus klar zu machen, welche Zufälle glücklicher und unglücklicher Weise eintreten könnten, und was zu tun sei, wenn etwas Menschliches passiert; aber es nie so weit kommen zu lassen, daß man einmal sagen müßte: “Das hätt’ ich nicht gedacht”.


Arbeit schafft Hornhaut gegen den Kummer.


Das Greisenalter, das wir alle zu erreichen wünschen, klagen alle an, wenn sie es erreicht haben.


Das öffentliche Wohl soll das oberste Gesetz sein.


Faulheit ist die Furcht vor bevorstehender Arbeit.


Man muß nicht alles glauben, was man hört.


Nichts ist schwieriger als eine Freundschaft, die bis zum letzten Tag andauert.


Sich im Zorne gar nicht besänftigen zu lassen, zeugt von großer Härte, gar zu leicht wieder gut zu werden, von großer Schwäche des Gemüts; indessen wäre doch dieses, als das kleinere Übel, immer noch jenem vorzuziehen.


Suche nicht andere, sondern dich selbst zu übertreffen.


Was für ein häßliches Tier ist der Affe, und wie sehr ähnelt er uns.


Wir binden uns ans Gesetz, um frei zu sein.


Das Glück ist blind.


Wem nützt es? Cui bono?


Sparen ist eine gute Einnahme. Magnum vectigal est parsimonia.


Wie du gesät hast, so wirst du ernten.


Der Staatshaushalt muß ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muß gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht pleite gehen soll. Die Leute sollen wieder lernen zu arbeiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben.


Semper idem! (Immer dasselbe!)


Nichts, dem die Gerechtigkeit mangelt, kann moralisch richtig sein.


Ohne die Ehrfurcht würde die Freundschaft ihren schönsten Schmuck verlieren.


Denn obwohl Scipio plötzlich dahingerafft wurde, lebte er für mich, und das wird immer so sein.


Alles aber, was nur von kurzer Dauer ist, muß erträglich sein, auch wenn es eine schwere Last ist.


Was ist ein Freund? Ein anderes Ich; zwei Seelen in einer.


Freundschaft ist die Übereinstimmung in allen göttlichen und menschlichen Dingen, vereint mit Wohlwollen und Liebe…


Wer die Freundschaft aus dem Leben verbannt, entfernt aus der Welt die Sonne.


Laßt jedermann das tun, was er am besten versteht.


Menschen kommen durch nichts den Göttern näher, als wenn sie Menschen glücklich machen.


Aus bloßen Vorteilsdenken erwächst keine Freundschaft. Nicht äußerer Zwang um irgendwelcher Vorteile willen, sondern freier Wille ist die Grundlage der Freundschaft.


Der Feind befindet sich in unseren Mauern. Gegen unsere eigenen Luxus, unsere eigene Dummheit und unsere eigene Kriminalität müssen wir kämpfen.


Der ist kein freier Mensch, der sich nicht auch einmal dem Nichtstun hingeben kann.


Die Göttin des Glückes ist nicht nur selber blind, sondern meistens macht sie auch diejenigen blind, die sie umgarnt hat.


Um lange zu leben, lebe langsam.


Viele Menschen sehen es nicht ein, welch große Einnahme die Sparsamkeit ist.


Keine Festung ist so stark, daß Geld sie nicht einnehmen kann.


Der Tod ist nicht der Untergang, der alles aufhebt und zerstört, sondern eine Wanderung und der Beginn eines anderen Lebens, welches ein Ende nicht hat.


Zufriedenheit mit seiner Lage ist der größte und sicherste Reichtum.


Wenn die gesamte politische Handlungsbefugnis in der Hand des Volkes liegt, so ist gerade die Gleichheit eine Ungleichheit, da sie keine Abstufungen nach dem wahren Wert der einzelnen Persönlichkeit zuläßt.


Die älteste Freundschaft muß uns, wie die Weine die Jahre zählen, die lieblichste sein.


Vor nichts muß sich das Alter eher hüten, als sich der Lässigkeit und Untätigkeit zu ergeben.


Nichts blüht ewig.


Gut gehauene Steine schließen sich ohne Mörtel aneinander.


Anteilnehmende Freundschaft macht das Glück strahlender und erleichtert das Unglück.


Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.


Nicht das Alter ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu.


In der Freundschaft muß es als heiliges und unverbrüchliches Gesetz gelten, daß man weder etwas Unsittliches verlangt, noch es tut, wenn man darum gebeten wird.


Irdische Güter sind nicht immer unser Verdienst, sondern oft Geschenke eines blinden Zufalls. Freundschaft jedoch, die sich bewährt und dauert, ist ein verdientes Glück. Deshalb ist sie nur unter Menschen möglich, die Nächstenliebe besitzen und nicht nur an ihren eigenen Vorteil denken.


Ein Raum ohne Bücher ist ein Körper ohne Seele.


Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge.


Das Gesicht ist das Abbild des Hirns, die Augen sein Berichterstatter.


Der Staatsdienst muß zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.


Denen, welche lernen wollen, schadet oft die Autorität der Lehrenden.


Reden lernt man durch reden.


Die Wissenschaft nährt die Jugend und ergötzt das Alter.


Wer will, ist des Schicksals Freund, wer nicht, sein Knecht.


Niemand ist so alt, daß er nicht noch ein Jahr leben zu können glaubt.


Nichtstun erquickt.


Die Natur ist die beste Führerin des Lebens.


Die Natur hat uns den Nießbrauch des Lebens gewährt wie den eines Darlehens, für das (vorher) kein Rückzahlungstermin festgelegt wurde.


Der Ursprung aller Dinge ist klein.


Ich finde, ein leidlich gebildeter Mensch kann über jedes Thema witziger schreiben als über den Witz.


Es ist nichts widerwärtiger als ein Dummkopf, der Glück hat.


Die wahre Medizin des Geistes ist die Philosophie.


Tod ist Ziel der Natur, nicht Strafe.


Oft ist der Mensch sein größter Feind.


Nichts ist ihm schädlicher als er sich selbst.


Das Beklagenswerteste am Alter scheint mir, daß man spürt, wie sehr man in diesem Lebensabschnitt den jungen Leuten verhaßt ist.


Die Menschen sind alle so geartet, daß sie lieber eine Lüge als eine Absage hören wollen.


Die Strafe soll nicht größer sein als die Schuld.


Kleine Verbrechen werden bestraft, große in Triumphzügen gefeiert.


Es ist erstaunlich, daß ein Wahrsager einen Wahrsager ohne zu lächeln ansehen kann.


Wie der Mensch, so seine Rede.


Justitia in suo cuique tribuento cernitur. Die Gerechtigkeit erkennt man daran, daß sie jedem das seine zuerteilt.


Für die Frechheit liegt der größte Reiz zur Sünde in der Hoffnung auf Straflosigkeit.


Das steht jedem am besten was ihm am natürlichsten ist.


Freundschaft ist das Einzige auf der Welt, über dessen Nutzen sich alle Menschen einig sind.


Für einen Liebenden ist nichts schwierig.


Gibt es etwas Beglückenderes, als einen Menschen zu kennen, mit dem man sprechen kann wie mit sich selbst? Könnte man höchstes Glück und tiefstes Unglück ertragen, hätte man niemanden, der daran teilnimmt? Freundschaft ist vor allem Anteilnahme und Mitgefühl.


Allein besitzen zu wollen, ist äußerster Wahnsinn.


Das Vermögen soll durch Mittel erworben werden, die von Unsittlichkeit frei sind. Erhalten aber soll man es durch Genauigkeit und Sparsamkeit.


Was für Zeiten, was für Sitten! O tempora , o mores!


Namen sind anstößig.


Zu gestehen ist wie eine Medizin, wenn wir gefehlt haben. Fit errantibus medicina confessio.


Im Waffenlärm schweigen die Gesetze. Silent leges inter arma.


Die Gewohnheit ist die zweite Natur.


Wer Schmerz erlitten hat, erinnert seiner sich.


Nur die Weisheit ist es, welche die Traurigkeit aus dem Herzen vertreibt und die uns nicht vor Angst erstarren läßt. Unter ihrem Geleit läßt sich in Seelenfrieden leben.


Einem Lügner glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht.


Tugend ist nichts anderes als vollendete, zur Vollkommenheit gebrachte Natur.


Ich schäme mich nicht, zuzugeben, was ich nicht weiß.


Das Urteil der Welt über sich ganz und gar vernachlässigen beweist nicht nur Anmaßung, sondern sogar große Leichtfertigkeit.


Keine Macht darf über dem Recht stehen.


Keine Macht ist stark genug, um von Dauer zu sein, wenn sie unter Furcht wirkt.


Anerkennung freilich tut wohl, wenn sie von Menschen ausgesprochen wird, die selber welche gefunden haben.


Mut ist die Tugend, die für Gerechtigkeit eintritt.


Freundschaft verdoppelt unsere Freude und halbiert unseren Schmerz.


Die unbestimmte, unzuverlässige Gunst des großen Haufens. Aura popularis.


Der Schlaf ist das Bild des Todes.


Das Gedächtnis ist die Schatzkammer und der Bewacher von allen Dingen.


Nichts ist quälender als die Kränkung menschlicher Würde, nichts erniedrigender als die Knechtschaft. Die menschliche Würde und Freiheit sind uns natürlich. Also wahren wir sie oder sterben mit Würde.


Alles beruht darauf, daß du dir selber gebietest.


Nicht zu wissen, was vor deiner Geburt geschehen ist, heißt immer, ein Kind zu bleiben.


Meines Erachtens ist die Ehrfurcht die Grundlage aller Tugenden.


Beschuldige niemand der Wankelmütigkeit, weil er sich zu seinem Vorteil verändert hat.


Durch nichts nähern sich Menschen dem Himmel mehr als durch Beglückung von Menschen.


Niemand kann dich besser beraten als du selbst.


Kein festeres Band der Freundschaft als gemeinsame Pläne und gleiche Wünsche.


Friede ist Freiheit in Ruhe.


Mißtrauen ist das Alpha und Omega der Weisheit.


Ich will lieber mit Weisen irren, als mit Unwissenden recht zu behalten.


Nichts ist schwer für den, der liebt.


Es gibt zwei Arten des Schönen: In der einen liegt Anmut, in der anderen liegt Würde.


Jeder Mensch kann irren! Unsinnige nur verharren im Irrtum! Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare.


Das Notwendige ist nie zu teuer bezahlt.


Man muß sich in die Zeit schicken.


Aller Eifer, etwas zu erreichen, nutzt freilich gar nichts, wenn du das Mittel nicht kennst, das dich zum erstrebten Ziele trägt und leitet.


Aber da ich kurz zuvor gesagt habe, unsere Vorfahren sollten uns zum Muster dienen, so gelte als erste Ausnahme, daß man nicht ihre Fehler nachahmen muß.


Alle Träume haben einen Grund, und mögen es die unsterblichen Göttern geben, daß wir diesen (Grund) nicht durch unseren Aberglauben und unsere Verkehrtheit vergrößern!


Cäsar ist großzügig. Er ehrt seinen Gegner, aber nicht ehe er ihn erschlagen hat.


Das höchste Recht ist das höchste Unrecht.


Unter den Erwerbsquellen ist keine so edel, so ergiebig, so lieblich und so ehrenvoll für den freien Mann als die Landwirtschaft.


Die Übereinstimmung aller Menschen in einer Sache ist für ein Naturgesetz zu halten.


Daß es Ehrbarers gebe, was nicht nützlich sei und Nützliches, was nicht ehrbar ist, ist für das Leben der Menschen die verderblichste Lehre.


Wir wollen den Tag nicht vor dem Abend loben. Haec tum laudemus, cum erunt perorata.


Das Publikum schätzt diejenigen Männer hoch und hebt sie in den Himmel, an denen es ausgezeichnete und eigentümliche Tugenden wahrzunehmen glaubt, während es diejenigen gering achtet, denen es keine Tüchtigkeit, keinen Mut, keine Energie zutraut.


Für Nutzen und Sittlichkeit gibt es nur einerlei Maßstab. Wer das nicht begreifen will, der ist jedes Betruges, jeder schlechten Tat fähig. – Denn es gibt nichts Nützliches, was nicht auch sittlich ist; aber nicht deshalb ist es sittlich, weil es nützlich ist, sondern weil es sittlichen Wert hat, nützt es auch.


Wenn jemand sich als Professor der Sprachen ausgibt und dabei selbst barbarisch redet, oder wenn einer als Gesangslehrer gelten will und dabei mit ohrenzerreißender Unreinheit singt, so finden wir das besonders häßlich, weil der Mensch auf dem Gebiete sündigt, das er als sein spezielles Fach vertreten will; ganz ebenso ist ein Philosoph, der in der Lebensführung Fehler begeht, deswegen tadelnswert, weil er in der Pflichterfüllung, die er anderen predigt, selber nicht standhält und als Lehrer der Lebensregeln gerade in der Lebensweise sich unwürdig zeigt.


Aus der Verwandtschaft kann man Wohlwollen entfernen, nicht aus der Freundschaft.


Vielleicht sind andere nicht so freimütig. Ich jedenfalls habe immer rückhaltlos bekannt, daß ich jederzeit ein Lernender war.


Suum cuique. Jedem das Seine


Solange ich atme, hoffe ich. Dum spiro, spero!


Es gibt nichts, was einen so guten Eindruck macht, als die Beharrlichkeit bei jeder geschäftlichen Verrichtung und bei jeder Beschlußfassung.


Der ist beredt, der das Niedrige schlicht, das Erhabene würdevoll, daß zwischen beide Liegende in rechter Mischung vorzutragen weiß.


In derjenigen Kunst, die jemand versteht, möge er sich fortdauernd üben, denn es ist am schmachvollsten in dem Berufe zu fehlen, zu dem man sich bekennt.


Die Bücher sind die besten Freunde des unterrichteten und tätigen Mannes.


Ein männlicher und fester Charakter läßt sich in drückenden Lagen nicht außer Fassung bringen, noch von Verwirrung von seinem Plätze drängen, sondern er bewahrt Geistesgegenwart und verliert Besonnenheit und Vernunft nicht.


Beim Eidschwur muß man nicht darauf schauen, welche Furcht er verursacht, sondern welche Bedeutung er hat. Es ist ja der Eid eine mit Hinblick der Gottheit gegebene Versicherung, und was man unter Beteuerung der Wahrheit vor dem Antlitz Gottes versprochen hat, muß man halten. Demnach bezieht sich der Eid auf Gerechtigkeit und Treue.


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