Therese Dahn

Anemonen Sie sprießen licht aus Waldesnacht, Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht, Unter den großen, alten Bäumen, Über das Moos wie flutend Träumen: Wann der Wind vorüber streicht, Neigen sie ihre Köpfchen leicht, Aber wo die Sonne licht Durch die Blätterkronen bricht, Saugen sie all das goldige Scheinen Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen. So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht: Die lichten Kinder der Waldesnacht.


Sorge Ich wand’re rastlos getrieben, voll Weh Um dich, du geliebter Mann, Wie von der Meute gehetzt, das Reh Durchfliegt den ertosenden Tann. Den stechenden Stachel tief in der Brust: Die zehrenden Sorgen um dich! Und heiße Flammen voll Qual und Lust Versengen, verschlingen mich.


Lebensdrang Zerre nicht ferner am bergenden Schleier, Hüllt sich in Dunkel doch ewiges Sein! Ladet das Leben zur bunten Feier, Thörichtes Herz, uns nicht lockend ein? Heija! erschließen dem werbenden Rausche Will ich Gedanken und alles, was mein: Nimm mich dahin im heiligen Tausche, Schönste Wahrheit ist: Mensch zu sein.


Zu dir Und fällt ein Reif auf all’ mein Wagen, Und seufzt ein angsterfülltes Fragen In mir: Und schüttelt Schmerz mir wild die Glieder, – Trägt’s mich doch hoch auf Sturmgefieder Zum Licht! Mein mut’ger Stolz lernt nicht verzagen, Mein heißes Herz wird nie entsagen, Bis daß es bricht: Ich singe deine Zauberlieder: Vor allen ZweifelN flücht’ ich wieder Zu dir!


Wunsch für ihn (1870) Gedulde dich! Es kommt der Tag, da wird es dir gewähret, Was du mit jedem Herzensschlag, so überheiß begehret. Dir funkelt’s aus dem Adlerblick, dir sprüht’s um Haupt und Rechte Du gehrst nach blut’gem Kampfgeschick todbringender Gefechte. Und brichst du dann, du stolzes Herz, sollst du noch einmal fassen Des Lebens Lust: – doch sonder Schmerz um das, was du mußt lassen.


Zorn Beschüttet mich mir eurem Haß und Spotte Und scheltet und verdammt: ich trag’ es gern; Doch meiner Seele Heiligtum und ihrem Gotte, Unfreundliche Bedränger, bleibet fern! Ja, raubt sie mir, des Lebens schönste Stunden, Zerstört, was ihr nicht kennt: ein heißes Glück; Jedoch vor dem, was ich so wahr empfunden, Verstummt und weicht gesenkten Blicks zurück! Ich will sie freudig tragen, all die Schrecken, Die mir gescheh’n nach eures Willen Lauf, Doch wagt ihr’s, lästernd meinen Zorn zu wecken: Erbebt! denn mit ihm steht die Rache auf!


Wilde Rose Sie ist nicht strahlend, ist nicht schön, Die Rose wild auf Bergeshöh’n: – In Wind und Wetter, Sturm und Regen Kein freundlich Obdach, sie zu hegen: So steht sie einsam, ungekannt, Dort oben an des Hügels Rand. Sie aber glühet, duftet, lacht Und neidet nicht der Schwestern Pracht: Denn knospend, dorn’gem Stamm entsprossen, Hat sie der Sonne sich erschlossen, Und nur im goldnen Sonnenschein Verglüht ihr Leben, süß und rein.


Wasserfahrt Manchmal nachts an Meereswogen Steht ein Kind, des Sehnens voll: Dann kommt ein Delphin gezogen, Trägt das Kind durchs Flutgeroll. Meerfrau’n steigen auf im Kreise, Hoch der Mond am Himmel schwebt, Und sie schaun’s und murmeln leise: “‘s ist ein Stern, der wandern geht.”


Desselben Weges wandern wir Langsam und spät stieg ich empor, nun steh ich hoch und frage: “Bin wohl auch ich ein Meteor am Himmel deiner Tage? Läßt mich das Schicksal vor der Zeit dir im Zenith verschwinden? Spannt sich der Horizont uns weit, bis Nacht und Tod mich finden?” Du blickst mich an und streichelst mir liebkosend Wang’ und Haare: “Desselben Weges wandern wir, ob kurz, ob lang, zur Bahre.”


Glück Arm war ich, eh’ du strahlend mir begegnet: Nun bin mit Wonn’ und Lieb’ ich reich gesegnet: Dir ist nun Leib und Seele ganz verbunden: Ich hab’ in dir mein Ziel gefunden.


Wie lange noch? Die Sonne verglüht, es verrinnen die Stunden, Da brechen sie auf, die brennenden Wunden: Stumme Sehnsucht im pochenden Herzen Weckt und entfacht die zehrenden Schmerzen. Seh’ ich den Himmel und seine Sterne, Fühl’ ich dich nahe trotz aller Ferne. Der wogenden Nachtluft würzigen Brodem Schlürf´ ich, als sei’s dein süßer Odem. Alles verklärt mir ein glänzender Schimmer, Dich nur erschau’ ich, überall, immer: Die heiße Sehnsucht wird mich verzehren: Wie lange noch, ach! wie lange soll’s währen?


Verbannt Die Wolken zieh’n, die Winde wehen, Auf hohem Berge möcht’ ich stehen Und ach! noch einmal schau’n das Land, Wo ich zuerst Dich sah – und fand. Wie magst in Nächten und in Tagen Du all das Leid der Trennung tragen? Ach, oder ist es schon gethan? Und schläffst du unterm Wiesenplan? Die Wolken zieh’n, die Winde wehen, Und rastlos muß ich weitergehen: – Und immer ferner liegt das Land, Wo ich zuerst dich sah – und fand.


Einem schönen Mädchen Weißt du erst wie schön du bist, – Dein stärkster Zauber zerronnen ist.


Laut klag’ ich oft aus tiefster Brust, Daß du ein Mensch bist – und sterben mußt.


Die Liebe schürt den Knoten der Verwirrung, Die Treue löset ihn und sühnt die Irrung.


Ansehen und Menschengunst Zerstieben wie Dunst.


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