Vernunft

“Alle Unterweisung der Jugend hat dieses Beschwerliche an sich, daß man genötigt ist, mit der Einsicht den Jahren vorzueilen, und, ohne die Reife des Verstandes abzuwarten, solche Erkenntnisse erteilen soll, die nach der natürlichen Ordnung nur von einer geübteren und versuchten Vernunft könnten begriffen werden.” – Immanuel Kant, Von den Einrichtungen seiner Vorlesungen, A 3


“Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten! Nahezu nichts ist fremd. Eines schließt sich ja dem anderen an und schmückt, mit ihm vereinigt, dieselbe Welt. Aus allem zusammen ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, eine Vernunft, allen vernünfitgen Wesen gemein, und eine Wahrheit, sofern es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.” – Marc Aurel, Selbstbetrachtungen


“Autorität kann zwar demütigen, aber nicht belehren; sie kann die Vernunft niederschlagen, aber nicht fesseln.” – Johann Georg Hamann, Golgatha und Scheblimini


“Bedenkt, dass Fanatiker gefährlicher sind als Schurken. Einen Besessenen kann man niemals zur Vernunft bringen, einen Schurken wohl.” – Voltaire, Potpourri


“Begeisterung ist ein Feuer, das die Innenwelt in Fluss erhält. Aber Vernunft muss ihr die Gussform richten, in die sich das geschmolzene Metall ergießt.” – Otto von Leixner, Aus meinem Zettelkasten


“Das Genie ist die höchste Verkörperung der Vernunft in einem Punkt und zu einem bestimmten Augenblick.” – Théodore Jouffroy, Das grüne Heft


“Das »was ist zu begreifen«, ist Aufgabe der Philosophie, denn »das was ist«, ist die Vernunft.” – Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, Vorrede, S. 26


“Das Ziel ist in der Verwirklichung das Letzte, das Erste aber in der Absicht der Vernunft.” – Thomas von Aquin, “Summa theologica”


“Der Betrug ist ein Grundübel des Menschen. Er ist ein Missbrauch der Vernunft, seiner höchsten Gabe.” – Torquato Accetto, Über die ehrenwerte Kunst der Verstellung


“Der unbewusste Zwang, verdrängte Verletzungen zu rächen, ist stärker als jede Vernunft.” – Alice Miller, Abbruch der Schweigemauer


“Derjenige Geschmack ist gut, der mit den Regeln übereinkömmt, die von der Vernunft, in einer Art von Sachen, allbereit fest gesetzet worden.” – Johann Christoph Gottsched, Versuch einer critischen Dichtkunst


“Die Vernunft errötet über die Neigungen, über die sie nicht Rechenschaft ablegen kann.” – Luc de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen


“Die Vernunft erscheint im Leben zuletzt; je mehr sie erkennt, je reifer sie wird, umso mehr lassen Gefühl und Einbildungskraft nach, jene beiden Kräfte, denen jede nachhaltige Initiative und jede echte Begeisterung entstammt.” – Francesco de Sanctis, Über die Wissenschaft und das Leben


“Die Vernunft ist eine eigentlich und spezifisch menschliche Fähigkeit; was sich jedoch jenseits der Vernunft befindet ist wirklich ‘nicht-menschlich’ und das ist was die metaphysische Erkenntnis ermöglicht, und diese – man muss es nochmal sagen – ist kein menschliches Wissen.” – René Guénon, La Métaphysique Orientale


“Er (der Mensch, der kleine Gott der Welt) nennt’s Vernunft und braucht’s allein, // nur tierischer als jedes Tier zu sein.” – Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Vers 285 f. / Mephistopheles


“Ich frage mich, wer den Menschen als vernunftbegabtes Lebewesen definiert hat. Das war die voreiligste Definition, die es je gegeben hat.” – Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray, Kapitel 2 / Lord Henry


“Keine Wirkung in der Natur ist ohne Vernunftgrund. Erkenne den Vernunftgrund, und du bedarfst nicht des Experiments.” – Leonardo da Vinci, Tagebücher und Aufzeichnungen


“Macht hat Legitimität nur im Dienst der Vernunft. Allein von hier bezieht sie ihren Sinn. An sich ist sie böse.” – Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?


“Man ist versucht, den Menschen als vernunftbegabtes Tier zu definieren, das immer die Geduld verliert, wenn es der Vernunft gemäß handeln soll.” – Oscar Wilde, Der Kritiker als Künstler / Gilbert


“Nur wenn es der Vernunft entspricht, unternimmt er etwas; nur wenn es der Pflicht entspricht, tut er etwas. Das ist der Wandel eines treuen Beamten.” – Lü Bu We, Frühling und Herbst des Lü Bu We, S. 417


“Unsere Zivilisation befindet sich in einem Zwischenstadium; nicht mehr das vollständig vom Instinkt geleitete Tier, noch nicht der vollständig von der Vernunft geleitete Mensch.” – Theodore Dreiser, Sister Carrie, Kapitel 8


“Vernunft und Gefühl sind die Sonne und der Mond am moralischen Firmament. Immer nur an der heißen Sonne würden wir verbrennen; immer nur im kühlen Mond würden wir erstarren.” – Friedrich Maximilian Klinger, Betrachtungen über Gegenstände der Welt und Literatur 5


“Vom Übersinnlichen ist, was das spekulative Vermögen der Vernunft betrifft, keine Erkenntnis möglich.” – Immanuel Kant, Welches sind die wirklichen Fortschritte?


“Wenn die Vernunft ein Geschenk des Himmels ist und wenn man vom Glauben das gleiche sagen kann, so hat uns der Himmel zwei unvereinbare, einander widersprechende Geschenke gemacht.” – Denis Diderot, Zusätze zu den philosophischen Gedanken


“Wenn du aber die menschlichen Dinge mit Vernunft betrachtest und auf das wirklich Gute, Lobenswerte und Bleibende siehst, dann wirst du weit davon entfernt sein, auch nur etwas von den begehrenswerten und irdischen Dingen für glüchselig und beneidenswert zu halten.” – Basilius der Große, Reden


“Wenn, in einer philosophischen Frage, das einstimmige Urteil der Weltweisen ein Wall wäre, über welchen zu schreiten es vor ein gleichsträfliches Verbrechen mit demjenigen, welches Remus beging, müßte gehalten werden, so würde ich mich den Vorwitz wohl vergehen lassen, meinen Einfällen wider das entscheidende Gutachten des ehrwürdigen großen Haufens diejenige Freiheit zu erlauben, die durch nichts weiter als durch die gesunde Vernunft gerechtfertiget ist.” – Immanuel Kant, Neuer Lehrbegriff der Bewegung und Ruhe, A 2


“Wie es nur eine Erde gibt für alles Irdische, ein Licht für alles, was sehen kann, und eine Luft für alles was atmen kann, so ist es auch nur ein Geist, der unter sämtlichen Vernunftwesen verteilt ist” – Marc Aurel, Selbstbetrachtungen IX, 8


“Wir werden eher durch das Schicksal als durch unsere Vernunft gebessert.” – François de La Rochefoucauld, Reflexionen


“Er sendet (Seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft nicht gebrauchen mögen.” – Sure 10, 100 (Ahmadiyya) Onlinetext


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