Nicolas Chamfort

Das altmodische Wort Zufriedenheit mit sich und der Welt ist, trotz allem Fortschrittsglauben, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, der Schlüssel zum Geheimnis des Glücks.


Das vernünftigste und maßvollste Wort in der Streitfrage Ehe oder Zölibat lautet: So oder so, du wirst es bereuen.


Der Maler verleiht der Gestalt Seele, der Dichter dem Gefühl und dem Gedanken Gestalt.


Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.


Die Einbildungskraft, die Illusionen hervorbringt, ist wie ein Rosenstrauch, der in jeder Jahreszeit Rosen erblühen läßt.


Die meisten Bücher von heute scheinen in einem Tag aus der Lektüre von gestern entstanden zu sein.


Die Natur hat Illusionen den Weisen wie den Narren mitgegeben, damit die Weisen nicht zu unglücklich würden durch ihre Weisheit.


Erfolg erzeugt Erfolg, wie Geld das Geld.


Es gibt gewisse Fehler, die vor epidemischen Lastern schützen. In Pestzeiten bleiben Malariakranke vor der Ansteckung bewahrt.


Es gibt gut eingekleidete Dummheiten, wie es sehr gut angezogene Dummköpfe gibt.


Es ist kein Kompliment für eine ungetreue Ehefrau, wenn der Gatte glücklicher aussieht als der Liebhaber.


Falsche Bescheidenheit ist die schicklichste aller Lügen.


Gespräche sind wie Reisen zu Schiff.


Man sollte mehr handeln, weniger überlegen und sich nicht selbst beim Leben zuschauen.


Menschen, die man nur halb kennt, kennt man gar nicht.


Ob Geben seliger sei denn Nehmen, lasse ich dahingestellt. Zweifellos aber ist es dauerhafter denn Nehmen: Man erinnert sich allzeit daran.


Ruhm ist der Vorzug, denen bekannt zu sein, die einen nicht kennen.


Man muß vielleicht die Liebe gefühlt haben, um die Freundschaft gut zu kennen.


Wie schlecht auch ein Mann über die Frauen denken mag: Es gibt keine Frau, die darin nicht noch um einiges weiter ginge als er.


Die Mehrzahl der Adeligen erinnert an ihre Vorfahren, wie ein italienischer Cicerone an Cicero erinnert.


Man wünscht sich den Bösen träge und schweigsam den Dummkopf


Das Glück gleicht oft den reichen, verschwenderischen Frauen, welche die Häuser ruinieren, denen sie eine große Mitgift zugebracht haben.


Krieg den Palästen, Friede den Hütten.


Es gibt Zeiten, wo die öffentliche Meinung die schlechteste aller Meinungen ist.


Die Ehe folgt der Liebe wie Rauch der Flamme folgt.


Die Unredlichen und die Dummen kommen in der Welt immer besser fort als die Ehrlichen und Klugen. Es fällt ihnen leichter, mit der von Unredlichkeit und Dummheit beherrschten Gesellschaft Schritt zu halten.


Ein Verliebter ist ein Mann, der liebenswerter sein möchte, als er ist. Darum sind alle Verliebten lächerlich.


Meine vergangenen Schmerzen wurden mir zum Panzer gegen die folgenden.


Wer keinen Charakter hat, ist kein Mensch, sondern eine Sache.


Die Gesellschaft besteht aus zwei Klassen; die einen haben mehr Essen als Appetit, die andern mehr Appetit als Essen.


Takt ist der auf das Benehmen angewandte gute Geschmack.


Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.


Die Öffentlichkeit! Wie vieler Narren bedarf es, um eine Öffentlichkeit zu ergeben?


So schlecht ein Mann auch über die Frauen denken mag, es gibt doch keine Frau, die über diesen Gegenstand nicht noch schlechter dächte als er.


Das Denken bietet Trost und Heilung für alles. Hat es einem wehgetan, so verlange man von ihm das geeignete Gegenmittel, und man bekommt es.


Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.


Es gibt mehr Leute, die geliebt sein wollen, als solche, die selber lieben wollen.


In den großen Dingen zeigen sich die Menschen, wie es sich für sie schickt, in den kleinen wie sie sind.


Die meisten Leser stecken ihre Bücher in ihre Bibliothek, die meisten Schriftsteller stecken ihre Bibliothek in ihre Bücher.


Was ist eine Geliebte? Eine Frau, bei der man alles vergißt, was man sonst auswendig weiß, das heißt alle Fehler ihres Geschlechts.


Liebe, ein liebenswürdiger Wahnsinn – Ehrgeiz, eine ernsthafte Dummheit.


Die Liebe gleicht den epidemischen Krankheiten. Je mehr man sie fürchtet, desto eher wird man von ihr befallen.


Die Überzeugung ist das Gewissen des Geistes.


Ohr und Geist können müde werden, dasselbe zu hören, das Herz nie.


Achtung ist mehr als Beachtung, Ansehen mehr als Ruf. Ehre mehr als Ruhm.


Der Ehrgeiz ergreift die kleinen Seelen leichter als die großen, so wie das Feuer leichter Stroh ergreift, leichter die Hütten als die Paläste.


Man zerstört seinen eigenen Charakter aus Furcht, die Blicke und Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu ziehen, und man stürzt sich in das Nichts der Belanglosigkeit, um der Gefahr zu entgehen, besondere Kennzeichen zu haben.


Man kann unmöglich in der Welt leben, ohne von Zeit zu Zeit Komödie zu spielen. Es nur im Notfall zu tun, unterscheidet den anständigen vom unanständigen Menschen.


Man kann wetten, daß jede öffentliche Meinung, jede Konvention eine Dummheit ist, denn sie hat der großen Menge gefallen.


Man riskiert Ekel, sähe man, wie Politik, Gerechtigkeit und das eigene Abendessen zustande kommen.


An zwei Dinge muß man sich gewöhnen, um das Leben erträglich zu finden, an die Unbilden der Zeit und die Ungerechtigkeit der Menschen.


Die Vernünftigen halten bloß durch, die Leidenschaftlichen leben.


Der Erfolg vieler Werke erklärt sich aus der Beziehung, die zwischen der Mittelmäßigkeit des Autors und der Mittelmäßigkeit des Publikums besteht.


Erwünscht ist die Trägheit des Bösen und das Schweigen des Dummkopfes.


Das Glück ist kein leichtes Ding. Nur sehr schwer finden wir es in uns und anderswo gar nicht.


Die Maximen bedeuten für die Lebensführung soviel wie die Meisterregeln für die Kunst.


Die Bemerkung des Aristoteles in seiner Rhetorik, daß jede Metapher sich umkehren lassen müsse, ist vorzüglich. So hat man gesagt, das Alter sei der Winter des Lebens; kehrt man die Metapher um, so ist sie ebenfalls richtig, denn man kann sagen, der Winter sei das Alter des Jahres.


Die Philosophie entdeckt die Tugenden, die der Moral und Politik nützen. Beredsamkeit macht sie populär, Poesie sprichwörtlich.


Man darf keinen Charakter haben und muß sich das Denken abgewöhnen.


Ich werde mit mir rechnen, früher rechnete ich auf mich.


Wenn du deinen Nächsten lieben sollst wie dich selbst, dann ist es nur angemessen, daß du dich selbst liebst wie deinen Nächsten.


Starrköpfigkeit repräsentiert den Charakter ungefähr so wie das Temperament die Liebe.


Es tritt der Mensch in jedes Alter als Novize ein.


Zwischen Geist und Herz besteht oft dasselbe Verhältnis wie zwischen Schloßbibliothek und Schloßherr.


Es genügt in der Liebe, durch liebenswürdige Eigenschaften, durch Reize zu gefallen. Aber in der Ehe muß man einander lieben, um glücklich zu sein, oder wenigstens zueinander passende Fehler haben.


Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und vergeblich, anderswo danach zu suchen.


Die Frauen scheinen eine Hirnwindung weniger, eine Herzensfaser mehr zu haben als die Männer.


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