Redensart

Aus dem Schneider Wenn man sich einer drückenden Verantwortung entziehen konnte, eine prekäre Situation gemeistert hat, dann ist man »aus dem Schneider«, wie eine weit verbreitete Redensart lautet. Man hat nichts mehr damit zu tun, das Kapitel ist abgeschlossen. Heute gebrauchen wir die Redewendung meist in diesem Sinne, obwohl sie doch eigentlich etwas ganz anderes bedeutet, nämlich »über 30 Jahre alt zu sein«, eine Feststellung, die man höchst ungalant einst von weiblichen Personen traf. Sie hatten dieser Meinung nach nichts mehr mit dem »Heiratskarussell« zu tun, man rechnete einfach nicht mehr mit ihnen. Der Ausdruck stammt, wie sich leicht vermuten läßt, aus dem Kartenspiel, wo »Schneider werden« bedeutet, daß man weniger als 30 Augen hat, während »aus dem Schneider sein« eine Augenzahl von mehr als 30 voraussetzt.


Aus der Art schlagen Mit diesem Ausdruck soll gesagt werden, daß jemand sich nicht entsprechend seiner Erbanlagen verhält, sondern innerhalb der Geschlechterreihe plötzlich ganz andere Merkmale und Eigenschaften aufweist. Man spricht wohl von »ausarten« oder »der schlägt aus der Art«. Im ursprünglichen Sinne bezeichnete man solche Verhaltensweisen mit »er artet aus der Art«. In der Wendung »aus der Art schlagen« kommt das Wort »schlagen« aus der niederdeutschen Sprache, wo es »slachten« (oder auch siechten) hieß, was »arten« bedeutete. In die gleiche Wortfamilie gehört auch das Wort »Geschlecht«, was man also mit »Artung« übersetzen könnte. Aus der Art schlagen – aus der Art arten, jetzt wird der Zusammenhang klarer.


Bankrott Im mittelalterlichen Venedig tätigten die Kaufleute ihre Geschäfte auf Bänken am Stadtplatz. Wurde ein Kaufmann zahlungsunfähig, dann suchten ergrimmte Schuldner Gerechtigkeit, indem sie seine Bank zerbrachen und ihn so um sein Geschäft brachten. Daher kommt das Wort bankrott – von italienisch banca rotta, »gebrochene Bank«.


Bei der Stange bleiben Das heißt soviel wie bei der Sache bleiben, zu einer Sache stehen, in Geduld und Beharrlichkeit für eine Sache einstehen. Stange? Nichts anderes ist gemeint als der lange Speer, dessen sich die Ritter damals als Hauptwaffe bedienten. Die Länge einer solchen Waffe war es, die ihnen den Gegner möglichst weit vom Leib hielt, im Gegensatz zum kurzen Schwerte, das Nahkampf, also größte Gefährdung bedeutete. Deshalb blieb man auch im Mittelalter lieber „bei der Stange.“


Bei einer Sache Geld herausschlagen Eine Angelegenheit so zum eigenen Nutzen führen, daß ein Stückchen Geld dabei für einen herausspringt. ›Herausschlagen?‹ Seit alters her, seitdem die Menschen Handel trieben und zum Zwecke der Vereinfachung nicht mehr mit Naturalien bezahlten, sondern die leicht transportablen Edelmetalle in Form von Münzen verwendeten, gibt es Geld. Das Münzwesen hat dabei manchen Wandel durchgemacht. Solange die Menschen nicht imstande waren, die Münzen mit Maschinen zu prägen, mußten sie sie aus großen Metallplatten mit einem schweren Hammer und mit einem Stanzgerät einzeln herausschlagen.


Beim Schlafittchen kriegen “Halt, mein Sohn, dich werden wir schon beim Schlafittchen kriegen, du läufst mir nicht davon!” Man versteht zwar, was gemeint ist, doch was bedeutet das Wort “Schlafittchen”? Es verbergen sich in diesem zunächst unbegreiflichen Wortgebilde: die Schlag-Fittiche von Vögeln. Wollte man Vögel daran hindern, davonzufliegen, so beschnitt man ihnen die Fittiche, die Flügel. Später nannte man die Rockschöße der Herren-Jacke “Flügel”. Sie waren so recht dazu geeignet, Leute, die es gar zu eilig hatten, bei ihren “Fittichen” zu packen und am Enteilen zu hindern. So “kriegte man sie am Schlafittchen”.


Blaues Blut (1. Version) Ein sehr weit verbreiteter Ausdruck ist, daß in den Adern von Adligen blaues Blut fließt. Daß diese Annahme eigentlich einen negativen historischen Hintergrund hat, ist den wenigsten Menschen bekannt: Er kommt aus der Zeit der Renaissance des spanischen Adels. Da sich die Adligen damals kaum körperlich bewegten, war ihr Blut kalt und sauerstoffarm. Man konnte die Venen durch die blasse Haut bläulich schimmern sehen – daher blaues Blut.


Blaues Blut (2. Version) Blaues Blut in den Adern, so sagt das Volk von Menschen besonders vornehmer Herkunft. Die gemäßigten Manieren feiner Leute lassen die Vermutung aufkommen, daß ihre Adern nicht von vulgärem frischroten, sondern kühlblauem Blut durchpulst werden. Im frühen Mittelalter wurde Spanien jahrhundertelang von den dunkelhäutigen Mauren beherrscht. Sie lösten die blonden vornehmen Goten ab. Die helle Haut, auf denen sich das Adernetz abhob, erregte die Bewunderung der dunklen Mauren, die sie vermuten ließ, ihre Vorgänger hätten in ihren Adern nicht rotes, sondern blaues Blut.


Da liegt der Hase im Pfeffer So sagt man, wenn man meint: “Und damit kommen wir zum eigentlichen Kernproblem, zur Hauptsache!” Im Mittelalter spielte als Gewürz der Pfeffer eine ganz besondere Rolle, wie er ja auch vielen Rezepten, obgleich sie andere Gewürze in Fülle enthielten, den Namen gab: Pfefferkuchen, Pfeffernüsse usw. Ein starker Hasenpfeffer nun, das ist eine gute, stark gewürzte Brühe, in der das Hasenklein gesotten wurde.


Darauf kannst du Gift nehmen Um den Beweis dafür zu erbringen, wie sicher man sich einer Sache sei, gibt man mitunter den Rat: „Darauf kannst du Gift nehmen!“ Dann wird es sich schon zeigen, ob man es riskieren könne sein Leben für die betreffende Sache aufs Spiel zu setzen. Doch woher stammt dieser weit verbreitete Ausdruck? Nun, er führt zurück auf die im Mittelalter üblichen Gottesurteile. Ein Verdächtiger wurde damals u.a. dazu gezwungen, einen vergifteten Trank oder Bissen zu sich zu nehmen. Blieb er bis auf weiteres ohne Schaden, so war damit seine Unschuld erwiesen – bzw. das Gegenteil.


Das ist ja Beutelschneiderei Wenn man jemandem für eine Leistung oder Ware einen unverhältnismäßig hohen Preis abverlangt, wird der Überforderte wohl gern von „Beutelschneiderei“ sprechen, was soviel wie Betrug ist. Mit diesem Wort wird an das Mittelalter erinnert, da man, für jedermann sichtbar, sein Geld in einem ledernen Beutel am Gürtel trug. Kein Wunder, daß dies die Herren Taschendiebe auf den Plan rief, um im Gedränge eines Jahrmarkts mit einem scharfen Messer den Beutel vom Gürtel zu schneiden. Was dazumal echte Beutelschneiderei war, lebt durchaus noch heute unter den Menschen: gern finden sich Gerissene, die sich darauf verstehen, fremdes Geld in ihre Taschen wandern zu lassen.


Das ist nach Adam Riese…? Kindern das Rechen, Lesen und schreiben beizubringen, erfordert System und gute Lehrbücher. Im 16. Jahrhundert verfaßte ein Mann namens Adam Riese verschiedene Rechenbücher, die sich als außerordentlich brauchbar erwiesen, so daß man sich ihrer allerorts in ganz Deutschland bediente. Noch heute gilt der Ausspruch, wenn jemand sich am Rechnen versucht: “Das ist nach Adam Riese…” (Übrigens ursprünglich Adam Ries)


Den Stuhl vor die Tür setzen Das die Worte ›Besitzen‹ und ›Sitzen‹ aus ein und derselben Wortfamilie stammen, macht es einem leicht, die Zusammenhänge unserer Redensart nachzuweisen. Besitz war eben etwas, worauf man sitzen konnte. Schon im frühen Mittelalter übernahm einer ein Besitztum, indem er in die leeren Wände einen Stuhl stellte. Nun war er als Eigentümer anerkannt. Jemanden seines Amtes, seines Eigentums entsetzen, weist wiederum in die gleiche Wortverwandtschaft. Und wie das Mittelalter die symbolische Handlung kannte, mittels eines Stuhles die Besitzergreifung zu dokumentieren, war es anerkannter Bauch, die Besitznahme aufzugeben, indem ein Stuhl vor die Tür des Hauses gestellt wurde.


Die Katze im Sack kaufen Kein Mensch schließt ein Geschäft ab, ohne zu wissen, was er sich einhandelt. Das hieße ja, „die Katze im Sack kaufen!“ Es gibt eine alte Mär, die besagt, wer sich einen Taler beschaffen wolle, der sein Säckel nie leer werden lasse, der müsse wie folgt vorgehen: Dreimal muß er in der Neujahrsnacht um die Kirche gehen mit einem 99 mal verknoteten Sack, in dem eine Katze sei. Wenn er durchs Schlüsselloch der Kirche ruft, kommt der Teufel. Ihm überläßt der den Sack für einen Teufelstaler, die Katze gibt er für einen Hasen aus. Bevor der Teufel alle Knoten geöffnet hat, eilt er nach Hause und freut sich seines Talers, der ihm zu einem reichen Mann machte. Wehe aber, wenn ihn der Teufel einholt. Dann ist es um ihn geschehen.


Die Sache hat Hand und Fuß Also ist man vollauf beruhigt, denn eine Sache mit Hand und Fuß ist ein komplettes Ding, etwas Vollständiges, in das man Vertrauen setzen kann. Wenn sich Hand und Fuß für das Rechtsempfinden als bedeutungsvoll einbürgern konnten, so geht dies darauf zurück, daß die Hand und der Fuß, genauer, die rechte Hand und der linke Fuß den Mann als vollgültig erscheinen ließen. Mit der rechten Hand führte er sein Schwert, mit dem linken Fuß trat er in den Steigbügel. Der Verbrecher wurde bestraft, indem man ihm die rechte Hand und den linken Fuß abschlug: jetzt war er nicht mehr kriegstüchtig. Nimmt man einer Sache Hand und Fuß, und sie ist belanglos. Eine Sache hat Hand und Fuß: das ist etwas Rechtes.


Einem den Rang ablaufen Diesen Ausdruck gebraucht man dann, wenn man jemandem zuvorkommt, ihn überholt, schneller ist und ihn auf diesem oder jenem Gebiet überflügelt. Ursprünglich ist die Bezeichnung für den sportlichen Wettbewerb gemeint gewesen. Der Rang war aber eigentlich der »Rank«, das heißt, jene Wegbiegung, die der Überholende abschnitt, sich dadurch seinen Weg verkürzte und auf diese Weise zum Vorteil kam. Wir sehen also, daß der Ursprung des Wortes »Rang« nicht etwa im Militärischen zu suchen ist.


Einem etwas eintrichtern Es wäre wirklich eine wunderbare Erfindung, wenn statt des Lernens, Büffelns, Mühens nur ein Trichter aufs Haupt gesetzt würde, und alle Weisheiten der Mathematik, der Philosophie und der Rechtsgelehrsamkeit flösse gleich einem edlen Saft dem Manne ins Hirn zu allerhöchster Nutzanwendung. 1647 war es der Dichter Harsdörfer, der seinen mehr oder weniger talentierten Mitbürgern zu Nürnberg einen poetischen Trichter wünschte, »die deutsche Dicht- und Reimkunst« in sechs Stunden einzugießen. Jammerschade, daß die Götter vor jeden Erfolg den Schweiß gesetzt haben, und daß selbst im Zeitalter technischer Perfektion es uns immer noch an dem begehrten kleinen Blechtrichter gebricht.


Er hat Lunte gerochen Das heißt, er ist wohl mißtrauisch geworden, er hat wohl »Wind bekommen« von unseren Plänen. So spricht man es hin, aber wer weiß heute noch, was eine Lunte ist? Als man anfing, sich bei kriegerischen Auseinandersetzungen sich der Feuerwaffen zu bedienen, spielte die »Lunte« eine große Rolle. Sie war eine lange Zündschnur aus Hanfstrick, die zum Glimmen gebracht wurde, und langsam kroch der glimmende Funke hoch bis zur »Pfanne« der Gewehre oder der Geschütze und brachte dort das Pulver zur Entzündung. Der brenzlige Geruch, den die glimmende Lunte verbreitete, wurde oft zum Verräter. Der Feind nahm den brenzligen Geruch wahr, bevor geschossen wurde, und konnte sich in Sicherheit bringen.


Er ist ein Hagestolz Stolz, einsam und abseits von der Gesellschaft, und dabei unverheiratet: Ein Hagestolz ist heute ein etwas einsamer, etwas eingebildeter Junggeselle, der sich auf seine isolierte Stellung etwas zugute hält. Woher der Ausdruck kommt? Ein Hag war ein eingefriedetes Stück Land. ein Besitztum, eben der Hof des Vaters. Ihn erbte der älteste Sohn. Die anderen gingen leer aus und lebten am Rande, meist von einem kleinen Gnaden – Landbesitz. Das schuf ihre isolierte Stellung, die sie durch Stolz zu ignorieren suchten. ein Hagestolz: Ein Mensch, der nicht viel Grund hat, auf sich stolz zu sein und es dennoch ist.


Etwas an die Große Glocke hängen Das heißt, etwas öffentlich ausposaunen, was eigentlich für die Ohren der Allgemeinheit nicht bestimmt ist. Stadt-Angelegenheiten wurden von alters her durch das Läuten der Glocken kundgetan – noch heute begegnet man dem Ausrufern in kleinen Ortschaften mit seiner Glocke, die er an jeder Straßenecke in Bewegung setzt. Besonders säumige Zahler wurden durch das Glockenläuten öffentlich verklagt und beschämt. Die Behauptung, man habe in früherer Zeit wortwörtlich Klagezettel an die Kirchenglocke angehängt, ist nicht erwiesen. Auf jeden Fall hatte die Kirche mit ihren Glocken ein Mittel in der Hand, sich in das Gewissen ihrer Bürger einzuläuten und damit Einfluß zu nehmen auf ihr Tun und Treiben.


Etwas aus dem Ärmel schütteln Irgend etwas spielend leicht und mühelos vollbringen. Ebenso im Negativen: ich kann es mir doch nicht aus dem Ärmel schütteln! In früheren Zeiten wurden häufig die weitbauschigen Ärmel eines Gewandes zur Aufbewahrung von allem Möglichen benutzt. Auch die geistlichen Gewänder mit den bis zum Boden hängenden weitsäumigen Ärmeln hatten hier bequem für zwei Auffangbehälter Platz. Moderne Zauberer können ohne das Versteck ihrer Ärmel überhaupt nicht arbeiten.


Etwas durch die Blume sagen Man bemüht sich, einen bestimmten Redeinhalt nicht direkt, sondern verschlüsselt, in einer zarten Verpackung, auszusprechen. Man sagt Zärtlichkeiten »durch die Blume«, man macht Anspielungen indirekt. Eine »blumige Ausdrucksweise« meint eine recht phantasievolle Redeweise – im Gegensatz zum »unverblümten« Tonfall, der nicht gerade zart besaitet oder diplomatisch ist. Selbst »der blühende Blödsinn« ist eine abgewandelte Form des Begriffs vom Sprechen durch die Blume: eine kleine List, in Wahrheit recht prosaische Dinge auf poetische Weise zur Sprache zu bringen.


Etwas in Bausch und Bogen nehmen … Das heißt unbesehen etwas übernehmen, ohne es im Einzelnen zu prüfen. Die beiden B der zwei Hauptworte, eine früher gern angewandte poetische Methode, nennt man Stabreim oder Alliteration. Genommen wurde diese Redewendung vom Vermessungswesen: wenn man Grenzen absteckte, war alles, was über die Grenze hinaus verlief, der Bausch (aufbauschen), was innerhalb der Grenze verlief, der Bogen. Bausch bedeutete also Landgewinn, Bogen Landverlust. Akzeptiert man etwas in Bausch und Bogen, so hieß das: man findet sich sowohl mit Gewinn als auch mit Verlust ab, man akzeptiert das Ganze so wie es ist, ohne Nachprüfung.


Fechten gehen Diese vielleicht nicht allgemein bekannte Redewendung bedeutet nichts anderes als betteln gehen. Das Wandern der Handwerksburschen war schon im Mittelalter allgemeiner Brauch. Um sich bei Gefahr wehren zu können, übten sich die Handwerksburschen eifrig im Fechten, und diese ihre Fechtkunst stellten sie dann unterwegs gern zur Schau, wofür sie bei den Zuschauern manche Gabe einheimsten. So kam es, daß im Bewußtsein des Volkes das Fechten mit Betteln zu einem Begriff verschmolz. Ein Fechtbruder ist heute ein umherziehender Bettler.


Fersengeld geben Im weitesten Sinne bedeutet es, sich davon zu machen, sich aus dem Staub machen. Diese Redensart ist uralt. Sie reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert, wo man denjenigen, der rechtswidrig seinen Ehepartner sitzen ließ, mit einer deftigen Geldstrafe belegte. Im Laufe der Zeit verschmolzen das Weglaufen und das Zahlenmüssen. Das Bild vom “Fersengeld“ entstand auch daher, daß einer, der sich eilig davonmacht, im hurtigen Auf und Ab seiner Fußsohlen den Eindruck aufkommen läßt, daß da lauter runde Geldstücke unter seinen Fersen einherkullern. Schließlich verstand man ganz allgemein unter dem Ausdruck “Da gibt einer Fersengeld“: da macht sich wieder einer auf und davon.


Foxtrott Warum heißt der Foxtrott so? Die Wurzeln des beliebten Tanzes, der kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges von Amerika nach Europa kam, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1876 wurde ein afro-amerikanischer Foxtrott in einem Lehrbuch beschrieben. Später spaltete sich dieser Gesellschaftstanz in eine langsame Variante, den Slowfox, und in eine schnelle, den Quickstep. Der Name stammt vom englischen Wort ›foxtrot‹ ab und heißt wörtlich übersetzt ›Fuchsgang‹. So zeigt auch der Fuchs, wie der Foxtrott getanzt wird: engbeinig und schmalspurig, langer Schritt, kurzer Schritt, wie die Fuchsspur im Schnee.


Frisch von der Leber weg Es ist erfrischend, einem Menschen zu begegnen, der sich nicht scheut, frisch von der Leber weg, das heißt freimütig und offen zu reden. Im Altertum räumte man der Leber den ersten Platz ein, sie war wichtiger als das Herz und galt als der Sitz der Seele. Opferte man ein Tier, so galt die erste Prüfung der Leber. Nach dem Befund weissagte man die Zukunft. So war also dieser Seelensitz sehr wohl befähigt, Wahrheiten zu offenbaren. Deshalb spricht man heute frisch von der Leber weg, wenn man sich offen zu etwas bekennt.


In der Kreide stehen Die Wirtsstube hat zu allen Zeiten gerade die Menschen angezogen, die nicht allzugut bei Kasse sind, die auch kein behagliches eigenes Stübchen besitzen und deshalb eben ins Wirtshaus gehen. “Das Bier, der Wein sind gut, ich kauf mir keinen neuen Hut, ich setz den alten auf und sauf!” Und schon steht man beim Wirt in der Kreide, denn er kennt natürlich seine Pappenheimer, hat stillschweigend seine Kreide gezogen und immer nur Striche gemacht. Bei jemandem in der Kreide stehen, in eines anderen Abhängigkeit geraten, welch ein mißlicher Zustand! Sehen wir deshalb zu, daß wir niemandem etwas schuldig bleiben, um frei zu bleiben!


Jemanden auf Herz und Nieren prüfen Die Sammlung der 150 Psalmen, die unser Neues Testament enthält, bietet eine solche Fülle von Lebensweisheit, daß man in allen Lebenslagen aus ihnen schöpfen könnte. Im 7. Psalm, Vers 10 heißt es: “Der Herzen und Nieren prüft, ist ein gerechter Gott.” achtlos wenden wir heute im täglichen Leben diesen Ausspruch an, und nur wenige sind sich darüber klar, daß sie indem sie so sprechen, aus dem Buch der Bücher ein Zitat anwenden.


Jemandem die Hölle heiß machen Jemanden gehörig ins Gebet nehmen, ihm ins Gewissen reden, so sehr, daß ihm angst und bange, daß ihm höllenheiß wird. Für diesen Ausspruch gibt es zweierlei Erklärungen. Im Mittelalter nahm die geistliche Obrigkeit häufig den armen Sünder, meistens auf dem Totenbett, arg ins Verhör und schilderte, um ihn zum Bekenntnis zu bringen, die Hölle in allzu lebhaften Farben. Glaubhaft ist auch die Deutung, mit jener Hölle sei der Platz zwischen Ofen und Wand gemeint, den man im altdeutschen Bauernhaus »die Hölle« oder »die Höllbank« nannte. Wurde zu stark eingeheizt, so wurde es dem dort Sitzenden natürlich zu heiß.


Jemandem einen Denkzettel geben Man versteht heute diese sehr alte Redewendung nur noch im übertragenen Sinne: Für irgendeinen Fehler erhält jemand einen Denkzettel, irgendeine meist grobe, oft handgreifliche Mahnung, die ihm nicht so schnell aus dem Gedächtnis kommt. Im Mittelalter wurden in geistlichen Schulen tatsächlich Denkzettel ausgefertigt. Man schrieb seine Vergehen oder Fehler auf einen schmalen Pergamentstreifen, rollte ihn ein und legte ihn in ein Kästchen, das man am Arm angebunden immer bei sich trug. Eine ständige Mahnung seines Gewissens und ein gutes Mittel zur Selbsterziehung.


Lazarett Lazarus von Bethanien wurde vier Tage nach seinem Tod von Jesus wieder zum Leben erweckt. Noch heute wird zu seinem Gedenken eine Prozession von Jerusalem zu seinem Grab durchgeführt. Das Wort Lazarett ist übrigens auch auf den Lazaruskult zurückzuführen.


Leben wie Gott in Frankreich Das bedeutet also sorglos und bequem, ohne Bemühung. Zur Zeit der Französischen Revolution war der Herrgott für eine Zeit lang abgeschafft, man glaubte, nur mit Vernunft die Menschen regieren und das Christentum entbehren zu können. Der liebe Gott war sozusagen nicht mehr nötig und brauchte sich um seine Menschen nicht mehr zu kümmern, die Sorge hatte ihm der revolutionäre Mensch abgenommen. “Der lebt ja wie Gott in Frankreich” heißt es also heute, der lebt sorglos und bar aller Verantwortung, einfach so in den Tag hinein. Diese etwas frivole Redewendung schließt jedoch auch immer eine kleine Rüge ein, für alle diejenigen, die es sich allzu sorglos und allzu gemütlich gehen lassen.


Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten Herrlich urwüchsig, dieser Ausspruch! Wenn man es nicht wüßte, käme man fast von selber auf Martin Luther als Urheber, der dem Volk aufs Maul schaute und sich stets höchst anschaulich auszudrücken pflegte. Also gemach, nicht so gewaltsam. Ist dir an einer Sache etwas verdrießlich und du magst sie zum alten Eisen werfen, schau dir das Ganze erstmal in aller Ruhe an und übereile nichts. Bade erst ohne Hetze das Kind zu Ende und dann, Baby beiseite, schütte die Schmutzbrühe aus.


Mit dem ist nicht gut Kirschen essen Mit dieser Redensart hat sich ein altes Vorurteil im Volke erhalten, sich nicht mit großen Herren einzulassen. Die ganze Nichtachtung des einfachen Standes im Mittelalter zeigte sich darin, daß es damals einem Hochgeborenen nur zu gern gefiel, beim Essen von Kirschen dem kleinen, einfachen Mann Stiel und Kern ins Gesicht zu spucken. Dieses hatte zur Folge, daß man der Herrenklasse lieber aus dem Wege ging. Daher kommt die bis heute noch gebräuchliche Redensart: “Hüt’ dich vor jenem, mit dem ist nicht gut Kirschen essen.”


Mit dem Mantel der Liebe zudecken Im altdeutschen Recht galt der Mantel dem Schutze der Verfolgung, so einer ein Unrecht begangen hatte. Im Schutze des Mantels einer Frau durfte er nicht angegriffen werden. Der Mantel wurde so zum Schutz durch Liebe, eben “der Mantel der Liebe”, wenn es galt Unrecht und Sünde vergessen zu machen. Es war Sitte geworden, daß Eltern, die ein voreheliches Kind hatten, es unter ihrem Mantel tragen durften, wenn sie sich trauen ließen, um es dabei zu legitimieren. Auch heute kann man einen Mantel der Liebe und der Duldsamkeit nicht entbehren, der mildernd unsere kleinen Sünden zudeckt.


Osterhase Wenn das Frühjahr seinen Einzug hält, dann hoppelt er wieder munter durch die Landschaft: der Osterhase. Er ist gleichermaßen Frühlingsbote wie Gabenbringer. Neben anderen Symbolträgern wie Küken, Lamm, Glocke und Ei hat er sich in der Tradition einen festen Platz erobert. Dabei hatte der Osterhase lange Zeit ernsthafte Konkurrenten. Neben dem Osterfuchs und der Möwe mußte er sich gegen das Christkind und Knecht Ruprecht durchsetzen, die in früheren Zeiten auch lange nach der Weihnachtszeit Belohnungen für die artigen Kinder bereithielten.


Pantoffelheld Was versinnbildlicht deutlichen den Sieg über einen Gegner – als dem Unterlegenen den beschuhten Fuß auf den Nacken zu setzen! Es galt von alters als Brauch, daß bei neu geschlossenen Ehen jeder der Partner versuchte zuerst seinen Fuß auf den des anderen zu setzen, da dieser Wettstreit im häuslichen Milieu ausgetragen wurde, pflegte man dabei Pantoffeln anzuhaben. Gelang es der Frau zu siegen, so mochte darin das erste Zeichen zu erblicken sein, daß sie auch künftig das Übergewicht haben würde. Es fehlte dann nicht viel, daß der auf den Fuß getretene Ehemann, eingeschüchtert von seiner fixeren und resoluteren Ehehälfte, zum ›Pantoffelhelden‹ degradiert wurde.


Sein Scherflein (dazu) beitragen Der Scherf wurde schon in der Bibel erwähnt, denn bei Lukas, Kapitel 12, Vers 59 lesen wir: „Ich sage dir, du wirst von dannen nicht herauskommen, bis du den allerletzten Scherf bezahlest.“ Später wurde der Scherf mehr und mehr durch das Diminutiv Scherflein verdrängt. Der Scherf war lange Zeit die kleinste Münze in Deutschland, die später durch den Heller ersetzt wurde. Ein Scherf war einen halben Heller wert. Wohl auch eine Folge der Inflation. Gleichwohl hat er seine Bedeutung in den Redewendungen immer erhalten können, wie „Ich trag’ meinen Scherf davon“ oder: „Gott schreibt den kleinsten Scherf in seinem Register an“ oder eben bis heute: „Ich habe mein Scherflein (dazu) beigetragen.“


Um Kopf und Kragen Im Falle der Redensart, sich um Kopf und Kragen zu reden, steht der Kragen als Synonym für den Hals. Ebenso wenn einer Kopf und Kragen riskiert.


Warum fahren wir rechts? Bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. England, Irland und Japan, wird auf den Straßen rechts gefahren. Der Grund, weshalb rechts oder links gefahren wird, beruht auf Traditionen. Ritter in England und Samurais in Japan bewegten sich zum Selbstschutz auf der linken Straßenseite, ihre Schwerter trugen sie links und zogen sie mit der rechten Hand. So standen sie bei einem Angriff links günstiger. In Frankreich gab es früher meist nur einfache Karren. Der Bauer führte das Leittier mit der rechten Hand. Fuhr er rechts, so konnte er den Weg und den entgegenkommenden Verkehr besser abschätzen. Zur Zeit Napoleons setzte sich der Rechtsverkehr in fast allen europäischen Ländern durch.


Warum sind Schiffe weiblich? Seeleute bezeichnen nicht nur das Meer als die See, auch ihre Schiffe tragen den weiblichen Artikel. War es um die Jahrhundertwende noch üblich von dem Bismarck zu reden, so heißt es heute die Bismarck oder die Gorch Fock, obwohl die Namensgeber männlich waren. In der englischen Seefahrt ist es seit Jahrhunderten üblich, Schiffe als weiblich anzusehen. Von den Deutschen wurde der Brauch übernommen. Seeleute meinen: Ein Schiff ist rätselhaft wie eine Frau, erst nach der Jungfernfahrt weiß man genau, was man hat.


Weisheitszähne Die Weisheitszähne erinnern uns an das frühe Stadium der Menschheit: damals wurde sehr zähes Fleisch verspeist, das ohne Weisheitszähne gar nicht zu kauen gewesen wäre. Durch die Evolution hat sich die Kopfstruktur des Menschen verändert: unter anderem wurde das Gehirn größer und die Kiefer bildeten sich zurück. Für die vier urzeitlichen Backenzähne ist in den Gebissen der heutigen Menschen einfach kein Platz mehr. Es ist also ein Irrglaube, daß Weisheitszähne weise machen, und man ist auch kein bißchen dümmer, wenn sie entfernt werden.


Wie ein Berserker kämpfen Das heißt blindwütig und wild drauflos. Die nordische Sage berichtet von einem Manne, der sich so stark dünkte, daß er ohne Rüstung in den Kampf zog, allein seinen Händen und seiner gewaltigen Kraft vertrauend. Man nannte ihn ber – ser – ker, bar eines Hemdes, wobei man bei Hemd an Kettenhemd oder ganz allgemein an Rüstung oder an Kleidung dachte. Er hatte zwölf Söhne, die wiederum ungepanzert ins Feld zogen, Berserker, also Hemdlose wie er, sodaß man schließlich verallgemeinernd immer dann von einem Berserker spricht, wenn jemand schranken- und zügellos in beispielloser Wut sich in den Kampf stürzt und mit roher Gewalt zu siegen versucht.


Sich keinen Reim auf etwas machen können Das Reimen ist eine gar wohlgefällige Sache; zu einer Verszeile den rechten Reim zu finden, gilt von jeher als höfisches angenehmes Betragen. Seit Walther von der Vogelweide, der Lyriker des 12. Jahrhunderts, seinen Vers schrieb: “Ich saß auf einem Steine und dachte (stützte) Bein mit Beine” haben zahllose Dichter sich in Reimen versucht und mit ihrem Versmaß der Welt ein Begriff von Maß und Formschönheit gegeben. Was sich nicht reimen will, ist “ungereimtes Zeug”, ist Geschwätz, ist außerhalb de Ordnung und voller Widerspruch. “Wie soll ich das wieder reimen?” fragte der alte Daniel, als ihn Franz Mohr, die “Kanaille” in Schillers “Räubern”, dem man jede Missetat zutraut, nach einem Beichtvater schickt.


Ein Stein vom Herzen fallen Die Menschen des Mittelalters waren medizinisch wenig aufgeklärt und hatten nur unklare Begriffe von den Ursachen ihrer jeweiligen Gebrechen. Fühlten sie sich durch Schmerzen gestört, so dachten sie oft, daß seelische Nöte die Ursache ihres Unbehagens seien, und so dünkte sie ein schwerer Stein auf ihrem Herzen zu liegen. Heute noch glauben die Menschen, diesen vom Herzen fallen zu fühlen, wenn sie von irgendeinem nagenden Kummer befreit werden.


Ab durch die Mitte Wenn jemand im Alltagsleben zu einem “Ab durch die Mitte” verdonnert wird, so ist ihm wohl kaum wie einem ruhmbedeckten Schauspieler zumute, der sich durch den Ausgang im Mittel-Vorhang zurückzieht. Jedoch stammt der Ausdruck aus der Welt des Theaters. Jeder Schauspieler hat sich genauen Regieanweisungen zu fügen. Alles, was wir auf der Bühne sehen, alle Schritte, Gesten, Bewegungen sind, im Sinne einer lenkenden Regie, vorgefaßte Planung. Und auch das “Ab durch die Mitte” – durch den mittleren Vorhang – hat er gehorsam zu vollziehen, eben nur in Ausführung einer exakten Planung, die unumgänglich ist.


Ihn sticht der Hafer Hafer ist Kraftnahrung erster Güte! Wer allzu kalorienreich seine Mahlzeiten einnimmt, ohne daß eine entsprechende Muskelleistung dagegensteht, den beginnt „der Hafer zu stechen“ (sinnbildlich gemeint wegen der Spitzen der feinen Körner!). Die Kraft beginnt in ihm zu rumoren, der Überernährte, wie auch das Pferd an der Krippe, beginnt übermütig zu werden und schlägt wohl gar über die Stränge, weiß nicht, wohin mit seiner geballten Kraft!


Den Löwenanteil davontragen… Uns sitzt dieser Satz in Fleisch und Blut: der Löwenanteil ist der Hauptanteil, wenn es ans Teilen geht, und dem Sich-das-meiste-nehmen Hand in Hand geht: die anderen bei dieser Teilung benachteiligen. Allerorts in der Welt des Löwen, die das Beste für sich auf die Seite bringen zu ungunsten eines Esels. Die Redewendung geht auf eines Fabel des griechischen Dichters Aesop zurück, der im 6. Jahrhundert vor Christi lebte und dessen Dichtungen noch bis heute bekannt sind. Auf der Jagd erlegen Löwen, Fuchs und Esel einen Hirsch. Als der Esel die Beute dreiteilen will, zieht ihm der Löwe das Fell über die Ohren und trägt dann selbst „den Löwenanteil“ davon. Und die Moral von der Geschicht: „Teile nie mit einem Löwen nicht!“


Nicht auf Rosen gebettet sein Mit Rosen des Weg des Brautpaares bestreuen, das wäre ein romantischer Luxus der Üppigkeit und Verschwendung bei ganz besonderen Anlässen. Bereits bei ihren Gelagen scheuten sich die Römer nicht, die üppigen Rosenhaine des Altertums zu plündern, um die Königin der Blumen, zu Kränzen geflochten, den Tafelnden aufs Haupt zu setzen und vor ihnen einen Rosenteppich auszubreiten. Gewöhnliche Menschen dagegen wurden nicht auf Rosen gebettet.


Jemandem in den Sack stecken Die prahlerische Redeweise „Der kann mir nichts anhaben, den steck ich doch zehnmal in den Sack!“ soll heutzutage eines Menschen geistige wie körperliche Überlegenheit über einen anderen zum Ausdruck bringen. Im Mittelalter war dieses Gleichnis wörtlich zu nehmen. Bei allerlei Spielen und Wettkämpfen, bei denen die Männer ihre Kräfte messen konnten, war es eine allgemeine Gepflogenheit, daß auf dem öffentlichen Platze der Sieger den Besiegten zum Schluß in einen Sack steckte, als Symbol für seine Überlegenheit, eine gutmütige kleine Verspottung für den Schwächeren.


Raubbau treiben Eine Redensart, die sich auf unsere Gesundheit bezieht. Wenn einer drauflos legt, mit seiner Kraft nicht maßhält, dem Augenblick abverlangt, was das Zeug hält, ohne sich zu fragen, ob das der Körper auf Dauer aushält. Er gleicht dem Manne im Bergwerk, der die Grube ausbeutet, ohne an ihren Erhalt zu denken. Der dem Ackerboden immer neue Frucht abverlangt, ohne ihn ruhen zu lassen. Der den Forst im Gewinnstreben abholzt ohne eine weitsichtige Forstwirtschaft, sodaß er einmal vor baumlosen Gelände dem Winde ausgeliefert dastehen wird. Raubbau treibt, wer dem Augenblick Vorteile abgewinnt zum Schaden des Gesamtbestandes.


Beschlagen sein “Den kannst du nach allem fragen, der ist auf allen Gebieten beschlagen!” Der also Gerühmte darf sich schmeicheln, in Wettbewerb mit einem Pferd zu treten, das man in einer Schmiede mit einem neuen Hufeisen versehen hat. So wie das Pferd in die nächste Schmiede geführt wird, wo ihm der Hufschmied neue Eisen annagelt, damit es tüchtig gemacht wird, um auf Eis und Schnee sicher seine Beine zu setzen, so hat der ›Beschlagene‹ durch eifrige Studien seinen Geist mit allem Rüstzeug ausgestattet, um somit auf dem Glatteis des Lebens überall gut bestehen zu können.


Auf Holz klopfen Dieses uralte geflügelte Wort läßt sich auf jene Zeit zurückführen, da die Kirchen noch Überreste des Kreuzes Jesu hatten, auf die heilige Schwüre abgelegt wurden.


Den Stab brechen Für uns ist damit sinnbildlich das Gleiche gemeint wie in den früheren Jahrhunderten: jemanden verurteilen, jemanden schuldig sprechen. Früher brach der Richter über dem Haupte eines Angeklagten einen Stab aus Holz entzwei, zum Zeichen, daß das Gericht von der Schuld des Betroffenen überzeugt war und er nach dieser Geste ins Gefängnis geführt werden konnte. Die alte Rechtssprechung bediente sich vielfach silcher Methoden, die ohne Worte jedermann verständlich waren. Der moderne Ausdruck verbindet damit nicht mehr eine richterliche Entscheidung, sondern nur eine moralische Verurteilung von Mensch zu Mensch.


Einen Narren gefressen haben Das heißt, auf närrische Weise für jemanden eingenommen sein, sich eines Menschen Geist und Wesen so sehr zu eigen gemacht zu haben, als habe man sie gefressen. Die Narren bei Hofe standen früher in hoher Gunst bei ihren fürstlichen und königlichen Herren. Die sahen sich ihre Späße an und verguckten sich oft in deren Albernheiten, so daß sie sie sich ganz zu eigen machten – sie hatten halt “einen Narren an ihnen gefressen”. Umgekehrt folgerte man früher: ein Alberner hat einen kleinen Narren als Dämon in sich, den man so herausschneiden muß, um seiner habhaft zu werden. Wenn also jemand an einem einen Narren gefressen hat, so ist sowohl der Gefressene wie auch der Fresser ein wenig närrisch.


Den Nagel auf den Kopf treffen Hier ist nicht die Rede vom Kistennagel oder Bildernagel, sondern vom Nagel, der in der Zielscheibe des Schützen eingeschlagen wird, den Mittelpunkt markierend. Trifft der Schütze diesen Nagel, so war sein Schuß ein “Schuß ins Schwarze”. Vollbringen wir im Leben kleine Meisterleistungen – ein treffendes Urteil, eine Charakteristik voller Geste und Schärfe, ein guter Witz am rechten Platz – lobt die Umwelt: der hat aber den Nagel auf den Kopf getroffen! Und ein guter Schütze zu sein, wen freute das nicht, wenn auch die Gelegenheiten, sich auf einem Schützenfest als Schützenkönig zu präsentieren, heute immer seltener werden, und wir die Kunst, den Nagel auf den Kopf zu treffen, fast nur noch auf geistigem Gebiet üben können.


Eine Stichprobe machen Eine übliche Methode, um ein Ganzes zu beurteilen ist, sich wahllos einen Einzelteil herauszugreifen, um diesen zu prüfen und daraus Schlüsse auf die Qualität des Ganzen zu ziehen. Der Ausdruck hat handwerklichen Ursprung. Bei der Bearbeitung von Metallen bediente man sich in den früheren Jahrhunderten der alten Schmelzöfen. Um den Metallgehalt zu bestimmen, entnahm man zunächst mittels einer Probekelle eine Probe aus dem sogenannten „Stichherd“, die „Stichprobe“, sie war maßgebend für die weitere Schmelzarbeit. Heute kommt man ohne die Stichprobe auf allen Gebieten menschlicher Leistung nicht mehr aus, auch wenn man sich damit bisweilen dem Zufall anvertraut.


Geh hin, wo der Pfeffer wächst Diese Redensart nahm ihren Ursprung zu jener Zeit, als der Seeweg nach Indien entdeckt wurde, und mit dieser Entdeckung allerlei Gewürze, wie z.B. der Pfeffer, Handelsobjekt wurden. Wutentbrannt wünscht jemand den Gegenstand seines Zornes so weit wie möglich fort, am liebsten ans andere Ende der Welt, und Indien als Ursprungsland des Pfeffers wäre da gerade der richtige Ort.


Geld stinkt nicht… ist ein Ausdruck des Kaisers Vespasian, der die Staatseinkünfte durch vielerlei Steuern zu vermehren suchte. (Genau wie jetzt auch.) Sein Sohn Titus hatte eine Steuer auf Bedürfnisanstalten getadelt; Vespasian hielt ihm dafür die erste aus dieser Steuer eingenommene Münze unter die Nase und fragte ihn, ob es denn stinke. Das lateinische “non olet” (es stinkt nicht) ist somit der Ursprung dieser Redensart.


Für andere die Kastanien aus dem Feuer holen… Daß man Edelkastanien im Feuer röstet, um sie hinterher zu verspeisen, ist ein sehr altes Rezept, das schon in einem alten deutschen Minnelied des Wolfram von Eschenbach Erwähnung findet. Eine alte Fabel von Lafontaine erzählt, wie sich ein Affe von einem Kater Maronen, die sich sein Herr brät, aus dem Feuer holen läßt, um sich daran gütlich zu tun, indes der Kater sich jedoch die verbrannten Pfoten reibt. Schließlich ist es in keinem Fall ein Vergnügen, anderen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Mit diesem Ausdruck will also so viel gesagt werden wie: sich für andere in Unannehmlichkeiten zu stürzen, damit diese daraus ihren Nutzen ziehen können.


Viel Aufhebens von etwas machen Damals wie heute: Angabe, nichts als Angeber! Das Damals, das waren die Zeiten des Mittelalters, als die waffentüchtigen Männer Schau-Fechten veranstalteten. Um ihre nachfogende Leistung recht beachtlich aufzublähen, war es Brauch, vor den Kämpfen ein zirkushaftes Brimborium mit ihren Waffen zu veranstalten. Die Gegner hatten ihre Degen dreimal nebeneinander auf den Boden zu legen und dann wieder aufzuheben. Nach dem dritten „Aufhub“ erst konnte der eigentliche Kampf beginnen, allerdings nicht bevor man sich noch einige feierliche Male voreinander verbeugt hatte. Kinder, macht doch nicht soviel Aufhebens von euch – damals wie heute!


Jemanden abkanzeln Die tiefe Beziehung, die in früherer Zeit zwischen Seelsorger und Pfarrkindern herrrschte, ließ ihn nicht selten seinen erzieherischen Einfluß direkt von der Kanzel herab geltend machen. Der Pfarrer kannte ja jeden in seiner Gemeinde so gut, daß er seinen Lebenswandel beobachten konnte. Gab eines seiner ihm anvertrauten Pfarrkinder Anlaß zur Sorge, so geschah es, daß er einen einzelnen oder eine einzelne in seine Predigt einfließen ließ. Dieses öffentliche „Abgekanzeltwerden“ war alles andere als angenehm. Daher ist es verständlich, daß man sich auch heute noch dieses Ausdrucks bedient, wenn einer beschreiben will, wie jemand öffentlich eine gehörige Abfuhr erfährt.


Jemandem etwas in die Schuhe schieben Mit anderen Worten: etwas vertuschen, was man selbst verbrochen hat, in dem man den Verdacht auf einen Unschuldigen lenkt. Zur Zeit der fahrenden Gesellen wird es nicht immer redlich zugegangen sein, Diebstahl war an der Tagesordnung. Nur zu leicht hatte da mancher seine Finger an fremdem Gut, und oft genug, wenn man ihm auf die Spur zu kommen drohte, schob er flugs das unrechtmäßig erworbene Ding im wahrsten Wortsinn einem anderen „in den Schuh“, der nun als der Schuldige galt.


Sein Licht unter den Scheffel stellen Gemeint ist, wir alle wissen es, ein Verhalten allzu großer Bescheidenheit und nicht gemäß wirklichen Verdienstes. Wie so viele Weisheitssprüche fürs Leben entstammt auch dieser der Bibel, und zwar dem Matthäus-Evangelium, dem ersten der vier Evangelisten im Neuen Testament. In der Bergpredigt gibt Jesus dem Volke vielerlei Belehrungen, unter denen die 15. Lehre heißt: „Auch zündet man nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit sie allen leuchtet“. Welch eine göttliche Zurechtweisung, daß nicht gottgewollt ist, sich in falscher Bescheidenheit zu verstecken, sondern sein Licht leuchten zu lassen zum Ruhme Gottes und zur Erleuchtung vieler.


Das ist ja ein dicker Hund Der Hund ist in vielen Redewendungen eine niedere, getretene und verachtete Kreatur. Wer „Vor die Hunde geht“, geht zu Grunde, wahrscheinlich wie das Wild, das den Hunden zum Opfer fällt. Ist jemand auf dem Hund, so ist er heruntergekommen, in Not, eben auf dem Niveau des Hundes. „Ein krummer Hund“ ist übrigens ein Betrüger, während ein „dicker Hund“ Ausdruck der Überraschung ist, weil der früher wohl ungewöhnlich war.


Grillen fangen … sich mit Grillen plagen, das bedeutet Trübsal blasen. Man dachte wohl früher, daß die Grille, das so permanent zirpende Insekt, sich Einlaß in unser Hirn verschaffen könne und dort ihr monoton-eindringliches Lied ertönen lasse, bis man davon ganz stumpfsinnig werde. Grillen fangen – sich einem stumpfen Brüten anheimgeben, eben jener halbverwunschenen schläfrigen Verfassung, in die einen im Sommer das Lied der Grille so oft versetzt.


Hinter dem Busch halten Mit der Sprache nicht herausrücken, nicht klar zu erkennen geben, was man im Schilde führt. Wie so viele unserer bildhaften Redewendungen stammt auch diese aus den Zeiten des Rittertums, allerdings des schon entarteten, berüchtigten Raubrittertums. Der edle Stand der Ritter war allmählich herabgesunken zu bloßem Wegelagerertum. Sie lauerten den Handelsreisenden und Bauern an versteckter Stelle auf – hinter einem Bergvorsprung, hinter einem Busch, bis der Augenblick günstig war, hervorzuspringen mit ihrem “Buschklepper”, um die Reisenden zu überfallen und auszurauben.


Unsere kleinen ABC-Schützen Der erste Schultag ist für unsere ABC-Schützen ein Ehrentag von großer Bedeutung, in den meisten Fällen gekrönt von der mehr oder weniger großen Schultüte. Nun stellt sich aber die Frage, was hat das Wort ›Schütze‹ in diesem Begriff zu suchen? Wo wird bei der Einschulung der Erstklässler geschossen? Es ist dies ein Ausdruck, den wir aus dem Mittelalter übernommen haben, als man die Studenten Schützen nannte.


Da lachen ja die Hühner Hühner scheinen als einfältige Tiere zu gelten – jedenfalls muß es schon eine sehr dumme Angelegenheit sein, die die Hühner zum Lachen bringt. “Was, für dein altes Auto willst du noch tausend Mark? Da lachen ja die Hühner!” Eine andere Redewendung bezieht sich ebenfalls auf die Dummheit einer Person: jemand, der törichterweise auf die Quelle seiner Geldeinnahmen verzichtet. Der schlachtet nämlich “das Huhn, das goldene Eier legt”. In einer Fabel von Jean de Lafontaine schlachtet jemand das Huhn, das ihm goldene Eier legt, weil er glaubt, daß einen Schatz in sich trägt. Vorbei mit dem Geldsegen. Und noch eine Redewendung, die mit der Dummheit zu tun hat: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn! Will sagen: auch einem Dummkopf gelingt mal zufällig etwas.


Tacheles reden Wenn der Chef mit seinem Untergebenen ein erstes Wörtchen reden will, (oder umgekehrt) und wenn dabei keine höflichen Phrasen, sondern klarer Inhalt zur Sprache kommt, dann heißt es: “Wir müssen mal Tacheles reden.” Wenn jemand nicht den Mut hat, sich zu wehren, einem anderen deutlich die Meinung zu sagen und endlich ein heikles Thema anzuschneiden, dann wird ihm nahe gelegt: “Du mußt endlich Tacheles reden!” dieser Ausdruck bedeutet als so viel wie “ganz offen und deutlich reden”. das jiddische Wort Tacheles heißt ins Deutsche übersetzt “Ziel, Zweck”. Wer also Tacheles redet, kommt ohne Umschweife zum Thema.


In die Pfanne hauen Wenn jemand auf gemeine Weise niedergemacht wird, wenn er durch Kritik vernichtet wird, dann sagen wir auch: er wird in die Pfanne gehauen. Beispielsweise nach einer Theateraufführung. “Die Kritiker haben den Regisseur total in die Pfanne gehauen.” Oder: “Ich glaube, die Konkurrenz will mich in die Pfanne hauen.” Der Ausdruck kommt von der Idee, daß alles, was in die Bratpfanne wandert, nicht mehr lebendig ist. Vielleicht spielt auch der Schwung eine Rolle, mit dem ein Ei in die Pfanne geschlagen und verrührt wird.


Der hat was auf der Pfanne Eine ganz andere Pfanne hat den Ausdruck, “der hat was auf der Pfanne” geprägt. Hier ist nicht die Bratpfanne, sondern die Pulverpfanne alter Gewehre gemeint. Wer schon Pulver auf der Pfanne hat, der ist bereit.


Sich einen Ast lachen Zunächst ist dieser Ausdruck für jeden befremdlich: was soll denn wohl der Ast damit zu tun haben? Ein solcher Ast, muß man wissen, war in früheren Zeiten gleichbedeutend mi einem Buckel. Wer sich ausschütten wollte vor Lachen, pflegte dabei seine Schultern hochzuziehen, er krümmte sich förmlich, ja man konnte ihm geradezu einen Ast, eben einen Buckel andichten.


Der Sündenbock sein… Seit Menschengedenken sehen wir uns nur zu gern in unseren Verfehlungen nach einem Hilflosen um, dem wir unsere Sünden anhängen, den wir zum “Sündenbock” machen können. In dieser Redensart spiegelt sich der uralte Brauch wieder, daß am “Versöhnungstage” die Juden einen Bock auswählten, der dazu ausersehen war, die Sünden der Menschen aufzunehmen. Der Priester legte dem Tier beide Hände auf, zum Zeichen der Übergabe der menschlichen Schuld, und dann wurde das hilflose Tier in die Wüste getrieben und sich selbst überlassen. Die Menschen aber gaben sich dem Bewußtsein hin, durch die Opferung dieses Bockes ihrer Schuld ledig zu sein. An unseren Verhaltensweisen hat sich bis heute leider nicht viel geändert.


Er freut sich wie ein Schneekönig… Im Geiste gehen wir rasch alle Märchenfiguren durch. Schneekönig? Aber weder bei Andersen, Hauff noch Grimm können wir uns an ihn erinnern. Ganz anderes hat dabei die Sprache im Sinn: Sie kennen doch sicher den kleinsten unter den gefiederten Sängern, den Zaunkönig? Dieses Vögelchen ist so ausdauernd und widerstandsfähig, daß es selbst im härtesten Winter bei uns aushält, weshalb man ihm mitunter auch den Namen Schnee- oder Winterkönig gibt. Und weil er überdies so unendlich munter und lustig ist, so bot sich gleich der Vergleich an, “der freut sich ja wie ein Schneekönig”, wenn man unter den Menschen jemandem begegnet, der so besonders munter und vergnügt einhergeht und sich seines Lebens freut.


Mir schwant etwas… Ganz sicher geht man mit der Deutung dieser Redewendung nicht, wenn man sie mit einem Schwan in Verbindung bringt, da auch die Behauptung ihre Anhänger hat, “swanen” hänge mit “wähnen”, “mutmaßen” zusammen. Bleiben wir bei der sympathischen Auslegung, daß ein weiß gefiederter Schwan seine Schwingen im Spiel habe. Schon die alten Germanen sprachen ihm prophetische Gaben zu, der “Schwanengesang” eines Dichters gilt nur zu gern als die letzte große Aussage eines Menschen. “Mir schwant etwas” ist zwar ein Spruch burschikoser Prägung, jedoch nicht ohne Wirkung. Man ist geneigt zu glauben, daß es etwas von pikanter Wichtigkeit ist, was angekündigt wird.


Das vermittelt mir nichts Früher bedeutete das Wort “vermitteln” die Weitergabe eher komplexer Eindrücke und Gedanken. Heute soll damit eine banale Mitteilung aufgewertet werden. “Ich konnte ihm echt nicht vermitteln, daß ich keine Zeit habe.” “Ein Stück weit” ist auch so ein “wahnsinnig” wichtiger Ausdruck, heißt eigentlich so etwas wie “ein bißchen”, ist aber natürlich viel positiver und viel sanfter, ein Schritt in die richtige Richtung sozusagen. Und das ist für den geistigen Menschen von heute, der sich doch einbringen will in Diskussionen, in eine Beziehung oder in eine gemeinsame Aktion, “total” wichtig.


Schwarzes Meer Das Schwarze Meer hat zwar einen hohen Salzgehalt, aber sein Wasser hat keine besondere Färbung. Bei Sonnenschein strahlt es in schönstem Blau, so wie andere Meere auch. Das Schwarze Meer hat seinen Namen von den heftigen Stürmen und den dichten Nebelschwaden, die es zuweilen zu einer unfreundlichen Gegend machen – “schwarz” im Sinne von öde und bedrohlich. Im alten Griechenland hieß es deshalb auch “Pontus Axenus” – ungastliches Meer.


Der hat eahm a Klampferl angehängt dieser Spruch will eigentlich sagen, daß einem etwas Böses nachgesagt wird. Der Ausdruck geht eigentlich auf ein uraltes Rechtsverfahren zurück: Früher wurde denen, die etwas “verbrochen” hatten, ein Blechtäfelchen um den Hals gehängt, worauf ihre Untaten geschrieben waren.


Einen Streit vom Zaune brechen Diesen bildhaft höchst originellen Ausdruck gebraucht man für ein Verhalten, das sich in früherer Zeit auf dem Lande zutrug – und vielleicht auch heute noch gelegentlich vorkommt: hatte eine jugendliche, rauflustige Gesellschaft eine Meinungsverschiedenheit, so besannen sich die gereizten Burschen nicht lange, brachen vom nächstbesten Zaun eine Latte heraus, und versuchten den Streit auf diese handfeste Weise auszutragen. Sehr drollig wandelte sich dieses Herausbrechen einer Zaunlatte zum “Streit vom Zaune brechen”, einem ebenso volkstümlichen wie einprägsam-bildhaften Spruch.


Auf die hohe Kante legen Der “gemeine” Ritter ruhte zu eben dieser Zeit in der Regel in Betten mit Himmel und wenn er sich vor der Bettruhe seiner Kleider entledigte, verwahrte er in der Regel seinen Geldbeutel auf dem Dach des Bettes, eben auf der hohen Kante.


Schwarzes Schaf Unter einem schwarzen Schaf in einer Familie verstehen wir jemanden, der aus dem Rahmen fällt, eine nicht gute Sonderrolle spielt, ein störender Außenseiter ist: eben ein schwarzes Schaft im Gegensatz zu den hübschen weißen, die jeder mag. Seinen Ursprung hat dieser Ausdruck in dem Bibelwort: “Ich will heute durch alle deine Herden gehen und aussondern alle schwarzen Schafe.” In Australien, im Lande der schier unübersehbaren Schafherden, kommt dem “schwarzen Schaf” jedoch eine positive Rolle zu. um sich das Zählen der Schafe zu erleichtern, gibt man zu 100 weißen Schafen je ein schwarzes und multipliziert dann nur die Zahl der schwarzen Schafe.


Den Löffel abgeben Wer den Tod eines Mitmenschen etwas zynisch umschreiben will, der kann auch sagen: “Er hat den Löffel abgegeben.” Doch was hat nun der Löffel mit dem Aushauchen des Lebens zu tun? Tatsächlich war das Eßwerkzeug in früheren Zeiten viel wertvoller und seltener als heute. Oft aß man gemeinsam aus einer einzigen Schüssel und der Löffel des Großvaters wurde nach dessen Tod weitervererbt. Auch wenn man “den Löffel hinlegt”, heißt das, daß man aus dem Leben scheidet: Dann nämlich hat ein letztes Mal die Nahrungsaufnahme stattgefunden und der Löffel wird für immer hingelegt.


Sich an die eigene Nase fassen Andere Leute durch üble Nachrede zu verunglimpfen, hatte im Mittelalter zur Folge, daß der Verleumder oder die Verleumderin vor Gericht zitiert und gezwungen wurde, sich an die eigene Nase zu fassen. Vor dieser Blamage scheute man sich so sehr, daß diese Methode als recht wirksam galt, böse Zungen im Zaum zu halten. Erkenne dich selbst, geh’ in dich, faß’ dich lieber an die eigene Nase, anstatt am Tun deiner Mitmenschen herumzunörgeln. Wenn auch unsere heutige Gerichtsbarkeit das Mittel der Selbstanprangerung nicht mehr kennt: beschämt zu werden gilt auch heute noch als äußerst pädagogisch, um zu verhindern, seinen Mitmenschen Böses nachzureden.


Das geht auf keine Kuhhaut Versteht man die Redensart heute noch? Empört ruft sie jemand aus und er meint damit: Das ist denn doch ein starkes Stück, was man mir da zumutet. Im Mittelalter wurden Verbrecher auf einer Kuhhaut zur Richtstätte geschleppt; noch bevor ein Richtersprung erging, wurde er entehrt. Ehebrecherinnen wurden eingenäht in eine Kuhhaut und ins Wasser geworfen. Man sollte meinen, keine Frau brach mehr die Ehe dazumal aus Angst vor so grausamer Strafe, jedoch die Chroniken melden es anders. Um nun aber das Höchstmaß an Verwerflichkeit zu kennzeichnen, sagte man: “Das geht auf keine Kuhhaut”, soviel Sünde hat nicht Platz auf einer einzigen Haut einer Kuh.


Unter aller Kanone Diese “Kanone” ist kein Geschütz, denn dieses stammt sprachlich vom lateinischen “canna”, was Rohr bedeutet, das im Italienischen zur “cannone” wurde. In der Redensart aber haben wir es mit dem lateinischen “canon” zu tun, der sich wiederum dem griechischen “kanón” = Maßstab, Richtschnur verdankt. Das lateinische “sub omni canone”, also unterhalb jedes Bewertungsmaßstabs, wurde scherzhaft als “unter aller Kanone” ins Deutsche übersetzt und wird seit dem 19. Jahrhundert verwendet.


Milchmädchenrechnung oder können Milchmädchen nicht rechnen? Der Begriff stammt aus einer Fabel von La Fontaine. Dort bringt das Milchmädchen Perrette einen Topf Milch zum Markt. Sie rechnet sich aus, was sie bekommt, wie sie ein Huhn kauft, das Eier legt und wie sie von deren Verkauf ein Schwein und eine Kuh bezahlt. Dabei paßt sie nicht auf, stolpert, der Topf zerbricht – und ihre Rechnung geht nicht auf. Milchmädchen können also rechnen, scheitern aber an Mißgeschick oder Unwägbarkeiten.


Es zieht wie Hechtsuppe (1. Version) Haben Sie sich auch schon über diese seltsame Redensart gewundert? Mit Recht, denn im Allgemeinen pflegen Hechtsuppen nicht zu »ziehen«. Des Rätsels Lösung liegt in der Herkunft dieser Wendung: »Hechtsuppe« geht zurück auf jiddisch »hech soppa« (»wie starker Wind«). Aufgrund seiner lautlichen Ähnlichkeit wurde der jiddische Ausdruck dem deutschen Substantiv »Hechtsuppe« angeglichen. Doch das Jiddische hat noch mehr Spuren im Deutschen hinterlassen. Wer würde vermuten, daß Wörter wie »meschugge«, »mies«, »schäkern«, »Schlamassel« oder »Mammon« ihren Ursprung in dieser Sprache haben?


Hals und Beinbruch! Dieser Wunsch, der vor allem Bühnenkünstlern und Sportlern im Sinne von “toi, toi, toi!” für ihren großen Auftritt mit auf den Weg gegeben wird, ist nicht ironisch oder sarkastisch gemeint. Lange hat man ihn auf den verbreiteten Volksglauben zurückgeführt, daß man das Gute nicht direkt benennen dürfe, sondern es nur herbeiwünschen könne, in dem man scheinbar das Gegenteil heraufbeschwört. Sehr wahrscheinlich handelt es sich jedoch um ein Erbe aus dem Jiddischen. Der hebräische Gruß “hazlacha we bracha”, der im Jiddischen wohl “hazlocho we brocho” oder “hazloche un broche” ausgesprochen wurde, heißt einfach “Glück und Segen”.


Das kann die (auch: eine) Maus auf dem Schwanz forttragen Die umgangssprachliche Redensart steht umschreibend für »das ist sehr wenig«: Was die Gemeinde bisher für Kinderspielplätze ausgegeben hat, das kann die Maus auf dem Schwanz forttragen. © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


Am Drücker sein (auch: sitzen); an den Drücker kommen; die Hand am Drücker haben Mit »Drücker« ist in diesen umgangssprachlichen Redewendungen die Türklinke gemeint oder auch der Knopf, der gedrückt werden muss, um den Türverschluss zu lösen. Auszugehen ist also von einer Bedeutung »darüber befinden, ob jemand Zugang zu etwas hat oder bei jemandem vorgelassen wird«. Die Wendung »am Drücker sein«, bedeutet »entscheidenden Einfluss auf etwas haben; darüber bestimmen können, was geschieht«: Wenn der Junior erst einmal am Drücker ist, wird sich vieles ändern. In der gleichen Bedeutung ist die Redewendung »die Hand am Drücker haben« gebräuchlich: Wer hat eigentlich im Verein die Hand am Drücker? Wer an den Drücker kommt, gewinnt entscheidenden Einfluss, erreicht eine einflussreiche Position: Er versuchte alles, um auch einmal an den Drücker zu kommen.


[Ach] du grüne Neune! Dieser Ausdruck geht möglicherweise auf das Tanzlokal »Conventgarten« zurück, das im 19. Jahrhundert in Berlin, Blumenstr. 9, Haupteingang »Am Grünen Weg«, existierte und im Volksmund »die grüne Neun« hieß. Da das Tanzlokal rasch an Niveau einbüßte, lässt sich »ach, du grüne Neune« als Ausruf des Erschreckens im Sinne von »um Himmels willen« verstehen: Ach, du grüne Neune sieh dir mal an, was mit unseren Erdbeeren passiert ist! Das folgende Beispiel ist ein Zitat aus Walter Kempowskis Roman »Tadellöser & Wolf«: »Die Österreicher und die Bayern, das seien keine richtigen Deutschen (…). Die sprächen ja auch ganz anders. »Ach du grüne Neune«, sagte mein Bruder, »das ist doch bloß Dialekt!«« (S. 257).


Aus seinem Herzen keine Mördergrube machen Diese Redewendung hat die Bedeutung »freiheraus sagen, was man denkt; etwas nicht verhehlen«. Sie ist eine freie Verwendung der lutherschen Übersetzung von Matthäus 21,13 im Neuen Testament: »Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus heißen«; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.« Durch das Zurückhalten schlimmer, furchtbarer Gedanken wurde das Herz, das in der Metaphorik u.a. als Tempel Gottes gilt, bildlich zur Mördergrube, zu einem unterirdischen Schlupfwinkel für Mörder. © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


Holzauge sei wachsam! Die Herkunft der seit dem zweiten Weltkrieg gebräuchlichen Wendung ist nicht sicher geklärt. »Holzauge« kann in Analogie zu »Holzbein« gebildet sein und einen Menschen meinen, der ein künstliches Auge hat (und nun besonders aufpassen muß, daß ihm nicht noch etwas passiert). Im umgangssprachlichen Gebrauch wird die Redewendung als Mahnung oder Aufforderung verstanden, wachsam zu sein. Das folgende Beispiel stammt aus Erich Kubys Roman »Sieg! Sieg!«: »Er konnte sich erinnern, daß Stefan in Pütz immer alles darangesetzt hatte, diesen Massenreinigungen fern zu bleiben. Besser so, sagte Stefan, Holzauge sei wachsam« (S. 414). © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


Strahlen wie ein Honigkuchenpferd In der Umgangssprache wird mit diesem Vergleich scherzhaft umschrieben, dass sich jemand sehr freut und über das ganze Gesicht strahlt: Die Kleine strahlte wie ein Honigkuchenpferd, als alle ihr begeistert Beifall klatschten. In Utta Danellas Roman »Das Hotel im Park« heißt es: »(…) und wo man ihm die Geburt des Kindes mitteilte, da steht er also und strahlt über das ganze Gesicht wie ein Honigkuchenpferd« (S. 27). © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


Sein Damaskus erleben Die Redewendung wird gebraucht, um auszudrücken, dass sich jemand von Grund auf gewandelt hat, im Wesen oder in seiner Erscheinung völlig anders geworden ist. Man verwendet sie häufig auch in der Form »Seinen Tag von Damaskus erleben«. Sie bezieht sich auf das 9. Kapitel der Apostelgeschichte im Neuen Testament. Hier wird erzählt, wie Jesus vor den Toren von Damaskus dem Christenverfolger Saulus erscheint, ihn bekehrt und zu seinem Jünger macht. Saulus wird fortan in der Bibel nur noch mit dem griechisch-lateinischen Namen Paulus genannt, worauf sich auch die gleichbedeutende Redewendung »Von einem Saulus zu einem Paulus werden« gründet. © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


…und kein bißchen weise Mit der durch eine Altersangabe ergänzten Formulierung weist man scherzhaft auf jemandes reifere Jahre hin, denen zum Trotz die betreffende Person immer noch nicht weise geworden ist, sich zugleich aber auch ihre Jugendlichkeit erhalten hat. Das Zitat geht auf das Chanson »60 Jahre und kein bißchen weise« zurück, das der Schauspieler Curd Jürgens (1915 – 1982) 1975 sang; 1976 erschienen seine Memoiren unter dem Titel »Und kein bißchen weise«. Den Text des Liedes schrieb M.Frances; die Melodie stammt von H.Hammerschmid. © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


“Der Mensch lebt nicht vom Brot allein” Im 5. Buch Moses im Alten Testament finden wir im 8. Kapitel die Worte: “Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern auch davon, was aus des Herrn Mund kommt.” Moses wurde bis zu seinem Tode nicht müde, dem israelitischen Volke, das er aus der Knechtschaft Ägyptens geleitet und in vierzig Jahren dem verheißenen Lande zuführte, Gottes Satzungen und Gesetze immer wieder vor Augen zu führen, sie zu ermahnen, die Liebe zu Gott “als Denkzeichen sich an die Hand zu binden und als Mahnmal zwischen den Augen zu tragen.” Dieser schlichte Satz “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein” wäre wohl imstande, die heutigen Menschen zu erschüttern in der Erkenntnis, daß alle leibliche Speise nicht ausreicht und daß der Mensch vor allem der seelischen Nahrung bedarf.


Sachen gibts [die gibts gar nicht]! Diese umgangssprachliche Redensart ist als Kommentar zu verstehen, mit dem man seine Verwunderung oder Entrüstung ausdrückt: Er hat den ganzen Lottogewinn in einem Jahr durchgebracht. Sachen gibts, die gibts gar nicht! So heißt es auch in einem Artikel der Zeitschrift »Hörzu«: »Da hamse doch glatt Leipzsch mit weechem b geschriem. Also Leibzig statt Leipzig! Sachen gibts!« (Nr. 14, 1984, S. 101). © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


An die große Glocke hängen Die umgangssprachliche Redewendung »etwas an die große Glocke hängen« im Sinne von »etwas Privates, Vertrauliches überall erzählen« leitet sich von dem alten Brauch her, Bekanntmachungen, öffentliche Rügen, drohende Gefahr usw. der Allgemeinheit mit einer Glocke etwa der Schelle des Gemeindedieners oder der großen Kirchenglocke anzukündigen. Die Lebensregel »Häng an die große Glocke nicht, Was jemand im Vertrauen spricht« findet sich in »Ein silbern ABC« von Matthias Claudius (1740-1815). © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus


Einen schönen Stiefel schreiben Diese Redensart kommt daher, weil der vom Prediger Michael Stiefel auf de 3. Oktober 1533, morgens 8 Uhr, verkündigte Antichrist, das Ende der Welt oder eine zweit Sündflut nicht kam (oder der Untergang des Dorfes Holzdorf bei Wittenberg nicht erfolgte.)


Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen.


Davon, daß Adam in den Apfel biß, tun uns noch heute die Zähne weh.


Man steckt nie drin in einem anderen Menschen.


Manchmal steigt einem das Herz zu Kopf.


Wer ein großes Maul hat, muß einen breiten Rücken haben.


Das hat Hand und Fuß.


Jeder ist so alt, wie er sich fühlt.


Ich denke, also spinn’ ich…


Nur Mut – und wenn’s bloß Helmut ist.


Was keiner kann, das kann ich auch!


Schau bei einer Gabe auf die Gesinnung, nicht auf den Wert der Gabe.


Alle Hebel in Bewegung setzen.


Die wirkliche Freude liegt in den kleinen Dingen des Lebens.


Ich denke, also bin ich … hier falsch!


Jede Aussage, die Sie hier lesen, kann gegen Sie verwendet werden.


Was halten Sie als Außenstehender von Intelligenz?


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Redensart. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.