Marie Freifrau von Ebner Eschenbach

Ich habe mein Leben damit zugebracht, nicht nur den andern, sondern auch mir selbst zu sagen: So sind wir! Seien wir vernünftiger und besser.


Wir sollen immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem Reuelosen um unseretwillen.


Am unbarmherzigsten im Urteil über fremde Kunstleistungen sind die Frauen mittelmäßiger Künstler.


Nenne dich nicht arm, wenn deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.


Das meiste haben wir gewöhnlich in der Zeit getan, in der wir meinten, nichts getan zu haben.


Der abscheulichste Einbruch ist der in die heiligen Gefühle eines Menschen.


Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids – und ein Quell unendlichen Trostes.


Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen Zweifler bekehren.


Der Ruhm der kleinen Leute heißt Erfolg.


Die Ambrosia der früheren Jahrhunderte ist das täglich Brot der späteren.


Die glücklichen Pessimisten! Welche Freude empfinden sie, so oft sie bewiesen haben, daß es keine Freude gibt.


Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.


Die Kleinen schaffen, der Große erschafft.


Die Laster sind untereinander näher verwandt als die Tugenden.


Die Leute, denen man nie widerspricht, sind entweder die, welche man am meisten liebt, oder die, welche man am geringsten achtet.


Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.


Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, geben uns den Halt im Leben.


Die öffentliche Meinung ist die Dirne unter den Meinungen.


Die Taten reden, aber den Ungläubigen überzeugen sie doch nicht.


Eigensinn, Rückgrat des Schwachen.


Du siehst alles ein bißchen klarer mit Augen, die geweint haben.


Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: — alle dummen Männer.


Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche, ein hochmütiger schreibt es sich zu.


Einen Menschen kennen, heißt ihn lieben oder ihn bedauern.


Eingebildete Übel gehören zu den unheilbaren.


Eiserne Ausdauer und klaglose Entsagung sind die zwei äußersten Pole der menschlichen Kraft.


Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie selbst ihnen anerzogen haben.


Es gibt kein Wunder für den, der sich nicht wundern kann.


Es gibt leider nicht sehr viele Eltern, deren Umgang für die Kinder ein Segen ist.


Es gibt Menschen im Zopfstil: viele hübsche Einzelheiten, das Ganze abgeschmackt.


Es gibt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem Verstand. Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln sie.


Es gibt wenig aufrichtige Freunde – die Nachfrage ist auch gering.


Es ist ein Unglück, daß ein braves Talent und ein braver Mann so selten zusammen kommen!


Es ist schlimm, wenn zwei Eheleute einander langweilen; viel schlimmer jedoch ist es, wenn nur einer von ihnen den anderen langweilt.


Es ist schwer, den, der uns bewundert, für einen Dummkopf zu halten.


Es kann manchmal sehr unrecht sein, ein Recht auszuüben.


Es schreibt keiner wie ein Gott, der nicht gelitten hat wie ein Hund.


Feuer läutert, verdeckte Glut frißt an.


Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst.


Für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun.


Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie.


Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewußtseins.


Gutmütigkeit ist eine alltägliche Eigenschaft. Güte die höchste Tugend.


Hoffnungslose Liebe macht den Mann kläglich und die Frau beklagenswert.


Ihr jubelt über die Macht der Presse — graut euch nie vor ihrer Tyrannei?


Im Alter sind wir der Schmeichelei viel zugänglicher als in der Jugend.


Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst.


Im Grunde ist jedes Unglück gerade so schwer, wie man es nimmt.


Im Unglück finden wir meistens die Ruhe wieder, die uns durch die Furcht vor dem Unglück geraubt wurde.


In der großen Welt gefällt nichts so sehr wie die Gleichgültigkeit dagegen, ob man ihr gefällt.


In einem guten Buche stehen mehr Wahrheiten, als sein Verfasser hineinzuschreiben meinte.


In früheren Zeiten konnte einer ruhig vor seinem vollen Teller sitzen und sich’s schmecken lassen, ohne sich darum zu kümmern, daß der Teller seines Nachbarn leer war. Das geht jetzt nicht mehr, außer bei den geistig völlig Blinden. Allen übrigen wird der leere Teller des Nachbarn den Appetit verderben.


Je ungebildeter ein Mensch, desto schneller ist er mit einer Ausrede fertig.


Jeder Künstler soll es der Vogelmutter nachmachen, die sich um ihre Brut nicht mehr kümmert, sobald sie flügge geworden ist.


Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an.


Jeder Weltmann verkehrt lieber mit einem wohlerzogenen Bösewicht als mit einem schlecht erzogenen Heiligen.


Lesen ist ein großes Wunder.


Macht ist Pflicht – Freiheit ist Verantwortlichkeit.


Magst den Tadel noch so fein, noch so zart bereiten, weckt er Widerstreiten. Lob darf ganz geschmacklos sein, hocherfreut und munter schlucken sie’s hinunter.


Man bleibt jung, so lange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen und Widerspruch ertragen kann.


Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht anders kleiden.


Man hat einen zu guten oder zu schlechten Ruf; nur den Ruf hat man nicht, den man verdient.


Man muß das Gute tun, damit es in der Welt sei.


Menschen, die nach immer größerem Reichtum jagen, ohne sich jemals Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort kochen, sich aber nie zu Tische setzen.


Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.


Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.


Nichts entfernt zwei innerlich wenig verwandte Menschen mehr voneinander, als das Zusammenleben.


Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden.


Sag etwas, das sich von selbst versteht, zum erstenmal, und du bist unsterblich.


Schaffen führt zum Glauben an einen Schöpfer.


Schüchterne Dummheit und verschämte Armut sind den Göttern heilig.


Schwächliche Grämlichkeit, die alle fünf gerade sein läßt, ist die Karikatur der Resignation.


Sei deines Willens Herr und deines Gewissens Knecht.


Selbst der bescheidenste Mensch hält mehr von sich, als sein bester Freund von ihm hält.


So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache Nerven.


Sobald eine Mode allgemein geworden ist, hat sie sich überlebt.


Soweit die Erde Himmel sein kann, soweit ist sie es in einer glücklichen Ehe.


Späte Freuden sind die schönsten; sie stehen zwischen entschwundener Sehnsucht und kommendem Frieden.


Suche immer zu nützen! Suche nie, dich unentbehrlich zu machen.


Traurigkeit ist Stille, ist Tod; Heiterkeit ist Regsamkeit, Bewegung, Leben.


Über das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als – die Hoffnung auf ihr Gehen.


Vertrauen ist Mut, und Treue ist Kraft.


Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst einmal eingestanden haben, brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen.


Viele Worte sind lange zu Fuß gegangen, ehe sie geflügelte Worte wurden.


Vieles erfahren haben, heißt noch nicht Erfahrung besitzen.


Warten lernen wir gewöhnlich dann, wenn wir nichts mehr zu erwarten haben.


Was ist Reue? Eine große Trauer darüber, daß wir sind, wie wir sind.


Was Menschen und Dinge wert sind, kann man erst beurteilen, wenn sie alt geworden.


Was nennen die Menschen am liebsten dumm? Das Gescheite, das sie nicht verstehen.


Wenn die Nachtigallen aufhören zu schlagen, fangen die Grillen an zu zirpen.


Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie Wissensdrang.


Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.


Wenn du einen vielbetretenen Weg lange gehst, so gehst du ihn endlich allein.


Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen.


Wenn mein Herz nicht spricht, dann schweigt auch mein Verstand, sagt die Frau. Schweige, Herz, damit der Verstand zu Worte kommt, sagt der Mann.


Wenn zwei brave Menschen über Grundsätze streiten, haben immer beide recht.


Wer Geduld sagt, sagt Mut, Ausdauer, Kraft.


Wer in der Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein todeswürdiges Verbrechen.


Wer in die Öffentlichkeit tritt, hat keine Nachsicht zu erwarten und keine zu fordern.


Wer sich an seine eigene Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist ein schlechter Erzieher.


Der sich gar zu leicht bereit findet, seine Fehler einzusehen, ist selten der Besserung fähig.


Wir entschuldigen nichts so leicht wie Torheiten, die uns zuliebe getan wurden.


Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung – daß niemand einstimmt.


Wir sind so eitel, daß uns sogar an der Meinung der Leute, an den uns nichts liegt, etwas gelegen ist.


Wir unterschätzen das, was wir haben, und überschätzen das, was wir sind.


Wo wäre die Macht der Frauen, wenn die Eitelkeit der Männer nicht wäre?


Wohl jedem, der nur liebt, was er darf, und nur haßt, was er soll.


Zu jeder Zeit liegen einige große Wahrheiten in der Luft; sie bilden die geistige Atmosphäre des Jahrhunderts.


Zu späte Erfüllung einer Sehnsucht labt nicht mehr. Die lechzende Seele zehrt sie auf wie glühendes Eisen einen Wassertropfen.


Ein Streit zwischen wahren Freunden, wahren Liebenden bedeutet gar nichts. Gefährlich sind nur Streitigkeiten zwischen Menschen, die einander nicht ganz verstehen.


Wenn die Großmut vollkommen sein soll, muß sie eine kleine Dosis Leichtsinn enthalten.


Der kleinste Fehler, den ein Mensch uns zuliebe ablegt, verleiht ihm in unseren Augen mehr Wert, als die größten Tugenden, die er sich ohne unser Zutun aneignet.


Das Gemüt bleibt jung, solange es leidensfähig bleibt.


Die Güte, die nicht grenzenlos ist, verdient den Namen nicht.


Grobheit – geistige Unbeholfenheit.


Es gäbe keine soziale Frage, wenn die Reichen von jeher Menschenfreunde gewesen wären.


Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln, wie der, der die alten nicht zu verarbeiten versteht.


Was für die Gegenwart zu gut ist, ist gut genug für die Zukunft.


Wir suchen die Wahrheit, finden wollen wir sie aber nur dort, wo es uns beliebt.


Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde zu unserem Unglück.


In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit.


Einen Gedanken verfolgen – wie bezeichnend dies Wort! Wir eilen ihm nach, erhaschen ihn, er entwindet sich uns, und die Jagd beginnt von neuem. Der Sieg bleibt zuletzt dem Stärkeren. Ist es der Gedanke, dann läßt er uns nicht ruhen, immer wieder taucht er auf – neckend, quälend, unserer Ohnmacht, ihn zu fassen, spottend. Gelingt es aber der Kraft unseres Geistes, ihn zu bewältigen, dann folgt dem heißen Ringkampf ein beseligendes, untrennbares Bündnis auf Leben und Tod, und die Kinder, die ihm entspringen, erobern die Welt.


Ausdauer ist eine Tochter der Kraft, Hartnäckigkeit eine Tochter der Schwäche – nämlich der Verstandesschwäche.


Das Verständnis reicht oft viel weiter als der Verstand.


Und ich habe mich so gefreut! sagst du vorwurfsvoll, wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde. Du hast dich gefreut – ist das nichts?


Ein fauler und ein fleißiger Mensch können nicht miteinander leben, der faule verachtet den fleißigen gar zu sehr.


Arme Leute schenken gern.


Alles Wissen geht aus einem Zweifel hervor und endigt in einem Glauben.


Auch der ungewöhnlichste Mensch ist gehalten, seine ganz gewöhnliche Schuldigkeit zu tun.


Die Frau verliert in der Liebe zu einem ausgezeichneten Manne das Bewußtsein ihres eigenen Wertes; der Mann kommt erst recht zum Bewußtsein des seinen durch die Liebe einer edlen Frau.


Künstler, was du nicht schaffen mußt, das darfst du nicht schaffen wollen.


Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.


Das Vertrauen ist etwas so Schönes, daß selbst der ärgste Betrüger sich eines gewissen Respektes nicht erwehren kann vor dem, der es ihm schenkt.


Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten.


So manche Wahrheit ging von einem Irrtum aus.


Der Verstand kann ein Held sein, die Klugheit ist meistens ein Feigling.


Tiefe Bildung glänzt nicht.


Wir verlangen sehr oft nur deshalb Tugenden von anderen, damit unsere Fehler sich bequemer breit machen können.


Die meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche.


Die Reue treibt den Schwachen zur Verzweiflung und macht den Starken zum Heiligen.


Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.


Eine Vernunftehe schließen, heißt in den meisten Fällen, alle seine Vernunft zusammenzunehmen, um die wahnsinnigste Handlung zu begehen, die ein Mensch begehen kann.


Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem Übersättigten.


Was andere uns zutrauen, ist meist bezeichnender für sie als für uns.


Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit; sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.


Alle anderen Enttäuschungen sind gering im Vergleich zu denen, die wir an uns selber erleben.


Genug weiß niemand, zuviel so mancher.


Wisset, die euch Haß predigen, erlösen euch nicht.


Die Gleichgültigkeit, der innere Tod, ist manchmal ein Zeichen von Erschöpfung, meistens ein Zeichen von geistiger Impotenz und immer – guter Ton.


Nichts bist du, nichts ohne die anderen. Der verbissenste Misanthrop braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten.


Die vestehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären läßt.


Nichts lernen wir so spät und verlernen wir so früh, als zugeben, daß wir unrecht haben.


Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es vorbei.


Steril ist der, dem nichts einfällt; langweilig ist, wer ein paar alte Gedanken hat, die ihm alle Tage neu einfallen.


Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehaßt.


In der Jugend lernt, im Alter versteht man.


Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod.


Je mehr du dich selbst liebst, je mehr bist du dein eigener Feind.


Wie weise muß man sein, um immer gut zu sein!


Die kleinsten Sünder tun die größte Buße.


Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Notwendigkeit.


Es gibt keine schüchternen Lehrlinge mehr, es gibt nur noch schüchterne Meister.


Manche Ehen sind ein Zustand, in dem zwei Leute es weder mit noch ohne einander durch längere Zeit aushalten können.


Das Talent zu herrschen täuscht oft über den Mangel an anderen Talenten.


Sich von einem ungerechten Verdacht reinigen zu wollen, ist entweder überflüssig oder vergeblich.


So weit deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht deine Freiheit.


Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft; es kommt auf das Material an.


Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.


Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen.


Vertrauensselig – ein schönes Wort. Vertrauen macht selig den, der es hat, und den, der es einflößt


Es kommt alles auf die Umgebung an. Die Sonne im lichten Himmelsraume hat eine viel geringere Meinung von sich als die Unschlittkerze, die im Keller brennt.


Das unfehlbare Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen, ist, sich ihnen nützlich zu machen.


Alberne Leute sagen Dummheiten, gescheite Leute machen sie.


Nur wieder empor nach dem Sturz aus der Höhe! Entweder fällst du dich tot, oder es wachsen dir Flügel.


Am Ziel deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.


Die Bescheidenheit, die zum Bewußtsein kommt, kommt ums Leben.


Tue deine Pflicht so lange, bis sie deine Freude wird.


Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht.


Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.


Die Erfolge des Tages gehören der verwegenen Mittelmäßigkeit.


Freundlichkeit kann man kaufen.


Die wahre Ehrfurcht geht niemals aus der Furcht hervor.


Der Ignorant weiß nichts, der Parteimann will nichts wissen.


Siege, aber triumphiere nicht.


Lieber von einer Hand, die wir nicht drücken möchten, geschlagen, als von ihr gestreichelt zu werden.


Man kann viele Dinge kaufen, die unbezahlbar sind.


Überlege wohl, bevor du dich der Einsamkeit ergibst, ob du auch für dich selbst ein heilsamer Umgang bist.


Wir sind für nichts so dankbar wie für Dankbarkeit.


Wenn man das Dasein als eine Aufgabe betrachtet, dann vermag man es immer zu ertragen.


Langeweile ist eine Halbschwester der Verzweiflung.


Theorie und Praxis sind eins wie Leib und Seele, und wie Seele und Leib liegen sie großenteils miteinander in Streit.


Auch das kleinste Licht hat sein Atmosphärchen.


Wer ans Ziel getragen wurde; darf nicht glauben; es erreicht zu haben.


Um ein öffentliches Amt glänzend zu verwalten, braucht man eine gewisse Anzahl guter und – schlechter Eigenschaften.


Es gibt eine Menge kleiner Unarten und Rücksichtslosigkeiten, die an und für sich nichts bedeuten, aber furchtbar sind als Kennzeichen der Beschaffenheit einer Seele.


Alles wird uns heimgezahlt, wenn auch nicht von denen, welchen wir geborgt haben.


Als eine alte Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt.


An das Gute glauben nur die wenigen, die es üben.


Das Leben erzieht die großen Menschen und läßt die kleinen laufen.


Daß soviel Ungezogenheit gut durch die Welt kommt, daran ist die Wohlerzogenheit schuld.


Der Haß ist ein fruchtbares, der Neid ein steriles Laster.


Der Mann ist der Herr des Hauses; im Hause soll aber nur die Frau herrschen.


Der Maßstab, den wir an die Dinge legen, ist das Maß unseres eigenen Geistes.


Der Witz ist ein brillanter Emporkömmling von zweifelhafter Abstammung.


Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein Gänschen, die Frau, die ihn nicht beeinflussen will – eine Heilige.


Die Großen schaffen das Große, die Guten das Dauernde.


Die größte Gewalt über einen Mann hat die Frau, die sich ihm zwar versagt, ihn aber in dem Glauben zu erhalten weiß, daß sie seine Liebe erwidere.


Die Kraft verleiht Gewalt, die Liebe leiht Macht.


Die Liebe überwindet den Tod, aber es kommt vor, daß eine kleine üble Gewohnheit die Liebe überwindet.


Die Männer sind auf allen Gebieten die Führenden, nur auf dem Weg zum Himmel überlassen sie den Frauen den Vortritt.


Die Menschen der alten Zeit sind auch die der neuen, aber die Menschen von gestern sind nicht die von heute.


Die Moral, die gut genug war für unsere Väter, ist nicht gut genug für unsere Kinder.


Die Summe unserer Erkenntnisse besteht aus dem, was wir gelernt, und aus dem, was wir vergessen haben.


Die Welt gehört denen, die sie haben wollen, und wird von jenen verschmäht, denen sie gehören sollte.


Du kannst so rasch sinken, daß du zu fliegen meinst.


Du wüßtest gern, was deine Bekannten von dir sagen? Höre, wie sie von Leuten sprechen, die mehr wert sind als du.


Ehen werden im Himmel geschlossen, aber daß sie geraten, darauf wird dort nicht gesehen.


Ein Mann, der sich im Gespräch mit einer Frau widerlegt fühlt, fängt sogleich an, sie zu überschreien. Er will und kann beweisen, daß ihm immer, auch wenn er falsch singt, die erste Stimme gebührt.


Eine ungeschickte Schmeichelei kann uns tiefer demütigen als ein wohlbegründeter Tadel.


Es darf so mancher Talentlose von dem Werk so manches Talentvollen sagen: Wenn ich das machen könnte, würde ich es besser machen.


Es gehört weniger Mut dazu, der allein Tadelnde, als der allein Lobende zu sein.


Es gibt Frauen, die ihre Männer mit einer ebenso blinden, schwärmerischen und rätselhaften Liebe lieben wie Nonnen ihr Kloster.


Fortwährendem Entbehren folgt Stumpfheit ebenso gewiß wie übermäßigem Genuß.


Gebrannte Kinder fürchten das Feuer oder vernarren sich darein.


Haben und nichts geben, ist in manchen Fällen schlechter als stehlen.


Heitere Resignation – es gibt nichts Schöneres.


Immer wird die Gleichgültigkeit und die Menschenverachtung dem Mitgefühl und der Menschenliebe gegenüber einen Schein von geistiger Überlegenheit annehmen können.


In der Jugend meinen wir, das Geringste, das die Menschen uns gewähren können, sei Gerechtigkeit. Im Alter erfahren wir, daß es das Höchste ist.


Je weiter unsere Erkenntnis Gottes dringt, desto weiter weicht Gott vor uns zurück.


Kein Mensch steht so hoch, daß er anderen gegenüber nur gerecht sein dürfte.


Kein Toter ist so gut begraben wie eine erloschene Leidenschaft.


Man fordere nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, solange man sie in dem Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszweck sei – zu gefallen.


Mißtraue deinem Urteil, sobald du darin den Schatten eines persönlichen Motivs entdecken kannst.


Mitleid ist die Liebe im Negligé


Nur die allergescheitesten Leute benutzen ihren Scharfsinn zur Beurteilung nicht bloß anderer, sondern auch ihrer selbst.


Respekt vor dem Gemeinplatz! Er ist seit Jahrhunderten aufgespeicherte Weisheit.


Überlege einmal, bevor du gibst, zweimal, bevor du annimmst und tausendmal, bevor du verlangst.


Was du wirklich besitzest, das wurde dir geschenkt.


Was noch zu leisten ist, das bedenke; was du schon geleistet hast, das vergiß!


Weh der Frau, die nicht im Falle der Not ihren Mann zu stellen vermag.


Wenn der Mann das Amt hat und die Frau den Verstand, dann gibt es eine gute Ehe.


Wenn eine Frau sagt »Jeder«, meint sie: jedermann. Wenn ein Mann sagt »Jeder«, meint er: jeder Mann.


Wenn wir nur noch das sehen, was wir zu sehen wünschen, sind wir bei der geistigen Blindheit angelangt.


Wer hat nicht schon das, was er sich zutraut, für das gehalten, was er vermag?


Wer von Schaffensfreude spricht, hat höchstens Mücken geboren.


Wie theuer du eine schöne Illusion auch bezahltest, du hast doch einen guten Handel gemacht.


Die Sehenden sind es nicht, die sich für sehend halten, immer nur die Blinden.


Demut ist Unverwundbarkeit.


Es hat noch niemand etwas Ordentliches geleistet, der nicht etwas Außerordentliches leisten wollte.


Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.


Ein Nichts vermag das Vertrauen in die eigene Kraft zu erschüttern, aber nur ein Wunder vermag es wieder zu befestigen.


Er ist ein guter Mensch! sagen die Leute gedankenlos. Sie wären sparsamer mit diesem Lobe, wenn sie wüßten, daß sie kein höheres zu erteilen haben.


Die Gutmütigkeit gemeiner Menschen gleicht dem Irrlicht. Vertraue nur seinem gleißenden Scheine, es führt dich gewiß in den Sumpf.


Was uns an der sichtbaren Schönheit entzückt, ist ewig nur die unsichtbare.


Für die Anspruchsvollen plagt man sich, aber die Anspruchslosen liebt man.


Der Witzling ist der Bettler im Reich der Geister; er lebt von Almosen, die das Glück ihm zuwirft – von Einfällen.


Was liegt am Ruhm, da man den Nachruhm nicht erleben kann?


Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten. In der Kunst ist nichts schwerer als beenden und bedeutet zugleich Vollenden.


Ein armer, wohltätiger Mensch kann sich manchmal reich fühlen, ein geiziger Krösus niemals.


Ehrlich und herzlich den gelten lassen, der uns nicht gelten läßt – höchste Noblesse!


Die Wunden, die unserer Eitelkeit geschlagen werden, sind halb geheilt, wenn es uns gelingt, sie zu verbergen.


Während ein Feuerwerk abgebrannt wird, sieht niemand nach dem gestirnten Himmel.


Einer der seltensten Glücksfälle, die uns werden können, ist die Gelegenheit zu einer gut angewendeten Wohltat.


Wer sich keine Annehmlichkeiten versagen kann, wird sich nie ein Glück erobern.


Je kleiner das Sandkorn ist, desto sicherer hält es sich für den Mittelpunkt der Welt.


Wir sträuben uns gegen das Leiden. Wer aber möchte nicht gelitten haben?


Unerfüllbare Wünsche werden als ›fromme‹ bezeichnet. Man scheint anzunehmen, daß nur die profanen in Erfüllung gehen.


Alle historischen Rechte veralten.


Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich gibt, die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, an die Ausübung der einfachsten gewendet würde.


Auch in ein neues Glück muß man sich schicken lernen.


Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen.


Anspruchslosigkeit ist Seligkeit.


Ohne Phantasie keine Güte, keine Weisheit.


In einer Gegend, in der Waldfrevel nicht vorkommt, hat der Wald keinen Wert.


Was Gutes Du getan und nicht vergessen hast, Allmälig wandelt sich’s in Unrecht fast. Vergang’ne Schuld, denkst ihrer Du mit Schmerzen, Verklärt zur Tugend sich in Deinem Herzen.


Unsere Fehler bleiben uns immer treu, unsere guten Eigenschaften machen alle Augenblicke kleine Seitensprünge.


Es gibt nicht nur eine Volksindividualität, es gibt eine Stadt-, eine Dorfindividualität; jede Hütte hat seine, jede Hütte hat ihre besondere Physiognomie.


Ist eine Liebe langsam und allmählich entstanden, dann wird sie auch lange nicht vergehen. Ist sie gleich einem Blitze entflammt, dann mag es sein, das sie auch rasch wie dieser wieder verschwindet.


Wenn die Zuhörer nicht gleich in Ekstase geraten, denk ich: “Da haben wir’s! einmal wieder etwas Mißglücktes!” Und geraten sie in Ekstase, dann denk ich: “Sie verstehen nichts.”


Die Kur hat dich von der Krankheit kuriert, aber wer kuriert dich von der Kur?


Künstler haben gewöhnlich die Meinung von uns, die wir von ihren Werken haben.


Die kleine Seligkeit, ohne Widerspruch angehört zu werden, kosten alle gerne bis zur Neige aus.


Die uns gespendete Liebe, die wir nicht als Segen und Glück empfinden, empfinden wir als eine Last.


Menschen, die viel von sich sprechen, machen – so ausgezeichnet sie übrigens sein mögen – den Eindruck der Unreife.


Die bedauernswertesten Menschen sind die, die Pflichtgefühl besitzen, aber nicht die Kraft, ihm zu genügen.


Der Glaube an das Gute ist es, der das Gute lebendig macht.


Ein Federheld von echtem Muth, Der greift beherzt nach seinem Gut Und Alles, was er brauchen kann, Sieht als sein Eigenthum er an.


Die Kunst ist im Niedergang begriffen, die sich von der Darstellung der Leidenschaft zu der des Lasters wendet.


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