Peter Handke

"Liebesentzug": als ob es so etwas gäbe; wenn Liebe da ist, wie ist dann Entzug möglich?


An den Orten, zu denen ich gefahren wurde, bin ich nie gewesen. Nur im Gehen öffnen sich die Räume und tanzen die Zwischenräume! Nur im Gehen drehe ich mich mit den Äpfeln im Baum. Nur dem Gehenden wächst ein Haupt auf den Schultern. Nur der Gehende erfährt die Ballen an seinen Füßen. Nur der Geher spürt einen Zug durch den Körper. Nur der Geher erfaßt den hohen Baum im Ohr – die Stille! Nur der Geher holt sich ein und kommt zu sich. Nur was der Geher denkt, gilt.


Der gedankenloseste aller Menschen: der in jedem Buch nur blättert.


Der Nachteil bei großer Literatur ist, daß jedes Arschloch sich damit identifizieren kann.


Die Angst des Tormanns beim Elfmeter.


Die Kugelform des Fußballs ist zu einem Symbol des unberechenbaren Zufalls geworden.


Ein Kind, das noch keinen Ordnungssinn nötig hat, muß leiden unter dem Ordnungszwang eines Erwachsenen.


Eine engagierte Literatur gibt es nicht. Der Begriff ist ein Widerspruch. Es gibt engagierte Menschen, aber keine engagierten Schriftsteller.


Eine schriftstellerische Unternehmung müßte etwas von einem Handstreich haben; in jedem Sinn.


Einem Bewundernmüssen ist das Ergriffensein immer vorzuziehen.


Er träumte, daß er Zeit hatte, und sah sich als lange gerade Straße.


Es ist etwas anderes, reich zu sein oder Geld zu haben.


Es ist schon recht, nicht mehr dahinzudämmern, aber weckt einander doch nicht mit Hundegebell.


Es zeigt, wie jemand durch Sprechen zum Sprechen gebracht werden kann.


Ich scheiße darauf, ob ich ein Dichter bin oder nicht. Ich bin ein sprachempfindlicher Mensch.


Ich war gesellschaftsunfähig, weil ich wütend war; ich wurde gesellschaftsfähig, als ich traurig wurde.


Kein Gedicht ohne akuten Mangel.


Literatur: Die noch nicht vom Sinn besetzten Orte ausfindig machen.


Mit einem Kind fängt vielleicht das Glück an, aber man hört auch auf, selber glücklich zu sein.


Nichts gegen so manchen entdeckerischen Journalisten . . . Aber doch einiges gegen die Rotten der Fernfuchtler, welche ihren Schreibberuf mit dem eines Richters oder gar mit der Rolle eines Demagogen verwechseln . . .


Sicheres Zeichen, daß einer kein Künstler ist: wenn er das Gerde von der Endzeit mitmacht.


Solange der Tag Tag wird, ist noch etwas da – also kein Grund zum Pessimismus.


Theaterstücke haben einen zeitlich begrenzten Nutzen, wie Regenschirme oder Zahnbürsten. Wenn sie ausgedient haben, gehören sie in die Mülltonne.


Was ich gottseidank nicht bin: Ich bin gottseidank kein Automat, ich bin gottseidank keiner, mit dem man machen kann, was man will.


Was manche Politiker nicht im Kopf haben, das haben sie im Kehlkopf.


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