Wilhelm Grimm

Den längst in den Strom der Zeit versenkten Geist eines Volkes wieder zu erkennen und anschaulich zu machen, ist die Aufgabe der Altertumswissenschaft.


Die Elemente der Poesie einer Nation erscheinen nie reiner und mehr vereinigt als in den Volksliedern.


Die Märchen verdienen eine bessere Aufmerksamkeit, als man ihnen bisher geschenkt, nicht nur ihrer Dichtung wegen, die eine eigene Lieblichkeit hat und die einem jeden, der sie in der Kindheit angehört, eine goldene Lehre und eine heitere Erinnerung daran durchs ganze Leben mit auf den Weg gibt, sondern auch, weil sie zu unserer Nationalpoesie gehören, indem sie schon mehrere Jahrhunderte hindurch unter dem Volke gelebt.


Die Philosophie muß ebenso wohl als die Poesie ein Resultat des Lebens sein und den Geist ihres Volkes ergreifen; dann wird sie, wie sie auch aufwächst, über allem Tadel sein.


Die Poesie ist die Schatzkammer des menschlichen Geistes, in welche er niederlegt, was er im Leben gewonnen hat.


Die Volkspoesie lebt gleichsam in dem Stand der Unschuld, sie ist nackt, ohne Schmuck, das Abbild Gottes an sich tragend.


Haß, der alle anderen Gefühle bald überflügelt, zerstört mehr als alles andere das ruhige und gedeihliche Leben eines Staates, das auf der inneren Gesinnung der Menschen beruht, nicht auf Bajonetten.


Jede Familie sollte ihr Familienarchiv haben.


Jetzt ist es doppelte Pflicht der Regierung, von ihrem Rechte keine Linie zurückzuweichen, jeder Anmaßung mit Kraft und ohne Zaudern entgegenzutreten, jede Unordnung, von welcher Seite sie komme, ohne weichliche Nachsicht zu strafen. Hört und bewilligt sie ebenso rasch jede gerechte und billige Forderung, so wird der Kraft auch schnell das Vertrauen zuwachsen. Eine solche rühmliche Unabhängigkeit, soll sie bestehen, so darf keinem Stande geschmeichelt, keinem ein Vorzug eingeräumt werden. Gerade in doppeltem Maße wird sich, was dem einen vorausgewährt, als Haß bei dem Zurückgestellten ansetzen.


Keine andere Sprache befindet sich in einem so erbarmungswüdigen Zustand wie die deutsche.


Mir ist alles, was ohne Ernst geschrieben wird, allzeit von Grund der Seele zuwider gewesen.


Überall wo wir zurückgehn auf die frühesten Zeiten eines Volks, ist es leicht zu bemerken, wie Poesie und Historie ungetrennt von einem Gemüt aufbewahrt und von einem begeisterten Munde verkündet wurde.


Um den Wert des Fremden zu fühlen, müssen wir uns erst in die Gesinnung und die geistige Richtung eines anderen Volkes versetzen lernen. Das wird nicht ohne Arbeit und Mühe erreicht.


Unsere Zeit kann sich in den schwersten Gesetzen bewegen, nur nicht unschuldig und grad erzählen.


Wir leiden an den Gebrechen unserer Zeit. Bescheidenheit tut mehr als je nötig, aber das leere Polemisieren, das an sich überaus leicht ist und dem nicht selten die Eitelkeit zu Grunde liegt, man sei imstande, das alles besser zu machen, ist das Allerverderblichste, denn es tritt auf die Keime, die redlicher und ehrlicher Wille legt.


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