Voltaire

2 Überprüft 2.1 Briefe 2.2 Candide oder Die beste der Welten 2.3 Der ehrliche Hurone 2.4 Der Mann mit den vierzig Talern 2.5 Die Briefe Amabeds 2.6 Die Prinzessin von Babylon 2.7 Memnon oder Die menschliche Weisheit 2.8 Micromégas 2.9 Philosophisches Taschenwörterbuch 2.10 Pot-pourri 2.11 Über die Sitten und den Geist der Nationen 2.12 Zadig 2.13 Andere


“Da es für die Gesundheit sehr förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.” – Übersetzung des angeblichen Voltaire-Zitats aus Louis Malles Film Milou en mai:


(Original franz.: “Il prend envie de marcher à quatre pattes quand on lit votre ouvrage. Cependant comme il y a plus de soixante ans que j’en ai perdu l’habitude, je sens malheureusement qu’il m’est impossible de le reprendre.”)


“Bei einem berühmten Autor bewundern Narren alles. Ich lese nur für mich, und ich mag nur, was mir dienlich ist.” – Candide oder Die beste der Welten, Kap. 25 / Herr Pococurante


(Original franz.: “Les sots admirent tout dans un auteur estimé. Je ne lis que pour moi; je n’aime que ce qui est à mon usage.”)


“Ach, wenn wir schon Fabeln und Wundergeschichten nötig haben, so sollen sie wenigstens ein Symbol der Wahrheit sein!” – Der ehrliche Hurone, Kap. 11


“Der Offensivkrieg ist der Krieg eines Tyrannen; wer sich jedoch verteidigt, ist im Recht.” – Der Mann mit den vierzig Talern, X.


“Die Industrie muss gefördert werden, aber die blühende Industrie müsste dann ihrerseits auch den Staat unterstützen.” – Der Mann mit den vierzig Talern, II. / Der Landvermesser


“Eine weitere Ursache unserer Armut sind unsere neuen Bedürfnisse.” – Der Mann mit den vierzig Talern, Vorwort / Der Alte


(Original franz.: “Lisez, éclairez-vous; ce n’est que par la lecture qu’on fortifie son âme; la conversation la dissipe, le jeu la resserre.”)


“Alle Mönche stehen vor dieser Wahl: entweder der Unglaube macht ihnen ihren Beruf verhasst, oder der Stumpfsinn lässt ihn erträglich werden.” – Die Briefe Amabeds, 6. Brief von Amabed / Pater Fa molto


(Original franz.: “Tous les moines sont réduits à cette alternative: ou l’incrédulité leur fait détester leur profession, ou la stupidité la leur rend supportable.”)


“Ich befürchte, die Stellvertreter Gottes werden die Willfährigkeit der Menschen so lange missbrauchen, bis diese zuletzt doch noch klug werden.” – Die Briefe Amabeds, 17. Brief von Amabed / Der Theologe


“Statt dass man uns geloben lässt, keusch zu bleiben, sollte man uns lieber zwingen, es zu sein, und alle Mönche zu Eunuchen machen. Solange ein Vogel seine Federn hat, fliegt er.” – Die Briefe Amabeds, 6. Brief von Amabed / Pater Fa molto


(Original franz.: “Au lieu de nous faire jurer d’être chastes, il fallait nous forcer à l’être et rendre tous les moines eunuques. Tant qu’un oiseau a ses plumes, il vole.”)


“Welche Schicksale haben doch die schwachen Sterblichen, die wie Blätter im Wind treiben!” – Die Briefe Amabeds, 7. Brief von Adaté


“Mehr denn je sehe ich ein, dass man niemals etwas nach seiner scheinbaren Größe bemessen darf!” – Micromégas, Kap. 6 / Micromégas


“Das Bessere ist der Feind des Guten.” – Philosophisches Taschenwörterbuch, Bd. 2, Art Dramatique; Nachzitat eines italienischen Sprichworts


“Der Abergläubische ist für den Schurken, was der Sklave für den Tyrannen ist. Ja mehr noch: der Abergläubische wird vom Fanatiker beherrscht und wird selbst zum Fanatiker.” – Philosophisches Wörterbuch, Bd. 7, Aberglaube (superstition), Sektion V.


(Original franz.: “Le superstitieux est au fripon ce que l’esclave est au tyran. Il y a plus encore; le superstitieux est gouverné par le fanatique, et le devient.”)


“Fanatismus ist sicherlich tausendfach verhängnisvoller, denn Atheismus entfacht keine blutige Leidenschaft, wo Fanatismus es tut. Atheismus stellt sich dem Verbrechen zwar nicht entgegen, aber Fanatismus führt zu Verbrechen.” – Philosophisches Taschenwörterbuch, Bd. 2, Atheismus, Sektion IV.


(Original franz.: “Le fanatisme est certainement mille fois plus funeste; car l’athéisme n’inspire point de passion sanguinaire, mais le fanatisme en inspire; l’athéisme ne s’oppose pas aux crimes, mais le fanatisme les fait commettre.”)


“Freundschaft ist die Ehe der Seele und diese Ehe ist der Scheidung unterworfen.” – Philosophisches Taschenwörterbuch, Bd. 1, Freundschaft (amitié)


“Jeder Mensch kommt mit einer sehr großen Sehnsucht nach Herrschaft, Reichtum und Vergnügen sowie mit einem starken Hang zum Nichtstun auf die Welt. So möchte jeder das Geld und die Frauen oder Mädchen der anderen haben, mochte er ihr Gebieter sein, sie allen seinen Launen gefügig machen und nichts oder zumindest nur sehr angenehme Dinge tun.” – Philosophisches Taschenwörterbuch, Artikel “Égalité” (Gleichheit), Sektion II.


(Original franz.: “Tout homme naît avec un penchant assez violent pour la domination, la richesse et les plaisirs, et avec beaucoup de goût pour la paresse; par conséquent tout homme voudrait avoir l’argent et les femmes ou les filles des autres, être leur maître, les assujettir à tous ses caprices, et ne rien faire, ou du moins ne faire que des choses très agréables.”)


“Wirkliche Autoren sind diejenigen, die in einer wirklichen Kunstform etwas geleistet haben, sei es im Epos oder in der Tragödie, sei es in der Komödie oder auch auf dem Gebiet der Geschichte oder der Philosophie, es sind diejenigen, die die Menschen belehrt oder erfreut haben. Die anderen von denen wir gesprochen haben, sind unter den Schriftstellern, was die Hornissen unter den Vögeln sind.” – Philosophisches Wörterbuch, Bd. 2, Autoren


(Original franz.: “Les auteurs véritables sont ceux qui ont réussi dans un art véritable, soit dans l’épopée, soit dans la tragédie, soit dans la comédie, soit dans l’histoire, ou dans la philosophie; qui ont enseigné ou enchanté les hommes. Les autres dont nous avons parlé sont parmi les gens de lettres ce que les frelons sont parmi les oiseaux.”)


“Zufall ist ein Wort ohne Sinn; nichts kann ohne Ursache existieren.” – Philosophisches Taschenwörterbuch, Bd. 6, Philosophie, Sektion IV.


“Bedenkt, dass Fanatiker gefährlicher sind als Schurken. Einen Besessenen kann man niemals zur Vernunft bringen, einen Schurken wohl.” – Pot-pourri, II / M. Husson


(Original franz.: “Songez que les fanatiques sont plus dangereux que les fripons. On ne peut jamais faire entendre raison à un énergumène; les fripons l’entendent.”)


“Das jüdische Volk wagt, einen unversöhnlichen Haß gegen alle Völker zur Schau zu tragen. Es empört sich gegen alle seine Meister, immer abergläubisch, immer gierig nach dem Gute anderer, immer barbarisch, kriechend im Unglück und frech im Glück.” – Essai sur les Moeurs 42


“Besser man riskiert, einen Schuldigen zu retten, als einen Unschuldigen zu verurteilen.” – Zadig oder Das Schicksal, Kap. 6


“Nur wer in allem Maß hält und sich Bewegung macht, fühlt sich wohl, und die Kunst, ausschweifend zu leben und dabei gesund zu bleiben, existiert ebenso wenig wie der Stein der Weisen, die Sterndeuterei und die Theologie der Magier.” – Zadig oder Das Schicksal, Kap. 18


“Wie kann man den Genuss von Greifenfleisch verbieten, wenn es diese Tiere gar nicht gibt?” – Zadig oder Das Schicksal, Kap. 4


(Original franz.: Il est dangereux d’avoir raison dans des choses où des hommes accrédités ont tort. Wörtlich übersetzt: Es ist gefährlich, in Dingen recht zu haben, in denen die etablierten Autoritäten unrecht haben.)


“Scharlatanen, die Dummköpfen ihre Drogen teuer verkaufen, glaube ich nichts.” – Geschichte von Jenni oder Der Weise und der Atheist, Kap. VIII / Birton


(Original franz.: “non, non, je ne croirai point à des charlatans qui ont vendu cher leurs drogues à des imbéciles;”)


“Welch furchtbares Schicksal hat doch eine Auster, und was für Barbaren sind doch die Menschen!” – Indisches Abenteuer / Pythagoras


“Zu allen Zeiten haben sich die Menschen vorgestellt, daß Gott die Flüche der Sterbenden erhört, besonders der Priester. Ein nützlicher und achtbarer Irrtum, wenn er das Verbrechen eindämmt.” – Essai sur les mœurs et l’esprit des nations (Über die Sitten und den Geist der Nationen), Kap. XLVI voltaire-integral.com


(Original franz.: “De tout temps les hommes ont imaginé que Dieu exauçait les malédictions des mourants, et surtout des pères. Erreur utile et respectable, si elle arrêtait le crime.”)


“Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe, für einen kurzen habe ich keine Zeit.” – Dieses Zitat wird auch Johann Wolfgang von Goethe, Mark Twain und Karl Marx zugeschrieben, stammt aber tatsächlich von Blaise Pascal:


Epître à l’auteur du livre des Trois imposteurs (Brief an den Autor des Buches über die »Drei Betrüger«) – Französisch/Englisch


Voltaire, Essai sur les moeurs et l’esprit des nations (Über die Sitten und den Geist der Nationen) – Französisch (voltaire-integral.com)


(Original franz.: “Il prend envie de marcher à quatre pattes quand on lit votre ouvrage. Cependant comme il y a plus de soixante ans que j’en ai perdu l’habitude, je sens malheureusement qu’il m’est impossible de le reprendre.”)


(Original franz.: “Les sots admirent tout dans un auteur estimé. Je ne lis que pour moi; je n’aime que ce qui est à mon usage.”)


(Original franz.: “Il faut que l’industrie soit favorisée; mais il faut que l’industrie opulente secoure l’État.”)


(Original franz.: “Lisez, éclairez-vous; ce n’est que par la lecture qu’on fortifie son âme; la conversation la dissipe, le jeu la resserre.”)


(Original franz.: “Tous les moines sont réduits à cette alternative: ou l’incrédulité leur fait détester leur profession, ou la stupidité la leur rend supportable.”)


(Original franz.: “Au lieu de nous faire jurer d’être chastes, il fallait nous forcer à l’être et rendre tous les moines eunuques. Tant qu’un oiseau a ses plumes, il vole.”)


(Original franz.: “Le superstitieux est au fripon ce que l’esclave est au tyran. Il y a plus encore; le superstitieux est gouverné par le fanatique, et le devient.”)


(Original franz.: “Le fanatisme est certainement mille fois plus funeste; car l’athéisme n’inspire point de passion sanguinaire, mais le fanatisme en inspire; l’athéisme ne s’oppose pas aux crimes, mais le fanatisme les fait commettre.”)


(Original franz.: “Tout homme naît avec un penchant assez violent pour la domination, la richesse et les plaisirs, et avec beaucoup de goût pour la paresse; par conséquent tout homme voudrait avoir l’argent et les femmes ou les filles des autres, être leur maître, les assujettir à tous ses caprices, et ne rien faire, ou du moins ne faire que des choses très agréables.”)


(Original franz.: “Les auteurs véritables sont ceux qui ont réussi dans un art véritable, soit dans l’épopée, soit dans la tragédie, soit dans la comédie, soit dans l’histoire, ou dans la philosophie; qui ont enseigné ou enchanté les hommes. Les autres dont nous avons parlé sont parmi les gens de lettres ce que les frelons sont parmi les oiseaux.”)


(Original franz.: “Songez que les fanatiques sont plus dangereux que les fripons. On ne peut jamais faire entendre raison à un énergumène; les fripons l’entendent.”)


(Original franz.: Il est dangereux d’avoir raison dans des choses où des hommes accrédités ont tort. Wörtlich übersetzt: Es ist gefährlich, in Dingen recht zu haben, in denen die etablierten Autoritäten unrecht haben.)


(Original franz.: “non, non, je ne croirai point à des charlatans qui ont vendu cher leurs drogues à des imbéciles;”)


(Original franz.: “De tout temps les hommes ont imaginé que Dieu exauçait les malédictions des mourants, et surtout des pères. Erreur utile et respectable, si elle arrêtait le crime.”)


Die Gleichheit ist eine sehr natürliche Sache, aber dabei doch das größte Hirngespinst.


Um die Geschichte seines Landes zu beschreiben, muß man außer Landes sein.


Das Bessere ist der Feind des Guten.


Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.


Es gibt Insekten, die nur einen Tag leben, und doch existiert ihre Gattung immer und immer fort.


Die Zeit heilt alle Wunden.


Alle Jahrhunderte ähneln sich durch die Bosheit der Menschen.


Das Vergnügen, recht zu behalten, wäre unvollständig ohne das Vergnügen, andere ins Unrecht zu setzen.


Die Arbeit hält drei große Übel fern: die Langeweile, das Laster und die Not.


Die höchste Arroganz besteht darin, sie gar nicht zu zeigen.


Die Liebe ist ein Stoff, den die Natur gewebt, und die Phantasie bestickt hat.


Die Natur ist unbestreitbar sehr lobenswert und sehr ehrwürdig, aber sie hat schandbare Kinder.


Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.


Freundschaft ist die Ehe der Seelen.


Gesellschaftlich ist kaum etwas so erfolgreich, wie Dummheit mit guten Manieren.


Gott schuf die Tugend, der Mensch den Anschein davon.


Human ist der Mensch, für den der Anblick fremden Unglücks unerträglich ist und der sich sozusagen gezwungen sieht, dem Unglücklichen zu helfen.


Ich mag keine Helden. Sie machen mir zuviel Lärm in der Welt.


In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben, in der zweiten Hälfte opfern wir unser Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen.


Ja, gönnen wir den Überschwang der jungen Welt ihr tolles Treiben; wir leben zwei Sekunden lang, mag eine denn der Weisheit bleiben.


Je mehr einer weiß, desto mehr bezweifelt er.


Liebe die Wahrheit, aber verzeihe den Irrtum.


Lügen ist ein Laster, wenn man damit Schaden anrichtet, aber eine Tugend, wenn man damit nützt.


Man muß jeden nach seinen Werken entlohnen.


Mancher glänzt an zweiter Stelle, dessen Licht an der ersten erlischt.


Sobald sich Gefühle in festen Begriffen ausdrücken lassen, hat ihre Stunde geschlagen.


Tüchtigkeit, nicht Geburt unterscheidet die Menschen.


Um zweierlei beneide ich die Tiere: Sie wissen nicht, was an Bösem droht, und sie wissen nicht was über sie geredet wird.


Wenn es sich um Geld handelt, gehört jeder der gleichen Religion an.


Wenn Sie einen Schweizer Bankier aus dem Fenster springen sehen, springen Sie hinterher. Es gibt bestimmt etwas zu verdienen.


Wer seine Wünsche zähmt, ist immer reich genug.


Zweifel ist zwar kein angenehmer geistiger Zustand, aber Gewißheit ist ein lächerlicher.


Das vollkommene Glück ist unbekannt. Für den Menschen ist es nicht geschaffen.


Wahrheiten sind Früchte, die nur ganz reif gepflückt werden dürfen.


Die nützlichsten Bücher sind diejenigen, die den Leser zu ihrer Ergänzung auffordern.


Wer von weit herkommt, hat leicht lügen.


Mein Leben ist ein Kampf.


Sowie man Gutes tun will, kann man sicher sein, Feinde zu finden.


Allein die Lektüre entwickelt unseren Geist, das Gespräch verwirrt und das Spiel verengt ihn.


Behandle Dein Gegenüber immer so, wie Du von ihm erwartest, daß er Dich behandelt.


Unseren Feinden ihre Tugenden zu vergeben, das ist das Größte.


Das Paradies ist da, wo ich bin.


Mir scheint, wir haben alle eine natürliche Neigung zum Zusammenschluß, zum Parteigeist. Wir suchen darin eine Stütze für die eigene Schwäche.


Am Grunde eines Problems sitzt immer ein Deutscher.


In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.


Ist es nicht so, daß die Menschen aus Gewohnheit abergläubisch und aus Instinkt Schurken sind?


Zufall ist ein Wort ohne Sinn; nichts kann ohne Ursache existieren.


Glück wird durch den Magen bewirkt.


Die Frau ist ein Wesen, das sich anzieht, schwätzt und sich auszieht.


Alle Menschen lieben ihren Vorteil, nur verstehen nicht alle dasselbe darunter.


Eine dumme einfältige Frau ist ein Segen des Himmels.


Man möge nachweisen, daß das gewisse Etwas namens Materie genauso gut denken kann wie das gewisse Etwas namens Esprit.


Ein Doktor ist ein Mann, der Drogen verordnet, von denen er wenig weiß und diese einem Organismus gibt, von dem er noch weniger kennt.


Seit jenem Tag, an dem der erste Schuft seinen ersten Dummkopf fand, gibt es Quacksalber.


Die Kunst der Medizin besteht darin, den Kranken solange bei Stimmung zu halten, bis die Natur die Krankheit geheilt hat.


Er kennt alle Seitenwege des Herzens! Die Hauptstraße aber ist ihm unbekannt.


Um hunderttausend Mann auf Totschlag auszuschicken dafür habt ihr Geld genug. Nicht aber für zehntausend Hungrige?


Die Gesellschaft braucht eine Ansicht, das Volk braucht eine Religion, gäbe es Gott nicht, müßte man ihn erfinden.


Der Fanatismus ist für den Aberglauben, was das Delirium für das Fieber, was die Raserei für den Zorn.


Lieber von einem Löwen gefressen als von 1000 Ratten.


Es ist eine verabscheuenswerte Schwäche der Menschen, bewundernd zu jenen emporzuschauen, die ihnen auf glänzende Art Böses angetan haben. Sie sprechen lieber vom Zerstörer eines Reiches als von dessen Gründer.


Alles, was zu dumm ist, ausgesprochen zu werden – wird gesungen.


Jetzt – gerade jetzt, ist nicht die rechte Zeit, sich Feinde zu schaffen.


Es ist förderlich für die Gesundheit deshalb beschließe ich, glücklich zu sein.


Der Wert des Geldes ist der Pulsschlag des Staates.


Je öfter eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein der Klugheit.


Alle Künste sind gut, ausgenommen die langweilige Kunst.


Jedes Gesetz soll klar, einheitlich und genau sein; es auslegen heißt fast immer, es verderben.


Kennst du viele Sprachen – hast du viele Schlüssel für ein Schloß.


Frauen sind widerspruchsvoll, denn wenn sie sagen: „Mein Herr, Sie gehen zu weit“, tritt man ihnen bestimmt zu nahe.


Vergiß nicht, wenn du wütend bist, nichts zu tun, bevor du dir das Alphabet aufgesagt hast.


Mein Gott, bewahre mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden werde ich allein fertig.


Regierungskunst besteht darin, so viel Geld wie möglich einer Klasse von Bürgern zu nehmen und es den anderen zu geben.


Ich habe gefunden, daß Menschen mit Geist und Witz auch immer eine feine Zunge besitzen, jene aber mit stumpfem Gaumen beides entbehren.


Die Gelegenheit, Unheil anzurichten, bietet sich hundertmal am Tag, und Gutes zu tun, nur einmal im Jahr.


Die Deutschen sind die Greise von Europa, die Engländer die Männer; die Franzosen die Kinder, und ich mag gern mit Kindern spielen.


Die Verleumdung ist schnell und die Wahrheit langsam.


Originalität ist meistens nichts anderes als ein noch nicht entdecktes Plagiat.


Geflickte Freundschaft wird selten wieder ganz.


Alle Würden dieser Erde wiegen einen guten Freund nicht auf.


Nur eine Religion, die alle anderen duldet und so deren Wohlwollen würdig ist, kann aus der Menschheit ein Volk von Brüdern machen.


Es braucht nur zwei bis drei mutige Menschen, um den Geist einer Nation zu ändern.


Das erste Gesetz der Freundschaft lautet, daß sie gepflegt werden muß. Das zweite lautet: Sei nachsichtig, wenn das erste verletzt wird.


Wenn einmal eine Nation zu denken beginnt, ist es unmöglich, sie daran zu hindern.


“Alles ist gut” will nur besagen, daß alles von unveränderlichen Gesetzen regiert wird.


Die Literatur gibt der Seele Nahrung, sie bessert und tröstet sie.


Der Himmel ist weiter nichts als der große Schlafsaal der Erde, der allen Menschen offensteht.


Die Menschen suchen ihr Glück, ohne zu wissen, auf welche Art sie es finden können: wie Betrunkene ihr Haus suchen, im unklaren Bewußtsein, eins zu haben.


Das Glück ist nur ein Traum, doch der Schmerz wirklich.


Das ist ein Leben! Man verbringt es hoffend, um es mit einem Tode zu beschließen, an den man wieder Hoffnungen knüpft.


Die Geburt ist offenbar ein Schwerverbrechen, denn sie wird mit dem Tode bestraft.


Wer nur weise ist, führt ein trauriges Leben.


Die Menschen gebrauchen ihren Verstand nur, um ihr Unrecht zu rechtfertigen, und ihre Sprache allein, um ihre Gedanken zu verbergen.


Vorurteile sind die Vernunft der Narren.


…jede Begierde ist ein Bedürfnis, das sich als Schmerz bemerkbar macht.


Alle Menschen sind gleich; nicht die Geburt, nur die Tüchtigkeit macht einen Unterschied.


Eigenliebe ist das Instrument der Selbsterhaltung.


Jeder Mensch kommt mit einer sehr großen Sehnsucht nach Herrschaft, Reichtum und Vergnügen sowie mit einem starken Hang zum Nichtstun auf die Welt.


Kommt es euch wohl zu, Menschen zu verbrennen, weil sie von einer Rasse abstammen, die ehemals ein kleines steiniges Land in der Nähe der Syrischen Wüste bewohnte? Was schert es euch, ob ein Mann eine Vorhaut hat oder nicht, oder ob er seine Osterandacht bei Vollmond im April hält oder am Sonntag darauf?


Die Inquisation ist bekanntlich eine bewunderungswürdige und wahrhaft christliche Erfindung, um den Papst und die Mönche mächtiger zu machen und ein ganzes Reich zur Heuchelei zu zwingen.


In den meisten Fällen ist die Todesursache eines Menschen sein Leben.


Ich fürchte, mich zu kennen, und kann mich doch nicht ignorieren.


Ein guter Freund ist mehr wert als aller Ruhm der Welt.


Der erste Gatte war der erste Betrogene.


Die gesamte Vernunft der Männer ist nicht ein Gefühl der Frauen Wert.


Vermutlich hat Gott die Frau erschaffen, um den Mann kleinzukriegen.


Ein toter Löwe ist nicht so viel wert wie eine lebendige Mücke.


Optimismus: die Torheit zu behaupten, daß alles gut sei, wenn es schlecht ist.


Gibt es jemand, der so weise ist, daß er aus den Erfahrungen anderer lernt?


Heuchelei ist die Tugend des Feiglings.


Demut ist das Gegengift des Stolzes.


Wie das größte physische Übel der Tod ist, so ist das größte moralische zweifellos der Krieg.


Man muß bis zum letzten Augenblick gegen Natur und Schicksal kämpfen und nie an etwas verzweifeln, bis man mausetot ist.


Der Atheismus und der Fanatismus sind zwei Ungeheuer, die die Gesellschaft verschlingen und zerreißen können.


Besser, man riskiert, einen Schuldigen zu retten, als einen Unschuldigen zu verurteilen.


Jedes Land, in dem Betteln ein Beruf ist, wird schlecht regiert.


Esprit ist genau das Gegenteil von Geld: Je weniger einer davon hat, desto zufriedener ist er.


Man kann von Propheten nicht verlangen, daß sie immer irren.


Nicht die Ungleichheit ist das wirkliche Übel, sondern die Abhängigkeiten.


Man erstickt den Verstand der Kinder unter einem Ballast unnützer Kenntnisse.


Je weniger Dogma, desto weniger Streit; je weniger Streit, desto weniger Unglück.


Wer das Konzept der Unendlichkeit verstehen will, muß nur das Ausmaß menschlicher Dummheit betrachten.


Die Buchhändler glauben Verstand zu haben, weil sie den anderer Leuten ihre Buden verkaufen.


Wechsle deine Vergnügungen, aber nie deine Freunde.


Kurz, je weniger Aberglaube, desto weniger Fanatismus, und je weniger Fanatismus, desto weniger Unheil.


Es ist weit besser zu schweigen, als nur die Quantität schlechter Bücher zu erhöhen.


Alle Menschen wären also notwendigerweise gleich, wenn sie keine Bedürfnisse hätten. Die uns Menschen anhaftende Bedürftigkeit hat zur Folge, daß der eine sich dem anderen unterordnen muß.


Die Engländer haben zweiundvierzig Religionen, aber nur zwei Saucen.


Der Beifall, der schlechten Büchern gezollt wird, ist den Fortschritten des menschlichen Geistes ebenso hinderlich wie das Toben gegen die guten.


Ein jeder Mensch sollte wissen, daß alle kleinen Vorfälle, welche dieses vorübergehende Leben beunruhigen können, sich in der Ewigkeit verlieren.


Der erste Ehrgeizige hat die ganze Menschheit angesteckt


Dreihundert Jahre meines Nachruhmes für eine gute Verdauung!


Unbefriedigte Liebe wächst, wenn Liebende einander fern sein müssen, und keine Philosophie hilft dagegen.


Vom Leben muß man wie vom Mahle fortspazieren, dem Wirte danken und sein Bündel schnüren.


Arbeit ist häufig der Vater des Vergnügens.


Man soll seinen Garten pflegen.


Anerkennung ist ein wundersam Ding: Sie bewirkt, daß das, was an anderen hervorragend ist, auch zu uns gehört.


Die Grazien sind stehend allerliebst, sitzend noch schöner, liegend gefallen sie mir am besten.


Das Vergnügen ist niemals zu teuer bezahlt.


Ärzte schütten Medikamente, von denen sie wenig wissen, zur Heilung von Krankheiten, von denen sie noch weniger wissen, in Menschen, von denen sie gar nichts wissen.


Auch im Genuß soll stets die Weisheit führen.


Das Geheimnis der Kunst ist das, daß sie die Natur korrigiert.


Alle Sklaven, die Königen und Königinnen dienen, sind zugleich auch die Spione ihrer Herzen.


Wir gehen auf eine große Revolution des menschlichen Geistes zu.


Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.


Alles hängt normalerweise zusammen wie die Glieder einer Kette, und alles ist zum Besten bestellt.


Es gibt viele Leute, die dazu bestimmt sind, falsch zu denken, andere dazu, gar nicht zu denken, und wieder andere dazu, diejenigen zu verfolgen, welche denken.


Mein Sohn, bedenkt, daß es ohne Tugend kein Glück gibt.


“Was ist das – Optimismus?”, fragte Cacambo. “Ach”, erwiderte Candide, “das ist der Wahnsinn, zu behaupten, daß alles gut sei, auch wenn es einem schlecht geht.”


Ein Leser geht mit Büchern um wie ein Bürger mit Menschen. Man lebt ja nicht mit allen Zeitgenossen.


Es gibt Menschen, die nur lesen, um dem Schriftsteller Fehler nachzuweisen. Wer ohne Vorurteile liest, wird das Richtige lesen.


Dies ist keine vollständige liste der zitate von Voltaire. Zitate anderer autoren sind ebenfalls verfügbar.