Martin Kessel

Allen Fortschritt verdanken wir denen, die sich nicht anpassen.


An der Fratze und Grimasse der Komik erkennt man deren Beziehung zum Schmerz.


An der Härte der Strafen erkennt man die Schwäche des Regimes.


An einem Kunstwerk ist alles verständlich und selbstverständlich außer der Kraft, die es hervorgebracht hat.


Aphorismen in die Welt senden heißt nach einem Nicken des Einverständnisses fahnden.


Aphorismen sind Gegengaben: der Geist gibt als Weisheit zurück, was das Leben ihm schenkte.


Auch die Kultur hat ihre konzessionierte Prostitution: die Festspiele.


Auch die Sonne hat ihre Flecken. Die Hauptsache ist aber schließlich: sie strahlt.


Auch die Wahrheit gedeiht nur in einer bestimmten Vegetation und Temperatur. Sobald man sie erhitzt, wird sie fanatisch, sobald man sie unterkühlt, zynisch.


Auf Glück warten, das kann man nicht; das Glück ist da oder nicht; es fragt sich nur, worin man es findet.


Bei Erfindungen ist der Erste immer der Dumme; den Ruhm kassiert der Zweite, und das Geschäft macht erst der Dritte.


Bei furchtbaren Schicksalsschlägen das ganz Gewöhnliche tun, das hilft uns über den Abgrund.


Berlins Bevölkerung, dort, wo sie ganz unter sich ist, also in Verkehr und Sport, macht sich ein Schauspiel aus allem. Und das wird dann begutachtet. Ihr Witz ist der Kommentar dazu.


Bürger, schützt eure Trivialitäten! Genossen, seid selig!


Dans le plus miniscule il y a déjà le modèle de l'incommensurabilité.


Das Beste glückt mühelos; mühevoll und mit Geduld gepflastert ist lediglich der Weg dahin.


Das Beste ist mühelos, es glückt; mühevoll und mit Geduld gepflastert ist lediglich der Weg dahin.


Das Beste, was diese Welt bietet, ist die Sehnsucht nach einer anderen.


Das Edle liegt in der Art, wie einer Pflicht genügt wird.


Das ist das Fatalste an der Schriftstellerei, wenn einer sich einbildet, das Höchste des Dichtens bestehe nicht im Dichten, sondern im Bewusstsein, Sprache zu schreiben.


Das ist der Witz ihrer Nächstenliebe: Nie den zu lieben, der da ist, sondern immer nur den Nächsten, der kommen soll.


Daß man vor dem Glück Angst haben kann, ist ein Beweis dafür, daß das Glück eine Schicksalspotenz ist, darauf angelegt, uns auf die Probe zu stellen.


Das Menschliche ist unsere letzte Entschuldigung, unsere erste Rechtfertigung sollte es sein.


Das Schicksal ist die satirische Antwort auf unser Hoffen, Planen und Wünschen.


Das Schönste, was ein geistiger Mensch besitzen kann, ist Naivität.


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