Theis Horst

Es war eine kurze Romanze. Sie fiel mir auf, als wir das Waisenhaus in Vama besichtigten. Sie war sehr bleich, hob immer wieder eines von den kleinen Kindern aus seinem Bettchen, drückte es liebevoll und versuchte, mit ihm zu scherzen. Als sich unsere Blicke zum erstenmal trafen, hat sie mein Lächeln schüchtern erwidert, als ich ihr beim zweitenmal zublinzelte, ging ein Strahlen über ihr Gesicht. Und sie wich kaum noch von meiner Seite. Dann kam der Abschied. Und als Abschiedsgeschenk hielt sie mir – einen Apfel entgegen. Sie war vielleicht elf oder zwölf. Ich hob abwehrend die Hand, drehte mich zur Seite und stammelte: Danke, danke, ich kann doch nicht deinen Apfel essen! Im selben Augenblick bereute ich schon meine Reaktion. Viktoria hielt meinen Ärmel fest und ließ im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr locker, bis ich mich wieder ihr zuwandte. Ich fürchtete mich vor dem enttäuschten Ausdruck in ihrem Gesicht. Hatte ich sie tief verletzt? Dann schaute ich sie an. Und es war ganz anders, als ich befürchtet hatte. Sie streckte wieder das dünne Ärmchen aus mit dem kleinen, unansehnlichen Apfel, nickte mir zu und zeigte unser Blinzeln. Dankbar ergriff ich den Apfel, und sie sagte,… sie sagte Papa. – Es heißt, Gott segnet den fröhlichen Geber. Ich sage: einen froheren sah ich nie.


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