Thomas Gottschalk

"True Stories" sind von einer nachgestellten Dokumentation oft nicht mehr zu unterscheiden. Politik und Showbusiness verschmelzen.


Als Vollzyniker kannst du im Fernsehen gar nicht überleben. Wer sich nicht eine gewisse positive Einstellung erhält, den mögen die Leute auf Dauer nicht. Du kannst den Zuschauer da auch nicht bescheißen. Bei Harald weiß ich: So böse ist unser Dirty Harry gar nicht.


Als wir hereingingen, habe ich zu meiner Frau gesagt: Wenn wir dem Tristan sagen, du mußt hier mitmachen, wird er antworten: "Eher bring' ich mich um!"


Amerika hatte 13 Tage Kubakrise, wir hatten 16 Jahre Kohlkrise.


Bei Britney Spears oder Mariah Carey kriege ich fünf Fragen, die ich stellen darf, und eine Liste mit 58, die ich lieber nicht stelle.


Bevor ich das Geschwätz von anderen anhören muß, rede ich lieber selber.


Bevor ich mit den falschen Menschen fotografiert werde und denen schade – oder mir – laß ich es bleiben.


Christoph ist schon im Anzug geboren. Der ist einfach seriöser als ich. Er hat das Schicksal eines Spätberufenen.


Da bin ich wieder großkotzig. Ich habe so viele Menschen in Produktionen kennengelernt, die ich sofort aus dem Stand hätte übernehmen können. Ohne daß irgend jemand einen Unterschied gemerkt hätte. Wenn diese Leute ihr Geld verdienen damit, kann ich es auch. Aber ich könnte wohl nie in einem Fuzzi-Beruf landen. Ich könnte nie sagen: Jetzt werde ich Volkswirt. Ich würde immer sagen: Jetzt mach' ich eine Werbeagentur auf, gehe in eine Zeitungsredaktion. Es würden bei mir immer Gauklerberufe bleiben.


Da die Menschen für ihr wirkliches Leben kein Fernsehen brauchen, tischt man ihnen eine Lügenwelt auf. Gäste werden zu Aussagen gebracht, für die sie sich hinterher zu Tode schämen. Oder sie werden für den Schrott, den sie von sich geben, entsprechend gut bezahlt.


Daß eine solche Sendung dem wechselnden Geschmack über all die Jahre standgehalten hat, ist eigentlich ein Wunder.


Das Etikett des Erfolglosen nervt mich total.


Das ganze Leben ist ein Risiko. Wenn die Herren Domingo, Carreras und Pavarotti auf ihrem stimmlichen Höhepunkt Schluß gemacht hätten, gäbe es die "3 Tenöre" nicht. Das Publikum hat gejubelt, und die Kritiker haben gejault. Das sind auch meine Lieblingsgeräusche, also mache ich weiter.


Das Geschäft in dem ich lebe, macht relativ schnell krank. Man muß darauf achten, sein Leben auf zwei Ebenen zu leben. Und man muß lernen, demütig zu sein und darf sich der Wirklichkeit nie entrücken. Das ist das Problem der vielfach medial gemachten Persönlichkeiten von Girl- bis Boy-Groups, sie sind kurz präsent und verlieren oft den Boden unter den Füßen.


Das hat mit meiner Fernsehtätigkeit oder meinem Erfolg nichts zu tun. Sondern einfach mit männlicher Eitelkeit. Irgendwann ist es ja sowieso zu Ende.


Das ist meine Lebensphilosophie, und ich lebe damit nicht schlecht. Nur so kann ich die eigenartigen Wellen, die so über mir zusammenprallen, koordinieren. Ein Mensch, der in Fulda auf dem Finanzamt sitzt, braucht sicher eine andere Lebensphilosophie. Natürlich unterliege auch ich irgendwelchen Zwängen. Aber weniger als alle anderen.


Das Limit ist grenzenlos bei mir, der Ulk, den ich mit anderen treibe, hat Grenzen. Ich meine, ich bin 45 Minuten lang der Gaudibursch, mich können meine Gäste nicht beleidigen. Ich muß alles aushalten können in meinen 45 Minuten. Bis auf das Wegsterben von Studiogästen kann mir alles passieren.


Der arme Mann, das hat er einfach nicht verdient. Ich fühle mich heute noch ein bißchen verantwortlich dafür, daß die deutsche Politik im Graben ist. Bei mir ging es los. Ich bin Schuld.


Der Film ist in gewisser Weise schon ein Erfolg der Oberflächlichkeit. Aber in dem Moment, in dem er besser wäre, wären weniger Leute reingegangen. Nur – wenn Oberflächlichkeit 2,8 Millionen Leute ins Kino bringt, fängt man an zu grübeln, wird sensibel und denkt: Soll ich mit noch mehr Oberflächlickeit vier Millionen reinbringen oder mit weniger Oberflächlichkeit 1,5 Millionen? Das ist ein, meiner Meinung nach, nicht auszudiskutierender Punkt. Aber Film ist das einzige Gebiet, wo ich meine Großkotzigkeit hintanstelle.


Der Mensch hat 199 Knochen, der Mann 200.


Die Auslöschbarkeit jeder Realität zu jedem beliebigen Moment. Ich sehne mich manchmal nach dem alten Rom und seinen Kampfmaschinen, als du im nächsten Wald noch sicher warst. Was mich zusätzlich geistig krank macht, ist die Unbeweglichkeit. Das wäre alles so unproblematisch, wenn sich die beiden alten Herren im Weißen Haus und im Kreml einfach mal zusammensetzen würden. Sogar die Flüge kriegen die umsonst. Aber das passiert nicht, und das ist etwas, was mich wütend macht.


Die Häufung von "Bad News" ist nicht mehr meine Welt. Ich kann den Zustand der Welt nicht ändern, aber ich kann ihn bei meinen Auftritt zumindest für eine Zeitlang auflockern.


Die noch von Kulenkampff in mich gepflanzten Ängste, "Willst Du was gelten, mache Dich selten", hat spätestens Günther Jauch weggewischt. Wenn die Konkurrenz ihn kidnappt, muß RTL das Testbild senden.


Die Unterhaltung ist die einzige TV-Möglichkeit zur Entspannung. Unterhaltung möchte nichts verändern, sondern nur entspannen. Ich kann doch keine Probleme lösen.


Die Wahrscheinlichkeit, daß meine Leute am Samstagabend etwas Besseres zu tun haben, ist größer als die Wahrscheinlichkeit, daß die anderen Menschen, die dann vor dem Fernseher sitzen, mich lieben. Die sind in ihrer Geisteshaltung vielleicht ewas weniger flexibel und kommen einfach nicht darüber hinweg, wenn ein Moderator Lederhosen trägt.


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