Univ Prof Dr Umberto Eco

Das Ende der Zeiten ist nicht das Ende der Zeit. Sie und ich, wir müssen sterben, vielleicht auch die Menschheit (wenn die Sonne erlischt) und wahrscheinlich auch die uns bekannten Galaxien. Aber all das bedeutet nicht, daß das Universum verschwinden wird. Das ist für mich die positive Bedeutung der Botschaft der Apokalypse auch für diejenigen, die nicht gläubig sind: Es wird immer neue Himmel und neue Erden geben.


Das Lachen vertreibt dem Bauern ein paar Momente die Angst. Doch das Gesetz verschafft sich Geltung mit Hilfe der Angst, deren wahrer Name Gottesfurcht ist.


Den Niedergang der elitären Buchhandlungen in Amerika hat das Internet ausgeglichen.


Der Computer ist eine spirituelle Maschine, mit der man fast so schnell schreiben wie denken kann.


Der jüdische Messianismus (die Erwartung von irgend etwas oder irgend jemandem, der noch kommen soll und das Schicksal Israels verändern wird) hat das christliche Denken dazu gebracht, die Geschichte zu erfinden. In den alten Mythologien gibt es keinen Zeitpfeil.


Der Ruhm vieler Propheten beruht auf dem schlechten Gedächtnis der Zuhörer.


Der Verschmelzung der harten Wirtschaft mit dem humanitären Gedankengut gehört die Zukunft.


Die Hexenjagden sind kein Phänomen "dunkler" Epochen, sondern eines der modernen Zeit.


Die Massenmedien geben den Menschen zu viel Stumpfsinn.


Die Menschen sind sterblich, aber warum muß die Welt zwangsläufig auch sterblich sein? Die Menschen sind die einzigen Tiere, die wissen, daß sie sterben müssen. Ich habe noch nie einen Hund getroffen, der sagen konnte, daß alle Hunde sterblich sind . . . Auch wenn die Welt nur aus sterblichen Wesen besteht, bedeutet das nicht, daß sie selber sterblich ist.


Ein Fachmann ist ein Mensch, der zu reden anfängt, wenn er zu denken aufhört – und umgekehrt.


Es könnte zu einer "1984"-ähnlichen Zukunft mit drei Klassen führen. Zuunterst wäre eine Art Proletariat: Menschen, die nicht wissen, wie man einen Computer benützt und ihre Informationen nur übers Fernsehen bekommen. Sie wären von der Macht ausgeschlossen. In der Mitte hätten wir eine Kleinbürgerschicht: Menschen, die Computer zwar benützen, aber nicht wissen, wie man sie programmiert. Zuoberst gäbe es dann eine Nomenklatura – im sowjetischen Sinn – von Menschen, die den Computer und damit die Macht voll im Griff haben. (Auf die Frage: Welche gesellschaftliche Auswirkungen verursachen elektronische Übermittlung und Speicherung von Informationen?).


Es scheint, daß heute das Pflichtgebot des Journalismus lautet, um jeden Preis wieder zu publizieren, was schon an einem anderen Ort erschienen ist.


Ich glaube nicht, dass ein Großteil der Menschen, die der New-Age-Paranoia verfallen sind, weniger naiv sind als unsere Vorfahren.


Ich mag den Fußballfan nicht, weil er eine seltsame Eigenart hat: Er kapiert nicht, daß man selbst keiner ist, und beharrt darauf, mit einem so zu reden, als ob man einer wäre . . .


Indem wir unsere Kinder schon früh in der Anwendung des Computers ausbilden – aber nicht so, daß sie lernen, mit Windows ´95 und ein paar kommerziellen Anwendungsprogrammen umzugehen, denn das ist eine passive Art der Computerbenützung. Um mit dem Computer wirklich interagieren zu können, muß man mindestens eine Programmiersprache wie Basic oder Pascal beherrschen. Die ersten Generationen, die mit dem Computer zu tun bekamen, waren noch gezwungen, das zu lernen, und konnten sich mit der Logik dieser Maschinen auseinandersetzen. Heute ist das für den Umgang mit dem Computer nicht mehr nötig: Es genügt, auf dem Bildschirm farbige Symbole anzuklicken – eine problematische Entwicklung. (Auf die Frage: Wie kann man einer "Klassenteilung" im Digitalzeitalter entgehen?).


Nur das Fernsehen glaubt, daß die Menschen mit Seichtem vor der Glotze bedient werden möchten.


Romanfiguren werden geschaffen, damit sie auf eigene Rechung leben.


Toleranz ist anerzogen und nicht angeboren.


Um frei erfinden zu können, muß man sich Beschränkungen auferlegen.


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