Simmons Sylvia

(Sie sprechen über ein Zukunftsthema:) Auf dem Weg hierhin, meine Damen und Herren, habe ich am Schwarzen Brett eine Notiz gelesen, die manche von Ihnen vielleicht übersehen haben. Da stand, daß das Treffen der Hellseher-Vereinigung leider abgesetzt werden mußte – wegen nicht vorhersehbarer Ereignisse. Ich betrachte mich selbst nicht als Hellseher, aber ich habe die von Ihnen gestellte Herausforderung akzeptiert, meine Gedanken über die Zukunft der … zu diskutieren.


(Sie erwidern auf eine freundliche Einführung:) Das war eine sehr freundliche Einführung und dafür danke ich Ihnen. Es erinnert mich an eine Geschichte. Ein amerikanischer Einführungsredner, in den angelsächsischen Ländern nennt man ihn Toastmaster, stellte dem Publikum den US-Präsidentschaftskandidaten Adlai Stevenson vor. Der Redner dachte, er hätte wirklich alles Lobenswerte vorgebracht und kein Kompliment ausgelassen. Um so überraschter war er, als Stevenson mit den Worten begann: Herzlichen Dank, Sir, das ist die zweitfreundlichste Einführung, die mir je zuteil wurde. Das wurmte den Toastmaster sehr. Er war sich sicher, mit seinen Bemerkungen so weit gegangen zu sein, wie man nur konnte, ohne rot zu werden. Stevenson, der den Verdruß natürlich bemerkte, gab folgende Erklärung: Bei früherer Gelegenheit ist einmal der Gastgeber so heiser gewesen, daß er unmöglich meine Begrüßung übernehmen konnte. Unter diesen Umständen habe ich mich halt selbst vorstellen müssen … Ich habe mich bisher noch nie selbst vorstellen dürfen, deshalb erlauben Sie mir zu sagen, ich habe noch nie eine schmeichelhaftere Einführung bekommen.


(Sie reden im Ausland; hier: Frankreich) Bevor ich nach Frankreich kam, habe ich einen Schnellkurs Elementares Französisch besucht. Nun bin ich in Frankreich und ziemlich erstaunt: Hier spricht offenbar keiner elementares Französisch… (Für Italien etc. entsprechend abwandeln.)


(Sie haben Lampenfieber/Es ist Ihre Premiere) Ich fühle mich ein bißchen wie in meiner Hochzeitsnacht. Damals sagte ich zu meiner Frau: Jutta, du mußt wissen, mir ist ziemlich heiß, und ich bin sehr nervös – aber ich bin froh, hier zu sein.


(Sie haben wenig Redezeit bekommen:) Guten Morgen. Man hat mir gesagt, ich hätte zehn Minuten für mein Statement. Das erinnert mich an die junge Frau, die zum Golfclub kam. Hannah, ihre Freundin, verließ grade das Vereinslokal. Hallo, Charlotte, was machst du denn hier? fragte Hannah. Charlotte antwortete: Ich will Golf lernen! – Toll, sagte Hannah, ich habe es gestern gelernt. Zu Ihnen nur zehn Minuten über … zu sprechen ist ähnlich, wie an einem Tag Golf lernen zu wollen. Ich könnte darüber stundenlang sprechen, tagelang. Aber ich verspreche Ihnen, es nicht zu tun.


(Sie sind der letzte Redner:) Ich kann nicht anders, ich muß an den Priester denken, der das Einleitungsgebet auf dem Kirchentag sprach: Oh Herr, sagte er, gib dem ersten Redner die Kraft, alle zu inspirieren. Herr, hilf dem zweiten Redner, allen hier Versammelten seine Botschaft zu vermitteln. Und Herr, wir bitten dich, hab Erbarmen mit dem letzten Redner.


(Sie führen einen Gastredner ein:) Der Mann, der heute zu uns spricht, ist ein Mann von absoluter Großzügigkeit. Er ist willens, sogar seinen Gegnern/Konkurrenten zu vergeben, was er ihnen angetan hat.


(Sie danken für ehrenvolle Einladung:) Hier in diesem wirklich renomierten Unternehmen reden dürfen, wird meinem Image bestimmt nützen. Hoffentlich wird es Ihrem Image nicht zu sehr schaden.


(Sie reden in aller Frühe) Verzeihung, wenn ich etwas unausgeschlafen wirke. Ich habe diese Nacht nicht gut geschlafen. Ich hatte einen schrecklichen Traum. Ich träumte, der Mann, der die Berieselungsmusik erfunden hat, hätte eine weitere Erfindung gemacht.


(Sie wissen, es sind Experten im Publikum:) Wo ich so vor Ihnen stehe, kann ich nicht anders: Ich muß an den Mann denken, der jüngst bei einer Überschwemmungs-Katastrophe ums Leben kam. Er machte sich auf den Weg nach oben. An der Himmelstür wurde er gefragt, was ihm passiert sei. Er mußte seine Geschichte erzählen. Er berichtete, wie er in Flut ertrunken war, so daß der heilige Petrus dachte: Das ist ja sehr interessant, da frage ich den Neuankömmling doch direkt, ob er bereit ist, die Geschichte auch den anderen Engeln zu erzählen. Der Neue war so geschmeichelt, daß er sofort seine Zusage gab. Aber klar! Als er losflog zum Termin, zupfte ihn ein freundlicher, junger Engel am Saum seines Mantels und sagte leise: Mein Herr, ich glaube, ich sollte Ihnen eines sagen: Noah wird unter den Zuhörern sein! Mein Punkt ist, daß ich etwas verlegen bin, hier zu sein und über das Thema … zu sprechen. Weiß ich doch, daß hier einige von Ihnen in diesem Feld bestens bewandert sind.


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