Wilhelm Raabe

“Das war alles damals! Damals schien die Sonne in der rechten Weise, damals machte der Regen auf die rechte Art nass.” – Der Schüdderrump. 18. Kapitel.


“Die Klugen haben wahrhaftig lange nicht so viel Behaglichkeit in die Welt gebracht und so viele Glückliche drin gemacht, wie die Einfältigen.” – Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte. bei zeno.org


“»Himmel« leitet die deutsche Sprache von dem alten Wort »Heime«, »Heimat« ab.” – Halb Mär, halb mehr


“Wenn längere Zeit nach dem Tode eines geliebten Wesens einen der alte Schmerz überkommt, so überlege man, was der Tote versäumt habe, während man selbst und die andern weiterlebten.” – Gedanken und Einfälle


“Mit dem Hunger nach der Unendlichkeit wird der Mensch geboren; er spürt ihn früh, aber wenn er in die Jahre des Verstandes kommt, erstickt er ihn meistens leicht und schnell.” – Der Hungerpastor 4. Kapitel


“Wenn Seufzer die Welt verbessern könnten, sie wäre längst keiner Verbesserung mehr fähig.” – Der Hungerpastor 22. Kapitel


“Die beste Rechtfertigung hilft nur zu häufig nur dazu, den Verdruß noch größer zu machen.” – Das Odfeld. 23. Kapitel


“So ist es also das Schicksal Deutschlands immer gewesen, daß seine Bewohner, durch das Gefühl ihrer Tapferkeit hingerissen, an allen Kriegen Teil nahmen; oder daß es selbst der Schauplatz blutiger Auftritte war.” – Das Odfeld. 1. Kapitel


“Was ihr euch Liebes noch in der Welt sagen und tun könnt, das sagt und tut rasch, morgen ist es vielleicht schon zu spät dazu.” – Hastenbeck. 8. Kapitel


“Wenn in der bösen Welt der Krieg die Menschen voneinanderreißt, bringt er sie doch auch wieder zueinander.” – Hastenbeck. 11. Kapitel


Es kommt für den wirklichen Menschen die Zeit, wo er in den Werken der Autoren nicht mehr die Kunst, das Ästhetische sucht, um sich selber Ruhe zu schaffen im Sturm des Lebens, sondern die Fingerzeige, wie jene sich in dem großen Kampfe zurechtgefunden haben.


Für jeden kommt der Augenblick, wo alles ausgeglichen, alles gut ist.


Auch wenn man nur zum Fenster rausschaut, sieht man die Welt.


Das Original macht Fußtapfen. Die Nachahmer treten in diese Tapfen, aber schief.


Erst durch das Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.


Ich habe bis jetzt auch nicht gewußt, daß die Sorge mit das Beste in und an der Welt ist.


Wer glaubt, niemals zu irren, der irrt.


Wieviel Zeit von seinen eigenen Tagen behält man übrig für die Bedrängnis der anderen?


Durch “gewissenlos sein” antizipiert man im Grunde nur die ewige Seligkeit.


Man muß sein Brot mit dem Messer schneiden, das einem das Schicksal, ob stumpf oder scharf, dazu in die Hand gibt.


Die Massen in Bewegung zu setzen braucht’s nur der Phrase eines Dummkopfs. Wie lange Zeit braucht der kluge Mann, um nur einen einzigen zu seiner Meinung zu bekehren!


Der Mensch lebt von seinen Illusionen.


Es kommt immer anders! Das ist das wahrste Wort und der beste Trost, der dem Meschen in seinem Erdenleben, auf den Weg gegeben worden ist.


Auf leisen Sohlen wandelt die Schönheit, das wahre Glück und das echte Heldentum. Unbemerkt kommt alles, was Dauer haben wird.


Da man in das Leben sich hat fügen müssen, wieviel leichter sollte man sich in den Tod fügen können.


Das Wunderbare am Menschen ist, daß er wohl derselbe bleibt, aber nicht der gleiche.


Die meisten Menschen sind Münzen, nur wenige sind Prägestöcke.


Gott ist nicht wählerisch in seinen Boten und Werkzeugen, und die irren, die da meinen, daß er die Welt mit spitzen Fingern anfasse und das Nämliche von uns verlange.


Wir sollten die Liebe, die wir den Toten mit ins Grab geben, nicht den Lebenden entziehen.


Wer Unheil ausbrütet, wird es auch fliegen lassen.


Die größten Wunder gehen in der größten Stille vor sich.


Langsam Schritt für Schritt die Treppe weiter hinauf! Wahrlich die Welt bietet nicht solch ein Übermaß von Genüssen, daß man sie in Sprüngen überfliegen dürfte. Und ist nicht jede Stufe, die man aufwärts steigend betritt, ein Glück? Und ist nicht der Treppenabsatz, auf dem man einen Moment still hält und sich nochmals faßt, eine Seligkeit?


Wenn es Gottes Wille gewesen ist, so ist es auch der meinige geworden.


Ruhm ist: mitgedacht werden, wenn an ein ganzes Volk gedacht wird.


“Es kommt, wie’s kommen muß”, ist die Ausrede aller Faulpelze!


Des Menschen Herz kann am glücklichsten sein, wenn es sich so recht sehnt.


Das schönste Gefühl auf dieser Erde: nicht mehr nötig zu sein. Nicht mehr gebraucht zu werden. Macht damit, was ihr wollt.


Es hat noch niemals auf der Erde ein Mensch vom anderen “was gewußt”.


Nur die Leute sind und tun was, die allein stehen.


Allen Vorkommnissen des Lebens gegenüber hat man sich immer nur vorzuhalten, daß man sich doch nur in einer Kinderstube befindet, wo die Unartigen vorwiegen.


Wir meinen alle, Eldorado läge nur eine Nasenlänge vor uns und es läge nur an uns, es zu erreichen.


Wodurch sich der Mensch den Tag verdirbt in Ärger, Sorgen, Kummer und Erbosung, ist gleichgültig: daß er es tut und tun muß, daß ist die Hauptsache.


Allgemeines Menschenlos: Sich bei Kleinigkeiten auf dem Weg zum Tod aufhalten müssen.


Was ist’s eigentlich, was dir der Nebenmensch entgelten soll? Daß er nicht aus seiner Haut heraus kann. Steige erstmal aus deiner!


Dem ungebildeten Menschen erscheint alles als Einzelheit, dem gebildeten alles im Zusammenhang. Es gibt aber allerlei Nuancen.


Erkenntnis macht frei, Bildung fesselt, Halbbildung stürzt in Sklaverei.


Der Mensch hat vor dem Tier nur den zweifelhaften Vorzug, daß er denken kann: “Es kommt auf mich an.”


Die träumerische Viertelstunde eines Poeten oder Philosophen ist oft wichtiger für die Menschheit als der Lärm einer tagelang währenden Feldschlacht.


Die ewige Illusion, daß das Leben noch vor einem liege. Das Leben liegt immer hinter einem!


Jeder Frühlings-Sonnentag schließt nur für ein paar Menschen, die imstande sind, ihn zu genießen, unter Millionen, die nicht dazu imstande sind, das Glück der Erde und also den Himmel auf.


Es gibt Dinge, Verhältnisse, Zustände und Berufsarten, gegen die der Mensch sich mit Händen und Füßen wehrt, wenn er eben hineingerät, und die er nachher ganz und gar für sich zugeschnitten findet, wenn er endlich drinsteckt.


Ich bin in meiner Jugend mit alten Leuten umgegangen und gehe in meinem Alter mit jungen um. Das ist die Weise, wie der Mensch möglichst behaglich durch die Welt kommen mag.


Der Mensch ist der Spiegel der Welt. Von ihm hängt es ab, ob das Spiegelbild klar oder beschlagen ist.


Man muß den Leuten nur ein bißchen verrückt vorkommen, dann kommt man schon weiter.


Wer milde ist, nicht leicht zürnt und, zürnt er leicht, sich dessen im nächsten Augenblick schämt, dem sind die Götter auch milde. Und geht es nicht, haben sie nichts weiter für ihn, auch im längsten kummervollen Leben nicht, so schenken sie ihm doch einen leichten Tod, das Beste, was sie zu vergeben haben.


Hand in Hand jeliebtes Leben sagt die janze Naturjeshichte von vorne bis hinten.


Wenn Bildung frei macht, so will der Deutsche seine Bildung dazu auch so billig als möglich haben.


Was ist der Mensch? Jedenfalls nicht das, was er sich einbildet zu sein, nämlich die Krone der Schöpfung.


O Mutter, du weißt nicht, wie nötig ich dich habe; keine Weisheit, die auf Erden gelehrt werden kann, kann uns das geben, was ein Wort und ein Blick der Mutter uns gibt…


Das Behagen am Dasein verdirbt sich der Mensch sehr häufig durch seine sogenannten starken Seiten.


An sich selbst muß der Mensch in Erfahrung bringen, wie dem anderen zumute ist.


Der schwierigste Weg, den der Mensch zurückzulegen hat, ist der zwischen Vorsatz und Ausführung.


Blick auf zu den Sternen und gib acht auf die Gassen.


Wenn ihr wüßtet, was ich weiß – sagte Mohammed –, so würdet ihr viel weinen und wenig lachen.


Was sie heute im Theater aufführen, sind die »Affären« kranke Leute. Wie gesund war so ein Othello!


Mir ist gleichgültig der Rock, den ich trage, was ich esse und trinke und was die Narren von mir sagen.


Plein-air-Schriftsteller, die die Welt in das Licht heben: Racine, Corneille, Molière, Shakespeare, Schiller, Goethe und die großen Griechen; aber nicht ihr Kellerluftschnapper, ihr Dunkelmaler, die ihr nur eine neue Tagessprache gefunden habt! O ihr Asthmatiker dr Kunst!


Dies schwächliche Geschlecht! Kommt eben erst aus der Mauser hervor, und nun wollen die Schwingen schon nicht mehr weiterwachsen.


Der Mensch ist groß, wenn er menschlich ist; will er göttlich sein, wird er kindisch, und denkt er tierisch, wird er zum Vieh.


Nicht nur für die Autographenmappen, sondern auch für die Bücherschränke schreiben wir.


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